Napoleonische Zeit: Sachsen wird Königreich unter Friedrich August I. (1806-1827)

Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich

Gastgeber, aber nicht Verhandlungspartner: Als sich 1791 Kaiser Leopold II., König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und der Graf von Artois, später König Karl X. von Frankreich, in Schloss Pillnitz trafen, um Maßnahmen gegen das revolutionäre Frankreich zu beschließen, war Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen weder an den Gesprächen noch an der Abschlusserklärung beteiligt. Die Pillnitzer Beschlüsse führten in den Ersten Koalitionskrieg.

1792 beschloss der Immerwährende Reichstag in Regensburg auf Grundlage eines österreichisch-preußischen Bündnisses den Reichskrieg gegen Frankreich; förmlich erklärt wurde er am 22. März 1793. Anders als die Großmächte, die auf Eroberungen aus waren, beteiligte sich Kursachsen nur als Reichsstand. Seine rund 10.000 Soldaten kämpften vor allem bei Mainz und Kaiserslautern. Preußen schloss 1795 einen Separatfrieden, 1797 beendete der Frieden von Campo Formio den Krieg und brachte Frankreich die linksrheinischen Gebiete.

Im Zweiten Koalitionskrieg, 1798 von Österreich begonnen, blieben Kursachsen und Preußen neutral; der Frieden von Lunéville bestätigte 1801 die Vereinbarungen von Campo Formio. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 entschädigte die Fürsten für ihre linksrheinischen Verluste mit geistlichen Fürstentümern, Gebieten der Reichsritterschaft und Reichsstädten. 112 Reichsstände verschwanden, die Reichsverfassung löste sich auf.

An der Seite Preußens gegen Napoleon

Kurz nach dem napoleonischen entstand 1804 das österreichische Kaiserreich unter Franz I. Damit begann die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die 1806 nach der Gründung des Rheinbundes vollendet war. Die norddeutschen Staaten standen nun allein und wurden zur Beute der Eroberungspolitik Napoleons. Kursachsen gab seine Neutralität auf und verbündete sich mit Preußen, obwohl das Verhältnis seit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), in dem preußische Truppen Sachsen und gerade Dresden schwer zugesetzt hatten, sehr gespannt war.

Bei Saalfeld unterlag die preußisch-sächsische Armee am 10. Oktober 1806 zum ersten Mal, am 14. Oktober wurde sie bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Französische Truppen besetzten das Kurfürstentum und forderten Kontributionen von umgerechnet 25 Mio. Franken. Erst nachdem 122 sächsische Offiziere ehrenwörtlich erklärt hatten, nicht mehr gegen Frankreich zu kämpfen, durften 6.000 Soldaten aus der Gefangenschaft heimkehren.

Rheinbund und Königreich Sachsen

Haarsträhnen von Kaiser Napoleon I. und König Friedrich August I. von Sachsen

Der Friedensvertrag von Posen, den Napoleon Sachsen 1806 diktierte, schloss den Beitritt zum Rheinbund ein. Der Kaiser erhob das Kurfürstentum zum Königreich, und am 20. Dezember 1806 wurde Friedrich August III. als König Friedrich August I. von Sachsen ausgerufen. Auf Krönungsinsignien verzichtete man; das Wappen mit dem askanischen Rautenkranz erhielt aber eine Krone.

Haarsträhnen beider Monarchen galten als Sinnbild des Bündnisses. Friedrich August I., dem Preußen und Österreich zuvor manche Demütigung zugefügt hatten, hielt Napoleon bis 1813 die Treue.

Sachsen stellte 20.000 Soldaten, zuerst für den Feldzug gegen Preußen; Frankreich verzichtete dafür auf die Kontributionen. Anders als Preußen, das unter dem Druck Napoleons tiefgreifende Reformen einleitete, ließ der König die ständische Verfassung und die alte Verwaltung unangetastet. Protestantische und katholische Gottesdienste wurden gleichgestellt, und ein Dekret von 1807 schrieb die freie Religionsausübung fest.

Im Frieden von Tilsit 1807 verlor Sachsen die alten Gebiete Gommern, Barby und Mansfeld. Es erhielt dafür den seit 1445 brandenburgischen Cottbuser Kreis, weitere Lausitzer Gebiete und das Herzogtum Warschau, also die zwischen 1793 und 1795 an Preußen gefallenen polnischen Gebiete ohne Danzig. Napoleon knüpfte damit an die sächsisch-polnische Union der Augusteischen Zeit an und schuf, durchaus mit Absicht, neue Spannungen zwischen Sachsen und Preußen.

Die Kontinentalsperre kam der sächsischen Wirtschaft zugute: Große Teile Europas bezogen nun sächsische statt britischer Waren, dazu stieg der Militärbedarf sprunghaft. Anti-napoleonischen und nationalpatriotischen Kräften verweigerte das Land die Unterstützung.

