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Schloss Pillnitz, Stadtteil Pillnitz
Das Pillnitzer Schloss wird erstmals im Jahr 1403 urkundlich erwähnt. Es ging aus einer an der Elbmündung des Meixbaches stehenden mittelalterlichen Wasserburg mit Wallgraben und Zugbrücke hervor. Die frühere Schlossanlage war ein großer Vierflügelbau (wo heute das Neue Palais steht), der sich im Stil der Spätrenaissance mit mächtigen Giebeln und einem Schneckenturm zeigte. Dazu gehörten ein Lustgarten, ein Lusthaus und eine Terrasse am Elbufer. Aus dem 17. Jahrhundert blieb die östlich des Wasserpalais gelegene kleine Bastei erhalten, die zu dem einst am Elbufer stehenden Lusthaus gehörte. Das elbseitige Gemäuer trägt einen Löwenkopf. Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen erwarb das Schloss im Jahr 1694 von der Familie von Bünau für seine Mätresse Magdalene Sibylle von Neidschütz. Nach dem frühen Tod des Kurfürsten im Jahre 1694 (er starb an den Blattern) gelangte dessen Bruder und Nachfolger Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) im Jahr 1706 durch Rückkauf in den Besitz von Schloss Pillnitz. Er schenkte es im Jahr 1707 seiner berühmten Mätresse Gräfin Cosel, nahm es aber, nachdem die Gräfin bei Hofe in Ungnade gefallen war, im Jahr 1717 durch Enteignung wieder zurück. August der Starke ließ im Umfeld von Schloss Pillnitz ab 1720 eine Schloss- und Parkanlage im heiteren und zugleich festlichen Stil des Dresdner Barock mit ostasiatischen und orientalischen Elementen, den sog. Chinoiserien, bauen. So entstand eine prächtige barocke Schlossanlage. Auch wenn sie wie eine harmonische Komposition wirkt, ist die Park- und Schlossanlage Pillnitz - wie z.B. auch der Dresdner Zwinger - nicht komplett nach einem Plan, sondern nach und nach entstanden. Die Bauarbeiten zogen sich bis 1824, also über mehr als 100 Jahre hin. Zum geplanten Umbau des Renaissance-Schlosses in ein Barockschloss ist es nicht mehr gekommen. Nach dem großen Schlossbrand von 1818 errichtete Christian Friedrich Schuricht im Jahr 1823 an dessen Stelle das Neue Palais als neues Hauptgebäude der Schlossanlage. Die Schloss- und Parkanlage Pillnitz blieb bis zum Jahr 1918 im Besitz der sächsischen Landesherren, der Wettiner. Diese nutzten sie neben anderen Orten als Sommerresidenz und ließen hier weitere bemerkenswerte Schloss- und Parkbauten errichten. Im Kuppelsaal des Neuen Palais, im Roten Saal des Wasserpalais und im Lustgarten finden heute regelmäßig Konzerte mit klassischer, auf das barocke Umfeld abgestimmter Musik statt. Zur Geschichte und Architektur der Barockschloss-Anlage Pillnitz August der Starke hatte schon im Jahr 1718 den barocken Umbau des Schlosses Pillnitz in ein großes Lustschloss für Park- und Wasserfeste geplant. Weil andere Bauvorhaben und die pompöse Hochzeit des Kurprinzen im Jahr 1719 (für die Pillnitz nicht genutzt wurde) die sächsischen Finanzen überstrapaziert hatten, begann dieser Umbau dann erst im Jahr 1720 und auch nur sehr zögerlich. Matthäus Daniel Pöppelmann, der Schöpfer des Dresdner Zwingers, und Zacharias Longuelune, der mit Pöppelmann auch an Schloss Moritzburg und am Japanischen Palais arbeitete, schufen die Pläne für den barocken Umbau der Schlossanlage. Zacharias Longuelune brachte die strengen rechtwinkligen Formen und anderen frühklassizistischen Elemente in die Pillnitzer Architektur ein. Das Schloss Pillnitz zeigt sich hierdurch ganz anders als der von Pöppelmann im kurvenreichen italienischen Hochbarock gestaltete Dresdner Zwinger. Das an der Elbe stehende alte Lusthaus sollte zunächst erhalten bleiben, doch die von August dem Starken gewünschte "indianische" (orientalische) Bauweise der Schlossanlage, zu der das Lusthaus nicht gepasst hätte, machte dann auch dessen Abriss erforderlich. ![]() Zwischen 1720 und 1721 entstand am Elbufer das Wasserpalais - zunächst in Form von drei getrennten Pavillons. Der siebenachsige Mittelbau besitzt zwei Stockwerke zum Lustgarten bzw. drei zur Elbe hin. Der große Saal war für das Fest des Weißen Adlerordens im Jahr 1721 eingerichtet worden. Die beiden schon im Jahr 1720 vollendeten fünfachsigen Seitenpavillons des Wasserpalais, die Wohnzwecken dienten, wurden im Jahr 1722 durch niedrige Gänge mit dem Mittelbau verbunden (erst später durch hohe Bauten). In jenem Jahr kam auch die nach Plänen Pöppelmanns gestaltete weitgeschwungene doppelläufige Treppe hinzu. Sie führt von der mit schmiedeeisernen Gittern gefassten Terrasse des ersten Obergeschosses zum Uferweg hinunter. An der Lustgartenseite erhielt das Palais einen vorgezogenen Portikus mit vier Kompositsäulen. Das doppelt geschwungene, mit schönen Schornsteinen verzierte Walmdach und die Hohlkehlen der Hauptgesimse des Wasserpalais muten sehr asiatisch an. Die Hohlkehlen sind mit "chinesischen" Figurengruppen verziert - rot auf gelb an den Seitenbauten, blau auf rot am Mittelbau und blau in der Vorhalle des Wasserpalais. Die Verwendung ostasiatischer und orientalischer Elemente, sog. Chinoiserien, war in der Barockzeit sehr in Mode. August der Starke wollte das Schloss "indianisch" gestaltet haben, womit er orientalisch oder fernöstlich meinte. Das Wasserpalais und das Bergpalais von Schloss Pillnitz gehören heute zu den größten