Aus der Görlitzer Stadtgeschichte

Eckdaten

Ersterwähnung:1071 als villa Gorelic in einer Urkunde Kaiser Heinrichs IV.
Name:altsorbisch, etwa „Brandrodungsstelle“
Stadtrecht:Stadt vollen Rechts seit 1303, nach Magdeburger Vorbild
Sechsstädtebund:gegründet am 21. August 1346
Landesherren:überwiegend Böhmen bis 1635, dann Kursachsen, ab 1816 Preußen, ab 1945 Land Sachsen
Grenzstadt:seit 1950, der Ostteil ist die polnische Stadt Zgorzelec

Eintausend Sachsenpfennige aus der Zeit vor 1100 kamen 1881 im Pontekanal zum Vorschein. Der Münzschatz ist nicht das älteste Zeugnis aus dem Görlitzer Stadtgebiet. Funde belegen Siedler schon in der Jungsteinzeit der Schnurkeramik (2300-1800 v. Chr.), Brandbestattungen in der mittleren Bronzezeit (1300-1100 v. Chr.) und römische Kupfer- und Bronzemünzen in der spätrömischen Kaiserzeit (150-375 n. Chr.).

Slawische Siedler und ein Name aus der Rodung

Viel Keramik aus slawischer Zeit, etwa 600-1100, wurde im Nikolaiviertel und in der östlichen Altstadt, dem Neißeviertel, geborgen. Sie spricht für eine slawische Siedlung als Vorgängerin der mittelalterlichen Stadt. Im 6. und 7. Jahrhundert waren westslawische, sorbische Stämme aus Osteuropa in das sächsische und südbrandenburgische Gebiet gezogen. Südlich und westlich von Görlitz ließen sich die Besunzane nieder, deren Name umstritten ist und vielleicht im Stadtteil Biesnitz fortlebt. Görlitz selbst heißt so viel wie Brandrodungsstelle.

In den 960er Jahren begann Markgraf Gero von Meißen, die Milzener, Lusitzi und Besunzane zu unterwerfen. Damit wurde die Oberlausitz zum Zankapfel zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich. Thietmar von Merseburg berichtet in seiner Chronik von der Belagerung einer „urbem magnam businc“. Gemeint sein könnte eine große Wallanlage auf der Landeskrone bei Görlitz.

Villa Gorelic und die Burg an der Neiße

Den Ort Gorelic nennt erstmals 1071 eine in Goslar ausgestellte Urkunde Kaiser Heinrichs IV. Acht Hufen Königsland im Gau Milsca gingen damals an das Meißner Domkapitel, vielleicht in Gestalt von acht Gutshöfen an der oberen und unteren Brandgasse, die seit 1937 Wallstraße heißt. Der Name kommt vom altsorbischen zgores, ausbrennen.

Mehr als die Hufen zählte die Lage an einer Neißefurt, an der sich zwei Fernstraßen trafen: die Hohe Straße von Erfurt über Bautzen nach Breslau, im Reich Via regia genannt und zugleich Jakobsweg, und die Böhmische Straße von der Ostsee nach Prag. Über sie lief ein großer Teil des Handels zwischen Thüringen, Sachsen, Schlesien und Polen, ebenso zwischen dem Hanseraum, Brandenburg, Böhmen und Ungarn. Anfangs führte die Via regia wohl noch nicht zur späteren Altstadtbrücke, sondern durch die Lunitzniederung zu einer Furt weiter nördlich.

Um 1100 entstand die Kirche, die später Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Kaufleute, geweiht wurde und zunächst zur Parochie der Wenzelskirche in Jauernick gehörte. Um sie herum, auf dem Gebiet der späteren Nikolaivorstadt, wuchs um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kaufmannssiedlung mit eigener Straßenführung. Im östlichen Altstadtbereich bestand daneben wohl noch eine sorbische Siedlung.

Anhänge zur Chronik des Cosmas melden für 1126 den Ausbau einer Burg Yzcorelik auf Geheiß des böhmischen Königs, dem die beiden Lausitzen 1075 als Pfand und 1089 endgültig übertragen worden waren. 1131 ließ Herzog Sobieslaus von Böhmen die Befestigung am Neißeübergang erneuern. Die Burg stand auf dem Burgberg, jener Felskuppe, auf der später die Peterskirche gebaut wurde. Grabungen auf dem Vogtshof fanden allerdings keine Siedlungsspuren vor dem 13. Jahrhundert. Verbürgt ist für 1238 ein böhmischer Vogt namens Florinus, und 1268 trat ein neuer Vogtshof für den Stadtvogt an die Stelle der Burg.

Die geplante Stadt am Untermarkt

Um 1200 verließen die Kaufleute das Lunitztal und zogen an den Untermarkt, wo sich auch Einwanderer aus Franken und Thüringen niederließen. Die Via regia wurde von der nördlichen Furt zu einer Neißebrücke verlegt, die schon damals etwa an der Stelle der späteren Altstadtbrücke gestanden haben könnte. Landesherrliche Privilegien gaben den Kaufleuten genug Rechte, um nahe an Burg und Vogtsitz zu siedeln. Bis um 1220 entstand eine planmäßig angelegte, bald befestigte Stadt mit regelmäßigem Grundriss, von Norden nach Süden etwa zwischen Nikolaiturm und Elisabethstraße, von Westen nach Osten zwischen Brüderstraße und Neiße.

