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Stadtteil Friedrichstadt
Palais Brühl-Marcolini
Lage: Friedrichstraße
Bauzeit, Architekten: Kleines Palais: 1727, Johann Christoph Neumann, barocker Umbau für Graf Brühl: 1736, Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel, Umbau im Stil des Klassizismus und Aufstockung: nach 1774, Hofbaumeister Johann Daniel Schade
Merkmale: zurückhaltend geschmücktes, harmonisch angelegtes klassizistisches Bauwerk mit schlichter Fassade in Lisenen-Architektur, 200 m lange Front zur Friedrichstraße, Innenausstattung: erhalten blieben Teile der Ausstattung des Chinesischen Zimmers (nach seinem prominentesten Gast auch Napoleonzimmer genannt: Kaiser Napoleon Bonaparte hatte 1813 hier Quartier bezogen und seine berühmte Unterredung mit dem österreichischen Minister Fürst von Metternich gehalten, in deren Ergebnis sich Österreich den anti-napoleonischen Verbündeten anschloss)
Nutzung: ursprünglich Sommersitz der Fürstin von Teschen, dann des Premierministers Graf Brühl, danach Haus des Kabinettministers Graf Marcolini, heute Bestandteil des Friedrichstädter Krankenhauses
Aus der Geschichte: 1727: Bau des Kleinen Palais (dreiflügeliges schlichtes Barockgebäude mit einem Ehrenhof vor dem Mittelbau, wahrscheinlich von Johann Christoph Neumann entworfen) südöstlich des Ostra-Vorwerks (auf dem Gelände des heutigen Palais Brühl-Marcolini) als Sommersitz für die Fürstin von Teschen bzw. den Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck, 1736: Wechsel in den Besitz des Premierministers Graf Heinrich von Brühl (1700-1763), Umbau in ein Barock-Palais (Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel), Ausstattung des Gartens mit prächtigem Skulpturenschmuck, prunkvolle Hoffeste in Palais und Barockgarten, ab 1763 (nach Brühls Tod): Verfall der Barockanlage, 1774: Wechsel in den Besitz des Kabinettministers Graf Camillo Marcolini (1739-1814), Umbau im Stil des Klassizismus durch Hofbaumeister Johann Daniel Schade, dekorative Ausmalung der Innenräume durch Christian Traugott Weinlig, Ausstattung der Fassaden mit Skulpturen der Bildhauer Johann Baptist Dorsch und Thaddeus Wiskotschill, ab 1814 (nach dem Tod Graf Marcolinis): Verfall des Palais, 1835: Kauf und Sanierung durch den Hofbuchdrucker und Stadtrat Ernst Werner, Vermietung der schönsten Räume an reiche Engländer und des Ostflügels an Dresdner Bürger (z.B. an den Bildhauer Ernst Hähnel, im Obergeschoss wohnte ab 1847 Hofkapellmeister Richard Wagner, der hier unter anderem am "Lohengrin" arbeitete), 1849: Wechsel in den Besitz der Stadt Dresden, Einrichtung eines Städtischen Krankenhauses, später: Vergrößerung des Krankenhausgeländes (auch über die Grundstücke des Manteuffelschen Brauhauses an der Bräuergasse und der alten Staatlichen Frauenklinik hinweg), Zeit der DDR: zahlreiche Neubauten |
 Bilder: Eingang an der Parkseite des Palais Brühl-Marcolini und Nordfassade an der Friedrichstraße (Zustand um 1935; nach einem alten Foto, verändert)

Neptunbrunnen
Lage: Südmauer des ehem. Barockgartens (Französischen Gartens) des Palais Brühl-Marcolini (in der Hauptachse des Gartens)
Entstehungszeit, Bildhauer: 1741-1746, Lorenzo Mattielli (Entwürfe wahrscheinlich von Zacharias Longuelune)
