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Friedrichstadt: Aus der Geschichte

[ Geschichte | Palais Brühl-Marcolini | Matthäuskirche, Friedhöfe ]

Urkundliche Ersterwähnung: 1206 als Oztrov (altsorbisch: Flussinsel), 1730 in Neustadt und 1731 in Friedrichstadt umbenannt, Eingemeindung nach Dresden: 1835

Die Friedrichstadt ist westlich der Dresdner Altstadt und der Wilsdruffer Vorstadt gelegen - jenseits des früheren Weißeritz-Flussbettes. Im Westen der heutigen Friedrichstraße befand sich einst das kleine, aus einer sorbischen Siedlung hervorgegangene Bauerndorf Ostra. Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) ließ hier im Jahr 1568 das große Vorwerk (Kammergut) Ostra einrichten. Im Jahr 1730 gründete Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, reg. 1694-1733) hier eine weitere Neustadt neben der rechtselbischen Neuen Königsstadt (heute kurz Neustadt genannt). Im Jahr 1731 gab sich diese zweite Neustadt zu Ehren des damaligen Kurprinzen Friedrich August (Sohn des Kurfürsten) den Namen Friedrichstadt.

Die Friedrichstadt gehört zu den ersten nach Dresden eingemeindeten Vorstädten (1835/36). Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Fabrikbezirk mit bedeutenden Verkehrseinrichtungen vor allem der Eisenbahn und des Schiffsverkehrs (Elbhafen).

Die Friedrichstadt ist ohne Frage der außergewöhnlichste und kontrastreichste Dresdner Stadtteil. Einerseits besitzt sie eine bedeutende Geschichte, wertvolle historische Bauten, den prächtigsten Brunnen Dresdens (den Neptunbrunnen) und war Wirkstätte bedeutender Architekten, Wissenschaftler, Pädagogen und Künstler (z.B. der weltberühmten Künstlergruppe "Die Brücke"). Andererseits leidet dieser ehemalige Fabrikbezirk und Arbeiterwohnort seit langem unter großen sozialen Problemen. Bis in die Gegenwart hinein gibt es hier eine hohe Arbeitslosigkeit, besonders viele Sozialhilfeempfänger, eher bescheidene Einkaufsmöglichkeiten, sehr viel Brachland und zahlreiche verfallende Häuser. Bemerkenswert ist auch der Kontrast zwischen den technischen Großanlagen für den Bahn- und Schiffsverkehr, das Baugewerbe und städtische Aufgaben einerseits und den weiten landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grünflächen im Bereich Großes Ostragehege/Flutgraben andererseits.

Die Friedrichstädter Flur teilt sich in den weitgehend hochwasserfreien und dicht bebauten Bereich südlich der Magdeburger und Bremer Straße und den stark hochwassergefährdeten, vorwiegend als Wiesenland genutzten Weißeritz-Schwemmfächer nördlich davon. Der Fluss Weißeritz mündete bis zum Jahr 1893 zwischen der Wilsdruffer Vorstadt und der Friedrichstadt - westlich neben der Marienbrücke - in die Elbe. Der mächtige Schwemmfächer zwang den Elbstrom hier, im Westen des Dresdner Stadtgebietes, in eine große Nordschleife, in der sich heute das Große Ostragehege, die Flutrinne und der Elbhafen (Alberthafen) befinden. Nur die um 1905 künstlich aufgeschüttete Schlachthofinsel, das heutige Dresdner Messegelände, ist in diesem Gebiet hochwasserfrei. Sie wurde auch vom Rekord-Hochwasser im August 2002 nicht überspült.

Dorf und Flur Ostra

Die Urkunde von 1206, in der Dresden erstmals erwähnt wird, nennt auch ein altes sorbisches Dorf Oztrov (altsorbisch: Flussinsel). Es befand sich auf einem hochwasserfreien Gelände im Westen der heutigen Friedrichstraße. Aus dieser sorbischen Siedlung ging das Bauerndorf Ostra hervor, das schon früh einen Herrenhof, elf Bauerngüter und einige kleine Ansiedlungen umfasste.

