Festung Königstein

Kurzinformationen

Lage:Tafelberg (361 m ü. NN) in der Vorderen Sächsischen Schweiz, rund 240 m über der Elbe; etwa 15 km südöstlich von Pirna und 35 km südöstlich von Dresden
Größe:etwa 9,5 ha, 550 m lang, bis 310 m breit; Mauern 36 bis 42 m hoch, Rundgang an der Ringmauer 1,7 km
Anfänge:mittelalterliche Burg mit Kapelle, vermutlich um 1200
Festung:Ausbau 1539-1541, ab 1589 Landesfestung
Brunnen:152,50 m tief, 1566-1569 in den Fels getrieben
Nordseite der Festung Königstein mit Georgenburg, Magdalenenburg und Friedrichsburg, von der Basteiaussicht aus fotografiert

Von der Basteiaussicht bei Rathen aus gesehen reihen sich auf der Nordkante des Tafelbergs Georgenburg, Magdalenenburg und, auf der Mauer, die Friedrichsburg. Die Festung Königstein gehört mit etwa 9,5 ha zu den größten Festungen Deutschlands. Ihre Mauern sind 36 bis 42 m hoch, die Elbe fließt rund 240 m tiefer.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert war die Landesfestung mit mehr als 30 Bauwerken ein selbstständiger militärischer Gutsbezirk, mit eigener Justiz, Kirche und Friedhof, Schule, Standesamt, Marktrecht und mehreren Gewerken. Von der Brustwehr reicht der Blick über das Elbtal und die Felsen des Elbsandsteingebirges bis nach Dresden, zum Osterzgebirge, zum Lausitzer Bergland und zum Böhmischen Mittelgebirge. Die „Königsnase“ an der Ostspitze zählt zu den schönsten Aussichtspunkten der Sächsischen Schweiz.

Von der böhmischen Burg zur „Sächsischen Bastille“

Die mittelalterliche Burg auf dem Tafelberg gehörte zunächst zum Königreich Böhmen, dann zu Kursachsen; sie und die erste Kapelle dürften um 1200 entstanden sein. 1539 bis 1541 wurde die Burg zur Festung ausgebaut. Ab 1589 erweiterte man den nun zur Landesfestung erhobenen Königstein so stark, dass er in weiten Teilen schon annähernd sein heutiges Aussehen annahm. Zu den ältesten Gebäuden zählen die um 1619 aus der spätgotischen Kaiserburg umgebaute Georgenburg und die 1676 aus der alten Burgkapelle hervorgegangene Garnisonskirche.

Erobert oder zerstört wurde die Festung nie. Die sächsischen Kurfürsten und Könige nutzten sie als Zuflucht und verwahrten in Krisenzeiten Teile des Staatsarchivs und der Dresdner Kunstsammlungen in ihren Gebäuden und Kasematten: 1706 im Nordischen Krieg, im Siebenjährigen Krieg, 1813 und im Zweiten Weltkrieg. Zugleich war der Königstein Staatsgefängnis. Das unvollständige Gefangenenverzeichnis nennt für 1591 bis 1922 Lebensdaten und Vergehen von 993 Häftlingen.

Zar Peter I. von Russland kam im Juni 1698 und im November 1712, König Friedrich Wilhelm I. von Preußen im Januar 1728 mit seinem Sohn, dem späteren Friedrich dem Großen, und Napoleon im Juni 1813. Nach Napoleons Gemahlin Luise, die 1812 zu Gast war, heißt der Luisenweg.

Der Aufgang: Niedere Werke, Torwerk, Dunkle Appareille

Vor der Südwestseite, am Kranichplateau, wo schon früh ein „Kranich“ genannter Aufzug Lasten hob, entstand 2005 ein Panoramalift aufs Plateau. Einen Personen- und Lastenaufzug im Inneren der Festungsmauer, mit 18 m langem Zugangsstollen und 32 m hohem Schacht im Fels, hatte man bereits 1967 bis 1970 gebaut.

