Friedrichstadt: Palais Brühl-Marcolini

Kurzinformationen

Lage:200 m lange Front zur Friedrichstraße, Friedrichstadt
Kleines Palais:1727, wahrscheinlich Johann Christoph Neumann
Barocker Umbau:1736, Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel
Klassizistischer Umbau:nach 1774, Hofbaumeister Johann Daniel Schade
Krankenhaus:seit 1849
Nordfassade des Palais Brühl-Marcolini an der Friedrichstraße um 1935

Eigentlich sollten sich an der Straße nach Ostra Handwerker ansiedeln. Um 1670 lockte Kurfürst Johann Georg II. mit kostenlosen Bauplätzen und Gewerbefreiheit, doch die Dresdner Innungen boykottierten den Plan. Die Vorteile nutzte stattdessen der Adel und legte Lustgärten und Sommersitze an.

Einer davon wurde zum Palais Brühl-Marcolini: ein zurückhaltend geschmückter, harmonischer Bau mit schlichter Lisenenfassade.

Drei Bauherren

1727 ließ sich die Fürstin von Teschen beziehungsweise Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck südöstlich des Ostra-Vorwerks einen Sommersitz bauen, vermutlich von Johann Christoph Neumann. Dieses Kleine Palais war ein schlichter dreiflügeliger Barockbau mit Ehrenhof.

Graf Heinrich von Brühl (1700-1763), Premierminister unter Kurfürst Friedrich August II., kaufte es 1736 und ließ es von Johann Christoph Knöffel zum Barockpalais umbauen. Auch der Garten erhielt prächtigen Skulpturenschmuck, und es wurden rauschende Hoffeste gefeiert. Nach Brühls Tod stand das Anwesen leer.

1774 erwarb Kabinettsminister Graf Camillo Marcolini (1739-1814) Palais und Garten. Johann Daniel Schade baute im klassizistischen Stil um und stockte auf. Die Wappen des Grafen und seiner Gemahlin, einer geborenen von O'Kelly, sitzen an der Straßenseite des Ostflügels. Christian Traugott Weinlig malte die Innenräume aus, die Fassadenskulpturen schufen Johann Baptist Dorsch und Thaddeus Wiskotschill.

Napoleon und Metternich im Chinesischen Zimmer

Von der alten Einrichtung ist wenig geblieben, darunter Teile des Chinesischen Zimmers. Man nennt es auch Napoleonzimmer. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug nahm Napoleon I. 1813 im Palais Quartier, und hier traf er am 28. Juni 1813 den österreichischen Minister Fürst von Metternich. Am Ende dieser Unterredung stand Österreichs Wechsel auf die Seite der Verbündeten gegen Napoleon.

Eingang an der Parkseite des Palais Brühl-Marcolini

Marcolini hatte Dresden schon vorher verlassen und starb 1814. Das herrenlose Palais verödete, bis es 1835 Hofbuchdrucker und Stadtrat Ernst Werner kaufte. Die schönsten Räume vermietete er an reiche Engländer, den Ostflügel an Dresdner wie den Bildhauer Ernst Hähnel.

Im Obergeschoss dieses Flügels wohnte ab 1847 Hofkapellmeister Richard Wagner und arbeitete unter anderem am „Lohengrin“. Nach dem Maiaufstand, an dem er sich beteiligt hatte, musste er 1849 fliehen.

Noch 1849 ging die Anlage an die Stadt, die ein Städtisches Krankenhaus einrichtete. Unter den ersten Patienten waren Verwundete des Maiaufstands. Das Krankenhaus wuchs über das Manteuffelsche Brauhaus an der Bräuergasse und die alte Staatliche Frauenklinik hinaus, nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Neubauten dazu. Das Palais selbst ist das Hauptgebäude des Klinikums am Standort Friedrichstadt.

Neptunbrunnen

Neptunbrunnen mit Sandsteinfiguren um 1935

An der Südmauer des einstigen französischen Gartens, genau in dessen Hauptachse, entstand 1741-1746 der Neptunbrunnen, eine der größten Brunnenanlagen Dresdens. Die Figuren schuf Lorenzo Mattielli, die Entwürfe gehen wahrscheinlich auf Zacharias Longuelune zurück.

Trifft das zu, hat sich der eigentlich dem französischen, klassizistisch gefärbten Barock verpflichtete Longuelune hier erstaunlich weit an den üppigen italienischen Stil angenähert. Die 40 m breite, dreistöckige Anlage aus Sandstein krönen Amphitrite und Poseidon.

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