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Garten- und Parkanlage Pillnitz
Park- und Schlossanlage Pillnitz von Westen gesehen
Bild: Park- und Schlossanlage Pillnitz von Westen aus dem Heißluftballon gesehen: im Zentrum der Lustgarten, rechts davon das Wasserpalais an der Elbe (ganz rechts die Elbinsel), links vom Lustgarten das Bergpalais (hinter diesem der Große Schlossgarten, dahinter der Chinesische Garten mit dem Teich), oberhalb des Lustgartens das Neue Palais mit dem Fliederhof zwischen den Gebäudeflügeln, unten im Bild die acht Heckenquartiere (links daneben der Koniferenhain, dann die Orangerie) und ganz unten, vor dem Graben, die Kastanienallee (links daneben der Englische Garten mit Teich)

www.schloesser-dresden.de
www.bonsai-pillnitz.de

Die Garten- und Parkanlage Pillnitz entstand zusammen mit den Schlossbauten in mehreren Etappen. Das Schloss und der Park sind so angeordnet, dass man sie als Einheit erlebt. Dieses Ensemble gehört zu den Meisterwerken der europäischen Schlossbaukunst. Die herrliche Lage an der Elbe steigert die Wirkung ganz besonders.

Zur Pillnitzer Garten- und Parkanlage gehören der sich zwischen den Palais erstreckende Lustgarten, der sich im Westen anschließende Garten mit den Heckenquartieren, die westlich davon gelegene Kastanienallee mit der Maillebahn, der nordwestlich vom Bergpalais gelegene Koniferenhain und dahinter der Englische Garten sowie im Norden des Bergpalais der Schlossgarten, der Holländische und der Chinesische Garten.

Der sich zwischen dem Wasser-, dem Berg- und dem Neuen Palais erstreckende, im 18. Jahrhundert für höfische Spiele genutzte Lustgarten ist der älteste Teil der Garten- und Parkanlage. Nach Fertigstellung des Neuen Palais war der frühere Barockgarten nach einem Entwurf des berühmten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné (1789-1866) im Stil des Biedermeier umgestaltet worden. Heute zeigt sich der Lustgarten wieder annähernd wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit vier Gehölzbeeten sowie Blumenbeeten, in denen etwa 28.000 Tulpen, Narzissen und Traubenhyazinthen sowie im Frühjahr auch 26.000 Stiefmütterchen wachsen. Im Zentrum befindet sich ein Bassin mit einer Fontäne, die aus einem im Friedrichsgrund gelegenen Staubecken gespeist wird.

Lustgarten und Bergpalais von Schloss Pillnitz
Bild: Lustgarten und Bergpalais von Schloss Pillnitz
Im Lustgarten, vor der Kulisse des Wasserpalais, geben Musiker der Dresdner Philharmonie gelegentlich an Sommerabenden Serenaden-Konzerte.

Die sich im Westen an den Lustgarten anschließenden Heckenquartiere (Charmillen), die sehr intim wirkende Freilufträume bilden, waren auf Anweisung von Gräfin Cosel, die Schloss Pillnitz im Jahr 1707 von August dem Starken geschenkt bekommen hatte, aus früheren Obst-, Küchen- und Ziergärten geschaffen worden. So entstanden bis zum Jahr 1713 streng verschnittene Hainbuchen- und Weißdorn-Hecken in einer Gesamtlänge von etwa 2,8 km auf einer Fläche von 36 ha (im Jahr 1912 erneuert). Diese bilden beiderseits der Hauptallee je vier Rechteckräume. In die nördlichen Heckenräume pflanzte man ab 1956 auch Stauden, Rosen und Nadelgehölze hinein.

In den nördlichen Heckenquartieren steht unter einem Schutzdach die im klassizistischen Stil gebaute rote Tritonengondel von 1790 - die einzige erhalten gebliebene Prunkgondel der sächsischen Kurfürsten und Könige. Einst fuhren Gondolieri in farbenprächtiger Kleidung die Gondeln zwischen der Dresdner Altstadt und der Ufertreppe des Pillnitzer Wasserpalais hin und her. Die Elbe musste als sächsischer Canale Grande herhalten, wozu sich dieser nordische, recht lebhafte Fluss allerdings nicht gut eignete. Das Gondeln auf der Elbe war mühsam und nicht ohne Gefahr.

Westlich der Heckenquartiere, hinter einem Graben, beginnt die etwa 500 m lange Maillebahn. Diese anfänglich von hohen Bretterwänden umgebene Anlage war im Jahr 1766 auf der nach Hosterwitz führenden 750 m langen und 40 m breiten Kastanienallee für das im 18. Jahrhundert sehr beliebte golfähnliche, mit hölzernen Hämmern betriebene Maillespiel gebaut worden.