Tuchmacher aus Mitteldeutschland machten die Gegend um Weberstraße und „Handwerk“ zu ihrem Viertel. 1234 gründeten Franziskaner ihr Kloster, damals noch vor dem westlichen Stadttor. Um 1250 wuchs die Stadt nach Westen bis zum Reichenbacher Turm und schloss den Obermarkt ein. Dort wurden vor allem landwirtschaftliche Produkte aus dem Umland verkauft, am Untermarkt dagegen Tuche, städtische Waren und Bier.

1253 kam die Oberlausitz an die Askanier, die 1263 die östliche Oberlausitz als „Land Görlitz“ vom Land Bautzen abtrennten. 1268 erwarb Görlitz das Münzrecht. Ein Bürgermeister taucht 1282 erstmals in den Urkunden auf, 1298 ein Rat aus Bürgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen. Seit 1303 war Görlitz eine Stadt vollen Rechts, ihr Recht lehnte sich an das Magdeburger an.

Waid, Tuch und der Sechsstädtebund

Ab 1319 gehörte Görlitz zum Herzogtum Schweidnitz-Jauer, ab 1329 wieder zu Böhmen. Dann kamen die Privilegien in dichter Folge: 1330 die niedere Gerichtsbarkeit und das Salzstapelrecht, 1339 das Stapelrecht für Waid, den blauen Tuchfarbstoff aus Thüringen, 1367 das Bierbraurecht. Görlitz galt nun als bedeutendste Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau und war nach diesen beiden eine der größten Städte Mitteldeutschlands.

Aus wohlhabenden Kaufmannsfamilien und Landadel ging ein Patriziat hervor, das über den Rat die Stadt lenkte und im Umland enormen Grundbesitz erwarb. Wie viel Geld umlief, zeigen die Münzfunde aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, die bei Bauarbeiten im Stadtgebiet zutage kamen.

Am 21. August 1346 schlossen sich Bautzen, Görlitz, Zittau, Löbau, Kamenz und Lauban mit Erlaubnis des Landesherrn zum Oberlausitzer Sechsstädtebund zusammen. Offiziell sollte er den Landfrieden wahren. Für die Städte war er ein Schutzbündnis gegen den räuberischen Landadel und ein Mittel, sich gegenüber dem König zu behaupten. Görlitz führte den Bund neben Bautzen an.

Von 1377 bis 1396 bestand ein Herzogtum Görlitz, das König Karl IV. für seinen siebenjährigen Sohn Johann geschaffen hatte. Johann gestattete 1389 die Vertreibung der Juden aus der Stadt. 1396 zählte Görlitz etwa 8.000 Einwohner.

Den Belagerungen der Hussiten hielt die Stadt in den Kriegen von 1420-1438 stand. Als Auszeichnung dafür verlieh Kaiser Sigismund 1433 das Stadtwappen mit dem schwarzen Doppeladler auf Gold, dem weißen, doppelschwänzigen böhmischen Löwen auf Rot und der Kaiserkrone zwischen beiden Hälften.

Am 30. April 1456 brannten 40 Häuser an der Nikolaigasse, der Vogtshof und der Nikolaiturm. Die Stadtbefestigung wurde immer weiter verstärkt und besaß um 1476 21 massive Türme. Neben Tuchmacherei, Gerberei und Leineweberei lebten die Bürger vom zollfreien Handel mit Thüringer Waid, Salz und schlesischen Tuchen. An den Tuchhandel mit Ungarn und Polen erinnern die spätgotischen und Renaissance-Tuchhallen am Untermarkt. Unter den Bürgermeistern dieser Jahre ragte der 1474 gewählte Georg Emmerich als Förderer der Stadt hervor.

Von 1479 bis 1490 herrschte Matthias Corvinus von Ungarn über die Oberlausitz, sein steinernes Wappen sitzt über der Rathaustreppe. 1479 brannten nach einem Blitzschlag das Waidhaus und das Haus Petersgasse 13 ab, woran am Giebel des Waidhauses die Inschrift „Nil actum credas, cum quid restabit agendum 1479“ erinnert. 1490 begann der Bau des „Großen Rondells vor dem Budissiner Tore“, das im Dreißigjährigen Krieg den Namen Kaisertrutz erhielt.

Reformation, Görlitzer Stil und Pönfall

1525 hielt die lutherische Konfession Einzug. Im selben Jahr vernichtete ein Stadtbrand den größten Teil der spätgotischen Bauten. Ratsbaumeister Wendel Roskopf d. Ä. (1480-1549) leitete den Wiederaufbau in Formen der Frührenaissance. Der „Görlitzer Stil“ mit Pilastern und Gesimsen an den Fassaden wirkte stark auf den deutschen Städtebau der Frührenaissance. Innen blieb man meist beim gotischen Hallenbau schlesischer Prägung, woraus eine ganz eigene Görlitzer Innenarchitektur entstand.

