Puppentheatersammlung

Marionetten und Handpuppen aus der Dresdner Puppentheatersammlung

Am Anfang stand ein Leipziger Lehrer. Otto Link (1888-1959), Puppenspiel-Historiograph und Redakteur der ersten deutschen Puppenspielzeitschrift, trug eine der ältesten privaten Puppenspielsammlungen Deutschlands zusammen. Aus ihr ging die Dresdner Puppentheatersammlung hervor.

Das Fach war damals jung. Theaterwissenschaftler, Volkskundler, Philologen und Historiker hatten erst am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Puppentheaterforschung begonnen, und in dieser Zeit entstanden die großen Privatsammlungen. Angeregt hatte Link der Leipziger Medizinprofessor Artur Kollmann (1858-1941), der Nestor der deutschen Puppenspielforschung. Nach 1918 arbeiteten beide eng zusammen: Link ordnete die Kollmannsche Sammlung und bekam Einblick in Kollmanns Briefwechsel mit Puppenspielern in aller Welt. 1929 reiste er zur Gründung der UNIMA (Union Internationale de la Marionnette) nach Prag.

Vom Privatbesitz zur staatlichen Sammlung

Auf der Weihnachtsausstellung der Stadt Dresden 1950 waren Stücke aus Links Sammlung zu sehen. 1952 wurde sie verstaatlicht und als Forschungsstelle am Museum für Sächsische Volkskunst weitergeführt. Link gab dafür seinen Beruf auf und übernahm die Leitung, 1953 zog die Sammlung von Leipzig nach Dresden. Er organisierte Ausstellungen in deutschen Städten, kaufte zu und pflegte Kontakte zu Puppenspielern im In- und Ausland. Die Kollektionen von Dr. Alfred Lehmann und Carl Teumer aus Leipzig sowie von Fritz Müller aus Obercrinitz kamen hinzu. 1958 wurde die Dresdner Sammlung Mitglied der UNIMA.

Nach Links Tod 1959 übernahm der Theaterwissenschaftler Rolf Mäser die Leitung.

Hohenhaus, Garnisonskirche, Kraftwerk Mitte

Ab 1960 lief die Sammlung als eigene Abteilung des Staatlichen Museums für Volkskunst in Schloss Hohenhaus in Radebeul, dem Haus, in dem Gerhart Hauptmann um 1881 seine ersten literarischen Arbeiten schrieb. 1968 kam sie zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, 1972 erhielt sie ein eigenes Direktorat. Eine ständige Ausstellung von etwa 200 qm entstand 1974 im Foyer des Staatlichen Puppentheaters Dresden, ab 1985 gab es nach der Renovierung auch in Hohenhaus wieder eine. Zwischen 1958 und 1990 erschienen die „Mitteilungen der Puppentheatersammlung“, die einzige Fachzeitschrift dieser Art in der DDR.

Im Mai 2004 bezog die Sammlung die Garnisonskirche in der Albertstadt und zeigte dort Figuren aus zwei Jahrhunderten: Marionettenspiel in Gastwirtschaften, Kasper von den Jahrmärkten, pädagogisches und künstlerisches Puppenspiel der 1920er Jahre, Figurentheater der Gegenwart. Ab 2005 waren Teile in der Inneren Neustadt ausgestellt.

Der Bestand umfasst mehrere zehntausend Objekte. Den Schwerpunkt bildet das sächsische Marionetten-, Handpuppen- und Figurentheater des 18. bis 20. Jahrhunderts, dazu kommen Theaterbilderbogen, Figuren anderer Völker, Bühnendekorationen, Requisiten, Entwürfe, Plakate und Theaterzettel, eine Bibliothek zum Puppenspiel und eine große Sammlung von Spieltexten. Seit September 2024 sind Ausstellung, Depot und Archiv gemeinsam im Kraftwerk Mitte untergebracht.

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