Der Fußweg beginnt an der Rothen Brücke unter „Hempels Eck“, dem westlichsten Punkt der Festung. Das Tor aus rotem Ziegelmauerwerk entstand 1792 und wurde bis 1802 umgebaut; über den Trockengraben führte erst eine hölzerne Zugbrücke, ab 1886 eine Wippbrücke mit Hintergewichten. Weiter geht es über die Niederen Äußeren Werke, 1755 bis 1802 als zusätzliche Sicherung vor der Westseite angelegt, samt der Pfeilschanze von 1755/56, von der aus Geschütze das Vorgelände flach bestreichen konnten.

Darüber ragt das Horn mit dem Seigerturm auf, hervorgegangen aus einem Beobachtungsturm von etwa 1601. Den Namen gab die Seigerschelle, die der Freiberger Glockengießer Hans Hilliger 1603 goss: Sie schlug der Uhrglocke der Magdalenenburg nach und teilte so der Torwache die Stunde mit.

Torwerk der Festung Königstein mit Spanischem Reiter am Eingang und Wappen über der Georgenbastion

Torwerk (Torravelin) mit geöffnetem Spanischem Reiter; rechts das königlich-polnische, kurfürstlich-sächsische Wappen über der Georgenbastion

Seit 1589 liegt der Eingang im Westen; der alte Burgzugang in einer Felsschlucht im Süden wurde damals vermauert. Das Torwerk, ein in spitzen Winkeln vorspringendes Außenwerk, entstand 1729 bis 1736 anstelle des Ravelins von 1591, 1790 kam als zusätzliche Sperre ein „Spanischer Reiter“ hinzu. Das Wappen über der Georgenbastion erinnert daran, dass der Umbau unter August dem Starken begann, Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Die Kupfertafel darunter nennt Kurfürst Johann Georg II. als Erbauer der 1679 vollendeten Bastion.

Hinter dem Torwerk folgt die gleichzeitig gebaute Grabenschere mit dem Medusentor. Das Medusenhaupt auf seinem Schlussstein sollte den Feind wohl abschrecken oder verhöhnen; die Zugbrücke wurde 1890 zur Wippbrücke. Dahinter erhebt sich das Torhaus von etwa 1589 mit zweifach geknickter Gebäudeachse. Sein Südflügel, das Kommandantenhaus, enthielt die Wohnung der Kommandantenfamilie und zeigt heute die rekonstruierte Wohnung des Kommandanten Theobald von Oer um 1900. Relief und Wappen Augusts des Starken über dem Portal schuf der Dresdner Bildhauer Panzner erst 1910.

Durch das Portal führt die Dunkle Appareille, eine düstere, steile Auffahrt unter Torhaus und Neuem Zeughaus hindurch. Steinschmeiße, eisernes Tor, Pechnase, Fallpalisade von 1792 und Balkenfalze für die Verrammelung sollten sie sichern. Zum Einsatz kam keine dieser Anlagen. 1958 wurde die baufällige Balkendecke entfernt, seither liegen die hohen Gurtgewölbe frei. Am Knick unter dem Neuen Zeughaus zog eine Wagenwinde, 1877 in Eisen erneuert und 1991 rekonstruiert, Fuhrwerke und Geschütze herauf; in der offenen Hellen Appareille übernahmen Pferdegespanne.

Brunnen, Neues Zeughaus und Georgenburg

Oben erreicht der Weg das Brunnenhaus, 1715 nach Entwürfen Pöppelmanns über dem Tiefbrunnen errichtet und 1735 bis 1737 von Jean de Bodt umgebaut.

Blick in den Tiefbrunnen der Festung Königstein

Der Brunnen ist 3,50 m breit und 152,50 m tief, einer der berühmtesten Tiefbrunnen Europas. Nach zögerlichem Beginn 1563 trieben Freiberger und Marienberger Bergleute den Schacht 1566 bis 1569 mit Schlägel und Bergeisen, Keilen und Brecheisen in den Sandstein. Zar Peter I. soll 1712 die Tiefe eigenhändig mit einem Strick ausgemessen haben.

Das Quellwasser tritt ab 139 m Tiefe zu, 1929 maß man etwa acht Kubikmeter am Tag. Die Sohle liegt 88 m über dem Elbspiegel. 398 Jahre lang, bis zum Anschluss an das regionale Trinkwassernetz 1967, versorgte der Brunnen die Festung.