Die Zünfte kämpften um Mitsprache, das Patriziat fürchtete um seine Vorrechte, und die Stadtwache schlug jeden Aufstand nieder. 1527 wollten aufständische Tuchmacher den Rat überfallen, sobald er um 12 Uhr das Rathaus verließ. Ein Verräter stellte die Uhr am „Mönch“, dem Turm der Klosterkirche, vor. Die Verschwörer erschienen zu früh und fielen der Wache in die Hände. Ein Schild in der Verrätergasse am Obermarkt erinnert daran.

Vom 25. bis 27. Mai 1538 weilte Kaiser Ferdinand I. in der Stadt.

1546 zog Görlitz als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes mit in den Schmalkaldischen Krieg. Weil die Sechsstädte ihren Landesherrn darin nur ungenügend unterstützt hatten, verloren sie im Pönfall von 1547 fast alle Privilegien und ihren Landbesitz an König Ferdinand I. von Böhmen und mussten hohe Strafsummen zahlen. Görlitz büßte auch die hohe Gerichtsbarkeit und die freie Ratskür ein und wurde Krondomäne. Viele Besitzungen und Rechte kaufte die Stadt in den folgenden Jahren zurück, ihre Macht ging aber dauerhaft an Landesherrn und Adel über.

Schulmeister, Meistersinger und ein Schuhmacher

1563 übergab der letzte Franziskanermönch das Kloster der Stadt mit der Auflage, dort ein Gymnasium einzurichten. Es öffnete 1565 und hieß später Augustum.

Der Schneider Adam Puschmann (1532-1600) hatte den Meistergesang auf seinen Wanderungen in Süddeutschland bei Hans Sachs gelernt. Er schrieb die erste Abhandlung darüber, den „Gründlichen Bericht des deutschen Meistergesanges“, 1571 in der Görlitzer Druckerei Fritsch gefertigt. Bartholomäus Scultetus (1540-1614), Humanist, Astronom, Mathematiker und Mystiker, wurde ab 1592 sechsmal in Folge zum Bürgermeister gewählt. Er gab wissenschaftliche Schriften und Chroniken heraus, stand mit Johannes Kepler in Verbindung, schuf 1593 die erste bekannte Landkarte der Oberlausitz und setzte dort den Gregorianischen Kalender mit durch.

Der Schuhmacher Jakob Böhme (1575-1624), ab 1599 in Görlitz tätig, hinterließ ein philosophisch-theosophisches Werk von etwa 4.000 Druckseiten. Seiner dialektischen Betrachtungsweise wegen wird er zu den Vorläufern der klassischen deutschen Philosophie gerechnet. Das Hauptwerk „Aurora oder die Morgenröte im Aufgang“ stammt von 1612; im Stadtpark ist ihm ein Denkmal gewidmet.

Dreißigjähriger Krieg und der Weg zu Kursachsen

1620 unterlag Friedrich von der Pfalz, König von Böhmen und Markgraf der Lausitz, den Kursachsen. Ein Vergleich der Oberlausitzer Stände mit dem sächsischen Kurfürsten hielt den Krieg 1621 noch von den Städten fern, ab 1623 aber litt auch das Görlitzer Land unter plündernden und brandschatzenden Truppen. Im selben Jahr diente Görlitz dem böhmischen König Friedrich von der Pfalz als Hauptquartier. Kaiserliche Truppen unter Wallenstein beschossen die Stadt und plünderten sie am 30. Oktober 1627, wobei viele Häuser und drei Bierhöfe auf dem südlichen Obermarkt verbrannten. Die durchziehenden Soldaten schleppten die Pest ein, etwa 5.600 Menschen starben. 1641 belagerten kaiserliche und kursächsische Truppen die schwedisch besetzte Stadt und zerstörten erneut viele Gebäude, am 26. August 1642 vernichtete ein Brand fast 100 Häuser.

Mit dem Prager Frieden fielen die verarmten und verschuldeten Oberlausitzer Städte 1635 an Kursachsen. An die Macht vor dem Pönfall knüpfte das Bürgertum nie wieder an. Handel und Gewerbe profitierten jedoch vom Aufschwung Kursachsens, und in Görlitz wurde im Frühbarock viel gebaut.

Am 19. März 1691 brannten etwa 200 Häuser und große Teile der Peterskirche.

Barock, Aufklärung und Napoleon

Solange der sächsische Kurfürst von 1697 bis 1763 zugleich König von Polen war, erst August der Starke, dann sein Sohn als August III., nahm der Verkehr in die bis dahin randlagige östliche Oberlausitz und nach Schlesien enorm zu. Mit Damast- und Leineweberei gewann der Tuchhandel im 18. Jahrhundert wieder Gewicht. Brände trafen die Stadt am 31. Juli 1717 (etwa 400 Häuser), am 30. April 1726 (164 Häuser) und am 5. September 1759, als die gesamte Bäckergasse, die halbe Krischelstraße und die Hinterhäuser Brüderstraße 8, 9 und 10 zerstört wurden.

1714 veröffentlichte der Rektor des Gymnasiums Samuel Grosser (1664-1736), Mitglied der Kurfürstlich-Brandenburgischen Societät der Wissenschaften, mit den „Lausitzischen Merkwürdigkeiten“ die erste umfassende Geschichte der Oberlausitz in deutscher Sprache. Die Schlesischen Kriege und vor allem der Siebenjährige Krieg hemmten die Stadt für einige Zeit. In der Schlacht bei Moys fiel am 7. September 1757 Hans Karl von Winterfeldt, ein General, den Friedrich der Große besonders schätzte.

