Am Anfang stand eine Tischlerei. 1898 eröffnete der Dresdner Tischlermeister Karl Schmidt (1873-1948) in Laubegast die Werkstatt, aus der die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst hervorgingen. Eine eigens gegründete Gartenstadt-Gesellschaft kaufte Rähnitzer und Klotzscher Bauern 140 ha Land ab, für etwa 1,50 Mark je Quadratmeter, und 1909 zog der größte Teil der Werkstätten an den Heller.
Die erste deutsche Gartenstadt
Den Plan zeichnete der Münchner Maler und Architekt Richard Riemerschmid, gebaut haben Hermann Muthesius und Heinrich Tessenow. Zuerst entstand die Fabrik, eine „künstlerisch ausgereifte Fabrikanlage“, die bei Luft, Raumklima und Licht den fortschrittlichsten Vorstellungen von Arbeitshygiene folgte. Von der Straße „Am Grünen Zipfel“ aus wuchs bis 1913 die Arbeitersiedlung mit 345 kleinen Wohnhäusern. In jenem Jahr lebten rund 400 Familien in Hellerau, und die neue Volksschule überragte die Siedlung mit ihrem Turm.

Vorbild waren englische Arbeitersiedlungen des späten 19. Jahrhunderts, ein Gegenentwurf zur Mietskaserne. Die hellen Einfamilien- und Reihenhäuser mit eigenem Garten verwaltete eine Baugenossenschaft, und damit niemand mit ihnen spekulieren konnte, wurde der Grundbesitz vertraglich als unveräußerlich und wertkonstant festgeschrieben. Architektonisch, kulturell und sozialpolitisch gingen von Hellerau wichtige Anstöße für die Reformbewegung um 1900 aus.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste die finanziell angeschlagene Genossenschaft 336 Häuser an private Eigentümer abgeben. Gebaut wurde trotzdem weiter. 1922 entstand der „D-Zug“, eine Zeile aus elf zusammenhängenden Einfamilienhäusern, deren Giebel alle zur Straße zeigen, 1924 das Rathaus, 1929-1931 der Marktplatz, den Professor Kolbe nach Entwürfen Riemerschmids gestaltete. 1937 folgte die Siedlung „Am Pfarrlehen“ mit 28 Kleinstwohnungen, nach 1945 unter anderem die „Dessauer Siedlung“ am Heideweg; auch deren Architekten hielten sich an die Hellerauer Bautradition.
Die Straßenbahn fuhr seit 1911 vom Arsenal der Albertstadt zum Schänkhübel in Klotzsche. 1913 bekam sie eine Abzweigung zur Hellerauer Post, um 1935 reichte sie bis zum Rathaus, 1938 bis Rähnitz. Rund um die Gartenstadt bauten sich bald wohlhabende Bürger und Künstler ihre Häuser. Stadtrecht erhielt der Ort nie.
Festspielhaus Hellerau
Zur Gartenstadt sollte ein kulturelles Zentrum gehören. Das fand Wolf Dohrn, Mitarbeiter Karl Schmidts und erster Geschäftsführer des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes. So entstand 1911 nach einem Entwurf Tessenows das Festspielhaus, in seiner Klarheit und funktionalen Ordnung ein Vorläufer des Bauhaus-Stils.