Merkmale: eine der größten und bedeutendsten Brunnenanlagen Dresdens, 40 m breit, dreistöckig, schönes barockes Figuren-Ensemble aus Sandstein, gekrönt von Amphitrite und Poseidon |
Bild: Neptunbrunnen im Zustand um 1935 (nach einem alten Foto, verändert)

Matthäuskirche
Lage: Friedrichstraße
Bauzeit: 1728-1732
Entwurf: Matthäus Daniel Pöppelmann (bedeutender Barock-Baumeister, Schöpfer des Dresdner Zwingers)
Merkmale: schlichter Barockbau mit rechteckigem Grundriss (dieser erinnert an die später ebenfalls nach Plänen Pöppelmanns errichtete Dreikönigskirche), 46 m hoher Turm, Grab von Matthäus Daniel Pöppelmann in der Gruft
Nutzung: Evangelische Kirche
Aus der Geschichte: Februar 1945: Brandzerstörung durch die Bombenangriffe, bis 1978: Wiederaufbau (außen originalgetreu, innen in moderner Gestalt) |
Historische Friedhöfe der Friedrichstadt
Alter Katholischer Friedhof (Innerer Katholischer Friedhof): 1720/21 (Bestattungen ab 1724, Kapelle von 1842), an der Friedrichstraße gelegen, von Kaisertochter Maria Josepha (Gemahlin des Prinzen - späteren Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen) als erster bedeutender katholischer Friedhof Dresdens gegründet (vorher waren namhafte katholische Sachsen unter anderem im Oberlausitzer Kloster St. Marienstern beigesetzt worden), zahlreiche wertvolle Grabmale des Barock, des Rokoko und des Klassizismus
Grabmal von Carl Maria von Weber (1786-1826) an der Nordseite des Friedhofes (Entwurf: Gottfried Semper), Grabmal des Dresdner Barock-Bildhauers Balthasar Permoser (1651-1732) mit der Kreuzigungsgruppe von dessen eigener Hand (für deren Sicherung wurde die Kapelle 1914 erweitert), weitere bedeutende Grabmale: Direktor der Kunstakademie Giovanni Battista Casanova (1730-1795; Bruder des berühmten Abenteurers), Maler Gerhard von Kügelgen (1772-1820), Feldmarschall Johann Georg Chevalier de Saxe (1704-1744; unehelicher Sohn von August dem Starken und der Gräfin Lubomirska), Pianistin Mary Krebs (1851-1900), Tenor Joseph Tichatschek (1807-1886), Musiker Anton Dreyssig (1774-1815), Dichter Friedrich von Schlegel (1772-1829), Johann Georg von Sachsen (Bruder des letzten sächsischen Königs)
Innerer Matthäusfriedhof: evangelisch, 1725, an der Matthäuskirche, bedeutende Grabmale: Wilhelm Walther (1826-1913, Schöpfer des Fürstenzuges), Johann Andreas Schubert (1808-1870, Professor an der Technischen Bildungsanstalt, Konstrukteur der ersten deutschen Lokomotive "Saxonia" und des ersten sächsischen Personendampfschiffes)
Äußerer Katholischer Friedhof (Neuer Katholischer Friedhof): an der Bremer Straße, u.a. Grab des bedeutenden Malers der Romantik Ludwig Richter (gest. 1884) |
 Bild: Kapelle des Alten Katholischen Friedhofes
Yenidze (Tabakmoschee)
Lage: Magdeburger Straße (nahe der Marienbrücke)
Bauzeit, Architekt: 1909-1912, Hermann Martin Hammitzsch (Lehrer an der Dresdner Staatsbauschule, bereiste im Auftrag des Bauherren den Orient, um sich Anregungen für die Baugestaltung zu holen, wurde wegen dieses für Dresden ungewöhnlichen Bauwerkes aus dem sehr konservativen sächsischen Berufsverband der Architekten ausgeschlossen, heiratete 1936 Angela Raubal (Schwester Adolf Hitlers), nahm sich 1945 als überzeugter Nationalsozialist das Leben)