Chinoiserien-Bauten der Welt. In Pillnitz gelangte dieser besondere Barockbaustil zur höchsten Vollendung. ![]() Das Bergpalais (s. Bild) entstand in den Jahren 1723/24 als spiegelbildliches Gegenstück zum Wasserpalais. (Zwischen 1964 und 1967 legte man die originale Bemalung der Lustgartenseite des Wasserpalais frei. Die sichtbar gewordenen figürlichen Malereien wurden dabei teils konserviert, teils mit Wachsfarbe restauriert. Im Jahr 1968 folgte die Wiederherstellung der Lustgartenseite des Bergpalais.) Zwischen den Palais wurde der barocke Lustgarten angelegt. Östlich davon stand noch bis zum Jahr 1818 das alte Renaissance-Schloss, während die aus dem Jahr 1596 stammende Schlosskirche, eine evangelische Kapelle, dem barocken Umbau der Anlage weichen musste. Im Jahr 1724 kam an der Elbseite des Wasserpalais die auf Plänen Pöppelmanns und Longuelunes beruhende Treppe des Gondelhafens hinzu. (Einen ähnlichen Gondelhafen hatten Pöppelmann und Longuelune bereits im Jahr 1715 im Park des Japanischen Palais in Dresden gebaut.) Die zwei auf den Mauerpfeilern dieser großen Freitreppe stehenden Sphingen sind Arbeiten von François Coudray aus dem Jahr 1725. Am Pillnitzer Gondelhafen landeten nun die aus Dresden kommenden Boote und Gondeln des sächsischen Hofes an. Im Jahr 1725 erlebte Pillnitz die pompöse vierwöchige Hochzeit der Prinzessin Auguste Constantine, der ältesten Tochter von August dem Starken und der Gräfin Cosel. Das in jenem Jahr veranstaltete Schlosseinweihungsfest soll drei Wochen gedauert haben. Mit bäurisch-derben Spielen imitierte der Hof dabei das einfache Leben des Landvolkes. Zacharias Longuelune erstellte im Jahr 1727 einen Generalplan für die weitere Gestaltung der Pillnitzer Barockanlage. Der Plan sah auch den Umbau des alten Renaissance-Schlosses vor. Er wurde dann allerdings nicht mehr realisiert, weil August der Starke das Interesse an Schloss Pillnitz verloren hatte (den Überlieferungen zufolge fand er nun keinen rechten Gefallen mehr daran) und sich inzwischen mit anderen Projekten wie dem Japanischen Palais (seinem Porzellanschloss), dem Barockgarten Großsedlitz und dem Jagdschloss Moritzburg beschäftigte. Das Geld und die Baukapazität reichten auch nicht für alle Vorhaben zugleich. In der Bauphase bis 1730 kamen nur noch der von Matthäus Daniel Pöppelmann als Ringrenngebäude entworfene Mitteltrakt der Orangerie sowie am Standort der abgebrochenen Schlosskapelle der Venustempel mit seinem prächtigen Fest- und Speisesaal hinzu. Als Ersatz für die Schlosskapelle hatte August der Starke für die evangelische Gemeinde des Ortes etwas entfernt am Weinberg zwischen 1723 und 1727 ein neues Gotteshaus - die Weinbergkirche - errichten lassen. Auch diese Bauplanung lag in den Händen von Matthäus Daniel Pöppelmann. Nach dem Tod Augusts des Starken im Jahr 1733 diente die Schlossanlage Pillnitz unter seinem Sohn und Nachfolger Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen) ländlichen Vergnügungen des Hofes. Wesentliche Bauarbeiten fanden zu dieser Zeit nicht statt. Erst als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen die Pillnitzer Park und Schlossanlage im Jahr 1765 zur kurfürstlichen Sommerresidenz erklärte, machten sich weitere Um- und Neubauten erforderlich. Bild: Schloss Pillnitz nach 1790 (vorn das Wasserpalais mit noch getrennt stehenden Flügeln, hinten das Bergpalais mit schon verbundenen Gebäudeflügeln, rechts das frühere (im Jahr 1818 abgebrannte) Renaissance-Schloss, hinten rechts am Berghang die Weinbergkirche, hinten links der Mittelbau der Orangerie)Die klassizistischen Schlossbauten in Pillnitz Bis zum Jahr 1788 schuf Oberlandbaumeister Christian Friedrich Exner beiderseits des Bergpalais und bis zum Jahr 1791 beiderseits des Wasserpalais neue Flügelbauten mit Wohnungen für Hofbedienstete. Diese Gebäude beruhen auf Entwürfen von Christian Traugott Weinlig und Johann Daniel Schade, die sich wiederum an Plänen von Zacharias Longuelune aus dem Jahr 1727 orientierten. Die anstelle hölzerner Gewächshäuser errichteten neuen Flügelbauten sind etwas in den Lustgarten vorgezogen, was die Schlossanlage dynamischer wirken lässt. Sie besitzen Kupferdächer, während die älteren Palaisbauten Schieferdächer tragen. Zwischen 1790 und 1795 fügte man die bisher nur durch niedrige Gänge miteinander verbundenen Pavillons des Berg- und des Wasserpalais in der heute sichtbaren Form zusammen. Ab 1785 entstanden auch mehrere kleinere Bauten im Park: Im Jahr 1785 schuf Johann Daniel Schade die romantisierende künstliche Ruine - ein neoromanisches Mauerwerk mit gotischen Spitzbogenfenstern. Christian Traugott Weinlig und Johann Daniel Schade bauten im Jahr 1787 den klassizistischen Englischen Pavillon, einen Rundtempel nach dem Vorbild des Tempietto von Bramante in Rom. Im Jahr 1804 errichtete Christian Friedrich Schuricht - in Anklang an die Chinoiserien - den Chinesischen Pavillon. Im Jahr 1791 ging das Schloss durch die Pillnitzer Konvention in die Geschichte ein. Kaiser Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. schlossen hier ihr Bündnis gegen das revolutionäre Frankreich. Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. war Gastgeber, aber nicht an den Verhandlungen beteiligt. Im Jahr 1818 brannten das alte Renaissance-Schloss und der daneben stehende Venustempel ab. Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht schloss diese Lücke in den Jahren 1822/23 mit dem Neuen Palais. Obwohl dieses erst nachträglich zum Bauensemble hinzu kam, wirkt es wie dessen architektonisches Zentrum. Dem Hauptflügel des Neuen Palais sind an der Elbseite der Küchenflügel und an der Bergseite der Kapellenflügel mit der Schlosskapelle beigefügt. Diese drei Gebäudeflügel umschließen den 55 × 60 m großen Fliederhof. Durch viertelkreisförmige Galerien ist das Neue Palais mit dem Wasser- und dem Bergpalais verbunden. Statt der Hohlkehlen der anderen Palais besitzt das Neue Palais rechtwinklige Gesimse. ![]() Die zum Lustgarten gerichtete Westfassade des klassizistischen Neuen Palais ist in zahlreichen Details an das barocke Umfeld angepasst, trotzdem hebt sie sich von den (Chinoiserien-) Barockfassaden der anderen Palais ab. Die korinthischen Säulen und das bekrönende Uhrtürmchen betonen die Vertikale dieser Fassade. Die Ostseite des Neuen Palais, vor der sich der Fliederhof erstreckt, präsentiert sich in einem reinen klassizistischen Stil mit geraden Linien und klaren, strengen Formen. Nur die geschwungenen Dächer weichen davon ab. Auch die im Jahr 1824 gegenüber der Kapelle gebaute Schlosswache zeigt sich im klassizistischen Baustil. Zur Innenausstattung von Schloss Pillnitz, Museum für Kunsthandwerk Im Mittelbau des Wasserpalais legten die Restauratoren in den Jahren 1989/90 Freskenmalereien aus der Zeit nach 1722 frei. Als früheste Beispiele der europäischen Chinoiserien-Innenarchitektur sind sie besonders wertvoll. Von der barocken Innenausstattung der Palais blieb ansonsten fast nichts erhalten. ![]() Von der aus dem 19. Jahrhundert stammenden klassizistischen Ausgestaltung der Räume ist noch einiges vorhanden. Das im Kaiserflügel des Bergpalais gelegene, zwischen 1966 und 1971 restaurierte Weinlig-Zimmer präsentiert sich mit reicher Stuckdekoration in dem vom Architekten Christian Traugott Weinlig bevorzugten deutschen Zopfstil. Dieser bildet eine Übergangsphase zwischen Rokoko und Klassizismus. Bild: Watteau-Saal im Bergpalais von Schloss Pillnitz Der quadratische Saal des Neuen Palais ist mit einer kuppelförmigen Kassettendecke und korinthischen Säulen ausgestattet. In der Region gibt es sonst keinen solcherart dekorierten klassizistischen Kuppelsaal. Die klassizistischen Malereien des Saales und der Kapelle sind Arbeiten des Hofmalers Carl Christian Vogel von Vogelstein. Das im Jahr 1876 gegründete und seit 1947 zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehörende Museum für Kunsthandwerk (Kunstgewerbemuseum) nutzt das Wasser- und das Bergpalais seit 1962 für seine Ausstellungen. Das Museum zeigt einen repräsentativen Ausschnitt aus dem europäischen Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Gegenwart, daneben auch kunsthandwerklich wertvolle Objekte aus Ostasien. Zu den Exponaten aus den Bereichen Kunsthandwerk und Industriedesign gehören Beispiele der Wohnkultur, Gegenstände aus Keramik und Glas sowie Metallarbeiten, Lederwaren und Textilien aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, darunter auch wertvolle Gobelins, Goldschmiedearbeiten, historische Musikinstrumente, Hausgeräte, Bronzen und Steingutobjekte. Zum Museum gehören auch eine Sammlung von Kacheln und Fliesen aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, ostasiatische, deutsche und englische Lackmöbel aus dem 17. bis 18. Jahrhundert und Beispiele für das Industriedesign des 19. und 20. Jahrhunderts. Garten- und Parkanlage Pillnitz ![]() Bild: Park- und Schlossanlage Pillnitz von Westen aus dem Heißluftballon gesehen: im Zentrum der Lustgarten, rechts davon das Wasserpalais an der Elbe (ganz rechts die Elbinsel), links vom Lustgarten das Bergpalais (hinter diesem der Große Schlossgarten, dahinter der Chinesische Garten mit dem Teich), oberhalb des Lustgartens das Neue Palais mit dem Fliederhof zwischen den Gebäudeflügeln, unten im Bild die acht Heckenquartiere (links daneben der Koniferenhain, dann die Orangerie) und ganz unten, vor dem Graben, die Kastanienallee (links daneben der Englische Garten mit Teich)
Die Garten- und Parkanlage Pillnitz entstand zusammen mit den Schlossbauten in mehreren Etappen. Das Schloss und der Park sind so angeordnet, dass man sie als Einheit erlebt. Dieses Ensemble gehört zu den Meisterwerken der europäischen Schlossbaukunst. Die herrliche Lage an der Elbe steigert die Wirkung ganz besonders. Zur Pillnitzer Garten- und Parkanlage gehören der sich zwischen den Palais erstreckende Lustgarten, der sich im Westen anschließende Garten mit den Heckenquartieren, die westlich davon gelegene Kastanienallee mit der Maillebahn, der nordwestlich vom Bergpalais gelegene Koniferenhain und dahinter der Englische Garten sowie im Norden des Bergpalais der Schlossgarten, der Holländische und der Chinesische Garten. Der sich zwischen dem Wasser-, dem Berg- und dem Neuen Palais erstreckende, im 18. Jahrhundert für höfische Spiele genutzte Lustgarten ist der älteste Teil der Garten- und Parkanlage. Nach Fertigstellung des Neuen Palais war der frühere Barockgarten nach einem Entwurf des berühmten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné (1789-1866) im Stil des Biedermeier umgestaltet worden. Heute zeigt sich der Lustgarten wieder annähernd wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit vier Gehölzbeeten sowie Blumenbeeten, in denen etwa 28.000 Tulpen, Narzissen und Traubenhyazinthen sowie im Frühjahr auch 26.000 Stiefmütterchen wachsen. Im Zentrum befindet sich ein Bassin mit einer Fontäne, die aus einem im Friedrichsgrund gelegenen Staubecken gespeist wird. ![]() Bild: Lustgarten und Bergpalais von Schloss Pillnitz Im Lustgarten, vor der Kulisse des Wasserpalais, geben Musiker der Dresdner Philharmonie gelegentlich an Sommerabenden Serenaden-Konzerte. Die sich im Westen an den Lustgarten anschließenden Heckenquartiere (Charmillen), die sehr intim wirkende Freilufträume bilden, waren auf Anweisung von Gräfin Cosel, die Schloss Pillnitz im Jahr 1707 von August dem Starken geschenkt bekommen hatte, aus früheren Obst-, Küchen- und Ziergärten geschaffen worden. So entstanden bis zum Jahr 1713 streng verschnittene Hainbuchen- und Weißdorn-Hecken in einer Gesamtlänge von etwa 2,8 km auf einer Fläche von 36 ha (im Jahr 1912 erneuert). Diese bilden beiderseits der Hauptallee je vier Rechteckräume. In die nördlichen Heckenräume pflanzte man ab 1956 auch Stauden, Rosen und Nadelgehölze hinein. In den nördlichen Heckenquartieren steht unter einem Schutzdach die im klassizistischen Stil gebaute rote Tritonengondel von 1790 - die einzige erhalten gebliebene Prunkgondel der sächsischen Kurfürsten und Könige. Einst fuhren Gondolieri in farbenprächtiger Kleidung die Gondeln zwischen der Dresdner Altstadt und der Ufertreppe des Pillnitzer Wasserpalais hin und her. Die Elbe musste als sächsischer Canale Grande herhalten, wozu sich dieser nordische, recht lebhafte Fluss allerdings nicht gut eignete. Das Gondeln auf der Elbe war mühsam und nicht ohne Gefahr. Westlich der Heckenquartiere, hinter einem Graben, beginnt die etwa 500 m lange Maillebahn. Diese anfänglich von hohen Bretterwänden umgebene Anlage war im Jahr 1766 auf der nach Hosterwitz führenden 750 m langen und 40 m breiten Kastanienallee für das im 18. Jahrhundert sehr beliebte golfähnliche, mit hölzernen Hämmern betriebene Maillespiel gebaut worden. Das harmonische Zusammenspiel der Pillnitzer Garten- und Parkanlage mit dem Elbestrom und den Weinberghängen im Hintergrund erfährt man besonders eindrucksvoll, wenn man sich der Schlossanlage auf der Kastanienallee nähert. Diese Allee entstand ab 1725 nach Entwürfen von Matthäus Daniel Pöppelmann. Hier, am Westausgang der Parkanlage, stand von 1725 bis 1743 das "Französische Dorf", in dem Komödianten, Musiker und Sänger des Hofes lebten. Im Pillnitzer Park wurden ab 1710 zahlreiche Baumarten gepflanzt. Heute umfasst der Park ca. 3.000 Bäume wie z.B. Linden und Kastanien, aber auch seltene Arten wie Blaseneschen und Blauregen. Im Fliederhof sind Fliederbäumchen mit einem besonderen Drehwuchs zu sehen, deren Nachzucht bisher nicht wieder gelang. Die ersten Hochstämme dieses Chinesischen Flieders (Syringa chinensis) waren im Jahr 1866 im Fliederhof gepflanzt worden. In der Orangerie überwintern seit 1799 die wärmeliebenden Pflanzen der Schlossanlage. Im übrigen Jahresverlauf, von Frühjahr bis Herbst, finden hier auch Sonderschauen statt. Der Mittelbau der Orangerie war um 1730 von Matthäus Daniel Pöppelmann nach Longuelunes Plänen als Ringrenngebäude errichtet worden. Über dem Haupttor sind das Spiegelmonogramm AR (Augustus Rex), ein Wappen und Spielgeräte zu sehen. Letztere erinnern an den hier um 1725 angelegten Spielgarten mit Ringrennbahn. Die Seitenflügel der Orangerie bestehen erst seit 1874. Heute besitzt Schloss Pillnitz etwa 600 zumeist sehr wertvolle Wintergarten- und Warmhauspflanzen wie z.B. Palmen in bis zu 1,80 m großen Kübeln. Die sechs Zitruspflanzen der Orangerie sind mindestens 250 Jahre alt und somit die ältesten in Deutschland. Die mit Früchten behangenen Orangenbäume und die berühmte Gartenhortensie stehen im Sommer vor dem Bergpalais im Lustgarten. Letztere war vom späteren Hofgärtner Karl Adolf Terscheck im Jahr 1807 als Steckling aus Paris nach Dresden mitgebracht worden. Zu den zahlreichen botanischen Kostbarkeiten der Garten- und Parkanlage Pillnitz gehört die um 1760 aus Ostasien eingeführte, inzwischen mit mehr als 8 m Höhe und einem Kronendurchmesser von ca. 11 m baumgroße Japanische Kamelie (Camellia japonica). Der schwedische Botaniker Thunberg war im Jahr 1755 als Arzt einer Gesandtschaft der "Holländisch-Ostindischen Kompanie" nach Japan gereist und hatte von dort vier Kamelien nach Kew bei London mitgebracht. Sie wurden dann an die bedeutendsten Gärten jener Zeit in London, Hannover, Wien und Pillnitz verteilt. Hofgärtner Terschek pflanzte die Pillnitzer Kamelie im Jahr 1790 im Freiland aus. Seit 1801 steht sie am heutigen Standort. Jedes Jahr im Herbst wird ein beheizbares Winterhaus, eine glasgedeckte Eisenkonstruktion, über das Gehölz geschoben, um es bis zum Frühjahr vor Frost zu schützen. Die von April bis Mai dauernde Kamelienblüte mit ca. 35.000 karminroten Blüten löst alljährlich einen großen Besucheransturm aus. Zwischen 1778 und 1780 erweiterte man die Parkanlage bis zum Fuße des Borsberges, wo die Landschaft des Friedrichsgrundes beginnt. Der