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Neumarkt
Mit der um 1525 beginnenden großen Osterweiterung der Dresdner Stadtfestung über den Bereich des alten sorbischen Dorfes Drezdzany mit dessen Pfarrkirche (der alten Frauenkirche) hinweg erhielt die Stadt auch einen weiteren Marktplatz, den Neumarkt (der bisherige Stadtmarkt wurde nun Altmarkt genannt). Die umliegenden Gassen mit ihren attraktiven Bürgerhäusern wie z.B. die Rampische Straße gehörten bis 1945 zu den schönsten Stadtbildern Dresdens. Die prächtigen Barock- und Rokokofassaden mit Erkern, Ornamenten und Portalen waren Kleinodien der Baukunst des 18. Jahrhunderts. Die englisch-amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 legten den gesamten Neumarktbereich in Schutt und Asche. In den Jahren nach dem Krieg sind dann auch die Ruinen wiederaufbaufähiger Bürgerhäuser abgebrochen worden. Für lange Zeit waren in diesem Gebiet nur noch die Rückseiten der an der Brühlschen Terrasse und an der Wilsdruffer Straße stehenden rekonstruierten oder neuen Gebäude sowie des Polizeipräsidiums zu sehen - und natürlich die Ruine der Frauenkirche, die bis 1993 als Mahnmal gegen den Krieg diente. In der Zeit der DDR wurden das Johanneum, der Stallhof, das Ständehaus, die Kunstakademie, die Torbauten des Coselpalais und das Alte Landhaus wieder hergestellt, außerdem der Kulturpalast, der große Hotelbau vor der Sekundogenitur sowie ein Anbau hinter dem Polizeipräsidium neu errichtet. Diese Gebäude und die Ruine der Frauenkirche prägten bis in die 1990er Jahre hinein das Aussehen des Neumarkt-Gebietes.Nach 1990 wurden auch das Coselpalais und die Frauenkirche wieder aufgebaut. Seit 2005 entstanden im Umfeld des Neumarktes auch mehrere große Wohn- und Geschäftsbauten (Quartiere), die sich zumindest noch in ihren Maßen und der allgemeinen Fassadengestaltung an den historischen Vorbildern orientieren. Bilder: Blick von der Brühlschen Terrasse zum Neumarkt mit der Frauenkirche durch die mit Verkaufsständen gefüllte Münzgasse (ganz im Hintergrund der Rathausturm), Hotel Hilton, ein schon in der Zeit der DDR errichteter Hotelbau am Neumarkt (das vierflügelige Gebäude ist an der Rückseite mit der an der Brühlschen Terrasse stehenden Sekundogenitur verbunden)Die Beibehaltung der historischen Straßen- und Platzfronten sowie der ehemaligen Gebäudemaße und Dachformen ist in einer Gestaltungssatzung festgeschrieben. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt forderte eine weitgehend originalgetreue Wiederherstellung der Barockhäuser am Ort, akzeptiert jedoch behutsame zeitgemäße Ergänzungen wie z.B. glasüberdachte Einkaufspassagen. Zu einem wirklich detailgetreuen Wiederaufbau des Neumarkt-Bereiches wird es aber nicht mehr kommen. Auf dem schwierigen, beengten und sehr teuren Bauplatz Neumarkt (nicht zuletzt ein archäologisches Grabungsgebiet mit entsprechenden Auflagen) wurden acht große Baugrundstücke für ca. 60 Häuser eingerichtet. ![]() Die neuen Gebäude im Umfeld des Neumarktes (u.a. Hotel de Saxe, Quartier an der Frauenkirche, Karree an der Frauenkirche/Rampischen Straße) werden seit 2006 nach und nach fertig gestellt. Das schon im Jahr 2006 äußerlich vollendete Quartier an der Frauenkirche zeigt sich mit historischen und zeitgemäß angepassten Fassaden. Es enthält Läden, Restaurants, Bars, Wohnungen, Büros und ein Luxus-Hotel. Leider verstellen nun die östlich des Johanneums errichteten Gebäude die Sicht vom Fürstenzug und durch das Tor des Stallhofes auf die Frauenkirche, die sich von hier am beeindruckendsten zeigte (solche Fotoaufnahmen der neuerbauten Frauenkirche, wie sie für eine kurze Zeit möglich waren, werden demnach einen großen Wert erlangen). Im August 2004 eröffnete nahe der Frauenkirche die modernste Tiefgarage Sachsens (ca. 400 Standplätze). Bei ihrem Bau waren Reste der mittelalterlichen Stadtfestung mit einer alten Stadtbrücke des ehem. Frauentores freigelegt worden. (Bis zu der