Merkmale: Fabrikgebäude im orientalischen Baustil einer Moschee nach dem Vorbild des Mamelucken-Grabes des Khair Bak in Kairo, weltweit erster Stahlbeton-Skelettbau mit immens großen Räumen auf 6 Etagen, Schornstein als Minarett verkleidet (ein Fabrikschornstein wäre zur Bauzeit in der Königlichen Residenzstadt Dresden ohne eine solche Verkleidung nicht geduldet worden), 600 Fenster, 17 m hohe Kuppel aus drei rot-grün gestalteten Schmuckbändern und gelb-blau gestaltetem Kuppelglas (18 m im Durchmesser, 62 t schwer), Abschluss mit goldener Krone
Nutzung: ursprünglich Zigarettenfabrik, später Tabakkontor, heute Büro- und Geschäftshaus, unter der Kuppel ein Restaurant mit herrlicher Aussicht über die Stadt
Aus der Geschichte: für den Zigarettenfabrikanten Hugo Zietz errichtet, Dresden leistete Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 60% der Zigarettenproduktion Deutschlands, "Salem" war die bekannteste Zigarettenmarke von Hugo Zietz, Februar 1945: starke Beschädigung durch die Bombenangriffe, 1947: Wiederanlaufen der Zigarettenproduktion, ab 1953: zentrales Tabakkontor der DDR, 1996: Wiedereröffnung als Büro- und Geschäftsgebäude nach einer umfassenden Sanierung
Name: Yenidze ist der alte Name der nordgriechischen Kleinstadt Giannitsa ("Neue Stadt", Provinzstadt der Präfektur Pella, etwa 60 km nordwestlich von Thessaloniki an der Nationalstraße nach Edessa gelegen), 1385 vom osmanischen General Ghazi Achmet Ebrenos gegründet (in der Zeit der Besatzung Griechenlands durch die Osmanen). In dieser fruchtbaren Ebene Mazedoniens wird seit mehr als hundert Jahren Tabak angebaut (heute allerdings meistens Obst, Baumwolle, Getreide und Zuckerrüben). Aus der Zeit des Osmanischen Reiches sind in Giannitsa einige Baudenkmäler erhalten geblieben (das Mausoleum und Gemeindehaus der Osmanen wurde unlängst mit Hilfe von EU-Finanzmitteln restauriert).
www.kuppelrestaurant.de www.1001maerchen.de |
 Bild: Yenidze (Tabakmoschee), von Osten gesehen
Freimaurer-Institut, Lehrerseminar
1771/72 (nach einer Hungersnot): Gründung einer Armenschule in der Friedrichstadt durch Freimaurerlogen für die Unterrichtung und Verpflegung von 30 Jungen und Mädchen, Weiterentwicklung zum Freimaurer-Institut an der Institutsgasse (eine höhere Heimschule), wechselte 1899 zur Eisenacher Straße in Striesen (dort bezogen nach 1945 die Kreuzschule und der Kreuzchor, deren Gebäude den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer gefallen waren, ihr Ausweichquartier),
1787: Einzug des ersten sächsischen Lehrerseminars (damals eine der bedeutendsten Lehrer-Ausbildungseinrichtungen Sachsens) in die Friedrichstädter Armen- und Realschule (1797-1807 war der bekannte Pädagoge Friedrich Dinter Direktor dieser Einrichtung), 1865-1910: Gebäude des Lehrerseminars an der Waltherstraße (nördlich der Kreuzung Schäferstraße), danach an der Teplitzer Straße in Strehlen |
Künstlervereinigung "Die Brücke"
1905: Gründung der (später weltbekannten) expressionistischen Dresdner Künstlervereinigung "Die Brücke" durch die Architekturstudenten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff, erstes Gemeinschafts-Atelier Berliner Straße 78 (ein ehemaliger Schuhmacherladen in der Friedrichstadt), die "Brücke" widmeten sich auch dem damaligen Friedrichstädter Lebensmilieu und den sozialen Problemen in diesem Arbeiterwohngebiet |