dabei angelegte Englische Garten zeigt sich ganz im Stil englischer Landschaftsgärten, d.h. mit geschwungenen Wegen, zwischen Rasenflächen verstreuten Baumgruppen und einem umbuschten Teich. ![]() Am Ufer des Teiches im Englischen Garten steht der nach Plänen von Christian Traugott Weinlig gebaute, im Jahr 1787 fertiggestellte Englische Pavillon. Über der Tür trägt dieser zweigeschossige Rokoko-Rundpavillon das Monogramm "FA", das Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (reg. 1763-1827, ab 1806 König Friedrich August I. von Sachsen) als Bauherrn bezeichnet. Anders als in den Barockgärten (Französischen Gärten) wirkt die Vegetation des Englischen Gartens ganz natürlich und zufällig. Dennoch wurde sie gezielt nach ihrer ästhetischen Wirkung gestaltet. Im Garten sind heute fast 200 Jahre alte heimische und eingebürgerte Laubbäume wie Platanen und Edelkastanien und zahlreiche Straucharten zu sehen. Aus der Frühzeit der Anlage stammt die mächtige Platane am Teichufer - mit einem Stammdurchmesser von 2,10 m der stärkste Baum des Pillnitzer Parkes. Der hinter dem Bergpalais gelegene Große Schlossgarten blieb seit 1723 nahezu unverändert. Hier erstrecken sich von Baumreihen aus Roßkastanien und Winterlinden geteilte weite Rasenflächen. Das im Norden angrenzende Gelände gehört seit 1785 zur Parkanlage. Mehrere Pillnitzer Häusler hatten dafür ihren Wohnsitz räumen müssen. In diesem Bereich wurde der Holländische Garten mit Pflanzen aus dem damals niederländischen Südafrika angelegt. Später diente der Garten als "Botanische Schule", d.h. als Pflanzen-Anzuchtstätte. Dazu gehören auch mehrere Gewächshäuser wie z.B. das aus dem Jahr 1859 stammende Palmenhaus. Die von Wolf von Hoyer geschaffene Florastatue steht seit 1870 in diesem Bereich. Der im äußersten Nordosten des Pillnitzer Parks angelegte Chinesische Garten entstand in den Jahren 1785 bis 1790. Mit ihm wurde die Parkanlage bis an die ehemalige Pillnitzer Dorfstraße heran erweitert. ![]() Seinen Namen trägt der Garten nach dem im Jahr 1804 wahrscheinlich von Christian Friedrich Schuricht an der Nordostecke des Großen Teiches (Chinesischen Teiches) gebauten Chinesischen Pavillon. Ab 1822 tagte hier das Dante-Komitee, zu dem der Übersetzer der "Göttlichen Komödie" Prinz Johann, der Dichter und Dramaturg Ludwig Tieck und der Arzt, Maler und Philosoph Carl Gustav Carus gehörten. Zwischen der Orangerie und den Heckenquartieren wurde im Jahr 1874 ein Koniferenhain mit etwa 200 seltenen in- und ausländischen Nadelbäumen angelegt. Diese erreichen heute Höhen von bis zu 30 m. Im Jahr 1953 pflanzte man hier ein damals gerade 20 cm großes Exemplar des seltenen, erst um 1944/45 im südlichen China entdeckten Urwelt-Mammutbaumes (Metasequoia). Zum Schutz gegen Kaltluft ist der Nadelgehölz-Garten von Laubbäumen gesäumt. Mit ihrem wertvollen botanischen Inventar entwickelte sich die Garten- und Parkanlage Pillnitz zu einer weltweit anerkannten floristischen Einrichtung. Die dichten Hecken und Sträucher und die höhlenreichen alten Bäume der Garten- und Parkanlage bieten vielen Vogelarten günstige Lebens- und Brutbedingungen. Etwa 50 Arten brüten hier, etwa 30 Arten halten sich hier zumindest zeitweilig auf. In natürlichen oder von Grün- und Buntspechten geschaffenen Höhlen brüten unter anderem die Hohltaube und der Waldkauz. In den Baumhöhlen und zahlreichen Nistkästen sind auch Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper, Wendehals und mehrere Meisenarten anzutreffen. In den dichten Weißbuchenhecken sind Nester von Drossel, Grasmücke, Zaunkönig und mehreren Finkenarten zu finden. Zu den besonders bemerkenswerten Arten, die im Park als Brutvögel auftreten, gehören Nachtigall, Pirol, Kernbeißer, Gimpel, Waldbaumläufer, Gartenspötter und Heckenbraunelle. Seidenschwänze sowie Wacholder- und Misteldrosseln treten vor allem in den vielen Mistelbüschen der Parkbäume auf. An den Gewässern ist die Gebirgsstelze zu beobachten. Im Park leben Fledermäuse sowie Rötel-, Gelbhals- und Waldmäuse. Im Mulm der alten Bäume wachsen Larven des Eremiten, des Nashornkäfers sowie zahlreicher Bockkäferarten heran, im Rasen sind Pflasterkäfer (Ölkäfer) zu finden. An Juni-Abenden leuchten unzählige Johanniskäfer (Glühwürmchen) im Park. Stadtteil Pillnitz, Weinberge, Weinbergkirche
Als internationales Touristikziel mit einem alljährlich großen Besucherandrang ist Pillnitz gut mit Straßenzufahrten, Parkplätzen, Tankstellen und Restaurants erschlossen. Die Schloss und Parkanlage Pillnitz bildet das Zentrum eines sich rechtselbisch zwischen Söbrigen und Loschwitz erstreckenden Naherholungsgebietes. Dessen Uferwege laden zum Radfahren und Spazierengehen ein. Die Schiffsanlegestellen in Söbrigen, Pillnitz und Wachwitz ermöglichen auch eine Anreise per Elbschiff. Das aus einer sorbischen Fischersiedlung hervorgegangene, in früher deutscher Zeit zu den Lehen der Burggrafen von Dohna gehörende Gassendorf Altpillnitz war eines der Winzerdörfer des erstmals im Jahr 1403 erwähnten Weinbaugebietes Pillnitz. Neben den Winzern lebten hier an der Mündung des Friedrichsgrundes Bauern und Elbfischer. Im Mittelalter gab es zwei Burgen im Gebiet Pillnitz - eine oben auf dem Hochplateau, wo dann im Jahr 1785 eine künstliche Ruine gebaut