um 1525 beginnenden Osterweiterung der Dresdner Stadtfestung befand sich die östliche Stadtmauer mit dem Frauentor im Bereich Stallhof/Johanneum.) Das Karree an der Frauenkirche/Rampischen Straße orientiert sich an historischen Vorbildern. Zu ihm gehören die Barockbauten "Zum Schwan" und "Die Glocke". In den Häusern des Karrees sind Läden, Gaststätten, Büros, Praxen, Kanzleien, Pensionen, kleine Hotels und Dachwohnungen eingerichtet. ![]() Bild: Mit barocken Schmuckelementen und schönen Erkern erinnert dieses neue Quartier am Coselpalais (ganz links im Bild) an die wertvollen Barock-Bürgerhäuser, die einst hier im Gebiet der Rampischen Straße standen. ![]() Das südöstlich der Frauenkirche gelegene Hotel de Saxe wurde originalgetreu wiederaufgebaut und als 4-1/2-Sterne-Hotel Steigenberger eingerichtet. Bild: Standbild des Königs Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1836-1854) von Ernst Julius Hähnel aus dem Jahr 1867 vor dem neugebauten Hotel de Saxe; in der rechten Hand hält der König die Urkunde der vom Bürgertum dem Landesherren abgerungenen sächsischen Verfassung von 1831 Zu den nach historischen Vorbildern neugebauten Quartieren am Neumarkt gehört die Heinrich-Schütz-Residenz (Architekt Eckhard Feddersen) - eine Rekonstruktion des Schützhauses (Frauenstraße/Ecke Neumarkt, um 1530 gebaut, von 1629 bis 1657 vom kursächsischen Hofkapellmeister Heinrich Schütz, dem bedeutendsten deutschen Komponisten des Frühbarock, bewohnt) und des Köhlerschen Hauses (1749, von Johannes Köhler bewohnt).
Dieser Gebäudekomplex, zu dem ein moderner Anbau gehört, umfasst 50 Wohnungen, den Heinrich-Schütz-Saal, ein Restaurant, einen Wein- und Spezialitätenladen, einen Dachgarten und zwei Innenhöfe. Im Kellergeschoss blieben Reste der alten Stadtmauer und Mauerwerk von Kellern der Renaissance-Zeit erhalten, in die Fassade wurden einige nach 1945 geborgene Teile der historischen Gebäude eingefügt.
Bild links: Runderker an der Heinrich-Schütz-Residenz (nach historischen Vorbildern rekonstruiert), zu seinem Schmuck gehört der KinderfriesBild unten: Der Kinderfries kehrte von seinem bisherigen Ort (nördlich neben dem Neuen Gewandhaus; das Bild zeigt ihn an diesem Platz) zum Neumarkt zurück und ziert wieder den Runderker des Schützhauses. Dieser von Christoph Walther I um 1535 geschaffene Wandfries zeigt eine fröhliche nackte Kinderschar mit 32 Figuren. Ganz anders als der düstere, mittelalterliche Totentanz des selben Künstlers drückt der Kinderfries die Lebensfreude der Renaissance aus. ![]() Türkenbrunnen (ehem. Friedensbrunnen) ![]() Der zunächst auf dem Neumarkt, dann seit 1866 vor der Südfassade des Johanneums (am ehemaligen Jüdenhof nahe des Neumarktes) stehende Türkenbrunnen blieb von den Kriegszerstörungen im Jahr 1945 verschont. Er trägt die von Conrad Max Süssner im Jahr 1683 geschaffene Sandsteinfigur der Siegesgöttin Victoria mit Fahne und Lorbeerkranz. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (reg. 1680-1691) war im Jahr 1683 zusammen mit dem polnischen König Jan Sobieski (von 1697 bis 1763 waren dann August der Starke und dessen Sohn und Nachfolger Friedrich August II. Könige von Polen) siegreich vom Türkenkrieg heimgekehrt. Die Türken unter Kara Mustapha waren vor Wien geschlagen worden. Der Name des Türkenbrunnens erinnert an diesen Sieg. Vorher, bis 1683, stand die Friedensgöttin Irene, einen Ölzweig haltend, an der Stelle der Victoria. Der Brunnen mit seinem achteckigen Becken von 1616 war im Jahr 1649, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, von den kriegsmüden Dresdnern mit dieser Statue geschmückt und in Friedensbrunnen umbenannt worden. Damals trug er die Inschrift: "Der Du den Frieden liebst, lies. Ich bin die Göttin des Friedens, die den Kriegsgott Mars besiegte und niedergeworfen hat; nun habe ich diesen Friedensquell eröffnet nach dem Gelübde des Rates und der Bürgerschaft - Dresden im Jahre 1650". nach oben ![]() |