Westlich von Oztrov gab es in früher Zeit zwei weitere Dörfer: östlich der heutigen Flügelwegbrücke an der Elbe das erstmals im Jahr 1071 erwähnte Dorf Wirnotine oder Wernten (altsorbisch: Besitz des Vernota) und im Bereich der heutigen Bahnanlagen südlich der Hamburger Straße das erstmals im Jahr 1326 erwähnte Dorf Rostagk (altsorbisch: rostok = Flussgabel) oder Rodstok (deutsch: Rodestock). Diese beiden Dörfer wurden schon im ausgehenden Mittelalter aufgelassen und fanden danach nur noch als Wüstungen Erwähnung.

Um 1510, also kurz vor der Reformation, gelangte das Herrengut Ostra in den Besitz des Meißner Bischofs. Aus alten Dokumenten ist bekannt, dass die Bauern dem neuen Eigentümer die Huldigung verweigerten und daraufhin mit dem Bann belegt und solange auf der Burg Stolpen, die damals (bis 1559) den Meißner Bischöfen gehörte, gefangen gehalten wurden, bis sie sich unterwarfen.

Vorwerk (Kammergut) Ostra

Die in der Wilsdruffer Vorstadt gelegene Fläche zwischen dem Elbufer und der Ostra-Allee (dem ehem. Fahrweg von der Dresdner Altstadt nach Ostra), wo heute u.a. das Kongresszentrum und das Kongresshotel stehen, wurde einst Kleines Ostragehege genannt. Hier befand sich das Vorwerk Klein-Ostra (Ostro minor, Ostrav Parvum). Der spätere Herzog (ab 1541) und Kurfürst (ab 1547) Moritz von Sachsen erwarb diesen "Baumgarten zu Klein-Ostra" im Jahr 1535 vom herzoglichen Rat Georg von Komerstädt unerachtet der bischöflichen Lehnsrechte.

Der Nachfolger von Kurfürst Moritz, Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586; nicht mit August dem Starken verwechseln!), wollte eine bedeutende kurfürstliche Gutswirtschaft einrichten, für die das Vorwerk Klein-Ostra nicht ausreichte. Deshalb erwarb er im Jahr 1559 vom Meißner Bischof gegen Tausch die Flur Ostra mit umliegenden Ortschaften. Dort ließ er ab 1568 ein großes Vorwerk (Kammergut) für die landwirtschaftliche Versorgung Dresdens anlegen. Die Ostraer Bauern und Gärtner mussten diesem Vorwerk weichen. Vier Bauern und vier Gärtner siedelte der Landesherr auf dem Gut Zschertnitz an, das er im Jahr 1569 zu diesem Zweck erwarb, und elf Ostraer Bauern auf der Flur des aufgelösten Klostergutes Leubnitz, wo auf diese Weise das Dorf Neuostra entstand. Die übrigen Ostraer Bauern und Gärtner erhielten eine Abfindung durch Geld, auf das sie z.T. jahrelang warten mussten.

Kurfürst August ließ im Vorwerk Ostra mehrere Wirtschaftsgebäude, einen Viehhof und einen Obstgarten anlegen. Der kurfürstliche Küchengarten (Menagerie) des Kammergutes befand sich westlich neben dem Gebiet des späteren Inneren Katholischen Friedhofes (auf dem Menagerie-Gelände erstreckt sich heute eine Kleingartenanlage). Der Kurfürst erwarb auch die Hofmühle in Plauen, die nun für das Vorwerk mahlte. Durch Enteignung von Cottaer und Löbtauer Bauern vergrößerte er die Vorwerks-Flur auf mehr als 600 ha.

Bauern zahlreicher Dörfer um Dresden sowie der Ämter Moritzburg, Radeberg und Pirna hatten Frondienste für das Vorwerk zu leisten (insgesamt 2.500 Pflugtage, Spannfuhren und Handdienste jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang). Eine Möglichkeit zur Übernachtung fanden sie auf dem Frönerhof am Freiberger Platz und ab 1614 auf dem neuen Frönerhof am Anfang der Schäferstraße. Die hier gebaute Vorwerks-Schäferei bestand noch bis 1903.

