Altmarkt

Kurzinformationen

Lage:Hauptplatz der Dresdner Altstadt
Anlage:12. Jahrhundert, Stadtmarkt von etwa 130 x 100 m
Ersterwähnung:1370
Name „Altmarkt“:seit der Osterweiterung der Stadtbefestigung 1519-1529, als der Neumarkt hinzukam
Neugestaltung:ab 1953, Fläche von 1,3 auf 2,8 ha erweitert

Hier fing Dresden an, nicht bei der sorbischen Siedlung Drezdzany, die der Stadt den Namen gab. Die ersten deutschen Siedler legten im 12. Jahrhundert auf einer höheren, trockeneren Stelle des damals sumpfigen Elbtals einen großzügigen Stadtmarkt an, rund 130 x 100 m groß und umgeben von etwa 60 m langen Häuserblocks. Nördlich lag die Burg am Elbübergang, nordöstlich jenseits offener Gewässer das sorbische Dorf, etwa dort, wo später der Neumarkt entstand.

Aus der Geschichte des Platzes

Die Siedlung maß vielleicht 500 m im Durchmesser. Ihr regelmäßiges Gitter aus Straßen und Gassen mit dem Markt in der Mitte ist typisch für Stadtgründungen der zweiten deutschen Ostexpansion. Urkundlich genannt wird der Markt allerdings erst 1370. Zwischen ihm und der Burg lag noch lange sumpfiges Gelände, befahrbar nur über einen Knüppeldamm, und über den Platz floss der Kaitzbach von der Kreuzgasse her zur Elbe, bis man mit seinem Wasser den Stadtgraben speiste.

An der Nordseite stand das Rathaus, 1295 zuerst erwähnt und 1380 umgebaut: ein schlichter Fachwerkbau mit Schindeldach auf massivem Untergeschoss, zeitweise auch Tuchhandelshaus. Um 1708 wurde es abgebrochen. Sein Nachfolger an der Nordwestecke, ein Barockbau von 1744, stand bis zum Februar 1945. Weil er um 1900 zu klein für die Verwaltung geworden war, entstand ab 1905 das Neue Rathaus.

Bis zum Bau des Zwingers feierte der kurfürstliche Hof seine Feste auf dem Altmarkt. 1719 zog hier ein Festaufzug zur Vermählung des Kurprinzen Friedrich August, des Sohnes Augusts des Starken, mit der Kaisertochter Maria Josepha vorbei.

Ludwig Tieck (1773-1853), der Dichter der Romantik, wohnte von 1819 bis 1842 im Eckhaus an der Kreuzkirche und arbeitete als Dramaturg am Hoftheater.

1849 wurde der Platz zum Zentrum des Maiaufstands, den preußische und sächsische Truppen blutig niederschlugen. Bis 1918 blieben Kundgebungen hier verboten. Beim Durchbruch der König-Johann-Straße zum Pirnaischen Platz ging 1886 viel alte Bausubstanz verloren, auch der Südteil des Alten Landhauses.

Februar 1945 und der Neuaufbau

Die englischen und amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 legten das ganze Umfeld in Schutt und Asche. In den Tagen danach wurden auf dem Platz Tausende Tote auf Scheiterhaufen und Rosten aus Straßenbahnschienen verbrannt.

Im höfischen Norden der Inneren Altstadt baute man später vieles wieder auf oder rekonstruierte es. Der bürgerliche Süden bekam ein neues Gesicht, nur wenige Bauten wie das Alte Landhaus, das Neue Gewandhaus, die Kreuzkirche und das Neue Rathaus erstanden aus den Ruinen. Aus einem Architektenwettbewerb 1950-1952 gingen die Pläne hervor, 1953 begann der Bau neuer Wohn- und Geschäftshäuser. Der Altmarkt wurde als Fest- und Demonstrationsplatz angelegt und mehr als verdoppelt, von 1,3 auf 2,8 ha. Erst jetzt trug auch die Westfassade der Kreuzkirche, die bis 1945 in zweiter Reihe gestanden hatte, zum Platzbild bei.

Anfangs suchten die Architekten noch Anschluss an die Dresdner Bautradition. Die Häuserzeilen an Ost- und Westseite nach Entwürfen von Herbert Schneider und Johannes Rascher sind in Ziegelbauweise errichtet und tragen barocke Anklänge: Erker, Arkaden, vergoldete Gitter, Sandsteinreliefs, kupfergedeckte Türmchen, Dachfenster. Ein Dachreiter belebt die westliche Zeile und markiert den Zugang zum Webergassenviertel.

Dieses Geschäftsviertel entstand 1958-1962 westlich des Platzes als Fußgängerzone mit Läden, einem Kinderkaufhaus und der Gaststätte „Wallterrasse“. In der alten Webergasse hatte von 1887 bis 1945 die Bärenschänke gestanden, mit rund 1.200 Plätzen eines der großen Dresdner Lokale. Über einen großen Teil des Viertels breitete sich später das Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie aus.

Später ließen Zeit- und Kostendruck keine Rücksicht auf das alte Stadtbild mehr zu, im weiteren Umkreis entstanden recht unansehnliche Plattenbauten. Seit 1997 wurde die offene Südseite mit Waren- und Bürohäusern geschlossen, der Platz rückt damit wieder näher an seine ursprüngliche Größe. An das Aussehen vor 1945 erinnern die modernen Fassaden nicht. Bei Grabungen im Süden kamen Fundamente und Keller der Häuser zutage, die einst vor der Westseite der Kreuzkirche standen.

Kulturpalast

Kulturpalast in Zahlen

Bauzeit:1966-1969
Architekten:Wolfgang Hänsch, Herbert Löschau
Maße:103 m lang, 72 m breit, etwa 20 m hoch, Dachaufsatz aus Aluminium mit Kupferblech
Wiedereröffnung:28. April 2017 nach Umbau ab 2013

Mit dem Kulturpalast an der Nordseite bekam der Altmarkt ab 1969 wieder eine geschlossene Platzwand. Die Stahlbetonkonstruktion ist flach gehalten, nur das kupferne Dach über dem Hauptgesims zeichnet den Grundriss des großen Saales nach. Der fasste einst bis zu 2.740 Plätze, daneben gab es ein Studiotheater, Klubräume, einen Probensaal für das Orchester und Ausstellungsräume.

Die große Glasfront verbindet innen und außen, am stärksten am Abend, wenn das Haus erleuchtet ist. Fünf zweiflüglige Bronzetüren von Gerd Jäger erzählen aus der Stadtgeschichte, an der Westseite prangt das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“.

Ab 2013 wurde der Kulturpalast umgebaut. Am 28. April 2017 eröffnete ihn die Dresdner Philharmonie mit einem Festkonzert in ihrem neuen Konzertsaal. Im Haus sitzen außerdem die Zentralbibliothek der Städtischen Bibliotheken und das Kabarett „Herkuleskeule“.

In der Inneren Altstadt unterwegs