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Japanisches Palais (ehem. Holländisches Palais) ![]() Bild: Japanisches Palais, Anblick vom Wall im Park
Holländisches Palais Das Japanische Palais ging aus einem Landhaus hervor, das Rudolph Fäsch im Jahr 1715 für Graf Jakob Heinrich von Flemming gebaut hatte. Weil dieses an den holländischen Gesandten am sächsischen Hof vermietet war, hieß es auch Holländisches Palais. Der Bau mit Obergeschoss und Mansardendach war 17 Fensterachsen lang und 4 Fensterachsen breit. Vor der Eingangshalle befand sich ein dreistöckiger, reich gegliederter, von Säulen eingefasster und von Statuen bekrönter Vorbau mit Treppenanlagen im Halbrund. Von der Eingangshalle führte eine (bis heute erhalten gebliebene) doppelläufige Treppe in das Obergeschoss. Südlich der Halle befand sich ein Saal mit fünf Fensterachsen. Aus diesem gelangte man über eine Treppenanlage in den Garten am Elbufer. Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) erwarb das von ihm "Alt Dresdner Haus" oder "Palais zu Alt-Dressden" genannte Palais im Jahr 1717. Er ließ es als Ausstellungsort der kurfürstlichen Porzellansammlung einrichten (die Porzellane wurden auf lackierten oder vergoldeten Konsolen inmitten von ostasiatischen Lackmöbeln, Wandverkleidungen aus chinesischer Seide und wertvollen Specksteinarbeiten präsentiert), nutzte es aber auch als Unterkunft für erlesene Gäste, z.B. anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen im Jahr 1719. In den Jahren 1722/23 wurde das stadtseitige Umfeld des Palais nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann gestaltet, d.h., ein quadratischer Platz angelegt und die neue, etwa 30 m breite und mit Linden bepflanzte Königstraße bis zum Schwarzen Tor (heute Albertplatz) geführt. Das Palais erhielt im Jahr 1724 ein Mezzaningeschoss. Das "Porzellanschloss" Augusts des Starken August der Starke plante das Gebäude als "Porzellanschloss" für die würdige Aufbewahrung seiner reichen Porzellansammlung. Dafür entwarf der große Baumeister des Dresdner Barock Matthäus Daniel Pöppelmann eine Vierflügelanlage mit dem Holländischen Palais als Elbflügel. Eine solche Vierflügelanlage entsprach nicht mehr ganz dem damaligen Zeitgeschmack - nun waren eher Dreiflügelbauten mit einem oft durch ein kostbares schmiedeeisernes Gitterwerk abgeschlossenen Ehrenhof üblich, doch August der Starke liebte solche Vierflügelanlagen, am besten noch mit einem Kuppeldach über dem Hof. Jean de Bodt und Eosander von Göthe, die das mächtige Berliner Schloss von Schlüter studiert und im Falle des letzteren auch daran mitgewirkt hatten, bestärkten den Kurfürsten und König wohl noch darin. Die unter Pöppelmanns Oberbauleitung stehenden Arbeiten am Japanischen Palais dauerten von 1728 bis 1737. Der Umbau des Elbflügels - des ehemaligen Holländischen Palais - begann im Jahr 1731. Am Bau wirkten Zacharias Longuelune und Jean de Bodt mit, möglicherweise auch Johann Christoph Knöffel - es war also eine Kollektivarbeit des Oberlandbauamtes. (Das Dreiergespann Pöppelmann, Longuelune und de Bodt baute auch das Schloss Moritzburg in ein Barockschloss um.) Jean de Bodt (der bereits das Zeughaus in Berlin entworfen hatte) schuf die Fassade zum Palaisplatz. ![]() Bild: Japanisches Palais um 1935, vom Palaisplatz gesehen (nach einem alten Foto, verändert) Während der Zwingererbauer Pöppelmann eher den Stil des römischen Barock bevorzugte, verwendete Longuelune gern klassizistische Stilelemente, was die beiden Baumeister zu Kompromissen zwang: Pöppelmanns Barockstil zeigt sich in vielen Details des Gebäudes und vor allem im Palaishof mit dem reich gegliederten, vorgekragten Umgang aus Sandstein zwischen Unter- und Obergeschoss, der von 24 kraftvollen Chinesen-Hermen über Pilastern getragen wird. Die Hermen wie auch den sonstigen prächtigen barocken Skulpturenschmuck des Gebäudes schufen Johann Christian Kirchner und Johann Matthäus Oberschall. ![]() Der großartige Mittelrisalit der Elbfront (s. Bild) ist ein Meisterwerk von Zacharias Longuelune. Die strenge, klassizistisch anmutende Fassadengliederung des Gebäudes erinnert an Longuelunes Blockhaus. ![]() Das im Jahr 1733 von Benjamin Thomae gestaltete Halbrelief am Dreiecksgiebel der Stadtseite (Nordostseite) des Japanischen Palais verweist auf die Bestimmung des Gebäudes als Porzellanschloss. Es zeigt eine