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Kathedrale St.Trinitatis (ehem. Katholische Hofkirche)

[ Geschichte | Architektur | Innenausstattung ]

Kathedrale St. Trinitatis (Katholische Hofkirche)
Lage: zwischen Theaterplatz und Schlossplatz, nördlich vor dem Residenzschloss
Bauzeit, Architekten: 1739-1754, Gaetano Chiaveri (italienischer Barockbaumeister, verließ Dresden im Jahr 1749), dann Sebastian Wetzel, danach Johann Christoph Knöffel, nach dessen Tod von Julius Heinrich Schwarze vollendet
Merkmale: Sakralbau im Stil des römischen Spätbarocks, letzter bedeutender Barockbau Dresdens
Nutzung: Katholische Hofkirche des Sächsischen Hofes (wurde im protestantischen Sachsen notwendig, weil August der Starke und dessen Sohn und Nachfolger zum katholischen Glauben gewechselt waren, um die polnische Königskrone tragen zu können), im Jahr 1980 durch ein päpstliches Dekret zur Kathedrale St. Trinitatis des Bistums Dresden-Meißen erhoben

www.bistum-dresden-meissen.de

Kathedrale St. Trinitatis, vom Schlossplatz gesehen

Bilder: Kathedrale St. Trinitatis, vom Theaterplatz (Bild oben) und vom Schlossplatz (Bild links) gesehen




Die aus Sandstein errichtete Kathedrale St. Trinitatis, die ehemalige Katholische Hofkirche, ist Sachsens größte Kirche und eines der letzten und schönsten großen Bauwerke des römischen Barock. Die kühne Schrägstellung zum baulichen Umfeld, die zum Teil bewusst gewählt und zum Teil durch die alten Festungsanlagen an diesem Ort erzwungen war, lässt die Kirche noch beeindruckender wirken, vor allem, wenn man sich ihr von der Augustusbrücke her nähert.

In der Gruft der Kathedrale ruhen die sterblichen Überreste der katholischen Kurfürsten und Könige aus dem Geschlecht der Wettiner und ihrer nächsten Angehörigen.
Wegen der langen Bauzeit, der mit 4.800 qm Grundfläche sehr großzügigen Anlage und des reichen Gebäudeschmucks entstanden sehr hohe Baukosten: ca. 1.041.000 Taler (etwa dreimal so viel wie bei der 1743 vollendeten evangelischen Frauenkirche). Einen wesentlichen Teil davon mussten die (protestantischen) sächsischen Steuerzahler aufbringen.

Eine katholische Hofkirche wurde in dem seit 1539 protestantischen Dresden notwendig, weil Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) zum katholischen Glauben gewechselt war, um die polnische Königskrone erlangen zu können. Den protestantischen Sachsen war eher ein katholischer Landesherr als den erzkatholischen Polen ein protestantischer König zuzumuten. Den Glaubenswechsel vollzog August der Starke sehr zum Unwillen seiner Umgebung, auch seiner Gemahlin Christiane Eberhardine. Sein Sohn, Kurprinz Friedrich August, wechselte nach langem Sträuben und zunächst unter strenger Geheimhaltung im Jahr 1712 zur katholischen Kirche.

Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen), der Sohn und Nachfolger Augusts des Starken, erteilte dem italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri (1689-1770), den er in Warschau durch Vermittlung von Jesuiten kennengelernt hatte, im Jahr 1733 den Auftrag zum Bau der Katholischen Hofkirche. Im protestantischen Sachsen wären schwerlich willige Baumeister für diese Aufgabe zu finden gewesen, zumal die sächsischen Architekten den hochbarocken römischen Stil damals schon als unmodern empfanden.

Gaetano Chiaveri und seine zwei Bauführer, Francesco Placidi und Antonio Zucchi, sprachen kein Deutsch und fanden auch nur wenig Unterstützung durch die sächsischen Architekten und Bauverwaltungen, was ihre Arbeit in Dresden sehr erschwerte. Die italienischen Bauarbeiter wohnten nicht weit von der Baustelle entfernt in kleinen Wohnhäusern, an die der Name des Italienischen Dörfchens am Theaterplatz erinnert. Gaetano Chiaveri baute sich im Jahr 1748 ein Wohnhaus (später Max-Palais genannt) an der Ostra-Allee gegenüber der Maxstraße.

Der italienische Bildhauer Lorenzo Mattielli (1688-1748) erhielt den Auftrag für den Skulpturenschmuck der Hofkirche. Er schuf auch Bildhauerarbeiten für das Brühlsche Palais und das Palais Brühl-Marcolini (z.B. den Neptunbrunnen). Für seine Werkhütte erwarb er im Jahr 1745 ein Gut in Hosterwitz. Sein Sohn Francesco Mattielli brachte die Bildhauerarbeiten an der Hofkirche zum Abschluss.

Turm und Fassade der Kathedrale St. Trinitatis, von Westen gesehenDie Grundsteinlegung fand am 28. Juli 1739 statt - um 5 Uhr morgens in aller Stille, weil der katholische Kirchenbau im protestantischen Sachsen nicht sonderlich populär war (selbst Oberlandbaumeister Knöffel war nicht in die Planung einbezogen worden). Vollendet wurde die Kirche dann aber doch von sächsischen Baumeistern: Sebastian Wetzel, Johann Christoph Knöffel und Julius Heinrich Schwarze, weil Gaetano Chiaveri - verärgert über die ungenügende Unterstützung - Dresden im Jahr 1749 verlassen hatte.

