Stadtteile Nickern und Kauscha

Rund 6.000 Jahre alt sind die ältesten Spuren der Nickerner Siedlung. Überall im Ort kamen Reste der ersten Bauern und Viehzüchter der Gegend zutage, Leute der Bandkeramikzeit, die in großen Rechteckhäusern lebten: Getreidereste, Steinwerkzeuge, Skelettgräber mit Resten von Baumsärgen und Keramik als Beigabe.

Namen und Zugehörigkeit

Nickern:1288 zusammen mit Lockwitz als Nicur („Ort des Nikur“), 1378 Nigkur, 1443 Nickor, 1464 Nickern; Anfang der 1920er Jahre mit Lockwitz vereinigt, 1930 nach Dresden eingemeindet
Kauscha:1288 als Cudeschowe (altsorbisch „Ort des Chudosch“), 1435 Kaudischow, 1555 Kauschie, 1621 Kauschaw; 1956 nach Goppeln, 1996 mit Goppeln nach Bannewitz, 1999 nach Dresden eingemeindet

Nickern

Das Grab ohne Schwert

Beim Lehmstechen zwischen Geberbach und Fritz-Meinhard-Straße stießen Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts auf zwei Germanengräber vom Ende des 6. Jahrhunderts. Im Frauengrab lagen unter anderem zwei goldplattierte Bronzefibeln, eine große rosettenförmige, hellblaue Glasperle und ein tönerner Spinnwirtel. Der Krieger hatte zwei große Eisenmesser, eine ovale Schnalle und zwei Lanzenspitzen bei sich. Ein Schwert fehlte. Die Langobardenstraße ist nach diesen Funden benannt.

Herrengut und Schloss

Das Dorf ging aus einer spätslawischen Siedlung hervor, das Herrengut entstand um 1360. Frondienste und Abgaben schuldeten die Bewohner allerdings dem Rittergut Lockwitz, und das Obergericht saß in Oberlockwitz. Im 16. Jahrhundert waren die Alnpecks Grundherren von Lockwitz und Nickern. Georg Alnpeck gründete die Kupfersaigerhütte Grünthal mit, und an seinen Enkel Hans und dessen Frau Margarete erinnert ein Grabmal in der Leubnitzer Kirche, zu deren Gemeinde Nickern gehörte.

1622 ließ Oberkammer- und Bergrat Johann Georg von Osterhausen das Herrenhaus umbauen; laut Inschrift auf der Gutsglocke hatte er den Besitz in diesem Jahr übernommen. Oberhofmeister Hans von Bose stockte das Haus 1693 zu einem zweigeschossigen Barockbau mit Mansarddach auf, die Jahreszahl steht über dem Korbbogenportal in der Fassadenmitte. Der Glockenturm an der Nordostecke kam erst 1870 hinzu, seine Wetterfahne ist mit 1673 älter als er. Von der halbrunden Terrasse schaut man hinunter auf das Dorf. In der DDR waren im Schloss ein Kulturzentrum mit Saal, ein Schulhort und ein Kindergarten untergebracht.

Bauern, Häusler, Neu-Nickern

Fünf größere Bauerngüter lagen um den unregelmäßigen Dorfplatz, dazu kleine Häusleranwesen. Erhalten ist der Vierseithof Nr. 16, dessen älteste Teile nach einer kaum noch lesbaren Inschrift von 1605 stammen; Fachwerk-Obergeschoss und gewölbte Ställe bekam das Wohnstallhaus Mitte des 18. Jahrhunderts. Vom Beigut des Ritterguts blieb ein Wohnstallhaus von 1794. Gasthof, die drei übrigen Bauerngüter und mehrere Häusleranwesen gingen 1945 im Bombenhagel unter. Die Häuslerzeile „Am Geberbach“ östlich des alten Dorfes heißt im Volksmund „Auf dem Hahne“, nach einem Gehölz, einem Hain.