Das harmonische Zusammenspiel der Pillnitzer Garten- und Parkanlage mit dem Elbestrom und den Weinberghängen im Hintergrund erfährt man besonders eindrucksvoll, wenn man sich der Schlossanlage auf der Kastanienallee nähert. Diese Allee entstand ab 1725 nach Entwürfen von Matthäus Daniel Pöppelmann. Hier, am Westausgang der Parkanlage, stand von 1725 bis 1743 das "Französische Dorf", in dem Komödianten, Musiker und Sänger des Hofes lebten.

Im Pillnitzer Park wurden ab 1710 zahlreiche Baumarten gepflanzt. Heute umfasst der Park ca. 3.000 Bäume wie z.B. Linden und Kastanien, aber auch seltene Arten wie Blaseneschen und Blauregen. Im Fliederhof sind Fliederbäumchen mit einem besonderen Drehwuchs zu sehen, deren Nachzucht bisher nicht wieder gelang. Die ersten Hochstämme dieses Chinesischen Flieders (Syringa chinensis) waren im Jahr 1866 im Fliederhof gepflanzt worden.

In der Orangerie überwintern seit 1799 die wärmeliebenden Pflanzen der Schlossanlage. Im übrigen Jahresverlauf, von Frühjahr bis Herbst, finden hier auch Sonderschauen statt.

Der Mittelbau der Orangerie war um 1730 von Matthäus Daniel Pöppelmann nach Longuelunes Plänen als Ringrenngebäude errichtet worden. Über dem Haupttor sind das Spiegelmonogramm AR (Augustus Rex), ein Wappen und Spielgeräte zu sehen. Letztere erinnern an den hier um 1725 angelegten Spielgarten mit Ringrennbahn. Die Seitenflügel der Orangerie bestehen erst seit 1874.

Heute besitzt Schloss Pillnitz etwa 600 zumeist sehr wertvolle Wintergarten- und Warmhauspflanzen wie z.B. Palmen in bis zu 1,80 m großen Kübeln. Die sechs Zitruspflanzen der Orangerie sind mindestens 250 Jahre alt und somit die ältesten in Deutschland. Die mit Früchten behangenen Orangenbäume und die berühmte Gartenhortensie stehen im Sommer vor dem Bergpalais im Lustgarten. Letztere war vom späteren Hofgärtner Karl Adolf Terscheck im Jahr 1807 als Steckling aus Paris nach Dresden mitgebracht worden.

Zu den zahlreichen botanischen Kostbarkeiten der Garten- und Parkanlage Pillnitz gehört die um 1760 aus Ostasien eingeführte, inzwischen mit mehr als 8 m Höhe und einem Kronendurchmesser von ca. 11 m baumgroße Japanische Kamelie (Camellia japonica). Der schwedische Botaniker Thunberg war im Jahr 1755 als Arzt einer Gesandtschaft der "Holländisch-Ostindischen Kompanie" nach Japan gereist und hatte von dort vier Kamelien nach Kew bei London mitgebracht. Sie wurden dann an die bedeutendsten Gärten jener Zeit in London, Hannover, Wien und Pillnitz verteilt. Hofgärtner Terschek pflanzte die Pillnitzer Kamelie im Jahr 1790 im Freiland aus. Seit 1801 steht sie am heutigen Standort. Jedes Jahr im Herbst wird ein beheizbares Winterhaus, eine glasgedeckte Eisenkonstruktion, über das Gehölz geschoben, um es bis zum Frühjahr vor Frost zu schützen. Die von April bis Mai dauernde Kamelienblüte mit ca. 35.000 karminroten Blüten löst alljährlich einen großen Besucheransturm aus.

Zwischen 1778 und 1780 erweiterte man die Parkanlage bis zum Fuße des Borsberges, wo die Landschaft des Friedrichsgrundes beginnt. Der dabei angelegte Englische Garten zeigt sich ganz im Stil englischer Landschaftsgärten, d.h. mit geschwungenen Wegen, zwischen Rasenflächen verstreuten Baumgruppen und einem umbuschten Teich.