Im Juli 1807 besuchte Napoleon erstmals Dresden. Von Tilsit kommend übernachtete er in Görlitz beim Kaufmann Oertel, ließ sich in Bautzen vom König empfangen und zog über Bischofswerda in die festlich beleuchtete Residenzstadt ein.

Österreich 1809, Russland 1812

1809 zogen Freischaren gegen Napoleon durchs Land: Major Ferdinand von Schill kam bis vor Wittenberg, die Schwarze Schar des Herzogs von Braunschweig-Oels bis Zittau, beide mussten sich zurückziehen. Im Lützowschen Freikorps kämpfte der Dichter Theodor Körner (1791-1813), Sohn des Dresdner Appellationsrats und Kunstmäzens Christian Gottfried Körner.

Während sächsische Truppen 1809 an Napoleons Seite gegen Österreich kämpften, etwa bei Wagram, besetzten die Österreicher Westsachsen bis nach Dresden, und der König floh nach Frankfurt am Main. Der Krieg endete noch im selben Jahr. Als Dank für die 13.000 Soldaten schlug Napoleon Krakau und das bisher österreichische Neu-Galizien dem Herzogtum Warschau zu und erhob es zum Großherzogtum.

Gemälde des Monarchentreffens in Dresden im Mai 1812 mit Kaiser Franz I., Napoleon I. und König Friedrich August I. und ihren Frauen

Im Mai 1812 trafen sich die Monarchen in Dresden: Kaiser Franz I. von Österreich mit Maria Ludovica, Napoleon mit seiner zweiten Frau Marie Luise, Friedrich August I. mit Maria Augusta. Von hier aus begann Napoleon den Feldzug gegen Russland. Ende März war bereits ein sächsisches Armeekorps mit 21.000 Mann, 7.000 Pferden und 48 Geschützen unter dem französischen General Reynier aufgebrochen.

Am 14. Dezember 1812 machte Napoleon auf dem Rückzug, seinen Truppen vorauseilend, in Dresden Station. Von den mehr als 20.000 Sachsen der Großen Armee kehrten im Frühjahr 1813 nur wenig mehr als tausend zurück. Erst dieser Feldzug ließ die Stimmung im Land kippen.

1813: Sachsen wird Hauptkriegsschauplatz

Mit den Befreiungskriegen wurde Sachsen 1813 zum Hauptkriegsschauplatz. Die Kämpfe kosteten Zehntausende Soldaten und Zivilisten das Leben, durchziehende Truppen schleppten Seuchen ein, die Bevölkerung litt große Not.

Anfang 1813 drangen Kosaken in die Lausitz ein. Der König floh von Dresden nach Plauen, im März nach Regensburg und im April über Linz nach Prag. Im März sprengten die Franzosen die Elbbrücken in Meißen und Dresden; am 22. März erreichten die Russen die Dresdner Neustadt, am 27. März die Altstadt.

Mit dem Sieg bei Lützen am 2. Mai 1813 gewann Napoleon die Elblinie zurück, besetzte Dresden und nötigte den König am 12. Mai zur Rückkehr. Friedrich August I. musste den Franzosen die Festung Torgau öffnen und das Heer überlassen. Am selben 12. Mai brannte Bischofswerda beim Vormarsch der Franzosen auf Bautzen nach Plünderungen fast vollständig ab. Verwundete der Schlacht bei Bautzen brachte man auf Schiebböcken dorthin, einige bis nach Dresden.

Nach Napoleons Sieg bei Bautzen am 20./21. Mai zogen sich die Verbündeten nach Schlesien zurück, am 4. Juni vereinbarten beide Seiten in Poischwitz bei Jauer einen Waffenstillstand. Schloss Wurschen östlich von Bautzen und Schloss Nöthnitz bei Dresden dienten in dieser Zeit den Feldherren und auch Zar Alexander I. als Hauptquartier.

Am 28. Juni 1813 traf Napoleon im Palais Brühl-Marcolini in der Friedrichstadt, wo er Quartier genommen hatte, mit Fürst von Metternich zusammen, der von 1801 bis 1803 die österreichische Gesandtschaft in Dresden geleitet hatte. Nach dieser Unterredung schloss sich Österreich den Verbündeten an.

Ab dem 12. August rückten die Verbündeten wieder nach Sachsen vor. In der Schlacht bei Dresden im August 1813 errang Napoleon seinen letzten Sieg auf deutschem Boden: 15.000 Tote, 15.000 Verwundete und mehr als 20.000 gefangene Preußen, Österreicher und Russen. An das Gefecht erinnert das Moreau-Denkmal in Räcknitz. Am 7. Oktober zog Napoleon ab und sammelte seine Truppen bei Leipzig, wo sich ihm der König anschloss.