Auf Anregung des Philanthropen Adolph Traugott von Gersdorf (1744-1807) und des ersten deutschen Slawisten Carl Gottlob von Anton (1751-1818) gründete sich 1779 die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. Sie wurde rasch zum Zentrum der bürgerlichen Aufklärung in der Oberlausitz, auch Alexander von Humboldt gehörte ihr an. Von 1807 bis 1950 hatte sie ihren Sitz im Haus an der Neißstraße; 1951 übernahm die Städtische Kunstsammlung mit dem Gebäude auch Sammlungen, physikalisches Kabinett und Bibliothek. Der Arzt und Apotheker Christian August Struve (1767-1807) aus der Ratsapotheke am Untermarkt setzte sich für Gesundheitserziehung und Volkshygiene ein und regte die Pockenschutzimpfung im Görlitzer Gebiet an.

1787 ging die erste öffentliche Straßenlaterne in Betrieb, mit Öl gespeist, und auch der Kaisertrutz bekam Ölbeleuchtung. Ab 1799 erschien wöchentlich der „Görlitzer Anzeiger“ von Dr. Rothe, von 1803 bis 1814 der „Neue Görlitzer Anzeiger“ der Buchhandlung Schirach in der Brüdergasse 5. 1807 brannte es wieder. Am 10. April 1811 gründete der Kaufmann und Vogelkundler Johann Gottlieb Krezschmar (1785-1869) im Vereinslokal „Blauer Löwe“ am Obermarkt die Ornithologische Gesellschaft. Görlitz hatte in diesem Jahr etwa 8.600 Einwohner in rund 1.100 Wohnhäusern.

In den Napoleonischen Kriegen stand Sachsen auf französischer Seite. Napoleon besuchte Görlitz am 17. Juli 1807 und am 29. Mai 1812 vor dem Russlandfeldzug; nach dessen Scheitern fuhr er am 13. Dezember 1812 unerkannt im Schlitten durch die Stadt. Am 20. April 1813 zog Zar Alexander I. ein, am 23. April sein Verbündeter König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Vom 23. bis 25. Mai und vom 18. bis 20. August 1813 war das Barockhaus Obermarkt 29 Hauptquartier der französischen Truppen. Vom Balkon nahm Napoleon eine Parade ab.

Preußische Kreisstadt und Industrie, 1816-1899

Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses fiel das Görlitzer Gebiet am 1. Juni 1816 an Preußen. Die Stadt mit etwa 9.000 Einwohnern wurde Kreissitz im Regierungsbezirk Liegnitz der Provinz Schlesien, die Beziehungen im Sechsstädtebund kamen zum Erliegen. Im selben Jahr gegründet, leitete die Tuchfabrik Bauer die Industrialisierung ein, die mit dem Zollverein und dem Anschluss an die Eisenbahn richtig in Gang kam.

