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Japanisches Palais (ehem. Holländisches Palais)   Park am Palais • Palaisplatz

Japanisches Palais, Anblick vom Wall im Park

Bild: Japanisches Palais, vom Wall im Park gesehen


Lage: Neustädter Elbufer, westlich des Neustädter Marktes
Bauzeit, Architekten: 1727-1737, Matthäus Daniel Pöppelmann, Zacharias Longuelune, Jean de Bodt
Merkmale: barocke Vierflügelanlage mit klassizistischen Stilelementen, das Dach und der Skulpturenschmuck zeigen Anklänge an asiatische Formen (Chinoiserien)
Nutzung: Museum für Vorgeschichte, Museum für Völkerkunde, Ausstellungen der Naturhistorischen Sammlungen Dresden, seit 2009 auch Sonderausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Holländisches Palais

Das Japanische Palais ging aus einem von Rudolph Fäsch im Jahr 1715 für Graf Jakob Heinrich von Flemming gebauten Landhaus hervor. Weil dieses an den holländischen Gesandten am sächsischen Hof vermietet war, hieß es auch Holländisches Palais.

Das 17 Fensterachsen lange und 4 Fensterachsen breite Palais besaß ein Obergeschoss und ein Mansardendach. Vor der Eingangshalle befand sich ein dreistöckiger, reich gegliederter, von Säulen eingefasster und von Statuen bekrönter Vorbau mit Treppenanlagen im Halbrund. Von der Eingangshalle führte eine (bis heute erhalten gebliebene) doppelläufige Treppe in das Obergeschoss. Südlich der Halle befand sich ein Saal mit fünf Fensterachsen. Aus diesem gelangte man über eine Treppenanlage in den Garten am Elbufer.

Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) erwarb das von ihm "Alt Dresdner Haus" oder "Palais zu Alt-Dressden" genannte Palais im Jahr 1717. Er ließ es als Ausstellungsort der kurfürstlichen Porzellansammlung einrichten. Die Porzellane wurden auf lackierten oder vergoldeten Konsolen inmitten von ostasiatischen Lackmöbeln, Wandverkleidungen aus chinesischer Seide und wertvollen Specksteinarbeiten präsentiert. Das Palais diente aber auch - wie z.B. anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen im Jahr 1719 - als Unterkunft erlesener Gäste des Hofes.

In den Jahren 1722/23 erfuhr das stadtseitige Umfeld des Palais eine Umgestaltung nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann. Dabei wurde ein quadratischer Platz angelegt und zwischen diesem und dem Schwarzen Tor (später Albertplatz) die etwa 30 m breite Königstraße gebaut. Das Palais erhielt im Jahr 1724 ein Mezzaningeschoss.

"Porzellanschloss"

August der Starke plante den Umbau des Palais in ein "Porzellanschloss" für die würdige Aufbewahrung und Präsentation seiner reichen Porzellansammlung. Dafür entwarf der große Baumeister des Dresdner Barock Matthäus Daniel Pöppelmann eine Vierflügelanlage mit dem Holländischen Palais als Elbflügel.

Eine solche Vierflügelanlage entsprach nicht mehr ganz dem damaligen Zeitgeschmack. Nun waren eher Dreiflügelbauten mit einem oft durch ein kostbares schmiedeeisernes Gitterwerk abgeschlossenen Ehrenhof üblich. Doch August der Starke liebte solche Vierflügelanlagen, am besten noch mit einem Kuppeldach über dem Hof. Jean de Bodt und Eosander von Göthe, die das von Schlüter errichtete mächtige Berliner Schloss studiert hatten (v. Göthe hatte auch daran mitgearbeitet), bestärkten den Kurfürsten und König wohl noch darin.

Der von Pöppelmann geleitete Bau des Japanischen Palais dauerte von 1728 bis 1737. Die Umgestaltung des Elbflügels - des ehemaligen Holländischen Palais - begann im Jahr 1731. Am Bau wirkten Zacharias Longuelune und Jean de Bodt mit, möglicherweise auch Johann Christoph Knöffel. Es dürfte sich also um eine Kollektivarbeit des Oberlandbauamtes gehandelt haben. (Pöppelmann, Longuelune und de Bodt hatten zuvor - bis 1727 - das Schloss Moritzburg in ein Barockschloss umgebaut.) Jean de Bodt (der z.B. auch das Zeughaus in Berlin entworfen hatte) schuf die Fassade zum Palaisplatz.

