Moritzburg: Ort & Umgebung

Kurzinformationen

Ursprung:deutsche Siedlung Eisenberg, 12. Jahrhundert
Ersterwähnung:1305
Marktrecht:1675, zugleich Gerichtsbarkeit
Name Moritzburg:seit 1934, übernommen vom Schloss

Gemeinde Moritzburg

Historisches Gasthaus im Ortskern von Moritzburg

Bis 1934 hieß der Ort gar nicht Moritzburg. Das Waldhufendorf Eisenberg war im 12. Jahrhundert als deutsche Siedlung entstanden, 1305 wird es erstmals erwähnt, 1675 erhielt es Marktrecht und Gerichtsbarkeit. Den Namen des Barockschlosses übernahm es erst sehr viel später.

Ebenfalls 1675 bekam Adams Gasthof das Schankrecht.

Kursächsische Postdistanzsäule von 1730 an der Schlossallee in Moritzburg

An der Schlossallee stehen zwei Postdistanzsäulen von 1730.

Ihre letzten Lebensmonate verbrachte Käthe Kollwitz (1867-1945) in Moritzburg. Die Nationalsozialisten hatten die Malerin, Grafikerin und Bildhauerin mit Berufsverbot belegt, Prinz Ernst Heinrich von Sachsen nahm sie auf. Sie starb am 22. April 1945, wurde zunächst in Moritzburg beigesetzt und später nach Berlin überführt. Ihr Sterbehaus, der Rüdenhof an der Meißner Straße 7, ist seit 1995 als Käthe-Kollwitz-Haus eine Gedenkstätte. Am Käthe-Kollwitz-Platz erinnert ein Gedenkstein mit einem Medaillon nach einem Selbstbildnis an sie, geschaffen 1957 von Etha Richter.

Gebäude des Sächsischen Landgestüts Moritzburg

Bild: Sächsisches Landgestüt Moritzburg

Das Sächsische Landgestüt wurde 1828 als Hengstdepot gegründet. Sein Hauptgebäude ist ein ehemaliger Stall, den Johann Christoph Knöffel 1733 errichtete. An drei Wochenenden im September ziehen die Hengstparaden Pferdefreunde nach Moritzburg, den Schlusspunkt setzt ein Gespann aus 16 Hengsten.

Dampfzug der Schmalspurbahn Lößnitzdackel

1884 wurde die 16,5 km lange Schmalspurstrecke mit 750 mm Spurweite gebaut, auf der der „Lößnitzdackel“ verkehrt. Von Radebeul-Ost dampft er am Haltepunkt Weißes Roß beim Schlösschen Hoflößnitz vorbei durch den Lößnitzgrund nach Moritzburg und weiter nach Radeburg.

Wildgehege Moritzburg

Das erste Wildgatter im Waldpark geht auf Kurfürst August zurück, der 1553-1586 regierte, lange vor seinem Namensvetter August dem Starken. Bruchsteinmauern aus der Zeit Augusts des Starken, der hier eine „Menagerie aller seltenen Arten von Hochwild“ bauen ließ, sind als Abgrenzung der Gehege in Resten erhalten. Das 40 ha große Wildgehege wurde 1945 zerstört und bald wiederhergestellt. Seit 1958 zeigt es heimische Wildarten, heute als Einrichtung des Staatsbetriebs Sachsenforst.

Moritzburger Teich- und Waldgebiet

Kuppen und wannenförmige Senken wechseln hier auf engem Raum, dazwischen Moor, Wiesen und stellenweise urwüchsiger Wald. Einzelne Wasserstellen dienten schon Ende des 15. Jahrhunderts der Fischzucht, zwischen 1650 und 1750 legte man dann in vielen Senken Karpfenteiche an. Am letzten Oktoberwochenende wird der Schlossteich zum Schauabfischen weitgehend abgelassen, dazu gibt es Fischverkauf und Markttreiben.

Im Landschaftsschutzgebiet wachsen Misch- und Bruchwälder und Uferwiesen, mehr als 200 Vogelarten sind nachgewiesen.

Im Oktober 1996 stieß ein Hobbyarchäologe mit dem Metalldetektor im Moritzburger Wald auf drei Kisten aus der verschollen geglaubten Hofsilberkammer der Wettiner. Prinz Heinrich hatte sie in den letzten Kriegswochen 1945 vergraben. Neben dem Tafelsilber, das nach dem Ende der Monarchie den Wettinern geblieben war, fanden sich Arbeiten des Hofjuweliers Dinglinger.

Friedewald

Das Teichgebiet gehört zum Friedewald, 1326 erstmals als landesherrlicher Bannwald erwähnt. Damals reichte er als dichter, sumpfiger und stellenweise unpassierbarer Urwald von Meißen bis zur Dresdner Heide.

Genutzt wurde der Wald schon um das Jahr 1000: für Bau- und Brennholz, von Köhlern, zur Eichel- und Bucheckernmast der Schweine und zur Zeidelweide, der Honiggewinnung von Waldbienen. Im 14. Jahrhundert erließ der Landesherr erste Gesetze gegen Raubbau und setzte Förster zur Aufsicht ein.

Kurfürst Moritz (reg. 1547-1553) machte den Friedewald zum kurfürstlichen Jagdgebiet. Die Hohe Jagd auf Rot- und Damwild, Bär und Luchs blieb dem Landesherrn vorbehalten, die Niedere Jagd kontrollierte er. Es gab Treibjagden mit Treibern und Standschützen, Parforcejagden mit Hunden und Reitern, unter August dem Starken große Beizjagden mit Greifvögeln. Bären und Wölfe fing man in Fallen und hielt sie in Zwingern für Tierhetzen bei Hoffesten. Seit dem 19. Jahrhundert beschränkte sich die Jagd auf Treib- und Pirschjagd.

Vom Schloss bis in den Friedewald