wurde, und eine Wasserburg unten an der Elbmündung des Meixbaches. Aus letzterer ging ein Schloss mit Zugbrücke und Wallgraben hervor. Das Pillnitzer Schloss wird erstmals im Jahr 1403 als Herrensitz des Ludewicus de Belennewitz erwähnt. Zu diesem Besitz gehörte das Rittergut Pillnitz. Ab 1439 saß die Familie von Karras auf Pillnitz, im 16. Jahrhundert die Familie von Ziegler, dann von 1569 bis 1640 die Familie von Loss. Im Jahr 1589 schenkte der Rat und Reichspfennigmeister Christoph von Loss zu Pillnitz dem Kurfürsten Christian I. von Sachsen die berühmten geschnitzten Kirschkerne, die heute im Grünen Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen zu besichtigen sind. Der Grundherr Joachim von Loss wird in den Chroniken als äußerst habgierig und bösartig geschildert. (Der Sage nach streift der Böße Loß noch heute zu Mitternacht als großer schwarzer Hund durch die Gegend.) Im Jahr 1616 erhöhte er unrechtmäßig die Frondienste und Abgaben z.B. mit unentgeltlicher Obsternte und Weinlese mit eigenem Gerät von Sonnenauf- bis -untergang, mit Botendiensten sowie der Gestellung von Knechten und Mägden für die Ernte. Die fronpflichtigen Bauern mehrerer Dörfer, wie die von Pappritz, erhoben beim Landesherrn, dem Kurfürsten, Klage gegen Joachim von Loss. Doch erst nach dessen Tod im Jahr 1633 konnten sie mit dem Nachfolger eine Einigung erzielen. Später gelangte das im Stil der Renaissance umgebaute Schloss in den Besitz der auf Schloss Weesenstein residierenden Familie von Bünau, bis es Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen im Jahr 1694 - im Tausch gegen Lichtenwalde - für seine Mätresse Magdalene Sibylle von Neidschütz erwarb. Ab 1718 wurde das Rittergut als Kammergut geführt. Ab 1765 nutzte der kurfürstlich-sächsische Hof Pillnitz neben anderen Orten wie Bad Lauchstädt als Sommerresidenz. Der Grundbesitz der Gutsherrschaft dehnte sich nach und nach auf Kosten des Bauernlandes über den größten Teil der Ortsflur aus. Im 18. Jahrhundert war die Siedlung im wesentlichen nur noch von Gärtnern und Häuslern bewohnt, die mehrheitlich als Schloss und Gutsarbeiter dienten. Neben den Pillnitzer Einwohnern hatten auch die von Pappritz, Hosterwitz, Krieschendorf, Oberpoyritz und Söbrigen Frondienste für das Pillnitzer Gut zu leisten, bis diese Dienste im Jahr 1846 zur Ablösung kamen. Das Kammergut gelangte in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz des sächsischen Staates. Schloss und Park Pillnitz dagegen blieben bis 1918 Eigentum der sächsischen Landesherren - der Wettiner. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts breiteten sich die Pillnitzer Wohnsiedlungen vor allem auf den Hanglagen des Borsbergmassivs und der davorgelagerten Heidesandterrasse aus. Hier wurden unter anderem Villen mit großen Gartengrundstücken gebaut. Die Landhaussiedlung auf dem ehemaligen Rebgelände des Hausberges (wo sich das gleichnamige Ausflugscafé befindet) entstand ab 1927. Im Jahr 1846 errichtete sich die Gemeinde ein eigenes Schulhaus (Schulweg 3). Es wurde im Jahr 1901 erneuert und erweitert. Hier ist ein Denkmal für den Dichter Julius Hammer (den Bruder des Malers Guido Hammer) zu sehen. Ein zweites Schulhaus entstand an einem schön gelegenen Standort an der Dresdner Straße (auf Hosterwitzer Flur) unweit der katholischen Kapelle "Maria am Wege". Zwei alte Fischerhäuser (August-Böckstiegel-Straße 7 und 8) erfuhren zwischen 1962 und 1964 eine denkmalpflegerische Sanierung. Zu den erhalten gebliebenen Altbauten gehören auch der Gasthof "Goldener Löwe" und das Fachwerkhaus Lohmener Straße 5. Im Jahr 1913 erhielt Pillnitz Anschluss an den Dresdner Stadtverkehr. Das im Jahr 1948 verstaatlichte Kammergut arbeitete bis 1971 als VEG Tierzucht. Dann ging das Land an das Institut für Obstbau, eine Einrichtung der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, über. Dessen Gebäude befanden sich in der zwischen 1913 und 1915 angelegten ehemaligen Hofgärtnerei. Ab 1950 kamen noch mehrere Neubauten hinzu. Auf dem früheren Weinbergsgelände betrieb das Institut Versuchskulturen. Daneben war auch das Institut für Landwirtschaft in Pillnitz tätig. Im Umland von Pillnitz mit seinen Obstplantagen und Weinhängen, den Winzerhäuschen, dem Presshaus von 1827 und dem Bergweg durch die Weinbauflächen, sind viele reizvolle Wanderwege zu finden. Beliebte Wanderziele sind der etwa 3 km entfernte Borsberg (ein 355 m hoher Berg des Lausitzer Granitmassivs mit Aussichtsturm und Gaststätte), die Meixmühle, der Vogelgrund, der Friedrichsgrund, die Weinbergkirche und die umliegenden Elbdörfer. Pillnitzer Weinberge Die östlich des Friedrichsgrundes (Meixgrundes) gelegenen Süd- und Südwesthänge des Borsbergmassivs bieten besonders günstige klimatische und Bodenbedingungen für den Weinbau. Dieser fand hier schon in früher Zeit statt. Um 1800 lobte man einen vorzüglichen Rotwein aus diesem Gebiet. Die eingeschleppte Reblaus machte dem Weinbau um 1885 vorübergehend ein Ende. Mit resistenten Sorten konnte man ihn wiederbeleben, doch die Anbaufläche ging im Elbtal von einst 6.000 ha auf etwa 300 ha zurück. Auf vielen ehemaligen Weinbauflächen waren nun Obst und Beerenkulturen angelegt. Nach 1918 pachteten einige ehemalige Weinbergarbeiter Teile des verbliebenen Reblandes