Japanisches Palais um 1935, vom Palaisplatz gesehen

Bild: Japanisches Palais um 1935, vom Palaisplatz gesehen (nach einem alten Foto, verändert)


Während Pöppelmann eher den reinen Barockstil bevorzugte, verwendete Longuelune gern klassizistische Stilelemente, was die beiden Baumeister zu Kompromissen zwang: Pöppelmanns Barockstil zeigt sich in vielen Details des Gebäudes und vor allem im Palaishof mit dem reich gegliederten, vorgekragten Umgang aus Sandstein zwischen Unter- und Obergeschoss, der von 24 kraftvollen Chinesen-Hermen über Pilastern getragen wird. Die Hermen wie auch den sonstigen prächtigen barocken Skulpturenschmuck des Gebäudes schufen Johann Christian Kirchner und Johann Matthäus Oberschall.

Mittelrisalit des Elbflügels des Japanischen Palais
Der großartige Mittelrisalit der Elbfront (s. Bild) ist ein Meisterwerk von Zacharias Longuelune. Eine strenge, klassizistisch anmutende Fassadengliederung hatte Longuelune auch bei dem bis 1737 gebauten Blockhaus verwirklicht. An der Elbseite des Japanischen Palais gelangte seine Synthese aus barocker und (früh-) klassizistischer Architektur jedoch zur Vollendung.
Giebel der Stadtseite des Japanischen Palais
Das im Jahr 1733 von Benjamin Thomae gestaltete Halbrelief am Dreiecksgiebel der Stadtseite (Nordostseite) des Japanischen Palais verweist auf die Bestimmung des Gebäudes als Porzellanschloss. Es zeigt eine Huldigung der thronenden Saxonia durch porzellanherstellende Asiaten und Europäer.


Bild: Portal der Stadtseite des Japanischen Palais


Atlant im Japanischen Palais
Die doppelt konkav geschwungenen Kupferdächer der vier Ecken des Palais erinnern an japanische Pavillons, die 24 Hermen im barocken Palaishof stellen Asiaten dar und am rechten Treppenaufgang des Nordflügels stehen große asiatische Atlanten (Chinesen-Karyatiden; s. Bild) von Johann Matthäus Oberschall. Wegen dieser Merkmale, aber auch wegen der hier ausgestellten großen japanischen Abteilung der Porzellansammlung wurde das Gebäude ab etwa 1736 Japanisches Palais genannt. In der Zeit Augusts des Starken waren Anklänge an asiatische Formen in der Kunst und Architektur, die sogenannten Chinoiserien, sehr in Mode, was sich z.B. auch an Schloss Pillnitz zeigt.
August der Starke hegte - auch nach eigenem Bekunden - eine fast krankhafte Leidenschaft für Porzellan. Die geplante Innenausstattung seines "Porzellanschlosses" aus Meißner Porzellan (u.a. ein Thronsaal mit Porzellan-Thron, eine Kapelle mit reicher Porzellanausstattung und ein Porzellan-Glockenspiel) und die Fassadengestaltung mit Porzellanplatten kamen jedoch nicht mehr zur Ausführung, weil August der Starke im Jahr 1733 starb und sein Sohn und Nachfolger sich nun auf andere Kunstrichtungen wie die Malerei und Grafik verlegte und den Porzellanen keinen hohen Repräsentationswert mehr zubilligte.

Das Japanische Palais als Museumsgebäude

Japanisches Palais, vom Elbufer gesehen

Bild: Japanisches Palais, vom Elbufer gesehen


Nach dem Tod Augusts des Starken (1733) diente das Japanische Palais als Museum. Die nun nicht mehr zeitgemäße barocke Festraum-Innenausstattung wandelte man allmählich in eine museale Ausstattung um.

Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) nutzte man das Gebäude als Depot für Porzellane und Kunstsammlungen. Die prächtige Inneneinrichtung nahm zu dieser Zeit großen Schaden. Johann August Gebhardt (der Architekt des Bayrischen Brauhauses in der Friedrichstadt) stellte nach 1766 einiges davon wieder her.

Beim Umbau des Japanischen Palais in ein "Museum Saxonicum" im Jahr 1785/86 entstand die Inschrift MUSEUM USUI PUBLICO PATENS ("Museum, dem öffentlichen Gebrauch geöffnet") im Giebelfeld des stadtseitigen Portals.

In das Gebäude zogen nun mehrere bedeutende Sammlungen ein: die Antikensammlung (vorher ab 1730 in vier der Kavalierhäuser am Palais im Großen Garten ausgestellt, im Japanischen Palais bis 1887), das Münz-Kabinett (vorher ab 1743 im Taschenbergpalais, im Japanischen Palais bis 1877, dann im Residenzschloss), die ab 1788 öffentlich zugängliche Kurfürstliche Bibliothek (vorher im Zwinger, im Japanischen Palais bis 1945) und die kurfürstliche archäologische Sammlung (zu der im Jahr 1853 die archäologische Sammlung von Benjamin Preusker hinzu kam, womit sich das heutige Museum für Vorgeschichte herausbildete). Die durch die Brühlsche und die Bünausche Büchersammlung vermehrte Bibliothek entwickelte sich unter ihrem damaligen Leiter Johann Christoph Adelung zu einer der bedeutendsten Bibliotheken Deutschlands (aus ihr ging die Sächsische Landesbibliothek hervor).

