Um 1525 begann die große Osterweiterung der Stadtfestung. Sie schloss auch das Gebiet um die Alte Frauenkirche ein, und Dresden besaß plötzlich einen zweiten Marktplatz, den Neumarkt. Der alte Stadtmarkt hieß fortan Altmarkt.
Bis 1945 zählten die Gassen um den Neumarkt, etwa die Rampische Straße, zu den schönsten Stadtbildern Dresdens. Die Bürgerhäuser mit ihren Barock- und Rokokofassaden, Erkern, Ornamenten und Portalen waren Kleinode der Baukunst des 18. Jahrhunderts.
Ruinenfeld und DDR-Zeit

Die Angriffe im Februar 1945 legten das ganze Viertel in Schutt. Nach dem Krieg riss man auch Ruinen ab, die sich hätten wieder aufbauen lassen. Jahrzehntelang sah man hier nur Rückseiten, von den Gebäuden an der Brühlschen Terrasse, an der Wilsdruffer Straße und vom Polizeipräsidium, und dazu die Ruine der Frauenkirche, bis 1993 ein Mahnmal gegen den Krieg. Wilhelm Rudolph hat den Zustand 1952 gemalt.
In der DDR wurden Johanneum, Stallhof, Ständehaus, Kunstakademie, die Torbauten des Coselpalais und das Alte Landhaus wiederhergestellt. Neu hinzu kamen der Kulturpalast, ein großer Hotelbau vor der Sekundogenitur und ein Anbau hinter dem Polizeipräsidium. Diese Bauten und die Kirchenruine bestimmten das Bild bis in die 1990er Jahre.
Wiederaufbau nach 1990
Nach 1990 folgten Coselpalais und Frauenkirche. Für die neue Bebauung legte eine Gestaltungssatzung fest, dass die historischen Straßen- und Platzfronten, Gebäudemaße und Dachformen beibehalten werden. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt forderte, die Barockhäuser möglichst originalgetreu wiederherzustellen, akzeptierte aber behutsame Ergänzungen wie glasüberdachte Passagen. Auf dem engen, teuren Bauplatz, zugleich archäologisches Grabungsgebiet mit strengen Auflagen, wurden acht große Baugrundstücke für etwa 60 Häuser ausgewiesen.
Beim Bau der Tiefgarage mit rund 400 Stellplätzen, eröffnet im August 2004, kamen Reste der mittelalterlichen Stadtfestung ans Licht, darunter eine alte Brücke vor dem Frauentor. Bis zur Osterweiterung verlief die östliche Stadtmauer im Bereich von Stallhof und Johanneum. Die Alte Frauenkirche mit ihrem Friedhof lag damals noch vor der Stadt.

Bild: Neues Quartier westlich der Frauenkirche, rechts der Türkenbrunnen
Ab 2006 wurden die neuen Quartiere nach und nach fertig. Das Quartier an der Frauenkirche stand 2006 äußerlich vollendet da, mit historischen und zeitgemäß angepassten Fassaden. Das Karree an der Rampischen Straße mit den Barockbauten „Zum Schwan“ und „Die Glocke“ nimmt mit Schmuckelementen und Erkern die alten Bürgerhäuser auf. Einen Preis hatte das: Die Neubauten östlich des Johanneums verstellen den Blick vom Fürstenzug und durch das Stallhoftor auf die Frauenkirche. Fotos aus der kurzen Zeit, in der er frei war, sind entsprechend wertvoll.

Südöstlich der Kirche wurde das Hotel de Saxe originalgetreu wiederaufgebaut und als Steigenberger-Hotel eingerichtet. Davor steht das Standbild König Friedrich Augusts II. (reg. 1836-1854), 1867 von Ernst Julius Hähnel geschaffen. In der Rechten hält der König die Urkunde der Verfassung von 1831, die ihm das Bürgertum abgerungen hatte.
Heinrich-Schütz-Residenz und Kinderfries

An der Ecke Frauenstraße entstand nach Plänen von Eckhard Feddersen die Heinrich-Schütz-Residenz. Sie rekonstruiert zwei Häuser: das um 1530 gebaute Schützhaus, in dem Hofkapellmeister Heinrich Schütz, der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarock, von 1629 bis 1657 wohnte, und das Köhlersche Haus von 1749. Im Keller blieben Reste der alten Stadtmauer und Renaissance-Mauerwerk erhalten, in die Fassade setzte man nach 1945 geborgene Originalteile ein. Die neun Reliefs am Eckerker zeigen, wie im 18. Jahrhundert ein Weinfass entstand.
Am Runderker sitzt wieder der Kinderfries, den Christoph Walther I. um 1535 schuf. Zwischenzeitlich hing er an einer Wand neben dem Neuen Gewandhaus, dann kehrte er an das Schützhaus zurück. 32 nackte Kinder toben über das Relief. Vom düsteren Totentanz desselben Künstlers in der Dreikönigskirche ist es denkbar weit entfernt.

Bild: Der Kinderfries an seinem früheren Platz neben dem Neuen Gewandhaus