  • 1823: Aus der Ornithologischen geht die Naturforschende Gesellschaft hervor, ihre „Abhandlungen“ erscheinen ab 1827. Zu den Direktoren ihres Museums, des späteren Staatlichen Museums für Naturkunde, gehörte der Naturkundler F. G. Reinhard Peck (1823-1895).
  • 1828: Die Wagenbauanstalt Christoph Lüders entsteht, Vorläuferin des Görlitzer Waggonbaus. 1830 wird Görlitz Garnisonsstadt.
  • 1832-1833: Am 22. Juni 1832 wird erstmals die Stadtverordnetenversammlung gewählt, ein Jahr später gilt die preußische Städteordnung; am Fischmarkt öffnet die Mädchen-Bürgerschule.
  • 1837: In der Tuchfabrik Bergmann und Krause läuft die erste Görlitzer Dampfmaschine.
  • 1844: Gottlob Ludwig Demiani (1786-1846), seit 1814 in Görlitz und seit 1833 Bürgermeister, wird erster Oberbürgermeister. Er förderte Infrastruktur, Schulen, Gesundheits- und Verkehrswesen; ein Denkmal am Demianiplatz erinnert an ihn.
  • 1847: Die Bahn nach Dresden wird eröffnet, es folgen Hirschberg 1865, Berlin 1867 und Zittau mit Reichenberg 1875.
  • 1848: Kaufmann Himer und Turnlehrer Böttcher gründen den Turn- und Rettungsverein, Görlitz ist die vierte preußische Stadt mit freiwilliger Feuerwehr.
  • 1848/49: Stadtmauern und Tore werden abgebrochen. Erhalten bleiben Kaisertrutz, Reichenbacher Turm, Dicker Turm, Ochsenbastei und Mauerreste an der Neiße.
  • 1849-1853: Der Bahnwaggonbau nimmt den Betrieb auf. 1850 wird der Kaisertrutz Hauptwache der Garnison mit Arrestlokal und Depot, 1851 eröffnet das Stadttheater mit Schillers „Don Carlos“, 1853 gründet Carl Körner (1826-1901) eine Schlosserei, aus der ein bedeutender Maschinenbaubetrieb wird.
  • 1858-1860: Am Marienplatz entsteht das Museum der Naturforschenden Gesellschaft, eröffnet am 26. Oktober 1860; die Jägerkaserne wird fertig.
  • 1866: Neues Kreisgericht am Postplatz. Prinz Friedrich Karl von Preußen hat vom 13. bis 22. Juni sein Hauptquartier in der Stadt. Neumarkt, Sommerstraße und Klosterstraße heißen nun Wilhelmsplatz, Moltkestraße und Bismarckstraße. Neue Bebauungspläne mit Ringstraße halten die vielen Fabrikneugründungen aus dem historischen Kern heraus.
  • 1868-1869: Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins; Gründung der Aktienbrauerei, später Landskronbrauerei.
  • 1870-1871: Görlitzer Jäger erobern am 4. August 1870 die erste französische Kanone des Krieges, 1874 wird sie zwischen Kaisertrutz und Theater aufgestellt. 1871 hat Görlitz etwa 42.750 Einwohner.
  • 1872-1875: Parkanlagen am Blockhaus und eine zweite Neißebrücke am Stadtpark. Geschlossene Viertel östlich des Flusses entstehen allerdings erst nach 1900.
  • 1873: Görlitz wird kreisfreie Stadt. Sie gehörte zu den reichsten Städten Deutschlands und besaß mit der 348 km² großen Görlitzer Heide ungewöhnlich viel Wald und Bodenschätze.
  • 1876: Graf Bolko von Hochberg ruft die Schlesischen Musikfeste ins Leben.
  • 1880-1882: Der Schlachthof geht in Betrieb, die Stadt zählt etwa 50.150 Einwohner; 1882 fahren die ersten zwei Linien der Pferdebahn.
  • 1885: Die Industrie- und Gewerbeausstellung vom 14. Mai bis 27. September auf dem Dresdner Platz, dem späteren Lutherplatz, zeigt 1.424 Aussteller auf 25.000 m².
  • 1886: Das erste Elektrizitätswerk läuft, am 15. August beginnt der örtliche Fernsprechverkehr.
  • 1893: Kaiserparade am 18. Mai auf dem Obermarkt beim Besuch Wilhelms II. und Enthüllung des Denkmals für Wilhelm I., der Görlitz am 14. September 1882 besucht hatte.
  • 1895-1897: August Bebel spricht am 3. Oktober 1895 im Konzerthaus. 1896 kommen Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. zu einer Kaiserparade, der Kaiser verleiht dem Oberbürgermeister eine Amtskette, und Hugo Meyer gründet seine Optisch-mechanische Industrieanstalt. Am 1. Dezember 1897 fährt die elektrische Straßenbahn auf vier Linien.
  • 1899: Karl Ludwig Kahlbaum (1828-1899) stirbt, der in Görlitz eines der ersten Nervensanatorien Europas gegründet hatte.

Im Amt des Oberbürgermeisters standen nach Demiani unter anderen Gottlob Jochmann (1847-1854), Hugo Leopold Wilhelm Sattig (1854-1856), Maximilian Richtsteig (1866-1871), Friedrich Carl Johannes Gobbin (1871-1881), Clemens Theodor Reichert (1881-1893) und Paul Büchtemann (1894-1906).

„Pensionopolis“

Der Wohnraumbedarf der Gründerzeit ließ in den 1870er und 1880er Jahren geschlossene Reihen von Mietshäusern am Postplatz, an Blumen- und Augustastraße, am Wilhelmsplatz und am Dresdener Platz entstehen. Bürgerhäuser, Schulneubauten und das neobarocke Postamt am Postplatz fielen hochwertiger aus, als es in anderen Städten dieser Jahre üblich war. Architektur, Stadtstruktur und Grünanlagen lockten wohlhabende Pensionäre aus ganz Deutschland zum Altersruhesitz her, und die schlesische Stadt bekam den scherzhaften Beinamen „Pensionopolis“.

Um 1900 bis zur Weltwirtschaftskrise

Um die Jahrhundertwende entstanden die Jakobuskirche (1899, Ebers), die Lutherkirche (1901, Fritsch), die Oberlausitzer Ruhmeshalle (1902), das Stadtkrankenhaus an der Girbigsdorfer Straße (1901-1905, Heino Schmieden), die Stadtbibliothek an der Jochmannstraße (1907, Riess und Hagedorn), die Stadthalle (1906-1910, Bernhard Sehring), die Synagoge (1911, William Lossow und Hans Max Kühne) und der Bahnhof als großer Komplex mit Empfangsgebäude, Bahnverwaltung und Hauptpost (1914-1917). Görlitz hatte 1900 etwa 80.800 und 1910 etwa 85.750 Einwohner.

