Stadtteil Loschwitz

Stadtwärts reicht noch die flache Heidesandterrasse bis ans Ufer. Erst an der Mordgrundbrücke klettert die Bautzner Straße steil auf die Lausitzer Granodioritplatte, und bei Loschwitz stößt diese Platte unmittelbar an die Elbe. Bis zu 150 m Höhenunterschied liegen zwischen Fluss und Hochfläche, zerschnitten von Kerbtälern wie dem Wachwitzgrund, dem Helfenberger Grund, dem Keppgrund und dem Friedrichsgrund.

Fischer, Winzer, Müller

Schon in slawischer Zeit, etwa 600-1000, reihten sich rechts der Elbe mehrere Dörfer am Ufer. Ihre Bewohner fischten im Strom und bauten Wein an den Südhängen, denn für Äcker und Weiden ließ die schmale Niederterrasse kaum Platz. Später kamen Dienste bei der kurfürstlichen Jagd in der Dresdner Heide hinzu. An den steilen Bächen drehten sich Mühlräder, in denen die Bauern der fruchtbaren Hochfläche um Schönfeld und Weißig ihr Getreide mahlen ließen.

Um 1885 setzte die eingeschleppte Reblaus dem Weinbau im Elbtal ein vorläufiges Ende. Viele Weingärten wurden zu Villengrundstücken. Weinbergmauern, Winzerhäuschen und Terrassen blieben im bebauten Hang zurück, dazu am Veilchenweg 9b eine fast 5 m hohe Weinbergsäule.

Seit dem späten 18. Jahrhundert zogen Sommerhäuser und Villen den Hang hinauf. Mit den Sanatorien auf dem Weißen Hirsch (ab 1883), an der Alpenstraße (ab 1904) und im Wachwitzer Höhenpark (ab 1918) wurde die Gegend außerdem zum Kurort.

Vom Burgwall zum Winzerdorf

Als Loscuicz, altsorbisch „Leute des Lozek“, erscheint Loschwitz 1315 zum ersten Mal in einer Urkunde, 1921 wurde es nach Dresden eingemeindet. Auf dem Burgberg lag ein spätslawischer Burgwall, von dem Reste erhalten sind. Zu seinen Füßen, im Bereich der heutigen Friedrich-Wieck-Straße, entstand aus einem sorbischen Rundweiler das Platzdorf Loschwitz.

Die Weinberge gehörten weltlichen Grundherren, aber auch den Dresdner Augustinermönchen, der Pirnaer Stadtkirche und dem Maternihospital. Ab 1569 ist von größeren Rodungen für neue Weingärten die Rede. Hofkapellmeister Heinrich Schütz, Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel und Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger hatten hier Sommersitze. Als 1680 die Pest in Dresden wütete, flüchteten wohlhabende Familien in die Weinberge.

Die Loschwitzer Kirche

Loschwitzer Kirche mit Dachreiter und Sonnenuhr über dem Portal

Die Pläne zeichnete George Bähr, gebaut hat die Kirche 1705-1708 Johann Gottfried Fehre d. Ä. Wie später bei der Frauenkirche wählte Bähr einen achteckigen barocken Zentralbau: ein Putzbau mit abgewalmtem Mansarddach, achteckigem Dachreiter, Sandsteinrahmen um die Fenster und einem reich geschmückten Portal zur Elbe, über dem eine große Sonnenuhr sitzt. Innen blieb es schlicht, mit einem Kanzelaltar.

Wenige Wochen vor Kriegsende 1945 brannte der Bau aus. Der originalgetreue Wiederaufbau begann 1990 und wurde vor allem aus Spenden bezahlt, auch aus Benefizkonzerten, bei denen Theo Adam und Peter Schreier sangen. Zum Erntedankfest 1994 wurde die Kirche wieder geweiht.

Rund um den Körnerplatz

Zu den wenigen alten Häusern gehört das Fährgut an der Friedrich-Wieck-Straße 45, ein Fachwerkbau von 1697 mit Hochwassermarken an der Wand. Es war zugleich Weingut: Im Anbau „Presse“ arbeitete bis 1839 eine Weinpresse. Zum Grundstück gehört das Fährhaus am Ufer, in dessen Untergeschoss die Fähre bei Hochwasser eingezogen werden konnte. Das Fachwerkhaus Nr. 18 von 1648 war Teil der Loschwitzer Erbschänke, und in Nr. 10 starb 1873 der Leipziger Musikpädagoge Friedrich Wieck, der nach der Heirat seiner Tochter Clara mit Robert Schumann nach Dresden gezogen war.

