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Japanisches Palais (ehem. Holländisches Palais)
 Bild: Japanisches Palais, vom Wall im Park gesehen
Lage: Neustädter Elbufer, westlich der Augustusbrücke, neben der Marienbrücke
Bauzeit, Architekten: 1727-1737, Matthäus Daniel Pöppelmann (Entwürfe und Oberbauleitung), Zacharias Longuelune, Jean de Bodt (Fassade zum Palaisplatz), wahrscheinlich auch Johann Christoph Knöffel
Merkmale: Vierflügelanlage im Barock-Stil (nach Plänen Pöppelmanns) mit klassizistischen Gestaltungselementen (nach Plänen Longuelunes), Anklänge an asiatische Formen (Chinoiserien) bei der Dachgestaltung (doppelt konkav geschwungene Kupferdächer) und dem Skulpturenschmuck, Palaishof mit reich gegliedertem vorgekragtem Umgang aus Sandstein zwischen Unter- und Obergeschoss, von 24 kraftvollen Chinesen-Hermen über Pilastern getragen (diese und weiterer barocker Skulpturenschmuck stammen von Johann Christian Kirchner und Johann Matthäus Oberschall), große asiatische Atlanten (Chinesen-Karyatiden von Johann Matthäus Oberschall) am rechten Treppenaufgang des Nordflügels
Nutzung: Museen für Vorgeschichte und Völkerkunde (s. Museen) sowie Ausstellungen der Naturhistorischen Sammlungen Dresden, neue Nutzungen des Palais sind geplant |

Bild: Elbseite des Japanischen Palais mit großartigem Mittelrisalit (ein Meisterwerk von Zacharias Longuelune) in strenger, klassizistisch anmutender Fassadengliederung
Aus der Geschichte des Japanischen Palais
1715: Bau eines Landhauses für Graf Jakob Heinrich von Flemming (17 Fensterachsen lang, 4 Fensterachsen breit, Mansardendach, dreistöckiger, reich gegliederter, von Säulen eingefasster und von Statuen bekrönter halbrunder Vorbau mit Treppenanlage vor der Eingangshalle, Saal mit 5 Fensterachsen und einer Treppe zum Garten am Elbufer, Architekt: Rudolph Fäsch), "Holländisches Palais" genannt (weil es an den holländischen Gesandten am sächsischen Hof vermietet war), 1717: Wechsel in den Besitz von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken), nun Alt Dresdner Haus oder Palais zu Alt-Dressden genannt, Nutzung als Aufbewahrungs- und Ausstellungsort der kurfürstlichen Porzellansammlung (die Porzellane wurden auf lackierten oder vergoldeten Konsolen inmitten von ostasiatischen Lackmöbeln, Wandverkleidungen aus chinesischer Seide und wertvollen Specksteinarbeiten präsentiert), Nutzung auch als Unterkunft für erlesene Gäste (z.B. anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen im Jahr 1719), 1722/23: Gestaltung des stadtseitigen Umfeldes des Palais nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann, u.a. Anlage eines quadratischen Platzes (heute: Palaisplatz) und der mit Linden bepflanzten etwa 30 m breiten barocken Königstraße bis zum Schwarzen Tor (heute Albertplatz), in deren Flucht sich das Palais sehr eindrucksvoll darbietet, 1724: Aufbau eines Mezzaningeschosses, 1727-1737: Bau der neuen Vierflügelanlage (mit dem Holländischen Palais als Elbflügel) nach Plänen des großen Baumeisters des Dresdner Barock Matthäus Daniel Pöppelmann für August den Starken, der ein "Porzellanschloss" für die würdige Aufbewahrung seiner reichen Porzellansammlung wünschte, ab jetzt Japanisches Palais genannt (die geplante Innenausstattung aus Meißner Porzellan und die Fassadengestaltung mit Porzellanplatten kamen nicht mehr zur Ausführung, weil August der Starke im Jahr 1733 starb und die Porzellane für seinen Sohn und Nachfolger sehr an Repräsentationswert verloren hatten), nach 1733: Nutzung als Museum, Umwandlung der nun nicht mehr zeitgemäßen barocken Festraum-Innenausstattung in eine museale Ausstattung, Siebenjähriger Krieg (1756-1763): Nutzung als Depot für Porzellane und Kunstsammlungen, große Schäden an der prächtigen Inneneinrichtung, nach 1766: teilweise Wiederherstellung der Inneneinrichtung durch Johann August Gebhardt, 1785/86: Umbau in ein Museum Saxonicum (woran die Inschrift MUSEUM USUI PUBLICO PATENS - "Museum, dem öffentlichen Gebrauch geöffnet" - im Giebelfeld des stadtseitigen Portals erinnert), Einzug mehrerer bedeutender Sammlungen: der Antikensammlung (vorher ab 1730 in vier der Kavalierhäuser am Palais im Großen Garten ausgestellt, im Japanischen Palais bis 1887), des Münz-Kabinetts (vorher ab 1743 im Taschenbergpalais, im Japanischen Palais bis 1877, dann im Residenzschloss), der Kurfürstlichen Bibliothek (vorher im Zwinger, ab 1788 öffentlich zugänglich, im Japanischen Palais bis 1945) und der kurfürstlichen archäologischen Sammlung (zu der im Jahr 1853 die archäologische Sammlung von Benjamin Preusker hinzu kam - eine der Wurzeln des heutigen Museums für Vorgeschichte), Entwicklung der Bibliothek (durch die Brühlsche und die Bünausche Büchersammlung vermehrt) unter ihrem damaligen Leiter Johann Christoph Adelung zu einer der führenden Bibliotheken Deutschlands (später in Sächsische Landesbibliothek umbenannt), 1834-1836: Ausmalung der Antikensäle im Erdgeschoss des Japanischen Palais mit pompejanischen Wandmalereien nach Entwürfen von Gottfried Semper (1936 unter der Leitung von Hubert Ermisch für das Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek restauriert), ab 1875: Ausstellung der (bis dahin recht unsachgemäß im Keller des Japanischen Palais gelagerten) kostbaren Porzellane im Obergeschoss des Johanneums, Februar 1945: Brandzerstörung des Japanischen Palais und Verwüstung des Parks durch die Bombenangriffe, 1951: Beginn des Wiederaufbaus, 1979: originalgetreue Rekonstruktion der ehemaligen Antikensäle im Erdgeschoss einschließlich der pompejanischen Wandmalereien, danach auch des "Saales der Satyrisken" und des "Saales der Herkulanerinnen", 1986: Kupfereindeckung des Daches mit allen Profilen und Zieraten des Originals von 1737 |
 Bild: Stadtseite (Nordostseite) des Japanischen Palais mit Halbrelief am Dreiecksgiebel (1733, Benjamin Thomae), die Huldigung der thronenden Saxonia durch porzellanherstellende Asiaten und Europäer darstellend (was auf die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes als "Porzellanschloss" verweist)
Park am Japanischen Palais
ab 1718: Anlage eines Barockgartens (der als vollkommenster Französischer Garten der Region galt) zwischen dem Holländischen Palais und der Elbe durch Johann Friedrich Karcher, mit verschnittenen Hecken und Laubengängen sowie zahlreichen Skulpturen ausgestattet (viele der wertvollen Skulpturen - u.a. bedeutende Stücke von Balestra und Corradini - gelangten später in den Großen Garten), der Wall der Altendresdner Stadtfestung war mit in die Barockanlage einbezogen (ein Rest des Walls blieb bis heute erhalten), nach 1727: Bau eines Gondelhafens am Elbufer nach Plänen Pöppelmanns und Longuelunes (einige Reste blieben erhalten), bis um 1817: Abbruch der Neustädter Stadtfestung, Erweiterung des Gartens nach Westen, Umgestaltung in einen Landschaftsgarten im englischen Stil |
 Bild: Parkanlage am Japanischen Palais - Wall und Eingang am Elbufer
 Bild: Pavillon am Uferweg unweit des Parks des Japanischen Palais, Standpunkt für den berühmten "Canaletto-Blick" auf die Dresdner Altstadt (Gemälde "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, Öl auf Leinwand, 1748, Gemäldegalerie Alte Meister)

Bild: Torhaus (1827-1829, Gottlob Friedrich Thormeyer, klassizistischer Stil, Portikus mit dorischen Säulen) am Palaisplatz, einst ein Postenhaus für die Kontrolle des Fußgänger- und Fahrverkehrs am damaligen Stadtrand nach Abbruch der Stadtfestung (es ist das nördliche von einst zwei Torhäusern hier am Ort des früheren Weißen Tores/Leipziger Tores der um 1817 abgebrochenen Neustädter Stadtfestung), nach der Zerstörung im Februar 1945 wieder aufgebaut und danach als Standesamt genutzt
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