  • 1905: Industrie- und Gewerbeausstellung, Bahnstrecke nach Buchholz.
  • 1906: Georg Snay wird Oberbürgermeister (bis 1927), am 22. März gründet sich der Verkehrsverein.
  • 1907: Neubau der Altstadtbrücke.
  • 1910: Elektrische Straßenbeleuchtung ab 6. Juli, am 27. Oktober Musikfest in der Stadthalle.
  • 1911: Die Synagoge wird am 7. März eingeweiht. Aus dem Wilhelmtheater wird das erste Kino, das Union-Theater für Lichtspiele und Varieté.
  • 1912: Die Sozialdemokraten, inzwischen stärkste Kraft der Industriestadt, gewinnen den Reichstagssitz Görlitz/Lauban. Pensionäre und Garnison halten konservativ dagegen.
  • 1916-1919: Im Ersten Weltkrieg lässt sich das 4. griechische Armeekorps, etwa 6.500 Soldaten unter Oberst Chatzopoulos, freiwillig in Görlitz internieren. Mehr als 200 der Männer gründen hier Familien.
  • 1917: Emil Barber (1857-1917) stirbt, Lehrer, Mundartdichter, Leiter des Botanischen Gartens und Verfasser der ersten Flora der Oberlausitz.
  • 1921: Gründung der Waggon- und Maschinenbau AG (WUMAG).
  • 1925-1929: Flugplatz für Kleinflugzeuge, Eingemeindung von Rauschwalde (1925) und des östlich der Neiße gelegenen Moys (1929).
  • 1927-1934: Oberbürgermeister Dr. Georg Wiesner (bis 1931), dann Wilhelm Duhmer; 1927 öffnet das St.-Carolus-Krankenhaus.

In den 1920er Jahren kam das Bauen wegen der Wirtschaftskrise weitgehend zum Erliegen. Saniert wurden bis in die 1940er Jahre im Wesentlichen nur Kaisertrutz, Reichenbacher Turm, Rathaus und einige Häuser am Untermarkt. In den 1930er Jahren erhielten Biesnitz, Rauschwalde und der Rabenberg eine vorstädtische Bebauung.

Nationalsozialismus und Krieg, 1933-1945

  • 1933: Die 118. SA-Brigade wird in Görlitz stationiert. Johannes Wüsten (1896-1943), Maler, Schriftsteller, Kupferstecher und KPD-Mitglied, der das Kulturleben der 1920er Jahre geprägt hatte, emigriert nach Prag und später Paris. Dort verhaftet ihn 1940 die Gestapo, 1943 stirbt er im Zuchthaus Brandenburg-Görden.
  • 1934: Wilhelm Duhmer legt das Amt freiwillig nieder, Oberbürgermeister wird der NSDAP-Ortsgruppengründer Konrad Jenzen.
  • 1935: „Frontkämpfersiedlung“ auf dem Rabenberg, Abschluss der Restaurierung des Reichenbacher Turms, Kleist-Kaserne. Nach den Nürnberger Gesetzen wandern Hunderte Juden ab, deren Familien die Kaufmannsstadt mitgeprägt hatten. Das Gesundheitsamt richtet eine Stelle für „Erb- und Rassenpflege“ ein, die Industrie wird in die Aufrüstung eingebunden.
  • 1936: Das „Goldene Buch“ der Stadt wird angelegt, die WUMAG baut ihren ersten Doppelstockwagen. Um slawische Ortsnamen zu tilgen, heißt Posottendorf-Leschwitz nun Weinhübel und Nickrisch Hagenwerder.
  • 1937: Die Gestapo verhaftet etwa 100 Mitglieder der Widerstandsgruppe „Peter“. Auf dem Obermarkt zeigt eine Wanderausstellung „Weltfeind Nr. 1“, im Ständehaus sendet ab 8. Juli ein Görlitzer Radiosender.
  • 1938: Der Untermarkt wird saniert. Auf Arno Henschels Monumentalgemälde im neu gestalteten Großen Sitzungssaal des Rathauses fehlt die Synagoge. In der Pogromnacht am 9. November werden jüdische Geschäfte verwüstet, Menschen verhaftet und Eigentum „arisiert“; der Versuch, die Synagoge in Brand zu setzen, misslingt.
  • 1939: Görlitz hat etwa 93.670 Einwohner. Am 16. Juli landet das Luftschiff Graf Zeppelin auf dem Flugplatz. Am Überfall auf Polen ist das Infanterie-Regiment 30 Görlitz/Lauban beteiligt. Rund 1.800 polnische Kriegsgefangene werden an der Leopoldshainer Chaussee interniert, später im Stammlager VIII A in Moys.
  • 1940: Am 14. August fallen englische Bomben auf das Werksgelände der WUMAG. In Biesnitz entsteht das Rüstungs- und Konzentrationslager „Biesnitzer Grund“.
  • 1941: Olivier Messiaen, 1940/41 im Stalag VIII A interniert, bringt dort sein „Quatuor pour la fin du temps“ zur Uraufführung. Im Dezember werden die letzten Görlitzer Juden in das Zwangsarbeitslager Tormersdorf bei Rothenburg deportiert und 1942/43 nach Theresienstadt, Majdanek und Auschwitz-Birkenau gebracht.
  • 1942: Die meisten Denkmäler und Glocken werden eingeschmolzen. Ratsarchiv, Städtische Kunstsammlung, Ständearchiv, Stadtarchiv, die Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft und Kirchengut kommen in Rittergüter meist östlich der Neiße. Am 29. September wohnt Gerhart Hauptmann zu seinem 80. Geburtstag der Aufführung der „Iphigenie in Delphi“ im Stadttheater bei.
  • 1943-1944: In der WUMAG stellen Häftlinge und Kriegsgefangene fast die Hälfte der Belegschaft. 1944 folgen Luftangriffe, das Theater schließt, Männer zwischen 16 und 60 werden zum Volkssturm eingezogen. Dem Waggonbau wird ein Nebenlager des KZ Groß-Rosen angegliedert, mehr als 400 überwiegend jüdische Häftlinge sterben bei der Zwangsarbeit.
  • 1945: Am 18. Februar ergeht der Befehl zur Räumung, von etwa 94.000 Einwohnern bleiben rund 31.000. Joseph Goebbels spricht am 8. März in der Stadthalle, am 30. März wird Görlitz zur Festung erklärt, ab 6. Mai liegt es unter sowjetischem Artilleriefeuer. Oberbürgermeister Dr. Meinshausen flieht. Die geplante Sprengung von Rathaus und Türmen unterbleibt, alle Neißebrücken aber sprengt die Wehrmacht.