Gemälde von Ernst Wilhelm Straßberger: Kampf vor dem Grimmaischen Tor in Leipzig am 19. Oktober 1813

Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813, in der eine halbe Million Soldaten kämpften, gilt als erste Massenschlacht der Neuzeit und endete mit einer verheerenden Niederlage Napoleons. Die am 17. Oktober aus Torgau eingetroffenen sächsischen Truppen kämpften bis zum 18. Oktober auf französischer Seite, dann liefen sie großenteils zu den Alliierten über. Ernst Wilhelm Straßberger malte den „Kampf vor dem Grimmaischen Tor“: Das 1. Ostpreußische Landwehrbataillon unter Major Karl Friedrich Friccius stürmt am 19. Oktober die französischen Stellungen in der Stadt.

Gemälde: Napoleon Bonaparte nach der verlorenen Schlacht bei Leipzig

In der erstürmten Stadt geriet Friedrich August I. am 19. Oktober in Gefangenschaft. Man brachte ihn nach Berlin, bis zum Sommer 1814 ins Berliner Schloss, danach bis Februar 1815 nach Schloss Friedrichsfelde. Die französische Garnison in Dresden, etwa 30.000 Mann, kapitulierte am 11. November 1813.

Generalgouvernement und Wiener Kongress

Die Sieger fassten das Königreich mit dem Herzogtum Altenburg und den Reußischen Ländern zum preußisch-russischen Generalgouvernement zusammen. Generalgouverneur war vom 9. Dezember 1813 bis zum 9. November 1814 der russische Fürst Repnin-Wolkonski, danach führten der preußische Staatsminister von der Beck und Generalmajor von Gaudi die Geschäfte.

Repnin-Wolkonski residierte im Brühlschen Palais und stieß längst überfällige Reformen an. Er machte höfische Anlagen wie die Brühlsche Terrasse öffentlich zugänglich, förderte das Kunstleben, begann mit der Neuordnung der Kunstakademie und gründete eine Industrieschule mit Sonntagsschule für Handwerker. Der 1815 zurückkehrende König machte vieles davon rückgängig. Die Industrieschule blieb.

Nach dem Vorbild der Lützower Jäger stellte Sachsen ein aus Spenden finanziertes „Banner der freiwilligen Sachsen“ mit rund 3.000 Mann auf, darunter viele Überläufer aus der Völkerschlacht; es wirkte bei der Belagerung von Mainz mit. 14.000 Sachsen unter General Johann Adolph von Thielmann waren im Juni 1815 am Sieg bei Waterloo beteiligt, 5.000 gehörten zur Besatzungsmacht in Frankreich unter Wellington.

Karte des Königreichs Sachsen nach 1815 mit Leipzig, Dresden, Chemnitz, Bautzen und Plauen

Trotz des späten Seitenwechsels wurde Sachsen, anders als andere Rheinbundstaaten, nicht geschont, vor allem auf Betreiben Preußens. Der zweite Pariser Frieden sprach ihm zwar anderthalb Millionen Taler französischer Kontributionen zu, doch der Wiener Kongress 1815 nahm ihm etwa 58 Prozent des Territoriums und 42 Prozent der Einwohner. Sachsen war nun das kleinste Königreich Deutschlands. Dass es nicht ganz preußisch wurde, lag an der Furcht Englands und Österreichs vor einer übermächtigen preußischen Großmacht.

An Preußen fielen die Niederlausitz, der östliche Teil der Oberlausitz, Teile der Kreise Leipzig und Meißen, der Thüringische Kreis und der Kurkreis Wittenberg. Der Neustädter Kreis ging an das ernestinische Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Diese Grenzen hielten bis 1945.

Am 22. Mai 1815 verzichtete Friedrich August I. in Schloss Laxenburg bei Wien auf das Großherzogtum Warschau, das als „Kongresspolen“ an Russland fiel. Eine Verordnung vom selben Tag gab Sachsen die Landesfarben Weiß-Grün. Am 6. Juni wurde das Generalgouvernement aufgelöst, am 7. Juni empfingen die Dresdner den heimkehrenden König mit weiß-grünen Fahnen.

Sachsen im Deutschen Bund

Politisch blieb Sachsen nach 1815 fast nur die Rolle des Vermittlers zwischen Preußen und Österreich; seine Geschichte ist von da an vor allem Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Die starke Industrialisierung verschärfte die sozialen Probleme mehr als anderswo in Deutschland und ließ eine Arbeiterbewegung entstehen, deren politische Kraft bald weit ausstrahlte.

Am 8. Juni 1815 wurde das Königreich Mitglied des Deutschen Bundes und erhielt eine Stimme in der Bundesversammlung. Der Bund verpflichtete es zu einer landständischen Verfassung, zu gleichen Rechten für alle christlichen Konfessionen, zu einer besseren Lage der Juden und zu einheitlichen Rechten für alle Einwohner des Bundes: freier Erwerb von Grundeigentum, Reisefreiheit und Zivil- oder Militärdienst in einem beliebigen Bundesstaat.

Schauplätze und die Epochen davor und danach