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 Bild: Barockschloss Moritzburg, von Süden gesehen (Eingangsbereich)
Lage: Nordrand des Ortes Moritzburg auf einer Insel inmitten des Schlossteiches, etwa 15 km nordwestlich von Dresden in einer herrlichen Teich- und Waldlandschaft gelegen
Bauzeit, Architekt: 1542-1546: Hans von Dehn-Rothfelser und Caspar Voigt von Wierandt, 1582-1584: Paul Buchner und Peter Kummer, 1661-1672: Wolf Caspar von Klengel (Kapelle), 1722-1727: Matthäus Daniel Pöppelmann, Zacharias Longuelune und Jean de Bodt, ab 1731: Johann Christoph Knöffel
Merkmale: eine der imposantesten barocken Schlossanlagen Mitteleuropas (wahrscheinlich das meistbesuchte Ausflugsziel Sachsens außerhalb Dresdens), Gesamtkunstwerk von großartiger Wirkung, annähernd quadratische symmetrische Anlage, beeindruckender Kontrast zwischen großen runden und geraden eckigen Formen, vier fünfgeschossige Rundtürme, dreigeschossiger Mitteltrakt, Kapelle mit hohem spitzem Dachreiter, kurfürstlich-sächsisches und königlich-polnisches Wappen über dem Haupteingang des Schlosses, das Gebäude steht auf der Schlossterrasse (95 x 90 m, mit westlicher und östlicher Freitreppe sowie nördlicher und südlicher Auffahrt, ihre Gestaltung mindert den Eindruck der Massigkeit des Schlosses), acht kleine in Zweiergruppen stehende Pavillons (Kavaliershäuschen) schließen die Anlage in alle vier Richtungen ab und schaffen einen baulichen Übergang zum Umland, der über den Schlossteich (980 x 340 m) zur Schlossinsel führende Dammweg wird vor und hinter dem Schloss von je zwei dieser Pavillons flankiert, heiter-barocke Balustraden-Skulpturen an der Auffahrt und der Schlossterrasse (aus den Werkstätten der berühmten Barock-Bildhauer Balthasar Permoser, Johann Christian Kirchner und Benjamin Thomae), Skulptur "Hornblasender Jäger mit Hund" (1660, Wolf Ernst Brohn), Barockgarten (französische Gartenanlage nördlich des Schlosses nach Plänen Pöppelmanns) |
Aus der Geschichte von Schloss Moritzburg
1542-1546: Bau eines Jagdschlosses (ca. 60 x 30 m großes Gebäude mit Renaissance-Giebeln, eines der ersten bedeutenden Renaissance-Bauwerke Sachsens, von vier durch Wehrmauern verbundenen Rundtürmen mit geschweiften Hauben umgeben) auf einer Granitkuppe in einer Sumpfniederung in einem großen kurfürstlichen Jagdrevier (zum wildreichen Friedewald gehörend: 1326 erstmals erwähnter Bannwald des Landesherrn, damals ein dichter, stellenweise unpassierbarer sumpfiger Urwald von Meißen bis zur Dresdner Heide) auf Weisung von Herzog Moritz (ab 1547 Kurfürst Moritz von Sachsen, nach ihm wurde das Schloss "Moritz-Burch" genannt), 1582-1584: Erweiterungen des Schlosses durch Paul Buchner und Peter Kummer, 1594-1598: Bau einer zweiten Ummauerung, nach 1648 (nach dem Dreißigjährigen Krieg): Wiederherstellung und Erweiterung, 1661-1672: Bau einer Kapelle an der Westfront der Umfassungsmauern durch Wolf Caspar von Klengel, um 1693: Abbruch der Renaissancegiebel, Aufbau eines vierten Stockwerkes, um 1705: Bau der Schlossterrasse durch Marcus Conrad Dietze, 1722-1727: Umbau in ein Barockschloss auf Weisung von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August dem Starken) nach Entwürfen der bedeutenden Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, Zacharias Longuelune (auch Bauleitung vor Ort) und Jean de Bodt (auch August der Starke selbst fertigte einige Bauskizzen an), Vergrößerung der Ecktürme und des Zentralbaus, alle Gebäude (auch die Kapelle und der Speisesaal) wurden durch Einfügen schmaler Gebäudeflügel zu einem einzigen großen Bauwerk verbunden, um 1730: Anlage des Schlossteiches und des Schlossparks, ab 1731: weitere Baumaßnahmen unter der Leitung von Johann Christoph Knöffel, 1920er Jahre: Einrichtung eines kleinen Porzellankabinetts (z.B. mit Böttger-Steinzeug und Kaendler-Porzellan) im Jägerturm durch Prinz Ernst Heinrich, 1945: Verlust vieler wertvoller Stücke der Innenausstattung in den Kriegs- und Nachkriegswirren, ab 1948: Wiedereinrichtung des Schlosses mit Gegenständen aus anderen Schlössern Sachsens, Gestaltung eines Sächsischen Barockmuseums, um 1980: Sanierung, Wiederherstellung der illusionistischen Fassadengliederung und der Kleinbauten im Umfeld des Schlosses, ab 1990: umfassende Restaurierung (u.a. des Federzimmers, des Damenbildniszimmers, des Audienzsaals, der Moritzburger Geweihsammlung und der Schlossküche, ebenso der Ledertapeten vieler Räume), ab 2013: Generalsanierung des Schlosses geplant |
Innenausstattung
