
Kaum war er fertig, wurde der Renaissancebau schon weithin gerühmt. Der Stallhof gehört zu den ältesten weitgehend original erhaltenen Turnierplätzen der Welt. Er verbindet den Georgenbau des Schlosses mit dem Johanneum, das aus dem kurfürstlichen Stallgebäude hervorging. Dort lag einst die Ausrüstung für die Turniere.
Zwischen den Säulen des Langen Ganges saßen die Zuschauer, wenn der Hof Turniere und Hetzjagden abhielt. Über den Säulen reihen sich die Wappen der Lande, die unter wettinischer Herrschaft standen.
Der Lange Gang
Bei der großen Schlosssanierung um 1900 wurde der Gang auf rund 100 m verkürzt. Seine Außenseite zur Augustusstraße trägt den Fürstenzug, das Wandbild der 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Haus Wettin, die zwischen 1123 und 1904 in Sachsen regierten.
Im Obergeschoss liegt der Lange Saal. Hier hing zuerst die Ahnengalerie der Wettiner, ab 1731 die Gewehrgalerie, die August der Starke nach dem Vorbild Ludwigs XIV. anlegen ließ. Aus dieser Sammlung ging die Abteilung der Feuerwaffen in der Rüstkammer hervor, eine ihrer größten. Von 2007 bis 2015 zeigte das Verkehrsmuseum im Langen Saal seine Schifffahrtsausstellung.
Ringstechbahn und Pferdeschwemme

Vor dem Langen Gang stehen an der Ringstechbahn zwei 6,10 m hohe bronzene Ringstechsäulen von 1601. Nur ihre Spitzen mussten rekonstruiert werden.
34 Pilare von je 1,46 m Höhe säumen die Kampfbahn. 13 davon sind Originale, gegossen 1591 von Meister Merten Hilger. Etwa zur gleichen Zeit entstanden Pferdetränke und Pferdeschwemme.
Bomben, Wiederaufbau und ein verschobener Mauerzug
Die Angriffe im Februar 1945 beschädigten den Stallhof schwer, 1957 begann der Wiederaufbau. Zwischen 1972 und 1979 malten Denkmalpfleger die Bildwerke von Zacharias Weber und Heinrich Göding an der Fassade des Langen Ganges neu, die schon vor dem Krieg verloren waren. Als Vorlage dienten alte Stiche, ausgeführt wurde in Silikatmalerei statt der ursprünglichen Kalkfarbe mit Sgraffitowirkung. Zu sehen sind Ornamente, Wappen, Jagdtrophäen und Szenen aus der Herkulessage.

Die südliche Zuschauergalerie sitzt auf dem Rumpf der mittelalterlichen Stadtmauer, die hier bis zur Osterweiterung der Festung um 1525 verlief. Nach dem Krieg wurde sie abgetragen und neu errichtet. Die Druckwellen der Sprengbomben hatten die Blendmauer der Rampe um 25 cm verschoben. So blieb sie auch nach dem Wiederaufbau, als Erinnerung an die Bombennacht.
Um 1984 war die Restaurierung von Stallhof und Langem Gang weitgehend abgeschlossen. Später folgten ein Teil der Stallhofmauer und das Kanzleihaus, das Hans Irmisch 1567 errichtet hatte und das den Hof im Südwesten schließt.

In der Adventszeit füllt ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt den Hof. 2007 brach dort ein Feuer aus und hinterließ Brandspuren am Langen Gang.