Etwa 1.500 Häuser wurden im Krieg beschädigt. Von den verheerenden englischen und amerikanischen Bombenangriffen blieb Görlitz jedoch verschont, und anders als in den meisten größeren Städten Sachsens überstand der historische Kern den Krieg. Mehr zur Epoche im Überblick vom Ende der Monarchie bis 1945.

Nachkriegszeit und Grenze an der Neiße

Am 10. Mai 1945 berief der sowjetische Stadtkommandant Gardeoberst Nesterow einen Magistrat unter Oberbürgermeister Alfred Fehler, der schon im August an Typhus starb. Im Juni fuhr die Straßenbahn wieder, das Stadttheater spielte. Ab 21. Juni wurde die deutsche Bevölkerung aus Görlitz-Ost vertrieben, am 9. Juli kamen Görlitz und der Westteil des Regierungsbezirks Liegnitz zum Land Sachsen. Sein Nachfolger Walter Oehme blieb nur von August bis Dezember im Amt; der sowjetische Geheimdienst verhaftete ihn wegen angeblicher Spionage und Sabotage, von 1950 bis 1956 saß er in Bautzen. Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland ließen die Einwohnerzahl von 31.000 bald auf etwa 100.000 anschwellen, eine Hungersnot brach aus, und im August wurden Stadt- und Landkreis zum Notstandsgebiet erklärt. Im November erhielten 27 Straßen und Plätze neue Namen, aus der Adolf-Hitler-Straße wurde die Berliner Straße. Im selben Jahr starb Richard Jecht (1858-1945), Ratsarchivar, Sekretär der Oberlausitzischen Gesellschaft und Herausgeber des Neuen Lausitzischen Magazins.

  • 1946: SPD und KPD vereinigen sich zur SED-Ortsgruppe. Beim Volksentscheid stimmen mehr als 83 % der Görlitzer für die Verstaatlichung der Großbetriebe; bei der Bodenreform 1945 waren schon etwa 10.000 ha Landwirtschafts- und 8.000 ha Waldfläche des Landkreises enteignet und verteilt worden. Ein Zweckverband soll das Braunkohlerevier Berzdorf-Tauchritz erschließen, am Weinberg entsteht ein Volksbad (fertig 1950), und das Stadttheater heißt nun Gerhart-Hauptmann-Theater.
  • 1947-1948: Viele Großbetriebe, auch der Waggonbau, werden Volkseigentum. Im Prozess in der Stadthalle werden der frühere Oberbürgermeister Dr. Meinshausen und der letzte NSDAP-Kreisleiter Dr. Malitz zum Tode verurteilt. Im Oktober 1948 öffnet die Städtische Kunstsammlung im Kaisertrutz wieder.
  • 1949: Weinhübel und Klingewalde werden eingemeindet, der VEB Waggonbau baut die ersten D-Zug-Wagen, das Naturkundemuseum am Marienplatz öffnet wieder. Görlitz hat etwa 101.750 Einwohner.
  • 1950: Im ehemaligen Karstadt eröffnet das damals größte HO-Warenhaus der DDR. Am 6. Juli unterzeichnen die Ministerpräsidenten Otto Grotewohl und Józef Cyrankiewicz in der früheren Oberlausitzer Ruhmeshalle in Zgorzelec das Görlitzer Abkommen, das die Oder-Neiße-Grenze festschreibt.

Die Grenze, 1990 im deutsch-polnischen Grenzvertrag bestätigt, machte Görlitz zur Grenzstadt. Verloren gingen die Viertel östlich der Neiße mit etwa einem Fünftel der Wohnungen, mit Ruhmeshalle und Jakob-Böhme-Haus, dazu die Görlitzer Heide, bis dahin städtischer Grundbesitz. Die etwa 12.000 deutschen Bewohner hatten diesen Teil schon nach Kriegsende räumen müssen. Er besteht seitdem als polnische Stadt Zgorzelec fort.

