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Ortschaft Schönfeld-Weißig
Besiedlung des Gebietes Schönfeld-Weißig wegen des fruchtbaren Bodens schon in früher Zeit (Dörfer überwiegend aus alten sorbischen Siedlungen hervorgegangen, fanden schon bald nach der um das Jahr 1000 beginnenden deutschen Kolonisierung der sorbischen Siedlungsgebiete ihre erste urkundliche Erwähnung)
ab 1900: Ausbreitung der städtischen Siedlung Dresdens bis in dieses Gebiet hinein, Ansiedlung von Arbeitern und Angestellten der Dresdner, Heidenauer, Pirnaer und Radeberger Industrie (in Weißig, Pappritz, Gönnsdorf, Cunnersdorf, Schönfeld, Malschendorf, Reitzendorf und Zaschendorf), 1994: Zusammenschluss der Gemeinden Schönfeld und Weißig, 1999: Eingemeindung nach Dresden (mit Gönnsdorf, Pappritz, Helfenberg, Cunnersdorf, Schönfeld, Eichbusch, Rockau, Malschendorf, Krieschendorf, Reitzendorf, Zaschendorf, Borsberg, Schullwitz, Eschdorf und Rossendorf; insgesamt 41,3 qkm, aber nur etwa 12.500 Einwohner) |
Zur Geologie und Naturausstattung
Schönfeld-Weißiger Gebiet
Schönfelder Hochfläche: flachwellig, landschaftlich sehr vielfältig, mit Feldgehölzen durchsetzt, im Südwesten steil zum Elbtal abfallend, sehr fruchtbare, seit Jahrhunderten landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Braunerdeböden (Parabraunerden) im südlichen Teil, aus Lößlehm und Geschiebelehm gebildet, darunter Granodioritgrus und schließlich der Granodiorit der Lausitzer Platte, stellenweise durch Staunässe bzw. Grundwasser vergleyte Böden in den Senken und Bachtälern, Abfluss der Bäche von der Hochfläche in das Elbtal streckenweise durch feuchtkühle tiefe Täler (Wachwitzgrund, Helfenberger Grund, Keppgrund, Vogelgrund, Friedrichsgrund, Tiefer Grund)
Westen der Hochfläche (Gebiet um Pappritz zwischen den stellenweise mehr als 100 m tief eingeschnittenen Tälern Helfenberger Grund und Wachwitzgrund): eiszeitliche Deckschichten weitgehend abgetragen, nur bedingt landwirtschaftlich nutzbare geringmächtige Grusdecke über dem Granodiorit
Osten der Hochfläche (bei Zaschendorf): sandig-lehmiger und steiniger Boden über Granodioritblöcken und dünnen Grusdecken, Lesesteine am Rande der Felder zu Wällen aufgehäuft
Schirrberg (324 m ü. NN): östlich der Verbindungsstraße Schönfeld-Malschendorf gelegen, teilweise mit Kiefern und Birken bewachsen, besteht aus eiszeitlichen Schmelzwasserschottern (diese wurden beim zweiten Vorstoß des Inlandeises in der Elsterkaltzeit angehäuft), abwechselnde Schichten aus Grob- und Feinsanden und groben Kiesen, eingestreute große Geschiebe (Grauwacken und granodioritische Gesteine) aus der Lausitz und aus noch nördlicheren Gebieten (u.a. Schwedischer Granit, Dalarne-Quarzit, Ostsee-Quarzporphyr, Scolithussandstein und Feuerstein)
Hügelkette der Weißiger Berge im Norden des Schönfeld-Weißiger Gebietes: vom Hutberg im Westen (bei Weißig) über Lindenberg und Hermsberg (329 m ü. NN) bis zum Napoleonstein im Osten
Hutberg (311 m ü. NN): besteht aus vulkanischem Ergussgestein Porphyrit, darunter Material der geologischen Zeit des Rotliegenden, darunter kreidezeitliche Sandsteine, Konglomerate, Arkosen (feldspathaltige Sandsteine), Tuffe und Bitumen-imprägnierter schwarzer Schieferton (Brandschiefer) mit Fossilien von Schachtelhalmen, Farnen, Cordaiten und Coniferen sowie von Fischen und Krebstieren, darunter der Granodiorit der Lausitzer Platte, um 1590 wird ein Kreuz auf der Kuppe erwähnt, schöne Aussicht nach Westen über das Tal der Prießnitz zur Dresdner Heide und nach Süden über das Elbtal hinweg (Sicht nach Norden durch die Granodioritkuppen der Lausitzer Platte begrenzt)