Um den großen Arbeitskräftebedarf des Vorwerks zu decken, führte der Kurfürst im Jahr 1568 den Gesindezwangsdienst ein. Die Kinder der Untertanen des Dresdner Amtes mussten nun zwei Jahre lang in Ostra als Knechte bzw. Mägde dienen. Ab 1648, nach dem Dreißigjährigen Krieg, waren hier auch böhmische Auswanderer als Tagelöhner beschäftigt. Sie waren in den Drescherhäusern bei Löbtau untergebracht.

Der kurfürstliche Hof betrieb auf der Flur Ostra auch eine Fasanerie (im Jahr 1716 in den Großen Garten verlegt) und ab 1696 ein Tiergehege, das dem Großen Ostragehege den Namen gab.

Nach der Abschaffung der Frondienste um 1830 betrieb das Ostra-Vorwerk vorrangig Milchwirtschaft. Die Vorwerkswirtschaft endete im Jahr 1917. Danach wurden die Gebäude und Flächen von der Dresdner Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft genutzt.

Vorstädtische Bebauung, Gründung der Friedrichstadt

Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen wollte ab 1670 durch großzügige Vergünstigungen wie z.B. unentgeltliche Baustellen und Gewerbefreiheit Handwerker zur Ansiedlung an der Ostra-Straße, dem Fahrweg von Dresden nach Ostra, veranlassen. Dies wurde jedoch durch die Dresdner Innungen boykottiert. Noch zehn Jahre später siedelten hier nur drei Handwerker. Statt dessen hatten zahlreiche Edelleute, Hofbeamte und wohlhabende Dresdner Bürger die Vergünstigungen für sich genutzt und hier Sommergärten und Lusthäuser angelegt. Im Jahr 1722 zählte man etwa 60 Grundstücksbesitzer im Gebiet Ostra.

Um 1690 begann die vorstädtische Bebauung des Gebietes Ostra. Im Jahr 1692 entstand die kurfürstliche Salpeterhütte an der Schäferstraße, im Jahr 1718 die Wachsbleiche des Barons von Blumenthal an der Wachsbleichstraße und im Jahr 1720 das Brauhaus der Gräfin von Manteuffel an der Bräuergasse.

Im Jahr 1730 erklärte Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, reg. 1694-1733) die Siedlung Ostra zur Neustadt. Somit gab es nun eine weitere Neustadt neben der ebenfalls von August dem Starken am Ort des im Jahr 1685 abgebrannten rechtselbischen Stadtteils Altendresden gegründeten Neuen Königsstadt (heute kurz Neustadt genannt).

Die Neustädter Gemeinde legte im Jahr 1730 einen geräumigen Marktplatz an (jetzt Hohenthalplatz, ein kleiner Park) und baute an der Friedrichstraße - an dem seit 1725 bestehenden Inneren Matthäusfriedhof - die evangelische Matthäuskirche (1728-1732, Entwurf: Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann).

Im Jahr 1731 benannte sich die Neustadt nach dem damaligen Kurprinzen, dem späteren Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, in Friedrichstadt um. Das begehrte Stadtrecht erlangte sie allerdings nicht (auch nicht mehr bis zur Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1835).

Hatte es um 1722 im Gebiet Ostra nur etwa 60 Grundstücke gegeben, so nahm die Anzahl der Wohnhäuser nach der Gründung der Friedrichstadt im Jahr 1731 schnell zu. Hinter den Gärten an der Ostrastraße bis hin zur Schäferei entstand ein neues Wohnviertel mit niedrigen Vorstadthäusern und einem regelmäßigen Straßennetz. Zu dieser Zeit richteten außerdem zahlreiche Angehörige des Hofadels sowie Dresdner Künstler ihren Sommersitz in der Friedrichstadt ein.

Bis 1734 durften die Häuser der Dresdner Vorstädte nur aus Holz gebaut werden, damit man sie im Falle einer Belagerung schnell abbrennen konnte, um ein freies Sicht- und Schussfeld vor der Stadtfestung herzustellen. Das erste aus Stein gebaute Wohnhaus der Friedrichstadt entstand im Jahr 1738. Kurz darauf baute man an der Friedrichstraße mehrere schöne Barockhäuser, von denen einige bis heute erhalten blieben.