In der DDR

Zuerst galt es, Wohnraum zu schaffen und die Industrie wieder in Gang zu bringen. An der Peterskirche und an den beschädigten Häusern am Obermarkt begannen zwar früh Sanierungsarbeiten, doch in der Altstadt blieb es bei Einzelmaßnahmen, angeschoben von Architekten, Planern und Heimatfreunden wie Hans Nadler, Siegfried Asche, Ernst-Heinz Lemper, Bernhard Klemm und Albert Mayer. Für eine flächendeckende Sanierung fehlten Geld, Personal und Material und wohl auch der politische Wille. Neue Wohnungen entstanden in den äußeren Stadtbereichen.

  • 1951: Das Stadion der Freundschaft wird eingeweiht, auf dem Jüdischen Friedhof ein Ehrenmal für die Opfer des KZ Biesnitzer Grund enthüllt.
  • 1952: Das Land Sachsen wird aufgelöst, Görlitz gehört zum Bezirk Dresden. Biesnitz wird eingemeindet, der VEB Waggonbau baut erste Doppelstockwagen, an der Uferstraße geht das Kondensatorenwerk in Betrieb.
  • 1953: Beim Aufstand am 17. Juni besetzen Demonstranten Rathaus, SED-Kreisleitung und das Gebäude der Staatssicherheit und lassen Inhaftierte frei. Sowjetische Truppen schlagen den Aufstand nieder.
  • 1956-1957: Das städtische Krankenhaus wird Bezirkskrankenhaus. Über das 1945 zerstörte Neiße-Viadukt rollen wieder Züge zwischen Polen und der DDR.
  • 1961: Im Stadtpark markiert ein Meridianstein den 15. Längengrad und erinnert zugleich an Juri Gagarins Weltraumflug. Bis 1966 gibt Polen das im Krieg ausgelagerte Archivgut zurück.
  • 1971: 900-Jahr-Feier; Amiens in Frankreich und Molfetta in Italien werden Partnerstädte.
  • 1972: Reisen nach Polen ohne Pass und Visum.
  • 1975-1987: Ein großes Wohnungsbauprogramm beginnt mit Neubauten in Rauschwalde; das Neubaugebiet Königshufen entsteht von 1976 bis 1986 und bekommt 1987 die Straßenbahn.

Seit 1990

  • 1990: Im neu gegründeten Land Sachsen wird Görlitz kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Dresden. Die Planung der Altstadtsanierung beginnt; besonders viel investiert Wiesbaden, dessen Oberbürgermeister Achim Exner Ehrenbürger von Görlitz wird.
  • 1991: Görlitz hat etwa 71.000 Einwohner.
  • 1993: Das Gymnasium am Klosterplatz heißt wieder „Gymnasium Augustum“.
  • 1994: Deutsch-Ossig, Hagenwerder, Tauchritz und Schlauroth werden eingemeindet, der Oberbürgermeister wird fortan direkt gewählt. Den Kreissitz des neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreises gibt Görlitz bald an Niesky ab, um kreisfrei zu bleiben.
  • 1996: Außerhalb der Stadt öffnet ein neuer Grenzübergang nach Polen.
  • 1998: Görlitz und Zgorzelec rufen sich zur Europastadt Görlitz/Zgorzelec aus.
  • 2001: Die Europastadt bewirbt sich als Kulturhauptstadt Europas 2010 und unterliegt im Finale Essen; der Anschluss an die Autobahn A4 wird freigegeben.
  • 2003-2004: Die 1945 gesprengte Altstadtbrücke wird an historischer Stelle wieder aufgebaut.
  • 2008: Nach der sächsischen Kreisreform ist Görlitz Kreissitz des neuen Landkreises Görlitz.

Die denkmalgeschützte Altstadt mit ihren mehreren tausend Bürgerhäusern und Repräsentationsbauten hatte den Krieg fast unversehrt überstanden. Verfallen war sie trotzdem, zuerst durch Weltkriege und Wirtschaftskrise, dann durch eine DDR-Politik, die nur Neubaugebiete kannte. Nach 1990 begann die Sanierung, getragen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von Investoren und Spendern, und zuerst am Waidhaus, dem ältesten Profanbau der Stadt. Von 1995 bis 2016 überwies ein anonymer Spender jedes Jahr die sogenannte Altstadtmillion, zusammen mehr als zehn Millionen Euro. Im sanierten Schönhof am Untermarkt zeigt das Schlesische Museum zu Görlitz seit 2006 seine Dauerausstellung.

Im Dezember 2006 lebten etwa 57.100 Menschen in Görlitz. Geringe Geburtenraten und die Abwanderung junger Leute hatten die Zahl sinken lassen, und nach 1990 schlossen große Arbeitgeber: das Feinoptische Werk (1896 als Optisch-mechanische Industrieanstalt Hugo Meyer gegründet), das Kondensatorenwerk von 1952, das Bekleidungswerk aus der früheren Teppichfabrik Nahme & Weiske, das Leuchtenwerk (bis 1945 Apelt & Müller) und die Spezialfabrik für Bienenzuchtgeräte.

Filmteams fanden in der Altstadt, was anderswo der Krieg zerstört hatte. Görlitz spielte das Paris des 19. Jahrhunderts und das Heidelberg der 1950er Jahre, und der Ziegelbau der Landskronbrauerei gab ein Gebäude im Hafen von New York.

Die sächsische Landesgeschichte daneben