Großes Ostragehege, Elbhafen, Schlachthof, Dresdner Messe
Großes Ostragehege, Sportanlagen
Lage: Altstädter Elbbogen im ehem. Mündungsgebiet des Flusses Weißeritz (mündete bis zur Flussverlegung 1893 westlich der Marienbrücke im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke in die Elbe, hatte hier enorme Materialmengen aus dem Erzgebirgsvorland zu einem großen Schwemmfächer - Altstädter Elbbogen - abgelagert)
Aus der Geschichte: im 19. Jahrhundert Entwicklung zu einem beliebten Naherholungsgebiet für die Friedrichstadt und Pieschen (einige Reste der Uferbauten der einstigen Elbfähre von Pieschen blieben erhalten), ab 1920 Bau großer Sportanlagen, später auch des Heinz-Steyer-Stadions und der Eissporthalle |
 Bild: Bis zum 18. Jahrhundert war das Große Ostragehege kurfürstliches Jagdgebiet und Wildpark. In den zahlreichen Kleingewässern (Lachen) wurde Fischerei betrieben. Caspar David Friedrich stellte das Große Ostragehege in diesem ursprünglichen Zustand in seinem Gemälde "Das Große Gehege bei Dresden" dar (1832, Galerie Neue Meister).
Elbhafen (ehem. Alberthafen) und Flutrinne
Lage: im Süden des Großen Ostrageheges
Bauzeit: 1891-1895
Merkmale: 15 ha groß, Hafenbecken 1.100 m lang und bis zu 150 m breit, 12 m hohe Kaimauer (Krone 30 cm über dem Pegel des Elbehochwassers von 1845, Beckensohle etwa 2 m unter dem Pegel des Elbe-Niedrigwassers von 1904), zu seiner Zeit einer der größten Binnenhäfen Deutschlands
Name: nach dem zur Bauzeit regierenden sächsischen König Albert (reg. 1873-1902) benannt
Flutrinne (Flutgraben): 300 m breit (mit dem Aushub von ca. 1,5 Mio. m³ wurde der Rangierberg/Ablaufberg des Friedrichstädter Verschiebebahnhofes aufgeschüttet)
binnenhafen-sachsen.de |
Dresdner Vieh- und Schlachthof ("Erlwein'scher Schlachthof")
Lage: im Großen Ostragehege
Bauzeit, Architekt: 1906-1913, Stadtbaurat Hans Erlwein
Merkmale: etwa 30 Gebäude, bedeutende Beispiele der Jugendstil-Industriearchitektur, einst ein Viehhof mit Eisenbahnanschluss, Markthallen, Ställen für Groß- und Kleinvieh, Schlachthallen, einem Kessel- und Maschinenhaus, einem Kühlhaus und einer Gaststätte, die verbliebenen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz, Skulptur "Schweinetreiber" (Alexander Höfer) vor dem Haupteingang
Aus der Geschichte: seinerzeit einer der modernsten Schlachthöfe Deutschlands, ersetzte einen unzureichenden Betrieb in der Leipziger Vorstadt und die für die Anwohner äußerst lästige Abdeckerei (Cavillerei) am Lerchenberg in Cotta, Februar 1945: starke Beschädigung durch die Bombenangriffe, schneller Wiederaufbau (in vereinfachter Form) in der Nachkriegszeit wegen der akuten Lebensmittelknappheit, Zeit der DDR: Dresdner Fleischkombinat |

Bild: Großes Ostragehege mit den Gebäuden des ehem. Vieh- und Schlachthofes, von Süden (aus der Friedrichstadt) über die Flutrinne gesehen
Dresdner Messegelände
Lage: auf dem Gelände des ehem. Dresdner Vieh- und Schlachthofes (vorher auf dem Ausstellungsgelände)
Eröffnung: 1999
Merkmale: 53.600 qm, davon 19.500 qm Hallenfläche, 4 Messehallen (Halle 1 mit 6.760 qm, 130 × 52 m), mehrere Konferenzräume, Glaswandelgang "Via mobile", Veranstaltungen (Messen, Konzerte, Shows und Sportveranstaltungen) von der Messe Dresden GmbH organisiert (2003 gegründet)