Hinter dem Torhaus entstand 1631 ein Flügel über der Dunklen Appareille. Er enthielt den Johannissaal, einen 40 × 14 m großen Festsaal, der wegen seiner 112 Generalsbildnisse auch „Heldensaal“ hieß. Nach einem Brand 1806 wurde er bis 1817 als Neues Zeughaus wieder aufgebaut.

Georgenburg der Festung Königstein von Nordosten

Die Georgenburg ging um 1619 aus der Kaiserburg hervor, die wohl schon um 1200 neben der Burgkapelle stand; spätgotische Vorhangbogenfenster erinnern daran. Zunächst Jagdschloss, diente sie ab dem 18. Jahrhundert auch als Staatsgefängnis. Im schmalen Verbindungsbau zur Streichwehr, dem Krellturm, saß der sächsische Kanzler Nicolaus Krell zehn Jahre gefangen.

Seit dem Ersten Weltkrieg verfiel die Burg. Nach einer ersten Sanierung der „Böttger-Räume“ 1955 wurde sie ab 1972 umfassend restauriert, die Arkadenwand erhielt ihren Zustand des 17. Jahrhunderts zurück.

Am Paradeplatz steht das Schatzhaus von 1854/55, Aufbewahrungsort des sächsischen Staatsschatzes und in Krisenzeiten auch von Archivalien und Kunstwerken. Das Sandsteingewölbe ist 1,20 m stark, die Mauern bis 1,70 m, der Eingang war dreifach verschlossen. In den Keller gelangte man durch vier Luken in der Erdgeschossdiele; auf Schienen bewegte man dort Kisten und Fässer mit gemünztem und ungemünztem Edelmetall, bis zu 230 kg schwer. Die Hauptwache mit drei Arrestzellen entstand, nachdem man hier 1883 mehrere Kasernen abgebrochen hatte. Westlich dahinter entstanden 1892 der Exerzierplatz und 1899 eine hölzerne Mannschaftsbaracke für Infanteristen, auf einem Gelände, auf dem einst ein 1516 gegründetes Kloster gestanden hatte.

Magdalenenburg, Garnisonskirche und Kasernen

Die Magdalenenburg wurde 1621/22 als Renaissance-Schlösschen mit Wohnräumen des Hofes auf den Kellern eines schon 1445 erwähnten Brauhauses errichtet und 1818/19 zu einem beschusssicheren Proviantmagazin umgebaut. In ihren Kellern lagerten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert riesige Weinfässer, die „Königsteinische Curiosität“. Das Riesenfass fasste 2.380 hl und trug eine Plattform; gebaut 1723 bis 1725 nach einem Entwurf Pöppelmanns, wurde es 1818 als baufällig abgebrochen.

Östlich daneben steht die Garnisonskirche. Ihr Kern ist eine romanische Saalkapelle von etwa 1200, das erste Bauwerk auf dem Plateau. Um 1515 wurde sie zur Klosterkirche umgebaut und 1676 nach einer Instandsetzung als St.-Georgs-Kapelle neu geweiht, die erste Garnisonskapelle Sachsens. Der Turm kam 1681 hinzu, eine erneute Weihe nach umfassender Sanierung im Jahr 2000.

Ende des 19. Jahrhunderts folgten beschussfeste Bauten: die Kriegskaserne I von 1889 mit zehn Gewölberäumen, über der die vier Haubitzstellungen der Batterie VII lagen, das Kriegslazarett von 1891 bis 1893 und die Kaserne B von 1897 für verheiratete Unteroffiziere, ab 1905 auch Erholungsheim und Kurlazarett des sächsischen Militärs.

Weit älter ist die 113 m lange Alte Kaserne, errichtet 1589/90 und 1715 halbseitig aufgestockt, eines der ältesten Kasernengebäude Deutschlands. Im „Hauß vor die Guard“ wohnten ab 1591 etwa 30 Familien mit je zwei Räumen: einer unterkellerten Küche und einer Wohnstube, die zugleich Schlafzimmer war.

