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Gottfried Semper ![]() Gottfried Semper (1803-1879) wurde am 29. November 1803 als fünftes von acht Kindern eines wohlhabenden Wollfabrikanten in Hamburg geboren und wuchs im damals dänischen Altona auf. In den Jahren 1823 bis 1830 studierte er in Göttingen, München und Paris. Danach führte ihn eine dreijährige Studienreise nach Italien und Griechenland, wo er klassische Bauwerke sowie italienische Renaissance-Bauten kennen lernte. Das sächsische Innenministerium berief Gottfried Semper im Jahr 1834 als Professor für Architektur an die Kunstakademie Dresden (seit dem Tod von Joseph Thürmer war dort diese Professorenstelle frei, eine Berufung Schinkels scheiterte), obwohl er bis dahin noch keine bedeutenden Bauten geschaffen hatte. Er konnte jedoch großartige Zeichnungen und Studienblätter aus Europa südlich der Alpen sowie eine Empfehlung seines ehemaligen Lehrers, des Pariser Star-Architekten Franz Christian Gau vorweisen. Gottfried Semper bezog eine Wohnung am Altmarkt und heiratete im Jahr 1835 Bertha Thimmig, die aus einer sächsischen Offiziersfamilie stammte. Damals wurde die Akademie unter Minister Bernhard August von Lindenau reformiert. Semper, der als dynamisch, scharfsinnig und beharrlich, manchmal auch impulsiv beschrieben wird, konnte einige seiner unter Franz Christian Gau erlebten Neuerungen einführen wie z.B. ein neues Ateliersystem und eine neuartige, praktisch orientierte Ausbildung. Er arbeitete auch als Prüfer und Gutachter der städtischen Baubehörde. Aus Sempers Dresdner Schaffensperiode, die bis 1849 dauerte, gingen zahlreiche bedeutende Bauwerke hervor: das Denkmal für König Friedrich August I., die Antikensäle im Japanischen Palais, die Villen für den Chemiker Houpe und den Juwelier Elimeyer, die zwischen 1838 und 1840 für den Bankier Oppenheim gebaute Villa Rosa, die Semper als seinen bis dahin gelungensten Bau bezeichnete (seine Villen- und Palais-Architektur wurde beispielgebend für die folgende Zeit), das Maternihospital (ein Altersheim für Frauen), die zwischen 1838 und 1840 gebaute Dresdner Synagoge, das Erste Hoftheater (ab 1835 geplant, im Jahr 1837 von Schinkel dem König empfohlen, 1838 gemeinsam mit Hofbaumeister von Wolframsdorf errichtet und im Jahr 1841 eröffnet, Semper wurde dafür vom König zum "Ritter des Civil-Verdienstordens" ernannt) und das Galeriegebäude (das ab 1838 zunächst für die Stallwiesen am Neustädter Elbufer geplant, ab 1847 aber in anderer Gestalt an der bis dahin unbebauten Elbseite des Zwingers errichtet wurde). Sempers Forumsplan (ab 1835, konkret ab 1842 ausgearbeitet) sah für die Bebauung des Platzes zwischen Zwinger und Elbe zahlreiche weitere Bauten vor, fand jedoch keine Bewilligung. Im Jahr 1839 zog Gottfried Semper in die Waisenhausgasse um. Es folgten Aufenthalte in Paris, Mailand und Venedig. Im Jahr 1842 war er an der Planung für die Kaserne in Bautzen und für den Wiederaufbau der abgebrannten Hamburger Innenstadt beteiligt. Bei seinem etwa 15 Jahre währenden Wirken in Dresden wurde Gottfried Semper mit den Dresdner Verhältnissen nie richtig warm. Als Baumeister und Architektur-Theoretiker fand er hier jedoch eine große Beachtung. Wohl nur deshalb blieb er all die Jahre in Sachsen. Seinen lebensfrohen Stil der italienischen Neo-Renaissance empfanden Sempers Zeitgenossen als Befreiung von den strengen Formen des Klassizismus, der in Sachsen auch nie große Beliebtheit erlangte. Semper vermochte es auch, seinen Stil bis zu einem gewissen Grade auf den Dresdner Barock abzustimmen. Viele seiner Dresdner Pläne konnte Gottfried Semper nicht mehr verwirklichen und mehrere seiner Bauten wurden im Februar 1945 zerstört, trotzdem prägen Sempers Bauwerke noch heute das Gesicht der Stadt. ![]() Im Jahr 1848 trat Semper dem sächsischen Vaterländischen Verein bei, der sich für die liberale Reichsverfassung der Frankfurter Nationalversammlung einsetzte. Im Februar 1849 wurde er Mitglied des achtköpfigen Führungsausschusses der