Die recht unsachgemäß im Keller gelagerten kostbaren Porzellane, die auch durch unachtsamen Transport herbe Verluste erlitten hatten, fanden ab 1875 im Obergeschoss des Johanneums einen neuen Ausstellungsort.

Die zwischen 1834 und 1836 vorgenommene Ausmalung der Antikensäle im Erdgeschoss des Japanischen Palais mit pompejanischen Wandmalereien beruhte auf Entwürfen von Gottfried Semper. Unter der Leitung von Hubert Ermisch wurden diese Räume im Jahr 1936 für das Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek umgestaltet.

Bei den englischen und amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 brannte das Japanische Palais aus. Die Bomben verwüsteten auch den Park.

Der Wiederaufbau des Japanischen Palais begann im Jahr 1951. Die ehemaligen Antikensäle im Erdgeschoss wurden 1979 einschließlich der pompejanischen Wandmalereien originalgetreu rekonstruiert, danach auch der "Saal der Satyrisken" und der "Saal der Herkulanerinnen" (s. Bild). Seit 1986 trägt das Haus auch wieder eine Kupfereindeckung mit allen Profilen und Zieraten des Originals von 1737. Nach dem Wiederaufbau zogen das Landesmuseum für Vorgeschichte und das Museum für Völkerkunde in das Gebäude ein.

Park am Japanischen Palais

Ab 1718 legte Johann Friedrich Karcher zwischen dem Japanischen Palais und der Elbe einen Barockgarten mit verschnittenen Hecken und Laubengängen sowie zahlreichen Skulpturen an - den wohl vollkommensten Französischen Garten der Region. Von dieser Gartenanlage blieb fast nichts erhalten. Viele der wertvollen Skulpturen gingen verloren. Nur einige wenige bedeutende Figuren von Balestra und Corradini fanden im Großen Garten einen neuen Standort. Auch von Pöppelmanns und Longuelunes Gondelhafen sind nur noch Reste zu sehen (er dürfte ähnlich wie der ebenfalls von diesen Baumeistern geschaffene Gondelhafen am Wasserpalais des Schlosses Pillnitz ausgesehen haben). Der Wall der Altendresdner Stadtfestung im Westen des Gartens, von dem ein Stück bis heute erhalten blieb, war mit in die Barockanlage einbezogen.

Eingang zu den Parkanlagen am Japanischen Palais vom Elbufer her

Bild: Eingang zu den Parkanlagen am Japanischen Palais vom Elbufer her


Wall im Park am Japanischen Palais

Bild: Wall im Park am Japanischen Palais




Nach dem um 1817 beendeten Abbruch der Neustädter Stadtfestung wurde der Garten nach Westen erweitert und als Landschaftsgarten im englischen Stil gestaltet. Vom Wall und von anderen Orten des Parks bieten sich die schönsten Ausblicke auf die Dresdner Altstadt.
Pavillon am Neustädter Elbufer
Der berühmte "Canaletto-Blick" auf die Dresdner Altstadt
Nicht weit vom Park entfernt steht am Uferweg ein kleiner restaurierter Pavillon, von dem aus sich der berühmte "Canaletto-Blick" auf die Dresdner Altstadt ergibt (Gemälde "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, Öl auf Leinwand, 1748, Gemäldegalerie Alte Meister).

Palaisplatz

Die Gestaltung des vor der Stadtseite des Japanischen Palais gelegenen Palaisplatzes beruht auf Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann. Hier mündet die ebenfalls von Pöppelmann entworfene barocke Königstraße, in deren Flucht das Palais eine beeindruckende Ansicht bietet.

Klassizistisches Torhaus am PalaisplatzAm Palaisplatz stand einst das Weiße Tor (Leipziger Tor) der Neustädter Stadtfestung. Auch nach dem um 1817 vollendeten Abbruch der Stadtbefestigung gab es hier - am damaligen Stadtrand - noch weiterhin Kontrollen des Fußgänger- und Fahrverkehrs. Gottlob Friedrich Thormeyer schuf dafür zwischen 1827 und 1829 im Bereich des ehem. Weißen Tores zwei klassizistische Torhäuser. Von diesen beiden besteht heute nur noch das nördliche Torhaus (s. Bild).
Das Torhaus wurde nach 1945 in seiner ursprünglichen klassizistischen Gestalt (Portikus mit dorischen Säulen) wieder aufgebaut und danach als Standesamt genutzt.



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