Östlich neben dem Inneren Katholischen Friedhof errichtete der berühmte Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann für seinen Sohn, den Hofmaler Adolph Pöppelmann, einen kleinen Palast im Garten des Grundstücks. Auf diesem Grundstück (Friedrichstraße 56) entstand im Jahr 1820 eine Spirituosenfabrik, die Ludwig Bramsch im Jahr 1839 übernahm und die noch in der Zeit der DDR in Betrieb war.

Daneben (auf dem Grundstück Friedrichstraße 50) hatte sich Hofzahlmeister August Franz Essenius im Jahr 1738 ein Wohnhaus errichten lassen - das bereits erwähnte erste steinerne Wohnhaus der Friedrichstadt. Von 1747 bis zur Zerstörung des Hauses durch die Bombenangriffe im Februar 1945 war hier ein katholisches Krankenstift eingerichtet. Dahinter, im Garten an der Magdeburger Straße, stand ab 1749 die katholische Pfarrkirche St. Michael.

Im großen Gartenhaus Friedrichstraße 44 wurde im Jahr 1803 der berühmte Maler der Romantik Ludwig Richter geboren.

Städtische Entwicklung der Friedrichstadt nach der Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1835

Im Jahr 1835 verlor die Friedrichstadt trotz gegenteiliger Bemühungen ihre Selbstständigkeit und erfuhr zusammen mit der Wilsdruffer und der Pirnaischen Vorstadt die Eingemeindung nach Dresden.

Im Jahr 1836 wurde an der Weißeritzstraße das im Dölzschener Eisenhammer gegossene, von Ernst Rietschel entworfene Denkmal für König Anton von Sachsen (reg. 1827-1836) aufgestellt. Heute ist es auf dem Hohenthalplatz zu finden.

Am westlichen Ende der Schäferstraße, in einem damals noch sehr abgelegenen Gebiet, richtete das Dresdner Militär unmittelbar nach der Eingemeindung der Friedrichstadt seine Pulvermagazine ein.

Nach der Eingemeindung wählten zahlreiche Intellektuelle und Künstler diesen Stadtteil zum Wohnort. Professor Andreas Schubert, der Konstrukteur der ersten deutschen Lokomotive und des ersten sächsischen Personendampfschiffes, wohnte im Haus Friedrichstraße 46. Sein Untermieter war Hofkapellmeister August Röckel, der dann wegen seiner Teilnahme am Maiaufstand 1849 eine dreizehnjährige Haftstrafe verbüßen musste. Im Ostragut wohnte Vermessungsdirektor Moritz Pressler, der entscheidend an der Friedrichstädter Stadtplanung mitwirkte.

Das Elbehochwasser im März 1845 überschwemmte große Teile der Friedrichstadt (auch im August 2002 wurde der Stadtteil gleich zweimal schwer getroffen - erst durch das verheerende Weißeritz-Hochwasser und etwa eine Woche später durch das Jahrhundert-Hochwasser der Elbe). Nicht zuletzt unter dem Eindruck dieses Hochwassers von 1845 regte Vermessungsdirektor Moritz Pressler an, die Weißeritz nach Cotta umzuleiten, auf dem ehemaligen Flussbett den Bahnhof Dresden-Mitte anzulegen, einen Straßendurchbruch zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße zu schaffen und einen großen Elbhafen im Ostragehege zu bauen. Diese Vorschläge wurden dann nach und nach bis zum Jahr 1901 umgesetzt.

Mit dem Durchbruch der Wettiner Straße (heute Schweriner Straße) zwischen 1873 und 1875 und dem Bau einer neuen Weißeritzbrücke entstand eine direkte Verbindung zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße. Bis dahin war die Friedrichstadt von der Dresdner Altstadt nur über die Ostra-Allee mit der Weißeritz-Brücke an der Maxstraße zu erreichen.

Die Stadt Dresden nutzte die Ostrawiesen nach der Eingemeindung der Friedrichstadt für die Fäkalienentsorgung. Ansonsten schüttete man die aus den Dresdner Abortgruben geräumten Fäkalien auch einfach bei Cotta in die Elbe.