bürgerlichen Scharfschützenkompanie, einer revolutionären Bürgergarde. Weil der König die Verfassung nicht anerkennen wollte, kam es schließlich zum Maiaufstand in Dresden. Bild: Gottfried Semper im Jahr 1848 (nach einer Lithographie von Franz Seraph Hanfstengel) Die vom 3. bis zum 9. Mai 1849 in der Wilsdruffer Gasse gebaute uneinnehmbare Hauptbarrikade war Sempers Werk. Er selbst befehligte die Barrikade Nr. 13 in der Waisenhausstraße unweit seiner Wohnung. Nachdem sächsische und preußische Truppen den Aufstand niedergeschlagen hatten, floh Semper zunächst nach Pirna, dann über Frankfurt, Heidelberg und Karlsruhe nach Paris. Als einer der Haupträdelsführer des Aufstandes wurde er nun von der sächsischen Polizei steckbrieflich gesucht. Der König entließ ihn wegen "unerlaubter Abwesenheit" aus dem Staatsdienst (ebenso den Komponisten Richard Wagner, der sich ebenfalls am Aufstand beteiligt hatte). Für das Dresdner Bauwesen war Sempers Weggang ein schmerzlicher Verlust. In der Zeit des politischen Stillstandes um 1850 wäre dieser aber wohl ohnehin aus Sachsen ausgewandert. Für ein Gnadengesuch war er zu stolz und Vermittlungsversuche seines ehemaligen Lehrers Gau scheiterten, so dass Sempers Auswanderung aus Sachsen endgültig blieb. Im Jahr 1850 trat Georg Hermann Nicolai die Nachfolge Sempers in der Kunstakademie an. Er und die etwa 200 Schüler Sempers setzten die Bautradition des großen Baumeister fort. Ab 1850 befand sich Gottfried Semper im Londoner Exil, dann übernahm er im Jahr 1855 die Professur für Baukunst in Zürich. Der im Gebiet des Deutschen Bundes gültige Haftbefehl gegen ihn wurde im Jahr 1863 aufgehoben. Am 21. September 1869 brannte das Erste Hoftheater ab. König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873) bewilligte 500.000 Taler für den Neubau des Hoftheaters und schlug neben anderen berühmten Architekten dieser Zeit auch Gottfried Semper vor. Dieser war jedoch gerade mit dem Wiener Kaiserforum (mit dem Hofburgtheater und den Hofmuseen) voll ausgelastet (dessen Planung hatte er im Jahr 1869 zusammen mit Carl Hasenauer begonnen) und lehnte außerdem eine Zusammenarbeit mit anderen Architekten beim Entwurf des Zweiten Hoftheaters strikt ab. Doch etwa 1.200 "Kunstfreunde Dresdens" sprachen sich in einer Silvesterpetition für Semper aus und auch die Ständekammer votierte im Jahr 1870 einstimmig für ihn, was Semper schließlich umstimmte. Er nahm den Auftrag an und entwarf statt eines Baus von "zarter Feinheit" wie beim Ersten Hoftheater nun einen gravitätischen Prachtbau (in den auch vieles von dem im Jahr 1864 für München geplanten, aber nicht gebauten Wagner-Festspielhaus einfloss). So entstand das bedeutendste und großartigste Bauwerk Gottfried Sempers - heute Semperoper genannt (gerade dieses Bauwerk schmückt aus diesem Grund auch den Münchner/Züricher Katalog zu Sempers 200. Geburtstag). Die Bauleitung lag ab der Grundsteinlegung im Februar 1871 in den Händen seines Sohnes Manfred Semper (im Jahr 1838 als zweites von sechs Kindern geboren). Im Jahr 1878 war die Semperoper vollendet. ![]() Semper geriet im Jahr 1877 in Streit mit Hasenauer und zog sich schließlich vom Wiener Baugeschehen zurück. Er litt nun auch an starkem Asthma. In jenem Jahr kam er das letzte Mal nach Dresden. Nicht lange nach seinem Umzug nach Rom starb er hier am 15. Mai 1879. Er wurde auf dem Cimiterio Protestante an der Cestius-Pyramide beigesetzt. Sein Grabmal, das Sohn Manfred entworfen hatte, wurde im Jahr 1883 eingeweiht. Literatur Nerdinger, Winfried und Werner Oechslin (Hrsg.) 2003: Gottfried Semper 1803-1879. Prestel-Verlag, 520 S., 680 Abb., 75 EUR Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Der Architekt und die Stadt - Gottfried Semper zum 200. Geburtstag. Dresdner Hefte Nr. 75, 100 S., 4 EUR Helas, Volker 2003: Sempers Dresden - die Bauten, die Schüler und die Folgen. Sandstein-Verlag, 25 EUR Fröhlich, Martin 1991: Gottfried Semper. Artemis/Pattmos Düsseldorf
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