Im Jahr 1751 wurde die Kirche geweiht, die Bauarbeiten kamen jedoch erst 1754 zum Abschluss.
In der Hofkirche kamen vielbeachtete Konzerte der Hofkapelle mit den Kapellknaben sowie Musikern und Sängern der Oper zur Aufführung. Diese standen unter Leiter z.B. von Johann Adolph Hasse (bis 1763), Carl Maria von Weber, Richard Wagner (bis 1849), Carl Gottlieb Reissiger und Karl Pembaur.

Wiederaufbau nach 1945

Die Bombenangriffe im Februar 1945 verwandelten die Hofkirche in eine Ruine. Sprengbomben durchschlugen das Dach des Mittelschiffs, das Innere der Kirche brannte aus, das Kirchendach sowie die Gewölbe des Hochschiffs, der Seitenschiffe und der Kreuzkapelle stürzten ein. Nur die Bennokapelle war noch soweit instand, dass hier im Juni 1945 ein Gottesdienst stattfinden konnte.

Nach einer ersten Sicherung der Bausubstanz unter der Leitung des Instituts für Denkmalpflege im Sommer 1945 begann schon im Jahr 1946 der Wiederaufbau der Hofkirche, eines Wahrzeichens der Stadt Dresden, durch die Zwingerbauhütte in enger Zusammenarbeit mit kirchlichen und staatlichen Einrichtungen. Mit kirchlichen, staatlichen und städtischen Mitteln sowie privaten Spenden konnte die Kirche neu eingewölbt werden. Im Jahr 1955 war der Rohbau fertig und ab 1962 das Mittelschiff wieder für kirchliche Zwecke nutzbar. In jenem Jahr fand die Hochaltarweihe statt. Die Kreuzkapelle wurde im Jahr 1968 fertiggestellt.

Die im Krieg ausgelagerten wertvollen Teile der Innenausstattung wie das Bild des Hochaltars von Anton Raphael Mengs, die Bilder der Seitenaltäre und die Silbermannorgel kehrten an ihren Platz zurück (die Silbermannorgel bis 1971). Einige der zerstörten Teile wie z.B. der verbrannte Orgelprospekt und einige schwer beschädigte Skulpturen von Lorenzo Mattielli wurden nach alten Fotos rekonstruiert. Die Benno- und die Johann-Nepomuk-Kapelle waren 1976 fertiggestellt. Die Teilrekonstruktion der prächtig geschmückten Kanzel endete 1987, dem Jahr der Vollendung des Wiederaufbaus.

Gruft der Kathedrale St.Trinitatis

Familiengruft der Wettiner in der Kathedrale St. TrinitatisIn den vier Räumen der Gruft unter dem Chor der Katholischen Hofkirche ruhen in 49 Sarkophagen katholische Kurfürsten und Könige aus dem Geschlecht der Wettiner und ihre engsten Angehörigen (weitere Ruhestätten der Wettiner befinden sich in Altzella, Meißen und Freiberg).
Eine Urne auf einem Mauervorsprung, eine Zinnkapsel, enthält das Herz von August dem Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen, reg. 1694-1733). Sein Leib befindet sich in der Grablege der polnischen Könige im Dom zu Krakau.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der in der Königsgruft stehende schmuckreiche, etwa 5 t schwere Sarg des 1873 verstorbenen Königs Johann von Sachsen (reg. 1854-1873).

Als letzter wurde Kronprinz Georg von Sachsen im Jahr 1943 in der Neuen Gruft beigesetzt, wo auch der letzte sächsische König Friedrich August III. (reg. 1904-1918) ruht.

Beim Hochwasser im August 2002 standen die Räume der Gruft vollkommen unter Wasser. Das Hochwasser riss die Sarkophage auf und spülte die inneren Holzsärge heraus, die dann in der Gruft herumschwammen. Nur die auf einem Mauervorsprung stehende Zinnkapsel mit dem Herz Augusts des Starken blieb unbeschädigt. Nach dem Rückgang des Wassers waren viele Sarginhalte mit Schlamm und Müll vermischt und zum Teil über die Räume der Gruft verstreut. An den Wänden bildete sich Schimmel.

Ab September 2003 wurde die Familiengruft der Wettiner für etwa eine halbe Million Euro (je etwa zur Hälfte für die Räume und die Sarkophage) umfassend saniert. Im März 2004 übergab sie der sächsische Finanzminister im Beisein von Alexander Prinz von Sachsen wieder ihrer Bestimmung.

Bei der Sanierung wurden die Zinn-, Kupfer- und Bronze-Sarkophage mit Granitplatten unterlegt und mit einer Wachsschicht abgedichtet, um ihren Inhalt vor künftigen Hochwassern zu schützen. Außerdem reparierte man die beschädigten Schmuckelemente. Die Särge wurden gereinigt und die herausgespülten Sarginhalte und Grabbeigaben gesammelt, gereinigt, fotografiert und zurückgelegt.


www.saechsische-geschichte.de.vu



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