Friedrichsburg und Nordseite

Friedrichsburg an der Nordseite der Festung Königstein

Die Friedrichsburg an der Nordseite entstand 1589 bis 1591 als Christiansburg, einer von acht Beobachtungstürmen, benannt nach Kurfürst Christian I., dem Bauherrn der großen Erweiterung. Im Erdgeschoss standen Geschütze, im Obergeschoss lag ein höfischer Festsaal. August der Starke ließ den Bau 1731 zum barocken Pavillon für intime Hoffeste umbauen und nach Friedrich Wilhelm I. von Preußen benennen, seinem Gast von 1728. Damals ließ sich ein Hubtisch fertig gedeckt aus dem Keller in den Saal heraufholen. Heute dient der Saal als Festraum und für standesamtliche Trauungen.

Vom nördlichen Wehrgang sieht man über den S-förmigen Lauf der Elbe zum Lilienstein und am Horizont zu den Basteifelsen bei Rathen. Von den sechs Pulvermagazinen, die Jean de Bodt 1735/36 mit beschusssicheren Sandsteingewölben baute, blieb eines erhalten. 1876 mit Erde ummantelt und Kriegspulvermagazin II genannt, lagerten darin nach 1883 Artilleriegranaten, daher der Name Geschossmagazin; die übrigen fünf hätten moderner Artillerie nicht standgehalten und wurden abgebrochen. Die Schatzkasematte, drei Tonnengewölbe mit Verbindungsgang, entstand 1853 aus einer Kasematte von 1804 und wurde 1884 mit dem Artillerie-Untertreteraum III überbaut.

Königsnase, Südseite und Altes Zeughaus

An der Königsnase, der Ostecke, stand bis 1731 ein Wachturm ähnlich der alten Christiansburg; in früher Zeit gab es hier auch einen Lastenaufzug für Lieferungen aus der Stadt und zeitweise eine Windmühle. Auf dem Blitzeichenplateau nördlich davon wuchs bis 1956 eine 300 Jahre alte, oft vom Blitz getroffene Eiche. Ein Blitzschlag tötete dort 1925 drei Menschen und verletzte 28 weitere.

Panorama von der Festung Königstein nach Südosten mit Bielatal, Pfaffenstein, Gohrisch und Papststein

Blick nach Südosten: rechts das Tal der Biela, halbrechts der Pfaffenstein, in der Mitte Gohrisch und Papststein am Horizont

In einer Felsspalte an der Südostseite wurde nach 1680, unter dem Eindruck der Epidemien von 1640 und 1680, etwa 8 m tief die Pestkasematte angelegt, mit Eingang, Luftschacht und einer Öffnung zum Herabreichen von Lebensmitteln. Dass dort je Pestkranke isoliert wurden, ist nicht erwiesen. Die Katholische Kapelle entstand 1880 aus einem Artillerie-Laboratorium von 1737, für die katholischen Gefangenen, die bis dahin zum Gottesdienst nach Pirna gebracht werden mussten. Ihr Türmchen von 1881 erhielt 1897 eine Glocke aus dem Metall erbeuteter französischer Geschütze. Nach 1945 begann der Abbruch, erhalten blieb eine Ruine.

An der Südecke, Zobels Eck, wurde 1878 das Friedenslazarett gebaut, später Genesungsheim und im Zweiten Weltkrieg Unterkunft französischer Kriegsgefangener, unter ihnen General Giraud. Nicht weit davon steht das Alte Zeughaus, 1594 nach Plänen Paul Buchners anstelle des um 1590 geschlossenen alten Burgtores gebaut; den vermauerten Torbogen erkennt man an der Außenseite. Der schlichte Renaissancebau hat an beiden Giebeln wuchtige Rustikaportale, im Erdgeschoss ruht ein Kreuzgratgewölbe auf drei toskanischen Säulen. Die Besatzung lagerte hier Geschütze, Handwaffen und Proviant, aber keine Explosivstoffe. Nach 1871 saßen im Obergeschoss Zivilgefangene, 1874 etwa der Sozialist August Bebel. Russische Kriegsgefangene nutzten die Halle im Ersten Weltkrieg als Kirche, französische richteten sich darin im Zweiten Weltkrieg ein Theater ein.

Am Fuß der Felsen unter dem südöstlichen Wehrgang verläuft der Patrouillenweg von 1805. Dort stieg 1848 der Schornsteinfegergeselle Sebastian Abratzky unbefugt in die Festung ein, um sich das damals recht teure Eintrittsgeld zu sparen.

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