einst 20 Wohnquartiere für die kurfürstlich-königliche Familie, ihre Gäste und die Dienerschaft, 4 Prunksäle, mehr als 200 Räume, prachtvolle, bis ins Detail geplante und hervorragend abgestimmte spätbarocke Innenausstattung (nach Plänen von Raymond Le Plat) mit schönen Arrangements von Tapeten, Stuckdecken, Wandmalereien (u.a. von Louis de Silvestre, Lorenzo Rossi und Johann Baptist Grone), Gemälden (u.a. von Lucas Cranach d.J.) und Möbeln (u.a. Augsburger Silbermöbel) sowie Jagdwaffen, Jagdtrophäen, Porzellan- und Glaskunstwerken, überwiegend originalgetreu rekonstruierte Einrichtungsgegenstände sowie prächtige Möbel (16. bis 18. Jahrhundert) des Museums für Kunsthandwerk der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Kutschen, Sänften und Hausrat aus der Barockzeit, ständig wechselnde Sonderausstellungen und eine Ausstellung zur Schlossgeschichte (Erdgeschoss),
1. Obergeschoss: vier große Prunksäle (Steinsaal, Speisesaal, Billardsaal und Monströsensaal, jeweils zwei Geschosse hoch), Kapelle und viele kleinere Räume, Säle geschmückt mit Jagdtrophäen (z.B. Elch-, Rentier- und Hirschgeweihen) und prächtigen Ledertapeten (17./18. Jahrhundert, mit mythologischen und zeitgenössischen Jagdszenen bemalt und teilweise vergoldet), Moritzburger Rothirsch-Geweihsammlung (bis 1736 zusammengetragen, bedeutendste europäische Sammlung dieser Art, der ungerade "Moritzburger 24-Ender" gilt als stärkstes Rothirschgeweih der Welt), 4 Kurfürstenzimmer mit kostbaren Möbeln, Schmucktruhen, Kaminen, Porzellanfiguren und gepunzten maurischen Ledertapeten geschmückt |

 Bild: Moritzburger Schlosskapelle, Innenausstattung von 1672 (einzige in der Region erhalten gebliebene Innenausstattung aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg neben der von Schlösschen Hoflößnitz in Radebeul), mit Stuck italienischer Künstler verzierte Decke mit dem Gemälde "Himmelfahrt Christi" (1670, Johann Fink) sowie Altar (1670), Altarbild "Die Himmelfahrt Mariae" und Christusfigur "Schmerzensmann" (Marmor, Balthasar Permoser)
Umland des Barockschlosses
Waldpark mit Fasanenschlösschen und Wildgehege
Fasanenschlösschen (1769-1782, Johann Daniel Schade, Johann Gottlieb Hauptmann): zweigeschossiges Gebäude (13,4 m im Quadrat) in der Nähe des Großteiches, schöne doppelläufige Freitreppe, Innenausstattung im Zopfstil des Spätrokoko, Stuckdecken, Strohtapeten mit Chinoiserien, versilberte und vergoldete Ornamente, Bildertapeten, bestickte Seidentapeten und Federtapeten, kurios gestaltete Öfen, seit den 1950er Jahren Ausstellungsort einer ornithologischen Sammlung des Museums für Tierkunde
Leuchtturm (um 1780) auf der Mole eines kleinen Hafens des Großteiches: Auf dem Großteich fanden einst Wasserfeste, Schiffs- und Gondelfahrten und sogar kleine "Seeschlachten" mit hölzernen Fregatten zum Vergnügen des kurfürstlich-königlichen Hofes statt. Von der einstigen Austattung der Ufer und Inseln mit Teepavillons, einer Miniaturfestung und "Dardanellen" genannten künstlichen Ruinen und Geschützbastionen blieb nichts erhalten.
Wildgehege (16. Jahrhundert): 40 ha groß, Reste von Bruchsteinmauern aus der Zeit Augusts des Starken (Anfang des 18. Jahrhunderts), 1958 restauriert, zahlreiche Tierarten der heimischen Wälder (auch Muffel- und Damwild und in Kleingehegen z.B. Marder, Füchse, Fasane und Beizvögel)
Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte (1995): anspruchsvolle Dauerausstellung über die Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945), Moritzburg war ihr Altersruhesitz und Sterbeort (Grabstätte in Berlin)
Sächsisches Landesgestüt Moritzburg (Hengstdepot, 1828): das Hauptgebäude ist eine ehem. Stallung von 1733 von Johann Christoph Knöffel
Haltestelle der Lößnitztalbahn (Traditionsbahn "Lößnitzdackel", 1884): dampflokgetriebene Schmalspurbahn, 750 mm Spurweite, 16,5 km lange Strecke zwischen Radebeul-Ost und Radeburg
Landschaftsschutzgebiet Moritzburger Teich- und Waldgebiet: herrliche Moor-, Teich-, Wiesen- und z.T. noch recht urwüchsige Waldlandschaft, kleinflächiger Wechsel von Kuppen und wannenförmigen Senken, 34 Teiche (1650-1750 für die Fischzucht angelegt), Freibäder und Campingplätze, artenreiche Pflanzengesellschaften, vielfältige Vogelwelt |
Museum Barockschloss Moritzburg, 01468 Moritzburg, Tel. (035207) 873 18
www.barockschloss-moritzburg.de
www.schloss-moritzburg.de
www.schloesser-sachsen.de
Verkehrsamt Moritzburg, Schlossallee 3b, 01468 Moritzburg, Tel. (035207) 85410, Fax -85420
www.moritzburg.de
www.moritzburg.net
Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte, Rüdenhof, Meißner Str. 7, 01468 Moritzburg, www.kollwitz-moritzburg.de
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