Stadtteil Löbtau

Im Jahr 1068 belehnte der deutsche König das Meißner Hochstift mit zwei Königshufen auf der Flur von Livbitwa, den „Leuten des Lubeta“. Eingemeindet wurde der Ort 1903.

Kuh-Löbtau

Altlöbtau ging aus einem sorbischen Platzdorf hervor. Auch 1350, 1445 und 1468 nennen Urkunden das Meißner Domkapitel als Grundherrn, das sein Land gegen Erbzins an zwölf Bauern ausgegeben hatte. 1559, zwei Jahrzehnte nach der Reformation, kam der Ort an den Kurfürsten. Kurfürst August (reg. 1553-1586) schlug 1568 42 ha davon dem neuen Kammergut Ostra in der Friedrichstadt zu. Das Dorf lag nun am Rand dessen, was von seiner Flur übrig war.

Zwischen Tharandter und Zwickauer Straße erstreckte sich an der Weißeritz ein etwa 1 km breiter Anger. Weil dort das Vieh weidete, hieß der Ort scherzhaft „Kuh-Löbtau“. Am Fluss und am Mühlgraben liefen schon im 16. Jahrhundert Mühlen und kleine Manufakturen mit Wasserkraft, darunter eine Walkmühle, und ein Holzhof nahm das aus dem Osterzgebirge geflößte Holz auf.

1692 kaufte Kurfürst Johann Georg IV. (reg. 1691-1694) einen großen Garten auf einem Mühlengrundstück an der Weißeritz und ließ an dessen Südende, im Bereich der Fritz-Schulze-Straße, ein Wasserpalais bauen. Später wurde der Garten mit seinen Laubengängen ein Ausflugsziel der Dresdner. Seinen Namen Reisewitzer Garten hat er von einem Besitzer, dem er 1702-1709 gehörte, und von 1844 bis 1856 spielte dort ein Sommertheater.

Fabriken und Mietshäuser

Mit dem Ende der Frondienste um 1830 und erst recht mit der Gewerbefreiheit 1862 kam die Industrie. An der Tharandter Straße eröffneten 1857 eine Zementfabrik, 1858 eine Eisengießerei, 1862 eine Schokoladenfabrik. Auf der Löbtauer Seite des Reisewitzer Gartens folgten 1861 eine Ziegelei und 1869 die Aktienbrauerei Reisewitz, die bis 1931 braute. Im Norden und Westen siedelte sich Kleingewerbe an.

Die ersten Arbeiterwohnhäuser standen ab 1858 an der Flussstraße. Um 1870 wurde an der Freiberger, Kesselsdorfer, Löbtauer und Lübecker Straße gebaut; die Lübecker Straße war einmal der Kirchweg nach Briesnitz, denn dorthin gehörte Löbtau ursprünglich. Um 1890 folgten Mietshäuser an der Reisewitzer Straße. 1874 gab es nur noch vier Bauerngüter, dafür neue Gärtnereien an der Tharandter und Lübecker Straße.

Die Friedenskirche an der Wernerstraße, 1890/91 nach einem Entwurf von Friedrich Arnold gebaut, wurde 1945 zerstört. 1949 entstand an ihrer Stelle eine Notkirche nach Plänen von Otto Bartning, deren vorgefertigte Holzteile der Weltkirchenbund geliefert hatte.

Die Weißeritz bekam 1893 ab Freiberger und Kesselsdorfer Straße ein neues Bett und mündet seitdem in Cotta. Beim Hochwasser im August 2002 suchte sich der Fluss zum Teil seinen alten Lauf an der Ostgrenze der Friedrichstadt zurück.

Die Luftangriffe von 1945 verschonten Löbtaus Westen und Nordwesten weitgehend. Nahe der Weißeritz im Osten und Süden aber fielen die meisten Häuser, auch das Rathaus von Schilling & Gräbner, an dessen Platz zwischen Tharandter Straße und Weißeritz eine Grünanlage angelegt wurde. Am Dorfplatz von Altlöbtau stehen noch einige Dreiseithöfe mit Plänermauern und alten Torbögen.

Kesselsdorfer Straße

Nach Westen führt keine Straße Dresdens mit mehr Gewicht aus der Stadt. Schon um 1200, als in Freiberg der Silberbergbau begann, wird sie als Freibergische Straße erwähnt, Teil einer Handelsroute von Nürnberg über Freiberg bis zum Wilischen Tor, dem wichtigsten Stadttor Dresdens. Das Einnehmerhäuschen an der Ecke Tharandter Straße, das bis 1837 dort stand, nahm mehr Zoll ein als jede andere sächsische Wege- und Brückenzollstation. Die hölzerne Weißeritzbrücke bekam 1550 steinerne Pfeiler.

Vor dem Ersten Weltkrieg war die Kesselsdorfer Straße eine belebte Einkaufsstraße. Nach 1945, als die Läden der Innenstadt in Trümmern lagen, wurde sie noch wichtiger, und die Kriegsschäden verschwanden hier besonders schnell.

Den Neuen Annenfriedhof an der Straße gibt es seit 1875. In seinem Südteil liegen 400 Tote der Luftangriffe vom April 1945. An der Nordseite steht ein Gedenkstein für Abraham Gottlob Werner, den Begründer der wissenschaftlichen Geologie und Professor an der Bergakademie Freiberg. Als er 1807 in Dresden starb, hielt man hier in Löbtau eine Totenfeier, bevor der Leichnam nach Freiberg gebracht wurde. Auf seinen vielen Fahrten zwischen beiden Städten hatte Werner gern oben an der Kesselsdorfer Straße angehalten, um über die Stadt zu schauen. Diese Aussicht haben die Häuser von Gorbitz und Löbtau längst verstellt.

Im Dresdner Westen