Englischer Pavillon in Park Pillnitz
Am Ufer des Teiches im Englischen Garten steht der nach Plänen von Christian Traugott Weinlig gebaute, im Jahr 1787 fertiggestellte Englische Pavillon. Über der Tür trägt dieser zweigeschossige Rokoko-Rundpavillon das Monogramm "FA", das Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (reg. 1763-1827, ab 1806 König Friedrich August I. von Sachsen) als Bauherrn bezeichnet.
Anders als in den Barockgärten (Französischen Gärten) wirkt die Vegetation des Englischen Gartens ganz natürlich und zufällig. Dennoch wurde sie gezielt nach ihrer ästhetischen Wirkung gestaltet. Im Garten sind heute fast 200 Jahre alte heimische und eingebürgerte Laubbäume wie Platanen und Edelkastanien und zahlreiche Straucharten zu sehen. Aus der Frühzeit der Anlage stammt die mächtige Platane am Teichufer - mit einem Stammdurchmesser von 2,10 m der stärkste Baum des Pillnitzer Parkes.

Der hinter dem Bergpalais gelegene Große Schlossgarten blieb seit 1723 nahezu unverändert. Hier erstrecken sich von Baumreihen aus Roßkastanien und Winterlinden geteilte weite Rasenflächen. Das im Norden angrenzende Gelände gehört seit 1785 zur Parkanlage. Mehrere Pillnitzer Häusler hatten dafür ihren Wohnsitz räumen müssen. In diesem Bereich wurde der Holländische Garten mit Pflanzen aus dem damals niederländischen Südafrika angelegt. Später diente der Garten als "Botanische Schule", d.h. als Pflanzen-Anzuchtstätte. Dazu gehören auch mehrere Gewächshäuser wie z.B. das aus dem Jahr 1859 stammende Palmenhaus. Die von Wolf von Hoyer geschaffene Florastatue steht seit 1870 in diesem Bereich.

Der im äußersten Nordosten des Pillnitzer Parks angelegte Chinesische Garten entstand in den Jahren 1785 bis 1790. Mit ihm wurde die Parkanlage bis an die ehemalige Pillnitzer Dorfstraße heran erweitert.

Chinesischer Pavillon in Park Pillnitz
Seinen Namen trägt der Garten nach dem im Jahr 1804 wahrscheinlich von Christian Friedrich Schuricht an der Nordostecke des Großen Teiches (Chinesischen Teiches) gebauten Chinesischen Pavillon. Ab 1822 tagte hier das Dante-Komitee, zu dem der Übersetzer der "Göttlichen Komödie" Prinz Johann, der Dichter und Dramaturg Ludwig Tieck und der Arzt, Maler und Philosoph Carl Gustav Carus gehörten.
Zwischen der Orangerie und den Heckenquartieren wurde im Jahr 1874 ein Koniferenhain mit etwa 200 seltenen in- und ausländischen Nadelbäumen angelegt. Diese erreichen heute Höhen von bis zu 30 m. Im Jahr 1953 pflanzte man hier ein damals gerade 20 cm großes Exemplar des seltenen, erst um 1944/45 im südlichen China entdeckten Urwelt-Mammutbaumes (Metasequoia). Zum Schutz gegen Kaltluft ist der Nadelgehölz-Garten von Laubbäumen gesäumt.

Mit ihrem wertvollen botanischen Inventar entwickelte sich die Garten- und Parkanlage Pillnitz zu einer weltweit anerkannten floristischen Einrichtung.

Die dichten Hecken und Sträucher und die höhlenreichen alten Bäume der Garten- und Parkanlage bieten vielen Vogelarten günstige Lebens- und Brutbedingungen. Etwa 50 Arten brüten hier, etwa 30 Arten halten sich hier zumindest zeitweilig auf. In natürlichen oder von Grün- und Buntspechten geschaffenen Höhlen brüten unter anderem die Hohltaube und der Waldkauz. In den Baumhöhlen und zahlreichen Nistkästen sind auch Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper, Wendehals und mehrere Meisenarten anzutreffen. In den dichten Weißbuchenhecken sind Nester von Drossel, Grasmücke, Zaunkönig und mehreren Finkenarten zu finden. Zu den besonders bemerkenswerten Arten, die im Park als Brutvögel auftreten, gehören Nachtigall, Pirol, Kernbeißer, Gimpel, Waldbaumläufer, Gartenspötter und Heckenbraunelle. Seidenschwänze sowie Wacholder- und Misteldrosseln treten vor allem in den vielen Mistelbüschen der Parkbäume auf. An den Gewässern ist die Gebirgsstelze zu beobachten.

Im Park leben Fledermäuse sowie Rötel-, Gelbhals- und Waldmäuse. Im Mulm der alten Bäume wachsen Larven des Eremiten, des Nashornkäfers sowie zahlreicher Bockkäferarten heran, im Rasen sind Pflasterkäfer (Ölkäfer) zu finden. An Juni-Abenden leuchten unzählige Johanniskäfer (Glühwürmchen) im Park.



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