Innen setzte der Bau die Ideen des Bühnenbildners Adolphe Appia und des Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze um: eine Bühne mitten im Zuschauerraum, ein versenkbarer Orchestergraben, frei verstellbare Sitzreihen. Alexander von Salzmann entwickelte dazu ein diffuses Licht, das durch rückseitig beleuchtete Tuchbahnen fiel.
Auf Dohrns Anregung zog eine Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik ein, geleitet von Jaques-Dalcroze (1865-1950). Über 500 Schüler aus 13 Ländern lernten dort. Zu den Schulfesten, die ab 1911 jeden Sommer stattfanden, reisten Rilke, Shaw, Kafka, Max Reinhardt, Kokoschka, Le Corbusier, Nolde, Rachmaninow und Stefan Zweig an. 1914 musste der Schweizer Deutschland verlassen, und die Schule endete. Seine Schülerin Mary Wigman machte in den 1920er Jahren in Dresden aus dem rhythmischen Tanz den Ausdruckstanz.
Nach 1927 dienten die Räume auch einer Wohlfahrtsschule und einem Seminar für Kindergärtnerinnen. 1932 dirigierte Fritz Busch hier mit der Staatsoper Glucks „Iphigenie in Aulis“. Die Nationalsozialisten wollten ein „Bayreuth des völkischen Dramas“ daraus machen, richteten nach Umbauten, dem Teilabriss der Pensionshäuser und neuen Kasernenflügeln aber eine Polizeischule ein. Im Krieg lag hier ein Lazarett, danach nutzte die Sowjetarmee das Haus als Lazarett, Sporthalle und Kulturhaus.
Nach dem Abzug der GUS-Truppen ging der Komplex 1992 an den Freistaat Sachsen. 1994 sanierte die Wüstenrot-Stiftung als Erstes die Pensionshäuser. 2002 zog das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik ein, aus dem 2004 das Europäische Zentrum der Künste hervorging; Gründungsintendant war der Komponist Udo Zimmermann. Die Innenrestaurierung nach Plänen des Münchner Architekten Josef Meier-Scupin war 2006 abgeschlossen, danach folgte der übrige Komplex. Das Zentrum bespielt das Festspielhaus bis heute.
Deutsche Werkstätten
Bekannt wurden die Werkstätten durch die erste industrielle Möbelfertigung Deutschlands. Ihre schlichten, zweckmäßigen Möbel holten 1900 den Grand Prix der Pariser Weltausstellung und Preise in St. Louis 1904 und wieder in Paris 1937. 1934 zeigten sie in 15 Holzhäusern „Am Sonnenhang“ an der Hellerauer Straße, was Holzbau in der Innenarchitektur leisten konnte.
In der DDR fertigte Hellerau Inneneinbauten für Hotels, Hochschulen und Theater in großen Serien, dazu die begehrten Möbel des MDW-Programms, „Montagemöbel der Deutschen Werkstätten“. Entwurfsbüros, ein Forschungsinstitut für Holztechnologie und ein Forschungszentrum Möbel gehörten dazu. Nach 1990 besann sich der Betrieb auf seine Anfänge und stattete den Landtag, die Neue Synagoge und Dresdner Elbe-Raddampfer aus; 2004 kamen Humidore aus Zedernholz ins Programm. Die Deutschen Werkstätten sind noch immer in Hellerau ansässig.
Landschaftsgebiet Heller
Einst gehörte der Heller zum Waldland der Dresdner Heide. Heute liegt er als Riegel zwischen der Neustadt und den nördlichen Stadtteilen Wilschdorf, Rähnitz, Hellerau und Klotzsche. Die Heidesandterrasse ist hier mit 2 km am breitesten, und ihre Sandgruben lieferten lange Baumaterial für die Stadt. Ab 1960 kamen Halden aus Bauschutt und Abfall hinzu.
Unter den Füßen liegen etwa 50 m Quarz-Heidesand, nach unten hin mit Kies durchsetzt. Darunter folgt stellenweise bis zu 3,50 m kalkhaltiger Bänderton aus der Saalekaltzeit. Damals staute eine Endmoräne nördlich von Meißen die Elbe, und von Osten, aus dem Granodioritgebiet, wurde der Ton ins Tal gespült. Ganz unten liegt grober Flussschotter eines alten Elbbetts, obenauf wehte der Wind in der Späteiszeit mächtige Dünen zusammen. Am Rand zur Heide und zur Jungen Heide wachsen Kiefern mit Birken, Stieleichen, Robinien und hier und da Rotbuchen, sonst vor allem Gestrüpp.
Am Südhang des 215 m hohen Hellerbergs, östlich der Autobahnabfahrt Hellerau, wurde bis um 1850 Wein angebaut. Dass der Heller so leer blieb, lag auch an der sächsischen Armee, die hier übte: Ab 1827 lag unterhalb des Hellerbergs ein Exerzierplatz. Von 1925 bis 1935 war im Osten der städtische Flugplatz in Betrieb, danach breiteten sich Kleingärten aus.
„Zum letzten Heller“
Der Name stammt von einem Wirtshaus, das 1716 als Hellerschänke erwähnt wird und „Letzter Heller“ oder „Zum letzten Heller“ hieß. Es stand im Osten der Jungen Heide nahe den Oltersteinen. Der Sage nach stahl ein Wanderbursche, der nur noch einen Heller in der Tasche hatte, dem Schlangenkönig im Olterteich die goldene Krone, verkaufte sie und baute von dem Erlös die Schänke. 1956 schloss der Ausschank, 1969 wurde das Hauptgebäude abgerissen, 1971 folgten die Nebengebäude, die zuletzt einer Genossenschaft als Scheunen und Ställe gedient hatten.

Erhalten blieb das Sandsteinportal ihres Weinkellers von 1688. Seit 1973 schmückt es den Eingang zum Weinkeller der Sekundogenitur an der Brühlschen Terrasse. Girlanden und Figuren im Stil des deutschen Frühbarock rahmen einen Schlussstein in Form einer Weinbütte, darüber hebt ein weinlaubbekränzter Faun die Trinkschale an den Mund. Wappen und Initialen nennen die Familien von Erdmannsdorff und von Pflugk, denen am Heller Weinberge gehörten.