Huldigung der thronenden Saxonia durch porzellanherstellende Asiaten und Europäer. Bild: Portal der Stadtseite des Japanischen Palais ![]() Die doppelt konkav geschwungenen Kupferdächer der vier Ecken des Palais erinnern an japanische Pavillons, die 24 Hermen im barocken Palaishof stellen Asiaten dar und am rechten Treppenaufgang des Nordflügels stehen große asiatische Atlanten (Chinesen-Karyatiden; s. Bild) von Johann Matthäus Oberschall. Wegen dieser Merkmale, aber auch wegen der hier ausgestellten großen japanischen Abteilung der Porzellansammlung wurde das Gebäude ab etwa 1736 Japanisches Palais genannt. In der Zeit Augusts des Starken waren Anklänge an asiatische Formen in der Kunst und Architektur, die sogenannten Chinoiserien, sehr in Mode, was sich z.B. auch an Schloss Pillnitz zeigt. August der Starke hegte - auch nach eigenem Bekunden - eine fast krankhafte Leidenschaft für Porzellan. Die geplante Innenausstattung seines "Porzellanschlosses" aus Meißner Porzellan (u.a. ein Thronsaal mit Porzellan-Thron, eine Kapelle mit reicher Porzellanausstattung und ein Porzellan-Glockenspiel) und die Fassadengestaltung mit Porzellanplatten kamen jedoch nicht mehr zur Ausführung, weil August der Starke im Jahr 1733 starb und die Porzellane für seinen Sohn und Nachfolger sehr an Repräsentationswert verloren hatten. Museumsgebäude ![]() Bild: Japanisches Palais, vom Elbufer gesehen Nach dem Tod Augusts des Starken (1733) diente das Japanische Palais als Museum. Die nun nicht mehr zeitgemäße barocke Festraum-Innenausstattung wandelte man allmählich in eine museale Ausstattung um. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) nutzte man das Gebäude als Depot für Porzellane und Kunstsammlungen. Die prächtige Inneneinrichtung nahm zu dieser Zeit großen Schaden. Johann August Gebhardt (der Architekt des Bayrischen Brauhauses in der Friedrichstadt) stellte nach 1766 einiges davon wieder her. Beim Umbau des Japanischen Palais in ein "Museum Saxonicum" im Jahr 1785/86 entstand die Inschrift MUSEUM USUI PUBLICO PATENS ("Museum, dem öffentlichen Gebrauch geöffnet") im Giebelfeld des stadtseitigen Portals. In das Gebäude zogen nun mehrere bedeutende Sammlungen ein: die Antikensammlung (vorher ab 1730 in vier der Kavalierhäuser am Palais im Großen Garten ausgestellt, im Japanischen Palais bis 1887), das Münz-Kabinett (vorher ab 1743 im Taschenbergpalais, im Japanischen Palais bis 1877, dann im Residenzschloss), die ab 1788 öffentlich zugängliche Kurfürstliche Bibliothek (vorher im Zwinger, im Japanischen Palais bis 1945) und die kurfürstliche archäologische Sammlung (zu der im Jahr 1853 die archäologische Sammlung von Benjamin Preusker hinzu kam, womit sich das heutige Museum für Vorgeschichte herausbildete). Die durch die Brühlsche und die Bünausche Büchersammlung vermehrte Bibliothek entwickelte sich unter ihrem damaligen Leiter Johann Christoph Adelung zu einer der führenden Bibliotheken Deutschlands (später wurde sie in Sächsische Landesbibliothek umbenannt). Die recht unsachgemäß im Keller gelagerten kostbaren Porzellane, die auch durch unachtsamen Transport herbe Verluste erlitten hatten, fanden ab 1875 im Obergeschoss des Johanneums einen neuen Ausstellungsort. Gottfried Semper schuf die Entwürfe für die Ausmalung der Antikensäle im Erdgeschoss des Japanischen Palais zwischen 1834 und 1836 mit pompejanischen Wandmalereien. Unter der Leitung von Hubert Ermisch wurden diese Räume im Jahr 1936 für das Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek restauriert. Wiederaufbau Bei den anglo-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 brannte das Japanische Palais aus. Die Bomben verwüsteten auch den Park. ![]() Der Wiederaufbau des Japanischen Palais begann im Jahr 1951. Die ehemaligen Antikensäle im Erdgeschoss wurden 1979 einschließlich der pompejanischen Wandmalereien originalgetreu rekonstruiert, danach auch der "Saal der Satyrisken" und der "Saal der Herkulanerinnen". Seit 1986 trägt das Haus auch wieder eine Kupfereindeckung mit allen Profilen und Zieraten des Originals von 1737. Nach dem Wiederaufbau zogen das Landesmuseum für Vorgeschichte und das Museum für Völkerkunde in das Gebäude ein. Derzeit ist die Verlagerung der Museumsbestände nach Chemnitz und nach Leipzig (Grassi-Museum) geplant. Die weitere Nutzung des Japanischen Palais ist noch unklar. nach oben |