Aus der Geschichte: 1887: I. Internationale Gartenbauausstellung im Großen Garten, 1896: Eröffnung des Ausstellungspalastes am Straßburger Platz, Entwicklung Dresdens zu einer der bedeutendsten Ausstellungsstädte Deutschlands
www.messe-dresden.de |
Aus der Geschichte der Friedrichstadt
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Die Friedrichstädter Flur teilt sich in den weitgehend hochwasserfreien und dicht bebauten Bereich südlich der Magdeburger und Bremer Straße und den stark hochwassergefährdeten, vorwiegend als Wiesenland genutzten Weißeritz-Schwemmfächer nördlich davon. Der Fluss Weißeritz mündete bis zum Jahr 1893 zwischen der Wilsdruffer Vorstadt und der Friedrichstadt - westlich neben der Marienbrücke - in die Elbe. Der mächtige Schwemmfächer zwang den Elbstrom hier, im Westen des Dresdner Stadtgebietes, in eine große Nordschleife, in der sich heute das Große Ostragehege, die Flutrinne und der Elbhafen (Alberthafen) befinden. Nur die um 1905 künstlich aufgeschüttete Schlachthofinsel, das heutige Dresdner Messegelände, ist in diesem Gebiet hochwasserfrei. Sie wurde auch vom Rekord-Hochwasser im August 2002 nicht überspült. |
1206: urkundliche Ersterwähnung (zusammen mit Dresden) des aus einer sorbischen Siedlung hervorgegangenen Bauerndorfes Ostra als Oztrov (altsorbisch: Flussinsel), westlich der Dresdner Altstadt (jenseits des früheren Weißeritz-Flussbettes) auf einem hochwasserfreien Gelände (westlich der heutigen Friedrichstraße) gelegen, umfasste einen Herrenhof, 11 Bauerngüter und einige kleine Ansiedlungen, um 1510: Wechsel des Herrengutes Ostra in den Besitz des Meißner Bischofs, 1559: Wechsel in den Besitz von Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586), 1568: Einrichtung des großen Vorwerkes (Kammergutes) Ostra auf Geheiß des Kurfürsten, weil das in der Wilsdruffer Vorstadt zwischen dem Elbufer und der Ostra-Allee (dem ehem. Fahrweg von der Dresdner Altstadt nach Ostra) gelegene Vorwerk Klein-Ostra (Ostro minor, Ostrav Parvum) für die Anlage einer bedeutenden kurfürstlichen Gutswirtschaft nicht ausreichte, Bau mehrerer Wirtschaftsgebäude und eines Viehhofes, Anlage eines Obstgartens und eines Küchengartens (Menagerie, befand sich westlich neben dem späteren Inneren Katholischen Friedhof), Vergrößerung der Vorwerks-Flur auf mehr als 600 ha durch Enteignung von Cottaer und Löbtauer Bauern, Übernachtung der fronpflichtigen Bauern (aus Dörfern um Dresden sowie der Ämter Moritzburg, Radeberg und Pirna) auf dem Frönerhof am Freiberger Platz, 1614: Bau eines neuen Frönerhofes am Anfang der Schäferstraße (die hier gebaute Vorwerks-Schäferei bestand noch bis 1903), ab 1648 (nach dem Dreißigjährigen Krieg): Beschäftigung von böhmischen Auswanderern als Tagelöhner (in den Drescherhäusern bei Löbtau untergebracht), Einrichtung einer Fasanerie (1716 in den Großen Garten verlegt), 1696: Bau eines Tiergeheges (gab dem "Großen Ostragehege" den Namen), um 1830: Abschaffung der Frondienste, Nutzung des Ostra-Vorwerks vorrangig für die Milchwirtschaft, 1917: Ende der Vorwerkswirtschaft, Nutzung der Gebäude und Flächen durch die Dresdner Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft
ab 1670: großzügige Vergünstigungen (z.B. unentgeltliche Baustellen und Gewerbefreiheit für Handwerker) für Ansiedlungen an der Ostra-Straße (Fahrweg von Dresden nach Ostra) durch Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, die Gewerbeansiedlung wurde jedoch durch die Dresdner Innungen boykottiert, stattdessen Bau von Sommergärten und Lusthäusern für Edelleute, Hofbeamte und wohlhabende Dresdner Bürger, um 1690: Beginn der vorstädtischen Bebauung des Gebietes Ostra, 1692: Bau der kurfürstlichen Salpeterhütte an der Schäferstraße, 1718: Bau der Wachsbleiche von Baron von Blumenthal an der Wachsbleichstraße, 1720: Bau des Brauhauses der Gräfin von Manteuffel an der Bräuergasse, 1730: Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, reg. 1694-1733) erklärte die Siedlung Ostra zur Neustadt (als weitere Neustadt neben der ebenfalls von August dem Starken am Ort des 1685 abgebrannten rechtselbischen Stadtteils Altendresden gegründeten Neuen Königsstadt - heute kurz Neustadt genannt), 1730: Anlage eines geräumigen Marktplatzes (jetzt Hohenthalplatz, ein kleiner Park) durch die Neustädter Gemeinde, 1728-1732: Bau der evangelischen Matthäuskirche an der Friedrichstraße (an dem seit 1725 bestehenden Inneren Matthäusfriedhof), 1731: Umbenennung in Friedrichstadt (nach dem damaligen Kurprinzen, dem späteren Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen), das begehrte Stadtrecht erlangte die Siedlung allerdings nicht, schnelle Zunahme der Anzahl der Wohnhäuser, Bau eines neuen Wohnviertels hinter den Gärten an der Ostrastraße bis hin zur Schäferei mit niedrigen Vorstadthäusern und einem regelmäßigen Straßennetz, Bau zahlreicher Sommerhäuser für Angehörige des Hofadels sowie Dresdner Künstler, ab 1738: Bau mehrerer schöner Barockhäuser an der Friedrichstraße, z.B. eines kleinen Palastes östlich neben dem Inneren Katholischen Friedhof durch Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann für seinen Sohn, den Hofmaler Adolph Pöppelmann (Gebäude ab 1820 als Spirituosenfabrik genutzt, 1839 von Ludwig Bramsch übernommen, noch in der Zeit der DDR in Betrieb), 1747: Einrichtung eines katholischen Krankenstifts (bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstört), 1749: Bau der katholischen Pfarrkirche St. Michael, 1803: Geburt des berühmten Malers der Romantik Ludwig Richter im großen Gartenhaus Friedrichstraße 44
1835: Eingemeindung nach Dresden (trotz gegenteiliger Bemühungen) zusammen mit der Wilsdruffer Vorstadt und der Pirnaischen Vorstadt, 1836: Errichtung des Denkmals für König Anton von Sachsen (reg. 1827-1836) an der Weißeritzstraße (Entwurf: Ernst Rietschel, im Dölzschener Eisenhammer gegossen, steht heute auf dem Hohenthalplatz), Einrichtung von Pulvermagazinen des Dresdner Militärs am westlichen Ende der Schäferstraße (damals ein sehr abgelegenes Gebiet), Ansiedlung zahlreicher Intellektueller und Künstler, 1845: Überschwemmung großer Teile der Friedrichstadt durch ein Elbehochwasser, neue Stadtteilplanung unter dem Eindruck dieses Hochwassers durch Vermessungsdirektor Moritz Pressler (u.a. Planung der Umleitung der Weißeritz nach Cotta, des Baus des Bahnhofes Dresden-Mitte auf dem ehemaligen Flussbett, des Straßendurchbruches zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße, des Baus eines großen