Fünf Jahrtausende Bildhauerei, von ägyptischen, altvorderasiatischen und etruskischen Werken über griechische und römische Antike bis zu Mittelalter und Moderne: Seit 2020 verteilt sich die Dresdner Skulpturensammlung auf zwei Häuser. Antike und Frühe Neuzeit bis 1800 stehen im Semperbau am Zwinger, gemeinsam mit der Gemäldegalerie Alte Meister. Die Werke ab 1800 zeigt das Albertinum an der Brühlschen Terrasse, in das die Sammlung 1889 eingezogen war.
Das Antiken-Kabinett

Ab 1707 ließ August der Starke eigene Sammlungen aus der Kurfürstlichen Kunstkammer herauslösen, 1728 entstand so das „Antiken-Kabinett“. Zum Gründungsbestand gehörte die Brandenburgische Sammlung antiker Plastiken mit vor allem römischen Bildnisbüsten, darunter die Sammlung Bellori. August hatte sie 1723-1726 von Friedrich Wilhelm I. von Preußen gekauft.
Dresden war damit die erste deutsche Stadt mit einer großen Antikensammlung nach italienischem Vorbild. Agenten kauften in ganz Südeuropa Marmorskulpturen auf. 1728 kamen 160 Plastiken aus dem Nachlass des Fürsten Agostino Chigi und 34 aus der Sammlung von Kardinal Alessandro Albani in Rom hinzu, mit ihnen die Athena Lemnia, der „Dresdner Knabe“ des Polyklet und der „Dresdner Zeus“, außerdem Vasen, Bronzen und ägyptische Mumien. 1736 folgten in Wien drei Frauenstatuen aus dem Nachlass des Prinzen Eugen von Savoyen, die „Herkulanerinnen“.

Ab 1729 stand die Sammlung in den Pavillons am Palais im Großen Garten, zusammen mit Meisterwerken zeitgenössischer Skulptur. Dort fand Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) Anregungen für seine „Geschichte der Kunst des Altertums“ von 1764. Er arbeitete von 1748 bis 1754 in der Bibliothek von Schloss Nöthnitz, bevor er nach Italien ging. 1786 erhielt die Sammlung zehn Erdgeschosssäle im Japanischen Palais.
1783 kaufte man 833 Gipsabgüsse aus dem Nachlass des Malers Anton Raphael Mengs. Die Abguss-Sammlung wuchs bald auf etwa 4.700 Stück, meist nach griechischen und römischen Werken, aber auch nach Skulpturen von Michelangelo bis Ernst Rietschel. 1794 wurde sie im Erdgeschoss des Stallgebäudes, des späteren Johanneums, aufgestellt, 1857 im Osttrakt der neuen Gemäldegalerie, den Gottfried Semper eigens dafür geplant hatte.
Georg Treu und der Umzug ins Albertinum

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts folgte eine zweite Ankaufswelle mit antiker Kleinkunst, Einzelstücken und einigen ganzen Sammlungen. Den Kern bildeten weiter die römischen Marmorkopien nach griechischen Originalen aus dem 18. Jahrhundert.
1882 wurde der Archäologe Georg Treu (1843-1921) Nachfolger von Hermann Hettner. In gut drei Jahrzehnten machte er die Sammlung zur Forschungsstätte, baute Vasen und Terrakotten zu geschlossenen Beständen aus, übernahm Renaissance- und Barockplastik aus der aufgelösten Kunstkammer und kaufte moderne Werke. Mit Auguste Rodin und Constantin Meunier stand er in Verbindung und erwarb von beiden ganze Kollektionen. Neu war sein Interesse an farbiger Plastik, antiker wie moderner, etwa von Max Klinger.

1884-1889 wurde das ehemalige Zeughaus an der Brühlschen Terrasse zu Archiv und Museum umgebaut, dem Albertinum. Hierher zog die Sammlung aus dem Japanischen Palais, nun unter dem Namen „Skulpturensammlung“. Erstmals zeigte sie ägyptische und vorderasiatische Altertümer, darunter vier große assyrische Palastreliefs, die der englische Geistliche Percy Badger 1862 nach Dresden verkauft hatte. Treu stellte antike und zeitgenössische Plastik weiter einander gegenüber, seine Nachfolger Paul Herrmann, Bruno Schröder und Walter Müller bauten eine Abteilung deutscher und französischer Gegenwartskunst auf.
Beschlagnahme und Rückkehr
1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten bei der Aktion „Entartete Kunst“ 24 Plastiken der modernen Abteilung, darunter Barlachs „Frierendes Mädchen“, Lehmbrucks „Große Kniende“ und Werke von Marcks. Die meisten verkauften sie ins Ausland.
Zu Kriegsbeginn geschlossen und ausgelagert, überstand die Sammlung den Krieg bis auf einige Großgipse ohne nennenswerte Verluste. Nach Kriegsende kam sie nach Moskau, 1958 gab die sowjetische Regierung sie zurück. 1962 wurden ihr die Reste des Sächsischen Altertumsmuseums zugeordnet, dessen Sammlung altsächsischer Kunst großenteils im Februar 1945 im Palais im Großen Garten zerstört worden war. Die erste größere Ausstellung eröffnete 1969 in der wiederhergestellten Renaissance-Halle des Albertinums, einem Rest des alten Zeughauses.

Den weitesten Weg hat die „Große Kniende“ von Wilhelm Lehmbruck (1911) hinter sich. Die Witwe des Bildhauers vermachte sie 1920 der Sammlung, 1937 wurde sie entfernt und in die USA verkauft. 1993 ersteigerte die Skulpturensammlung sie in New York für 1,1 Mio. Dollar zurück.
Nach dem Hochwasser 2002

Bis August 2002 waren die Gipsabgüsse als Schaudepot in den Kellergewölben des Albertinums zugänglich, chronologisch geordnet und ein Museum eigener Art. Das Hochwasser zwang zur Räumung. Danach standen die Abgüsse großenteils in der Antikenhalle, große und kleine Stücke aller Epochen dicht nebeneinander.
Zum 200. Geburtstag von Ernst Rietschel (1804-1861) wurden 2004 Werke aus seinem Nachlass restauriert, darunter das Modell des Giebelfeldes „Die Musik“. Die Sandsteinausführung nach diesem Modell hatte seit 1839 den Südgiebel des ersten Hoftheaters geschmückt und war beim Brand von 1869 verloren gegangen.