Fabrikbezirk Friedrichstadt ab 1878

Die Berliner Privatbahn baute im Jahr 1875 an der Waltherstraße den Berliner Bahnhof (heute S-Bahn-Haltestelle Dresden-Friedrichstadt) als Endpunkt der Privatbahnstrecke Berlin-Dresden. Diese verlief über eine bei Niederwartha gebaute Elbbrücke. Später übernahm der sächsische Staat die Berliner Bahn und schuf in der Friedrichstadt einen großen Güter- und Rangierbahnhof (Verschiebebahnhof) sowie Eisenbahnwerkstätten, aus denen später das Reichsbahn-Ausbesserungswerk hervor ging. Zum Rangierbahnhof gehört ein 2,5 km langer und bis zu 17 m (über Straßenniveau) hoher Ablaufberg, der mit dem Aushub der im Großen Ostragehege angelegten Flutrinne aufgeschüttet worden war.

Im Jahr 1878 erklärte der Dresdner Stadtrat die Friedrichstadt zum Fabrikbezirk.

Im Jahr 1884 ging in der Friedrichstadt die Nähmaschinenfabrik Seidel und Naumann in Betrieb (in der Zeit der DDR als Schreibmaschinenwerk fortgeführt).

Nach weiteren Überschwemmungen wie der von 1890 verlegte man das Flussbett der Weißeritz, den Plänen von Vermessungsdirektor Moritz Pressler folgend, zwischen 1891 und 1893 nach Cotta. Hiermit begann ein bis etwa 1900 andauernder weitreichender Umbau der Friedrichstadt - vor allem im ehemaligen Weißeritzgebiet. Zu dieser Zeit entstanden unter anderem der Elbhafen, die Großmarkthalle und der Bahnhof Dresden-Mitte. Gemeinsam mit diesem Bahnhof wurde im Jahr 1901 der Eisenbahn-Hochdamm fertiggestellt, der bis zu der damals ebenfalls neu errichteten Eisenbahnbrücke führt, die westlich neben der Marienbrücke, wo einst die Weißeritz in die Elbe mündete, den Elbstrom überquert. Im Jahr 1913 ging im Großen Ostragehege auf einem aufgeschütteten und dadurch hochwasserfreien Areal der neue Dresdner Vieh- und Schlachthof in Betrieb.

Städtische Mühle in der FriedrichstadtDie Firma Bienert, die eine Wassermühle, dann eine Dampfmühle an der Weißeritz in Dresden-Plauen betrieb, ließ sich von William Lossow und Hans Max Kühne neben dem Elbhafen eine Mühle in Eisenbetonbauweise mit einem 64 m hohen Siloturm errichten (s. Bild). In Bienerts Hafenmühle, die damals zu den modernsten Mühlen Deutschlands gehörte, wurde unter anderem das im benachbarten Elbhafen angelandete Getreide gemahlen. Heute dient das Gebäude als Städtische Mühle.
Auf dem ehemaligen Flussbett der Weißeritz entstanden neben der Großmarkthalle, dem Bahnhof Dresden-Mitte und dem Hochdamm auch die Kühlhallen (1911) und die Yenidze (1912), eine pseudo-orientalische, moscheeartige Zigarettenfabrik. Im Süden, nahe des Kohlenbahnhofes, entstanden auf dem ehemaligen Flussgelände der Straßenbauhof und Anlagen der städtischen Lagerwirtschaft. Die Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft übernahm im Jahr 1917 auch die an der Magdeburger und der Bremer Straße gelegenen Flächen des ehem. Ostra-Vorwerks. Noch heute werden diese vorrangig gewerblich genutzt.

Freimaurer-Institut, Lehrerseminar und Schulen der Friedrichstadt

Nach der Hungersnot von 1771/72 gründeten Freimaurerlogen in der Friedrichstadt eine Armenschule für die Unterrichtung und Verpflegung von 30 Jungen und Mädchen. Daraus entstand später eine höhere Heimschule - das Freimaurer-Institut an der Institutsgasse. Dieses wechselte im Jahr 1899 zur Eisenacher Straße in Striesen. Dort bezogen nach 1945 die Kreuzschule und der Kreuzchor, deren Gebäude den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer gefallen waren, ihr Ausweichquartier.