Napoleonstein (342 m ü. NN): früher Buschberg genannt, höchste Erhebung der Weißiger Berge, geologisch ähnlich wie der Hutberg aufgebaut
Rossendorf-Eschdorfer Gebiet
zahlreiche 50 bis 100 m breite Geländerücken und Wälle sowie 15 bis 20 m hohe Kuppen (Durchmesser 30 bis 70 m), aus Sanden und Kiesen bestehend, entstanden durch Schmelzwasserströme in der Eiszeit (beim zweiten Vorstoß der Inlandeismasse in der Elsterkaltzeit, wobei der Gletscherrand bis zum Gebiet Rossendorf reichte), Formung der Kuppen und Wälle durch den Abfluss der Schmelzwasserströme nach Südosten sowie Wind- und Wassererosion, mehr als 50 m mächtige Schichten aus Grob- und Mittelsanden (mancherorts in Sandgruben abgebaut)
Rossendorfer Teich (am Schänkhübel gelegen, auch Nixenteich genannt, Legenden berichten von im Teich lebenden Nixen und einer einst auf der Nixeninsel stehenden Kapelle): Ausgangspunkt des Flusses Prießnitz (durch die Dresdner Heide zur Elbe fließend), Karpfenfischerei, in der Zeit der DDR auch Entenaufzuchtsgewässer, unterhalb des hohen Dammes mehrere kleine, vor allem als Fischhälter genutzte Teiche
Waldgebiet Harthe: zwischen der Großerkmannsdorfer Flur im Norden, dem Rossendorfer Schänkhübel im Westen und den Harth-Teichen im Süden, trockener, sandiger Boden vorherrschend, Kiefernforste mit eingestreuten Birken- und Lärchenbeständen, Reste des ursprünglichen Stieleichen-Birken-Laubmischwaldes auf frischeren Böden, Staunässe im Süden des Waldes, Harth-Teiche zwischen hohen einzeitlichen Hügeln gelegen, Großer Harth-Teich seit 1973 als Freibad genutzt, im Osten der ausgedehnte Carswald angrenzend
Eschdorfer Flur: Parabraunerde, Fahlerde, Pseudogley und Gley aus Verwitterungsmaterial des Zweiglimmergranodiorits der Lausitzer Platte sowie aus eiszeitlichen Sanden (Schmelzwasserablagerungen) und Lößlehm hervorgegangen (Pseudogley und Gley bei hoher Grundfeuchte entstanden), Feuchtgebiete 1971-1973 durch die Landwirtschaft größtenteils trockengelegt
Schullwitzer Flur: eiszeitliche Sande aus der Elsterkaltzeit, im Norden (nahe der Alten Hornstraße) Ablagerungen aus dem Cenoman (Zeitabschnitt der Oberkreide) mit feinkörnigem Sandstein und konglomeratischen Gesteinen mit hohem Brauneisengehalt
Triebenberg (383 m ü. NN, im Südwesten der Eschdorfer Flur gelegen): doppelgipflig, herrlicher Ausblick, geologisch wie der Borsberg aus dem Zweiglimmergranodiorit der Lausitzer Platte aufgebaut, Lesesteine aus Granodiorit an der Oberfläche
Flurberäumungen ab 1967
Beseitigung von Wegen, Feldrainen, Bachläufen und Gehölzen auf den ehemaligen Hufen und Gutsblöcken sowie Entwässerung, um die Großfelderwirtschaft mit schwerer Technik betreiben zu können, hinterließen eine eintönige, an Tier- und Pflanzenarten sehr verarmte Agrarlandschaft (früher häufige Tierarten wie Feldhasen, Hamster, Rebhühner, Fasane, Wachteln, Kiebitze und Ringeltauben fanden keine Lebensräume/Niedergehölze mehr und verschwanden)