und wurden selbst Winzer. Im Zuge der Bodenreform erhielten sie die Pachtflächen nach 1945 zum Eigentum. Das Pillnitzer Institut für Obstbau besaß im Jahr 1972 etwa 1,6 ha Rebfläche. Im Gebiet entstanden in der Zeit der DDR zahlreiche Wochenendhäuschen (Bungalows). Zu den zahlreichen reizvollen Wanderwegen des Pillnitzer Weinbaugebietes, durch das heute die Sächsische Weinstraße verläuft, gehört der Bergweg. In dieser Gegend gingen schon Alexander von Humboldt, Ludwig Tieck, Carl Gustav Carus, Jean Paul, Caspar David Friedrich, der Philosoph Arthur Schopenhauer, Richard Wagner und Carl Maria von Weber gern auf Wanderschaft. Im Umfeld sind Obstplantagen, Weinhänge, Winzerhäuschen und die im Jahr 1827 in einem einfachen klassizistischen Stil gebaute Weinpresse (Bergweg 1) zu finden. Letztere trägt wegen der früheren Zugehörigkeit zum Kammergut Pillnitz das königlich-sächsische Wappen. Auf den sich zwischen Pillnitz und Oberpoyritz hinziehenden Weinberghängen stehen drei alte achtseitige Weinwächterhäuser. Zu den beliebtesten Wanderzielen des Pillnitzer Raumes gehören der etwa 3 km entfernte Borsberg (355 m ü. NN; eine Erhebung der Lausitzer Granodioritplatte mit Aussichtsturm und Gaststätte), die Meixmühle, der Vogelgrund, der Friedrichsgrund, die Weinbergkirche und die umliegenden Elbdörfer. Nordwestlich der Weinbergkirche steht die von Johann Daniel Schade im Jahr 1785 geschaffene neogotische künstliche Ruine. Vom Standort der Weinbergkirche wie auch vom nahen Pillnitzer Großen Berg bietet sich ein herrlicher Ausblick auf das Elbtal. Andere Aussichtspunkte des Borsbergmassivs erlauben den Blick nach Dresden, zum Elbsandsteingebirge und bis zum Osterzgebirge. Wo die durch ihr warmes Mikroklima ausgezeichneten Südhänge bewaldet sind, herrschen Eichen-Hainbuchen-Wälder vor. Aufgelassenes Rebgelände ist meist mit thermophilen (wärmeliebenden) Gebüschen aus Schlehe, Rotem Hartriegel sowie Zweigriffligem und Eingriffligem Weißdorn bewachsen. Von den in diesem Gebiet einst weit verbreiteten recht artenreichen Trockenbuschgesellschaften blieben nur spärliche Reste erhalten. Botanische Seltenheiten wie Trauben-Wucherblume, Hirschwurz und Aufrechte Waldrebe kamen aus ihrem südosteuropäischen Verbreitungsgebiet in das Elbtal. Zu den auf den Südhängen lebenden wärmeliebenden Tieren gehören Weinbergschnecken, Schnirkelschnecken, Eidechsen, Erdbienen und solche Schmetterlingsarten wie Schwalbenschwanz, Segelfalter, Schillerfalter und Eisvogel. Die zwischen Pillnitz und Oberpoyritz gelegene Rysselkuppe (260 m ü. NN), eine zum Elbtal gerichtete Hangrippe, ist nach einer früheren Weinbauernfamilie benannt. In diesem Gebiet treten stellenweise steile Felsklippen aus Zweiglimmergranodiorit hervor. Auf einer dieser Klippen ist ein Aussichtspunkt eingerichtet, von dem sich ein herrlicher Blick nach Süden über das Elbtal und nach Südosten bis zum Elbsandsteingebirge bietet. Im Umfeld der Rysselkuppe kann nur eine besonders trockenliebende oder -resistente Vegetation gedeihen, weil die flachgründige Braunerde dieser südexponierten Hänge einer starken Austrocknung unterliegt. Im Wald des Gebietes Rysselkuppe schnitt man über mehrere Jahrhunderte hinweg Pfähle für die Weinpflanzungen des Elbtales. Diesen Wald nutzte man auch für die Waldweide (Schafweide) und im 19. Jahrhundert für das Streurechen. Nach 1835 erfuhren große Teile eine Wiederaufforstung mit Fichten und Kiefern. Leider wurden dabei auch viele der noch vorhandenen Laubwaldbestände mit Nadelbäumen durchsetzt. Reste des ursprünglichen Laubwaldes blieben an einigen elbseitigen Steilhängen zwischen der Rysselkuppe und dem Borsberg erhalten. Weinbergkirche "Zum heiligen Geist" ![]() Am Hang des Borsberges, nicht weit von der Schloss- und Parkanlage Pillnitz entfernt, ließ Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, zugleich König August II. von Polen, reg. 1694-1733) zwischen 1723 und 1727 die barocke Weinbergkirche "Zum heiligen Geist" als Ersatz für die beim barocken Umbau des Schlosses abgebrochene Schlosskirche, eine evangelische Kapelle von 1596, errichten. Die Baupläne für die Weinbergkirche stammen von Matthäus Daniel Pöppelmann, dem großen Baumeister des Dresdner Barock und Schöpfer des Dresdner Zwingers. Die Steinmetzarbeiten führte Benjamin Thomae aus, ein Schüler des berühmten Barock-Bildhauers Balthasar Permoser, in dessen Werkstatt auch der Skulpturenschmuck des Zwingers entstanden war.
Bild: In ihrer schönen Lage bietet die Weinbergkirche, die sich mit hohen Fenstern, einem steilen Walmdach und einem hölzernen Dachreiter (Glockenturm) zeigt, ein beliebtes Motiv für Maler. Von ihrem Standort ergibt sich ein herrlicher Ausblick auf das Elbtal. Zur Innenausstattung des rechteckigen Kirchenschiffes gehören eine Flachdecke und doppelte Emporen an drei Seiten des Saales. Die Weinbergkirche enthält neben anderem Inventar den Taufstein und den Altar der abgebrochenen Kapelle des alten Pillnitzer Schlosses. Der aus der Zeit der Spät-Renaissance stammende Altar - eine Arbeit von Johann Georg Kretzschmar aus dem Jahr 1648 - trägt das kulturgeschichtlich bedeutende Relief "Abendmahl". In der Region blieben sonst kaum Altäre aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erhalten, was ihn besonders