Nach Westen wuchs der Ort um Wohnhäuser, die Schmiede und 1884 die Schule an der Fritz-Meinhard-Straße. Bezahlt haben sie Wilhelm Büttig (1809-1879), Staatsrat und Leibarzt des russischen Großfürsten Constantin, und sein Neffe, der Nickerner Bauer Ernst L. Büttig. Gegen Ende des Jahrhunderts zogen Handwerker und Arbeiter zu: 1890 wohnten 25 Arbeiter im Ort, 1930 schon 72, dazu nur noch vier Guts- oder Obstpächter, weil das Rittergut sein Land auf Kosten der Bauern stark vergrößert hatte. Auf parzelliertem Rittergutsland an der Langobardenstraße begann 1925 die Wohnkolonie Neu-Nickern mit Ein- und Zweifamilienhäusern für Beamte und Angestellte.

Nach 1945 verteilte die Bodenreform das Rittergutsland an Neubauern und Siedler, die sich 1952 zu einer Genossenschaft zusammenschlossen. Eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft pflanzte ab 1960 auf schließlich 28 ha 3.000 Beerensträucher und 14.000 Bäume, vor allem Äpfel, Birnen und Sauerkirschen. Rund 20 ha Obstplantagen östlich des Ortes übernahm das Institut für Obstbau Pillnitz.

Kauscha

Auch hier siedelten Menschen früh. Man fand Reste eines Dorfes der mittleren Bronzezeit um 1200 v. Chr. mit Keramik, Steingeräten und einem tönernen Webgewicht. Südöstlich des Ortes wurde um 1906 ein Fund der jüngeren Bronzezeit mit Fußringen und einer Sichel geborgen, leider schlecht dokumentiert, und etwa 500 m nördlich liegt ein Gräberfeld der ältesten Eisenzeit. Auf einem Geländesporn über dem Geberbach stand die Hungerburg, vermutlich eine frühdeutsche Wallanlage mit Gutshof und Hohlweg, in der Keramik vom Ende des 11. Jahrhunderts gefunden wurde.

Kauscha ist eines der Gebergrunddörfer. Es begann als Rundweiler links des Baches, rechts davon lag Klein-Kauscha mit nur zwei Höfen. Der Grundbesitz war auf die Rittergüter Borthen und Niederlockwitz und das Klostergut Leubnitz verteilt. Die Chroniken berichten von einem Mord: 1362 erschlug Kaspar von Kudeschow den Abt des Klosters Altzella, weil man seine Mutter, eine Untertanin des Klosterguts, wegen Schulden aus der Kirche verbannt hatte. Nach der Reformation 1539 fiel der Kauschaer Klosterbesitz wie alle Güter Altzellas im Dresdner Raum an das Amt Leubnitz.

Am 17. Oktober 1813 lagen russische Truppen im Dorf, und französische Kanonen setzten einige Höfe in Brand; eine Inschrift an Nr. 7 hält es fest. An der Flurgrenze zu Nickern stand ein Kalkofen, unterhalb des Dorfes und am Gamighübel wurde Dohnaer Granodiorit gebrochen und zu Straßenschotter verarbeitet.

Einige zum Teil massiv aus Sandstein gebaute Höfe sind erhalten. Nr. 6 hat ein schwungvolles Rundbogentor mit der Jahreszahl 1781 im Schlussstein. Zum Dreiseithof Nr. 10 gehört ein Stall mit Lehmfachwerk und Hochlaubengang, am Türsturz die Jahreszahl 1718. Das Wohnstallhaus erhielt seine Form bei einem Umbau 1803, so sagt es der Schlussstein der Hofpforte. Bis 1971 bewirtschaftete das Volksgut Tierzucht Dresden-Pillnitz die Kauschaer Flur mit Feldgemüse, Frühgemüse aus Gewächshäusern und 16 ha Hopfen. Für seine Leute baute es acht Doppelhäuser an der Straße nach Nickern.

Zwischen Geberbach und Elbtal