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Palais Brühl-Marcolini (Dresden Friedrichstadt) [ Matthäuskirche, Friedhöfe ]
Bild: Nordfassade des Palais Brühl-Marcolini an der Friedrichstraße (Zustand um 1935; nach einem alten Foto, verändert) Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen wollte um 1670 durch großzügige Vergünstigungen wie z.B. unentgeltliche Baustellen und Gewerbefreiheit Dresdner Handwerker zur Ansiedlung entlang der Straße von Dresden nach Ostra bewegen, was jedoch am Boykott der Dresdner Innungen scheiterte. Statt dessen nutzten Angehörige des kurfürstlichen Hofes diese Vorteile und ließen sich hier Lustgärten und Sommersitze anlegen. Im Jahr 1727 ließ sich die Fürstin von Teschen bzw. der Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck südöstlich des Ostra-Vorwerks (auf dem Gelände des heutigen Palais Brühl-Marcolini) wahrscheinlich von Johann Christoph Neumann ein Palais als Sommersitz bauen. Dieses Kleine Palais war ein dreiflügeliges schlichtes Barockgebäude mit einem Ehrenhof vor dem Mittelbau. Graf Heinrich von Brühl (1700-1763), der sächsische Premierminister unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, erwarb das Kleine Palais im Jahr 1736 als Sommersitz und ließ es von Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel in ein Barock-Palais umbauen. Der Garten des Palais erhielt zu jener Zeit einen prächtigen Skulpturenschmuck. Im Palais und seinem schönen Barockgarten fanden nun prunkvolle Hoffeste statt. Nach Brühls Tod im Jahr 1763 stand die Barockanlage dann verlassen. Im Jahr 1774 erwarb Kabinettminister Graf Camillo Marcolini (1739-1814) das Palais mit Garten. Er ließ es von Hofbaumeister Johann Daniel Schade im Stil des Klassizismus umbauen und aufstocken. An der Straßenseite des Ostflügels des Palais sind noch heute die Wappen von Graf Marcolini und seiner Gemahlin (geb. von O'Kelly) zu sehen. Christian Traugott Weinlig besorgte die dekorative Ausmalung der Innenräume. Die Skulpturen an den Fassaden sind Arbeiten der Bildhauer Johann Baptist Dorsch und Thaddeus Wiskotschill. Zu den wenigen Resten, die von der einstigen Inneneinrichtung des Palais erhalten blieben, gehören Teile der Ausstattung des Chinesischen Zimmers, das nach seinem prominentesten Gast auch Napoleonzimmer genannt wird: Kaiser Napoleon I. hatte im Jahr 1813, nach seinem katastrophalen Russland-Feldzug, im Palais Brühl-Marcolini Quartier bezogen. Im Chinesischen Zimmer fand am 28. Juni 1813 Napoleons denkwürdige Unterredung mit dem österreichischen Minister Fürst von Metternich statt, in deren Ergebnis sich Österreich den anti-napoleonischen Verbündeten anschloss. ![]() Graf Marcolini, der Dresden schon vor 1813 verlassen hatte, starb im Jahr 1814. Das Palais war nun herrenlos und verödete, bis im Jahr 1835 der Hofbuchdrucker und Stadtrat Ernst Werner die Anlage kaufte. Die schönsten Räume vermietete der neue Besitzer an reiche Engländer, den Ostflügel an Dresdner Bürger wie z.B. den Bildhauer Ernst Hähnel. Im Obergeschoss des Ostflügels wohnte ab 1847 Hofkapellmeister Richard Wagner, der hier unter anderem am "Lohengrin" arbeitete. Wegen seiner Beteiligung am Maiaufstand musste Wagner im Jahr 1849 aus Dresden fliehen. Im Jahr 1849 ging die ganze Anlage in den Besitz der Stadt Dresden über, die hier ein Städtisches Krankenhaus einrichtete. Zu dessen ersten Patienten gehörten Verwundete des Dresdner Maiaufstandes. Später wurde das Krankenhausgelände immer weiter vergrößert - auch über die Grundstücke des Manteuffelschen Brauhauses (an der Bräuergasse) und der alten Staatlichen Frauenklinik hinweg. Seitdem, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, kamen noch zahlreiche Neubauten hinzu. Heute erstreckt sich das Städtische Klinikum Dresden-Friedrichstadt über eine bedeutende Fläche des Stadtteils. Bild: Eingang an der Parkseite des Palais Brühl-Marcolini Neptunbrunnen ![]()
Bild: Neptunbrunnen im Zustand um 1935 (nach einem alten Foto, verändert) Matthäuskirche, Friedhöfe nach oben |