Porzellansammlung

Kurzinformationen

Gründer:August der Starke, Aufbau vor allem 1710-1730
Schwerpunkte:chinesisches und japanisches Porzellan (Imari, Kakiemon), Meißner Porzellan, Böttger-Steinzeug und Böttger-Porzellan
Erstes Inventar:1721, mehr als 23.000 Porzellane auf 884 Seiten
Standort:seit 1962 im Porzellanpavillon und den Galerien des Zwingers

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfasste die China-Mode die Höfe Europas, kaum ein Schloss kam ohne Porzellankabinett aus. Die holländische Ostindische Companie brachte jährlich bis zu 8 Mio. Stück chinesisches und japanisches Porzellan auf dem Seeweg nach Europa. Tee, Schokolade und Kaffee, die neuen Getränke aus Asien und Amerika, tranken die Fürsten nun aus Porzellan. Nach Dresden kamen die begehrten Stücke meist über Kaufleute der Leipziger Messe.

Die „maladie de porcelaine“ Augusts des Starken

Terrine mit Dekor im Löwenfincker-Stil

Zwischen 1710 und 1730 baute August der Starke die größte Porzellansammlung Europas auf. Seine Besessenheit nannte er selbst ironisch „maladie de porcelaine“. Das „Inventarium über das Palais zu Alt-Dressden Anno 1721“ verzeichnet auf 884 Seiten mehr als 23.000 chinesische, japanische und früh-meißnische Porzellane, bis 1735 wuchs der Bestand auf über 35.000 Objekte.

Das japanische Porzellan, vor allem Imari- und Kakiemon-Ware aus Arita, galt als größter Bestand außerhalb Japans. Die chinesischen Stücke reichen vom zweiten vorchristlichen bis ins 17. Jahrhundert, von der Song- über die Ming- bis zur Kangxi-Zeit. Aus Meißen kamen Arbeiten aus der Zeit zwischen der Erfindung des europäischen Hartporzellans um 1710 in Dresden und dem späten 18. Jahrhundert, darunter Chinoiserien und Blumenmalereien von Johann Gregorius Höroldt und Tierplastiken von Johann Joachim Kändler.

Reihe von Porzellanfiguren aus der Dresdner Porzellansammlung

Das Porzellanschloss, das nie fertig wurde

Porzellanbüste des Hofnarren Joseph Fröhlich von Gottlieb Kirchner, Meißen

1717 kaufte August das zwei Jahre zuvor errichtete Holländische Palais, um seine Sammlung museal aufzustellen. Nach Farben und Gruppen geordnet standen die Porzellane auf lackierten oder vergoldeten Konsolen, umgeben von ostasiatischen Lackmöbeln, Wandbespannungen aus chinesischer Seide und Specksteinarbeiten. Zur Hochzeit des Kurprinzen 1719 zählte das Palais zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. 1730 ließ der König es zum vierflügeligen Japanischen Palais umbauen.

Vorbilder waren die Porzellanpagode von Nanking und das „Trianon de Porcelaine“ Ludwigs XIV. Porzellanplatten mit dem Monogramm „AR“ für Augustus Rex sollten die Fassaden verkleiden. Geplant waren ein Audienzsaal mit Thron und Baldachin aus Porzellan, eine Kapelle mit Porzellankanzel, Porzellanorgel und lebensgroßen Aposteln, dazu Ostasien-Porzellan im Erdgeschoss und Meißner Ware darüber. Gebaut wurde davon nichts, erhalten blieben nur die Mappen mit den Entwürfen.

Augusts Sohn Friedrich August II. (reg. 1733-1763) hatte daran wenig Interesse. Porzellan war nicht mehr selten und kein Prestigeobjekt mehr, Chinoiserien galten als unmodern. Als 1781 die kurfürstliche Bibliothek ins Japanische Palais einzog, wanderten die Porzellane in den Keller, und beim Transport waren „Vandalen“ am Werk, wie man später vor Kisten voller Scherben feststellte.

Neue Ordnung im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Erster Direktor wurde Dr. Gustav Klemm, der 1834 einen gedruckten Museumsführer herausgab. Sein Plan eines keramischen Universalmuseums aller Zeiten und Völker war wenig sinnvoll und kam die Sammlung teuer zu stehen: Um ihn zu finanzieren, wurden unersetzliche Porzellane verkauft.

1876 zog die Sammlung ins Obergeschoss des Johanneums, wo vorher die Gemäldegalerie untergebracht war, und präsentierte sich dort in drei hellen Sälen wissenschaftlich geordnet. Klemms Nachfolger Dr. Graesse verfasste ein grundlegendes Nachschlagewerk über Porzellan- und Fayencemarken.

Ausstellungssaal der Porzellansammlung in den 1930er Jahren

Prof. Dr. Zimmermann, Direktor von 1912 bis 1933, schrieb zwei Bücher über chinesisches und Meißner Porzellan und legte die Idee des Universalmuseums endgültig ab. Die drei alten Hauptgruppen China, Japan und Meißen wurden stattdessen erweitert.

Neu entstand eine Abteilung für chinesische Frühkeramik. 1926/27 brachte der Ankauf der Sammlung Rücker-Embden Grabbeigaben der Han- bis Tang-Zeit, frühe Porzellane der Song-Dynastie und alte Keramik aus Korea und Japan nach Dresden. In der Meißen-Abteilung schlossen Krinolinengruppen und Geschirre von 1735 bis 1750 Lücken.

Auslagerung, Rückkehr, Zwinger

Im Zweiten Weltkrieg lagerte die Sammlung in Schlössern der Dresdner Umgebung, planlose Umlagerungen in den letzten Kriegswochen brachten sie in Gefahr. Noch 1945 spürten sowjetische Bergungskommandos die Porzellane auf und schafften sie in die Sowjetunion. 1958 kehrten sie zurück, 1962 eröffnete die Ausstellung im wiederaufgebauten Zwinger, verteilt auf drei Galerien und zwei Säle des Porzellanpavillons. 2006 kam die Ostasien-Galerie hinzu.

Kändlers Porzellanmodell für ein Reiterstandbild Kurfürst Friedrich Augusts II.

Zu den Meißner Stücken gehören ein Tafelservice, ein Porzellanglockenspiel in einem von Kändler aus Lindenholz geschnitzten Gehäuse und Kändlers Modell für ein Reiterstandbild Friedrich Augusts II., das in großem Maßstab nie ausgeführt wurde. Aus Frankreich stammt ein Porzellanblumenstrauß von 1749, ein Hauptwerk der Manufaktur Vincennes. Geschickt hatte ihn Marie Josepha, die mit dem französischen Thronfolger verheiratete Tochter Friedrich Augusts II.

Dragonervasen mit blauer Unterglasurmalerei

Landeskinder gegen Geld oder Sammelstücke zu tauschen, war damals ein übliches Geschäft. Die „Dragonervasen“, etwa 1 m hohe Deckelvasen mit blauer Unterglasurmalerei, erwarb August der Starke 1717 von Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Bezahlt hat er sie mit 600 sächsischen Dragonern.

Vom Porzellanschloss bis zum Zwinger