starke Winderosion der leichten sandigen Böden (Nährstoffverluste durch Feinerdeverwehung, Ersatz durch massiven Kunstdüngereinsatz, dadurch Probleme mit der Grundwasser- und Fließwasserqualität),
bis zur Gegenwart nur wenige Anstrengungen der Landwirtschaft zur Aufforstung von Windschutzstreifen und anderen Gehölzbeständen, kaum Wiederansiedlung von Tier- und Pflanzenarten, keine Wiederherstellung des ästhetischen und Erholungswertes der Landschaft und - wie überall in Sachsen - weitere unsinnige Flurberäumungen |
Weißig
1235: urkundliche Ersterwähnung der Weißiger Flur anlässlich einer Schenkung mehrerer Hufen Land durch den Burggrafen von Dohna an das Kloster Zelle, 1357: urkundliche Ersterwähnung des Waldhufendorfes als Wysock (altsorbisch: vysok = hoch gelegen) aus Anlass einer Verpfändung Weißiger Felder durch den Meißner Markgrafen Friedrich III. (reg. 1349-1381), ab 1378: Zugehörigkeit zum markgräflichen Amt, 1421: Erwähnung als Wiessag, Anlage von Gehöften und Häusleranwesen in der Senke des Weißiger Dornbaches (sammelt alle Bäche zwischen der Gönnsdorfer Höhe, 319 m, und den Weißiger Bergen, an der Ullersdorfer Mühle in die Prießnitz mündend), mit Hufen unterschiedlicher Länge hinter den Gehöften, dazu Beistücke der Bauerngüter im Nordosten der Flur, Nutzung des wenig ertragreichen Geländes am Hutberg als Gemeindeviehweide, 1421-1543: Zinsen und Abgaben der fronpflichtigen Bauern an das Altendresdner Augustinerkloster, später dem Rittergut Schönfeld fronpflichtig, 1529: Erwähnung der Heidemühle (außerhalb des Dorfes gelegen), 1546: Erwähnung der Dorfmühle (an einem Teich in der Dorfmitte - am Ort des späteren Gemeinderatsgebäudes - stehend), 1606-1803: formeller Bestand des Weißiger Rittergutes als Herrschaft ohne Nutzfläche und ohne Wirtschaftsgebäude, Entrichtung "trockener Zinsen" durch die Einwohner, Dreißigjähriger Krieg (1618-1648): Brandvernichtung der Kirche und mehrerer Gebäude des Dorfes durch kroatische Truppen (wegen der Lage an der schon in früher Zeit wichtigen Bautzner Straße war Weißig stets den Gefahren und Nöten des Krieges ausgesetzt), Nordischer Krieg (um 1700) und Siebenjähriger Krieg (1756-1763): verheerende Truppendurchzüge und Plünderungen, 1758: großes Heerlager Friedrichs II. von Preußen am Hutberg, 1812/13: Durchmarsch der napoleonischen Armee nach Rußland (woran der Napoleonstein erinnert) und Rückzug der Armee vom missglückten Rußlandfeldzug, Abriss der "Dreihäuser" genannten Gebäudegruppe an der Bautzner Straße auf Befehl Napoleons im Zusammenhang mit der Abwehr der nachrückenden Preußen und Russen, ab 1900: Ausbreitung des städtischen Siedlungsgebietes Dresdens bis in die Weißiger Flur hinein, 1904: Anschluss an das Dresdner Gasnetz, 1905/06: Bau der Schmalspurbahn Weißig-Dürrröhrsdorf (1951 mangels Rentabilität wieder stillgelegt, Gleise abgebaut und stattdessen Fußgängerwege sowie landwirtschaftliche Fahrwege angelegt, Bahnhöfe und andere Bahngebäude z.T. weiter genutzt, z.B. als Lagerräume), 1908: Erweiterung des schon bis Bühlau reichenden Stadtverkehrs bis nach Weißig, Ansiedlung von Industriearbeitern und -angestellten, schnelles Anwachsen der Einwohnerzahl, 1911: Gründung des Arbeitersportvereins Weißig (ab 1928 Arbeiter-Sportkartell), Trockenlegung des im Bereich Pillnitzer Straße/Talstraße gelegenen Teiches, Ausbreitung der Wohnsiedlung hier im Osten von Weißig sowie Ausbreitung von Neuweißig nördlich der Bautzner Straße (im Gebiet der Dreihäuser), neue Wohngrundstücke auch am Heiderand sowie Sommerhäuschen am Marienbad