Überschwemmungen trafen den Platz 1784, 1799, 1845 und 1890, Wolkenbrüche verwüsteten 1844, 1875 und 1876 die Weinberge. Ein Rundbau an der Friedrich-Wieck-Straße birgt ein Marmorrelief von Josef Hermann aus dem Jahr 1869, das die Rettung von Menschen aus der Flut zeigt. 1862 entstand am Körnerweg ein Hafen, 1885 wurde die Pillnitzer Landstraße ausgebaut.

Maler, Bildhauer, ein Hofjuwelier

Bemaltes Fachwerkhaus des Leonhardi-Museums an der Grundstraße

An der Grundstraße 26 steht ein gelbes Fachwerkhaus, dessen Fassade Charles Palmié mit Malerei, Sinnsprüchen, Plastiken und Bildnissen überzogen hat; den kleinen Turm trägt ein Atlant. 1879 ließ sich der Landschaftsmaler Eduard Leonhardi (1828-1905) die alte Hentschel-Mühle „in altdeutscher Art“ umbauen. Schon zu seinen Lebzeiten durften mittellose junge Künstler hier arbeiten und ausstellen, eine Zeit lang lebte auch der Impressionist Robert Sterl im Haus.

Die Künstler nannten es „Rote Amsel“, nach dem Amselsee in der Sächsischen Schweiz, zu dem sie gern wanderten; eine rote Vogelfigur auf einer Laterne erinnert daran. Als Leonhardi-Museum ist das Haus heute eine städtische Galerie mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und einer kleinen Schau von Leonhardis eigenen Bildern.

Im Garten wurde 1884 ein Denkmal für Ludwig Richter (1803-1884) aufgestellt. Der Maler hatte von 1852 bis zu seinem Todesjahr fast jeden Sommer in Loschwitz verbracht, und Leonhardi war sein Schüler an der Kunstakademie gewesen.

Das Künstlerhaus an der Pillnitzer Landstraße 59 zählt zu den frühesten Jugendstilbauten Dresdens. Der Loschwitzer Architekt Martin Pietzsch baute es 1897/98 mit 16 Wohnungen und Ateliers für Maler und Bildhauer. Mehrere von ihnen liegen auf dem Loschwitzer Friedhof, ihre Grabmale sind bemerkenswerte Bildhauerarbeiten. Am Stechgrundbach steht, an der goldenen Kuppel mit Wetterfahne zu erkennen, das Sommerhaus Dinglingers (Schevenstraße 59), nicht weit davon an einer Stützmauer ein Gedenkstein für Klengel. An der Schillerstraße fallen die 1848-1853 als normannisches Kastell gebaute Villa Nr. 4 und die Villa Thorwald (Nr. 12) von 1852 auf. Deren Bauherr, der Bildhauer Josef Hermann, benannte sie nach seinem Lehrer Bertel Thorwaldsen.

Zwei Bergbahnen

Wagen der Loschwitzer Standseilbahn am Hang

Am 25. Oktober 1895 fuhr die Standseilbahn zum ersten Mal vom Körnerplatz am Blauen Wunder hinauf zum Weißen Hirsch. Auf 547 m Strecke überwindet sie 96 m Höhe bei bis zu 29 % Steigung, in etwa vier Minuten. Unten durchfährt sie den 96 m langen Burgbergtunnel, oben den 54 m langen Prinzeß-Louisa-Tunnel, dazwischen ein Viadukt von 102 m Länge und 12 m Höhe. An der Abtschen Ausweiche kreuzen sich die Wagen auf der eingleisigen Strecke. Ihre Schienenzangenbremsen galten beim Bau als technische Neuerung.

Bis 1905 zog eine Dampfmaschine die Bahn, und sie beförderte vor allem Baumaterial: Pferdefuhrwerke wurden samt Ladung in Güterwagen verladen. Mit dem elektrischen Antrieb (199 kW) rückten die Fahrgäste in den Vordergrund. Nach der Restaurierung 1993/94 lief die Bahn automatisch, ohne Zugführer und von der Bergstation aus gesteuert, an einem 578 m langen Seil mit etwa 18 km/h; ein Wagen fasste 59 Personen.