In der sehr armen Gemeinde Friedrichstadt besuchten im Jahr 1782 etwa 340 Kinder nur bescheidene Winkelschulen und etwa 760 Kinder gar keine Schule. Mit Hilfe von Stiftungen wurden im Jahr 1784 einige Räume für den Unterricht gemietet, bevor dann im Jahr 1785 eine Armen- und Realschule eröffnete. Das im Jahr 1827 erneuerte Schulgebäude an der Seminarstraße (ehem. Badergasse) Nr. 11 blieb erhalten. Es zeigt sich mit Inschriften, einem Relief und einem Türmchen.

In die Armen- und Realschule zog im Jahr 1787 auch das erste sächsische Lehrerseminar, damals eine der bedeutendsten Lehrer-Ausbildungseinrichtungen Sachsens, ein. Der bekannte Pädagoge Friedrich Dinter war von 1797 bis 1807 als Direktor dieser Einrichtung tätig. Von 1865 bis 1910 besaß das Lehrerseminar dann an der Waltherstraße, nördlich der Kreuzung Schäferstraße, ein Gebäude, danach an der Teplitzer Straße in Strehlen.

Künstlervereinigung "Die Brücke"

Im Jahr 1905 schlossen sich die Architekturstudenten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff zu der später weltbekannten expressionistischen Dresdner Künstlervereinigung "Die Brücke" zusammen. Ihr erstes Gemeinschafts-Atelier richteten sie in der Friedrichstadt in einem ehemaligen Schuhmacherladen (Berliner Straße 78) ein.

Die Künstler der "Brücke" widmeten sich auch dem damaligen Friedrichstädter Lebensmilieu und den sozialen Problemen in diesem Arbeiterwohngebiet.

Zerstörung der Friedrichstadt im Februar 1945, Wiederaufbau

Ein Denkmal in den Grünanlagen Ecke Friedrichstraße/Weißeritzstraße erinnert an die Blutnacht vom 25. Januar 1933. Damals hatte ein Polizeieinsatz gegen eine Versammlung der organisierten Arbeiterschaft im Keglerheim neun Todesopfer gefordert. Das Keglerheim fiel den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer.

Die englischen und amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 legten große Teile der Friedrichstadt in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau begann zunächst mit den wichtigsten Verkehrs- und Industrieanlagen wie den Kühlhallen, der Markthalle, dem Hafen, dem Schlachthof, dem Straßenbahnhof Waltherstraße, dem Verschiebe- und Güterbahnhof und dem Bahnausbesserungswerk. Auch das aus dem Palais Brühl-Marcolini hervorgegangene Friedrichstädter Krankenhaus wurde bald wieder aufgebaut und mit mehreren Erweiterungsbauten ergänzt.

Ab 1974 wurden - unter der Leitung der Dresdner Denkmalpfleger - die Matthäuskirche sowie historische Bauteile des Palais Brühl-Marcolini und einige Barockfassaden an der Friedrichstraße wieder hergestellt.

Während der Grundriss der Friedrichstadt weitgehend erhalten blieb, erfuhr die Bausubstanz des alten Arbeiterwohnviertels ab 1976 - zunächst im Umfeld der Berliner Straße und der Vorwerkstraße - eine umfassende Modernisierung. An der Schäferstraße stehen seitdem recht unschöne Wohnblöcke, die das Stadtbild sehr beeinträchtigen.

Zur Bewahrung der nicht wenigen architektonischen Kostbarkeiten der Friedrichstadt wurde im Jahr 1993 ein Denkmalpflegeplan für diesen Stadtteil beschlossen, dessen Umsetzung allerdings durch erhebliche Probleme mit der Finanzierung sowie auch durch ungeklärte Eigentumsverhältnisse gehemmt wird. Die Sanierung der vielen brach liegenden Grundstücke und verfallenden Gebäude erstreckt sich somit über einen langen Zeitraum.

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