Altweißig: mehrere Bauernhäuser blieben erhalten, viele mit Sandsteingiebel, zeigen Merkmale der in der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten Architektur: z.B. Giebelaufsätze, Kniestöcke und recht flache Satteldächer, Mauerwerk der Längsseiten der Häuser meist aus Granitbruchstein, eine Hausfassade mit Gesimsen und Ecklisenen, Weißiger Schmiede (Südstraße 1) mit Sandstein-Inschriftentafel (bezeichnet 1858 als Jahr des Neuaufbaus des von einem Brand zerstörten Gebäudes)
Weißiger Kirche (1632/33, 1901 Umgestaltung durch Woldemar Kandler, Dresdner Baumeister): in der Dorfmitte in einem ummauerten Friedhof stehend, quadratischer Westturm (blieb vom Vorgängerbau erhalten) mit dickem Mauerwerk, Fachwerk-Obergeschoss, Satteldach und spitzem Dachreiter, kreuzförmiges Kirchenschiff, Innenausstattung mit Jugendstil-Elementen, reiches Schnitzwerk mit Pflanzenmotiven an Orgelprospekt und Kanzelkorb, Gemälde "Der Gang nach Emmaus" (1901, Alfred Diethe) in der Mitte des barockisierenden Altaraufsatzes, 1963: Sanierung von Innenraum und Altar; Pfarrhaus (1728, 1742 umgebaut): zwei massive Geschosse und Mansarddach; zur Kirchgemeinde (Parochie) Weißig gehörten auch Gönnsdorf, Pappritz und ein Teil von Ullersdorf |
Gönnsdorf
Lage: an der Kreuzung der Straßen Bühlau-Schönfeld und Weißig-Pappritz
1378: urkundliche Ersterwähnung als Gadelstorf, 1540 als Godensdorff (vielleicht nach einem Lokator Godwin oder dem sorbischen Namen Goden benannt), Zinspflicht der Bauern an den Meißner Markgrafen, Entstehung eines bedeutenden Herrensitzes (neben Helfenberg und Schönfeld), später als Gutsweiler fortgeführt, bis 1764: der Helfenberger bzw. Schönfelder Gerichtsbarkeit unterstehend, dann "Altschriftsässigkeit" des Gönnsdorfer Rittergutes (wirtschaftete selbstständig weiter), sehr fruchtbare Böden über Granodioritgrus und einer Lößlehmdecke, Flur: 115 ha, in Gutsblöcke eingeteilt, mehrere Häusleranwesen (zunächst 6 Wohnhäuser) verstreut im Umfeld des Dorfkernes, um 1600: Ersterwähnung einer Windmühle auf der Anhöhe (319 m ü. NN) nordöstlich von Gönnsdorf, 1813: Brandvernichtung der Windmühle (Nachfolgebau) durch österreichische Soldaten (die sich den jenseits der Elbe stehenden eigenen Truppen bemerkbar machen wollten), später Bau einer Holländerwindmühle, 1896 durch einen 25 m hohen Aussichtsturm und eine angeschlossene Gaststätte ersetzt, 1920: Beginn der Siedlungsausbreitung, 1945: Sprengung des Aussichtsturmes durch deutsche Truppen
Gönnsdorfer Herrenhaus (denkmalgeschützt): zweigeschossiges, einflügeliges Gebäude mit einem Mittelrisalit und einem Mansardwalmdach mit regelmäßig verteilten Dachhäuschen und Gaupen, ursprünglich auf drei Seiten von Wasser umgeben, dahinter ein Wirtschaftshof und ein Park mit einem Wasserspiel (2 Sandsteinbecken) |
Pappritz
Lage: westliche Ecke der Schönfelder Hochfläche zwischen den stellenweise mehr als 100 m tief eingeschnittenen Tälern des Wachwitzgrundes und des Helfenberger Grundes