Wagen der Loschwitzer Schwebebahn unter dem Stahlgerüst

Die Schwebebahn zur burgartigen Bergstation „Schöne Aussicht“ in Oberloschwitz gehört zu den ältesten Bergschwebebahnen der Welt. Nach drei Jahren Bauzeit weihte sie Kronprinz Friedrich August, der spätere König Friedrich August III., am 6. Mai 1901 ein. Auf 274 m Strecke hebt sie ihre Wagen um 84,2 m, die steilste Stelle hat 39,9 %. Die höchste der 33 Stützen misst 14 m.

Seit 1975 steht die Bahn unter Denkmalschutz. Bei der Restaurierung 1984-1991 blieb die ursprüngliche Technik unverändert, und genau das macht sie als technisches Denkmal so wertvoll. Beide Bergbahnen verkehren bis heute.

Schiller bei Körner

Im September 1785 kam Friedrich Schiller aus Leipzig nach Dresden. Der Jurist, Kritiker und Kunstmäzen Christian Gottfried Körner (1756-1831) hatte sein Talent früh erkannt und half ihm großzügig mit Geld aus der Not. Im Stadthaus der Körners an der Körnerstraße 7, östlich vom Japanischen Palais, verkehrten Goethe (1790) und Mozart (1789), Herder, Wieland, Novalis, Tieck, Schleiermacher, die Brüder Humboldt und die Brüder Schlegel, später Kleist und Ernst Moritz Arndt. Das Haus verbrannte im Februar 1945. Die engen Verhältnisse der Residenzstadt verleideten Schiller den Aufenthalt bald. Im Juli 1787 ging er nach Weimar, 1801 kam er noch einmal zu Besuch. Die „Gustel von Blasewitz“ in „Wallensteins Lager“ stammt aus seiner Dresdner Zeit.

Das Schillerhäuschen und seine Legende

Kupferstich von 1823: Pavillon auf Körners Weinberg

1785 kaufte die Familie Körner einen Weinberg an der heutigen Schillerstraße als Sommersitz. In dessen Gartenhaus soll Schiller an „Don Carlos“ und an der Ode „An die Freude“ gearbeitet haben. Belegt ist das nicht. Sicher ist nur, dass er im Sommer in Körners Weinberghaus unten am Hang wohnte und sonst in seiner Stadtwohnung schrieb. Akten, die mehr verraten könnten, gingen im Zweiten Weltkrieg verloren.

Als das Grundstück 1818 an den Verlagsbuchhändler Vetter ging, wird das Gartenhäuschen nicht erwähnt. Vielleicht wurde es 1813 zerstört, vielleicht erst um 1820 gebaut und nachträglich zu Schillers Arbeitszimmer erklärt. 1823 zeigte „Beckers Taschenbuch für gesellige Stunden“ einen Kupferstich mit dem Titel „Pavillon auf Körners Weinberg, wo F. v. Schiller wohnte“.

Die Gedenktafel zum 50. Todestag 1855 sollte eigentlich das Weinberghaus schmücken. Dessen Besitzerin fürchtete um ihre Ruhe und lehnte ab, also kam die Tafel an das Gartenhäuschen. Heute ist es ein kleines, von einem Verein ehrenamtlich betriebenes Museum.

Schiller-Körner-Brunnen

Schiller-Körner-Brunnen an der Weinbergmauer in Loschwitz

An der Weinbergmauer gegenüber schufen Bildhauer Oskar Rassau und Architekt Martin Pietzsch 1912/13 den Schiller-Körner-Brunnen. Er erinnert an die Freundschaft der beiden Männer und an Schillers Abschied 1801, außerdem an einen zweiten Abschied: 1813 verließ der Dichter Theodor Körner, Sohn des Hauses, seine Familie, um als Leutnant im Lützowschen Freikorps gegen Napoleon zu kämpfen. Noch im selben Jahr fiel er, 22 Jahre alt, bei einem Gefecht nahe Gadebusch in Mecklenburg.

Am Elbhang und gegenüber