wertvoll macht. Bevor er nach Pillnitz kam, befand er sich in der Kapelle des Dresdner Residenzschlosses. Pillnitzer Elbinsel Die gegenüber dem Wasserpalais von Schloss Pillnitz gelegene 900 m lange und 10,5 ha große Elbinsel ist seit 1924 ein Naturschutzgebiet. Hier wachsen Reste eines Urwaldes, wie er einst im ganzen Elbtal verbreitet war. Der Auwaldsaum, die vielfältigen Schwemm- und Schotterzonen und die Wiese in der Mitte der Insel bieten Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten und zahlreiche ungestörte Vogelbrutplätze. Um 1830 konnte man im sächsischen Elbelauf noch 18 Inseln zählen. Nach der am Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Flussregulierung blieben davon nur die Insel bei Gauernitz und die Pillnitzer Elbinsel übrig. Wie auch das Strombett der Elbe und Teile der Niederterrasse in diesem Gebiet besteht der Untergrund der Insel aus groben Kiesen, auf die der Fluss wechselweise Flusssand und Aulehm aufgeschwemmt hat. Der nahezu ungestört gewachsene Auwald hat frühere Stadien der Vegetationsentwicklung (Weiden und Pappel-Weiden-Gebüsch) weitgehend verdrängt. Er besteht aus Stieleichen, Flatter- und Feldulmen, Eschen und Schwarzpappeln. Eingestreut sind Bergulme, Bergahorn, Spitzahorn, Hainbuche und Traubenkirsche. Von der Randzone zum Zentrum hin wird der Pappelauwald vom Ulmen-Hartholz-Auwald abgelöst. Der Ulmenbestand ist allerdings - wie auch sonst in Deutschland - vor allem wegen des Ulmensplintkäfers stark geschrumpft. Das Vorkommen an Ross und Edelkastanien sowie Sumpfeichen geht auf eine ab 1862 vorgenommene Anpflanzung zurück. In der dichten Strauchschicht des Auwaldes wachsen Hasel, Schwarzer Holunder, Roter Hartriegel und Schneeball. An den Bäumen ranken sich Spreizklimmer und Lianen wie Waldrebe Zaunwinde, Hopfen und Hühnerbiss empor. Die zuletzt genannte kontinentale Stromtalpflanze ist in Sachsen nur in der Elbaue zu finden. Wegen der starken Beschattung des Bodens durch die dichten Baum und Strauchschichten ist die Krautschicht nur gering ausgebildet. Sie enthält Arten wie Schöllkraut, Giersch, Brennessel, Buschwindröschen, Gelbes Windröschen, Hohler Lerchensporn, Lungenkraut, Moschusblümchen und Taumel-Kälberkropf. Eine Besonderheit ist der südosteuropäische Knollige Beinwell, der aus dem Böhmischen Mittelgebirge in das Elbtal vordrang. Im Zentrum der Insel erstreckt sich eine vom Menschen angelegte Glatthaferwiese mit hochwüchsigen Gräsern und Doldenblütlern, zu denen Glatthafer, Wiesenrispengras, Wiesenstorchschnabel, Zweijährige Feste, Waldkerbel und Bärenklau gehören. Wo der Auwald wegen häufiger Hochwasserschäden nicht vordringen kann, wächst ein Gebüsch aus Schwarzpappel sowie Purpur-, Korb-, Silber-, Bruch- und Salweide. An der gegen die Strömung gerichteten Südspitze der Insel sind mit Schwemmgut bedeckte Kies und Schotterbänke entstanden. Am Ufer tritt hier Rohrglanzgras und Pappelgebüsch auf. Die häufig vom Hochwasser gestörten Flächen werden immer wieder von Pionierpflanzen, zu denen Eselswolfsmilch, Taubenkropf, Seifenkraut, Rauke und Bunte Kronwicke gehören, neu besiedelt. Auf der Pillnitzer Elbinsel brüten mehr als 50 Vogelarten wie Grünspecht, Pirol, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Ringel- und Hohltaube, Dohle, Saat-, Raben- und Nebelkrähe, Waldkauz, Turm- und Baumfalke. Weil sich die Verbreitungsgebiete der Rabenkrähe und der Nebelkrähe hier überlappen, kommt es häufig zur Bastardisierung. Fasane, für die man im Jahr 1871 sogar eine Fichtenremise angepflanzt hatte und die um 1890 ein häufiges Jagdwild abgaben, treten hier nicht mehr auf. Auch die einst auf den Schotterflächen nistenden Fluss- und Zwergseeschwalben waren nach 1890 nicht mehr zu beobachten. Etwa 50 weitere Vogelarten halten sich zumindest vorübergehend auf der Elbinsel auf. Die vielen Baumhöhlen und das dichte, an Beerensträuchern reiche Unterholz, aber auch die Krautschicht, der Ufersaum und die Schwemmguthaufen bieten reichlich Nahrung und Schutz. Zumindest als Gäste sind unter anderem Graureiher, Rotschenkel, viele Entenarten, Blessrallen, Gänsesäger, Zwergtaucher, Höckerschwäne, Grau- und Saatgänse, Lachmöwen, Eisvögel, Kiebitze und der Schwarzmilan zu beobachten. Trotz der Insellage kommen ständig oder zeitweise mehrere Arten von Säugetieren vor, darunter Fuchs, Wildkaninchen, Reh, Hase, Dachs, Igel, Eichhörnchen, mehrere Mäusearten und Maulwurf, am Wasser gelegentlich die Bisamratte und der Fischotter. Die Mollusken und Krebstiere haben sehr unter der Verschmutzung der Elbe gelitten. Flussmuscheln und die Flussdeckelschnecke sowie die Wollhandkrabbe sind weitgehend verschwunden. Schnirkel-, Nackt- und Wegschnecken und die Weinbergschnecke sind dagegen häufig zu finden. Bei entomologischen Untersuchungen stellte man fast 400 Käferarten fest, z.B. den für Flusstalauen charakteristischer Ampferblattkäfer, sowie viele Schmetterlingsarten, zu denen solche seltenen Arten wie Pappelschwärmer, Postillion, Abendpfauenauge und Gelbe Acht gehören. Auch Wanzen, Spinnen und Tausendfüßler sind reich vertreten. Eintagsfliegen treten wegen der Wasserverschmutzung nicht mehr so häufig wie früher auf, als man sie mit Lampen in Massen zur Gewinnung von Zierfischfutter anlocken konnte. nach oben ![]() |