1278: urkundliche Ersterwähnung des Platzdorfes mit Herrensitz als Papirzcan (altsorbisch: "die im Farn Sitzenden"), Flur in Blöcke und Streifen eingeteilt, ab 1420: dem Rittergut Helfenberg zugehörig, 1572 bis 19. Jahrhundert: Entrichtung von Erbzinsen durch die Bauern an das Rittergut Pillnitz, 1914: Bau der aus dem Elbtal von Niederpoyritz kommenden Straße - heute Staffelsteinstraße (bis dahin hatte es nur eine Zufahrt durch den Helfenberger Grund gegeben) und Anlage zahlreicher neuer Wohngrundstücke an dieser Straße
Pappritzer Ortskern: noch gut zu erkennen, vor allem Zwei- und Dreiseithöfe z.B. aus der Zeit um 1800 (Wohnstallhaus und Scheune mit schlichtem Fachwerk-Obergeschoss), Wohnstallhaus Am Dorfteich 4 (nach 1800): Krüppelwalmdach, massiver Giebel, Fachwerk-Obergeschoss an den Längsseiten, klassizistischer Gebäudeschmuck, Dorfgasthof Pappritz: in der Zeit der DDR ein Urlauberheim des Kalikombinates Volkenroda (Thüringen) |
Cunnersdorf
Lage: in einer flachen Talmulde des westlichen Quellflusses des Keppbaches
1350: urkundliche Ersterwähnung des Zeilendorfes als Kunradsdorf (altdeutsch: "Dorf des Konrad"), 1378: Erwähnung als Kunstorf, 1477 als Kommerßdorff, 1530 als Kunerßdorff, zur ehem. Schönfelder und Helfenberger Rittergutsflur gehörend, schmale Hufen hinter den zahlreichen kleinen Gehöften, Einwohner dem Meißner Markgrafen zinspflichtig ("Forsthafer"), ab 1477: dem Rittergut Helfenberg zugehörig (grundherrliche Rechte bis zum 18. Jahrhundert), 1530: Erwähnung von 5 Teichen auf der Flur |
Schönfeld
um 1200: urkundliche Ersterwähnung als bischöfliches Ober- und markgräfliches Afterlehen, 1315: Erwähnung als Besitz des Syfirt von Schoninvelt, 1378: Erwähnung als Schonenvelt (altdeutsch: "zum schönen Feld") anlässlich einer Forstzinsen-Erhebung des Meißner Markgrafen, 1445: Erwähnung eines Schönfelder Vorwerks, im Ort gab es ein Erbgericht, ein Amtshaus, eine Brauerei und ein Gasthof am Marktplatz (zwei Märkte im Jahr), Bauernhufen im Norden des Ortes (in Richtung Weißiger Flur), Gutsblöcke im Süden, 1535: Erwähnung der Zugehörigkeit der umliegenden Dörfer Schullwitz, Reitzendorf, Zaschendorf, Malschendorf, Rockau, Cunnersdorf, Gönnsdorf, Rochwitz und Ullersdorf zur Grundherrschaft und Kirchgemeinde Schönfeld, Verkauf des Rittergutes Schönfeld (zusammen mit dem von Helfenberg) durch Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) an seinen Baumeister und Oberrüstmeister Hans von Dehn-Rothfelser (1500-1561), 1568: Wechsel der Schönfelder Herrschaft an den kurfürstlichen Geheimen Rat Dr. Georg Cracow, um 1600: ca. 2.000 Einwohner im Gebiet der Grundherrschaft, 1787: Kauf des Rittergutes durch Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (reg. 1763-1827, ab 1806 als König Friedrich August I. von Sachsen), Fortführung als Kammergut, 1837: Erwähnung einer Frohnfeste, einer Gerichtsstätte und einer Richterwohnung, mehr als 3.000 Einwohner im Gebiet der Grundherrschaft, damals Ablösung der Frondienste, Übernahme des Gutes durch einen bürgerlichen Pächter
Alt-Schönfeld: erhalten blieben Gebäude des ehemaligen Kammergutes in der Umgebung des Schlosses, Verwalterhaus (Markt 1): schlichter zweigeschossiger Putzbau mit hohem Walmdach (in der Zeit der DDR: Rat der Gemeinde, Sparkasse und Polizeidienststelle), Haus Markt 4 (17. Jahrhundert): zweigeschossig, abgetreppter Giebel und sehr steiles Satteldach, Haus Markt 2: eingeschossiger Massivbau mit Mansarddach (früher eine Wassermühle, in der Zeit der DDR ein Postamt), Haus Mittelstraße 1: kleines Gebäude mit Fachwerk-Giebeltrapez und Krüppelwalm-Mansarddach, gegenüber die ehemalige Brauerei (heute Wohn- und Geschäftshaus), am Schönfelder Marktplatz (nahe des Schlossteiches) Gasthof "Zum Erbgericht" sowie kleinere Häuser mit Fachwerk-Obergeschoss