Elbhafens im Ostragehege), 1873-1875: Durchbruch der Wettiner Straße (heute Schweriner Straße) als direkte Verbindung zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße (mit Bau einer neuen Weißeritz-Brücke, bis dahin hatte es nur die Weißeritz-Brücke der Ostra-Allee im Bereich Maxstraße gegeben), 1875: Bau des Berliner Bahnhofes an der Waltherstraße durch die Berliner Privatbahn als Endpunkt der Privatbahnstrecke Berlin-Dresden, dann Übernahme der Berliner Bahn durch den sächsischen Staat, in den Folgejahren Bau eines großen Güter- und Rangierbahnhofes (Verschiebebahnhofes) sowie von Eisenbahnwerkstätten (später als Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Betrieb), Aufschüttung eines 2,5 km langen und bis zu 17 m (über Straßenniveau) hohen Ablaufberges (unter Verwendung von Aushub der im Großen Ostragehege angelegten Flutrinne), 1878: Erklärung der Friedrichstadt zum Fabrikbezirk, 1884: Inbetriebnahme der Nähmaschinenfabrik Seidel und Naumann (in der Zeit der DDR als Schreibmaschinenwerk fortgeführt), 1891-1893: Verlegung des Weißeritz-Flussbettes nach Cotta, Bau des Elbhafens, der Großmarkthalle und des Bahnhofes Dresden-Mitte, 1901: Fertigstellung des Eisenbahn-Hochdammes zu der damals ebenfalls neu errichteten Eisenbahnbrücke, 1911: Bau der Kühlhallen, 1912: Bau der Yenidze (Zigarettenfabrik), 1913: Inbetriebnahme des Vieh- und Schlachthofes im Großen Ostragehege auf einem aufgeschütteten und dadurch hochwasserfreien Areal, Einrichtung des Straßenbauhofes und von Anlagen der städtischen Lagerwirtschaft im Süden auf dem ehem. Flussbettgelände, 1917: Übernahme der an der Magdeburger und der Bremer Straße gelegenen Flächen des ehem. Ostra-Vorwerks durch die Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft
Februar 1945: Zerstörung großer Teile der Friedrichstadt durch die Bombenangriffe, Wiederaufbau zunächst der wichtigsten Verkehrs- und Industrieanlagen (u.a. Kühlhallen, Markthalle, Hafen, Schlachthof, Straßenbahnhof Waltherstraße, Verschiebe- und Güterbahnhof, Bahnausbesserungswerk), Zeit der DDR: Erweiterung des Friedrichstädter Krankenhauses, ab 1974: Wiederherstellung der Matthäuskirche, der historischen Bauteile des Palais Brühl-Marcolini und einiger Barockfassaden an der Friedrichstraße unter der Leitung der Dresdner Denkmalpfleger, ab 1976: umfassende Modernisierung des alten Arbeiterwohnviertels im Umfeld der Berliner Straße und der Vorwerkstraße, Bau neuer Wohnblöcke an der Schäferstraße, 1993: Denkmalpflegeplan zur Bewahrung der nicht wenigen architektonischen Kostbarkeiten der Friedrichstadt (aber nur sehr langsame Umsetzung wegen erheblicher Finanzierungsprobleme sowie ungeklärter Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten)
 Bild: Die Firma Bienert betrieb zunächst eine Wassermühle, dann eine Dampfmühle an der Weißeritz in Dresden-Plauen. Von William Lossow und Hans Max Kühne ließ sie sich schließlich neben dem Elbhafen eine Mühle in Eisenbetonbauweise mit einem 64 m hohen Siloturm errichten. In Bienerts Hafenmühle, die damals zu den modernsten Mühlen Deutschlands gehörte, wurde unter anderem das im benachbarten Elbhafen angelandete Getreide gemahlen. Heute dient das Gebäude als Städtische Mühle
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