Kunstgewerbemuseum (Museum für Kunsthandwerk)

Kurzinformationen

Gründung:1876 als Abteilung der 1875 gegründeten Kunstgewerbeschule
Eigenständig:seit 1914, erster Direktor Karl Berling
Name:ab 1951 „Museum für Kunsthandwerk“, heute Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Sitz:seit 1964 Wasser- und Bergpalais von Schloss Pillnitz

Leitbilder für Handwerk und Industrie, bessere Waren, ein gebildeter Geschmack der Kundschaft: Mit diesem Programm entstanden am Ende des 19. Jahrhunderts überall in Europa Kunstgewerbemuseen. Das Dresdner Haus eröffnete 1876 auf Weisung des sächsischen Innenministeriums als Abteilung der ein Jahr zuvor gegründeten Kunstgewerbeschule.

Anschauungsmuster für Schule und Gewerbe

Den Grundstock bildeten Stücke der Ausstellung „Kunstgewerbe vom Mittelalter bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, die 1875 im Kurländer Palais zu sehen war. An den Objekten sollten Studierende Formgefühl, Geschmack und Handwerkstechniken lernen. Am Wochenende hatte jeder freien Eintritt.

Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Güntzstraße um 1900, nach einem alten Foto

Bis 1906 war das Museum im ehemaligen Polytechnikum am Antonsplatz untergebracht, ab 1907 im Neubau der Kunstgewerbeschule, den die Architekten Lossow und Viehweger an der Güntzstraße in der Johannstadt errichtet hatten. Schule, Museum und Kunstgewerbebibliothek lagen unter einem Dach, in den Höfen standen barocke Sandsteinplastiken und Grabsteine.

Prof. Dr. Karl Berling (1857-1940) leitete die Sammlung von 1889 bis 1923 und dehnte sie auf mehrere europäische und ostasiatische Epochen aus. 1914 trennte Schuldirektor Karl Groß das Museum offiziell von der Schule, und Berling wurde sein erster Direktor.

1940 wurde das Haus geschlossen, den Bestand verteilte man aus Furcht vor Luftangriffen auf sächsische Schlösser. Geholfen hat das nur zum Teil. In den letzten Kriegswochen 1945 gingen rund 13.500 Objekte durch Zerstörung und Diebstahl verloren, fast die Hälfte des Bestandes. Am schwersten traf es Keramik und Glas, auch die Ostasien- und die Gobelinsammlung.

Der Weg nach Pillnitz

1946/47 richtete man Schloss Moritzburg und andere Schlösser der Umgebung mit Möbeln aus der Sammlung ein. Seit 1947 gehört das Museum zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, vorher unterstand es wechselnden sächsischen Ministerien.

1958 übernahm es die Reste der Dresdner Hofkellerei aus dem Historischen Museum, darunter Deckelpokale mit Ordens- und szenischen Darstellungen. 1962 gab es seine Meißner Porzellane an die Porzellansammlung ab und erhielt dafür 200 Stück italienische Majolika und englische Keramik, etwa den Rest der Sammlung des Töpfers Enoch Wood.

Biedermeierzimmer im Bergpalais von Schloss Pillnitz

1963 eröffnete im Wasserpalais von Schloss Pillnitz die Ausstellung „Kunsthandwerk des 18. Jahrhunderts“. Ein Jahr später zog das ganze Museum außer der Textilabteilung nach Pillnitz. Im Bergpalais folgten „Kunsthandwerk um 1800“, 1971 das historische Louis-XVI.-Zimmer und 1974 „Kunsthandwerk und Industrieformen des 19. und 20. Jahrhunderts“, im Wasserpalais 1976 „Kunsthandwerk der Gotik und Renaissance“.

Zur höfischen Kunst kam später DDR-Design. Die Glassammlung wuchs in der DDR um sächsische Erzeugnisse und eine Sammlung aus Moritzburg, neu hinzu kamen Möbel der Hellerauer Werkstätten, industrielle Formgestaltung vom Jugendstil an und Bauhaus-Artikel.

Die Abteilungen

Geordnet ist der Bestand nach Stilen, von Gotik und Renaissance über Barock und Rokoko bis Louis XVI., und nach Materialien: Textil, Möbel, Metall, Keramik, Glas. Dazu kommen historische Einbauten, etwa eine bemalte Holzverkleidung des 14. Jahrhunderts aus Schloss Kriebstein, eine farbige Renaissance-Kassettendecke aus Schloss Nossen und eine Holzdecke von 1619 aus der Kirche Rechenberg.

Pendule auf Postament von Jean-Pierre Latz und Schreibschrank von Martin Schnell

Die Zinnabteilung wurde 1911 mit der Sammlung Hans Demiani zu einer der umfangreichsten Europas: koptisches, römisches und mittelalterlich-sakrales Zinn, französische Arbeiten, Nürnberger Reliefzinn, Schleifkannen und Zunftpokale des 16. bis 18. Jahrhunderts. Für die Keramik erwarb Berling die Stralsunder Riesenterrine, den Annaberger Krug von Merten Koller (1569) und den Erfurter Kachelofen von 1473.

Die Glasabteilung reicht von emailbemalten Humpen und geschnittenen Gläsern Dresdner Manufakturen des 18. Jahrhunderts über böhmisches Glas des Biedermeier bis zu Gallé, Daum und Tiffany. Rund 12.000 Textilien brachte Emil Kumsch zwischen 1876 und 1905 zusammen, von koptischen Fragmenten bis zu italienischem Renaissance-Samt. Die flämischen Gobelins des 16. und 17. Jahrhunderts gingen 1945 verloren.

Schlangenhenkelvase von Carlo Antonio Grue

Unter den Möbeln finden sich ostasiatische, europäische und Dresdner Lackmöbel, seltene Augsburger Silbermöbel und Stücke aus der Dresdner Kunstkammer: der Kunstschrank des Hoftischlers Schifferstein, der Werkzeugtisch Kurfürst Georgs I. und der Arbeitstisch der Kurfürstin Magdalena Sibylla.

Pillnitz, Hellerau und die Sammlungen der Residenz