Bockmühle: ehemalige Wassermühle westlich von Schönfeld am Zusammenfluss der zwei Quellarme des Keppbaches, Jahreszahl 1799 im Türsturz, Obergeschoss aus Fachwerk mit Andreaskreuzen
Schönfelder Kirche: Kirchenschiff (Ende des 15. Jahrhunderts) mit einem schmalen, flachgedeckten vierjochigen Saal, Chor (1676, Jahreszahl am Kanzelzugang) mit Rippenstrahlgewölbe, von gleicher Breite wie das Schiff, außen durch Strebepfeiler abgestützt, Westturm (bis 1896 mehrmals umgebaut) im Jahr 1971 auf 30 m Höhe verkleinert und mit einem steilen Walmdach versehen, Innenausstattung (Mitte des 17. Jahrhunderts, Stil der Spätrenaissance): Altaraufbau, auf Holz gemalte Bilder (1658, Jonas Eywigk, Pirnaer Maler), Kanzel und Sandsteintaufe mit reichem figürlichen und ornamentalen Schmuck, herrschaftliche Gruft (heute vermauert) unter dem Altar, doppelstöckige Emporen an drei Seiten des Saales, obere Empore 1972 verkürzt (und Patronatsloge beseitigt); Friedhof: u.a. schlichte Barockgrabmäler von Pfarrern des Ortes, 2 Steinkreuze in die östliche äußere Friedhofsmauer eingebaut (gehörten möglicherweise zum Giebelschmuck der Kirche); Pfarrhaus (17. Jahrhundert): zweigeschossig, massives Sockelgeschoss, verschaltes Fachwerk-Obergeschoss; zur Kirchgemeinde Schönfeld gehörten (seit der Reformation, 1539) auch Schullwitz, Reitzendorf, Zaschendorf, Borsberg, Krieschendorf, Eichbusch, Malschendorf, Rockau und Cunnersdorf, von Zaschendorf und Reitzendorf war die Schönfelder Kirche über den Graupaer Kirchsteig (Messweg, streckenweise gleich der Gemeindeviehtreibe) erreichbar (an der Gärtnerwiese und dem Zinsteich vorbei), von Borsberg verlief der Kirchweg über Reitzendorf nach Schönfeld |
Schloss Schönfeld
In diesem einst sehr morastigen Gebiet stand in der Zeit der Ortsgründung eine frühdeutsche Wasserburg (Turmhügel mit umlaufendem Graben, Reste blieben erhalten), nach 1572: Bau des Schlosses (anstelle eines Vorgängerbaus) für den kurfürstlichen Geheimen Rat Dr. Georg Cracow (Besitzer der Schönfelder Herrschaft ab 1568), einflügeliges dreistöckiges Gebäude im Stil der Renaissance, Erdgeschossfenster mit schmiedeeisernen Gittern, an den Längsseiten je 3 das Dach gliedernde Zwerchhäuser, an der Vorderfront mit Volutengiebeln, zur Hälfte in den Bau eingelassener Treppenturm (unten sechseckig, oben rund) vor dem mittleren Giebel, Wendeltreppe zu den Vorhallen der 3 Geschosse, Sitznischenportal im Sockel (Wappen und Initialen der Familie Cracow im Gewände sowie Jahreszahl 1577), Kamine und mit Wappen und Rankenwerk bemalte Felderdecken aus der Entstehungszeit des Schlosses, Stuckdecken aus dem 18. Jahrhundert, gusseiserne Ofenplatte mit Relief (Silhouette Dresdens nach einer Vorlage von Merian) im Erdgeschoss, 1945: Verstaatlichung des Rittergutes, Nutzung der Schlossräume als Kindergarten, Kinosaal, Gemeindebibliothek und Unterrichtsräume der Schule |
Reitzendorf
Lage: am Oberlauf des Meixbaches (dieser entspringt oberhalb des Pfeiferteiches/Schwarzteiches in einer Hangdelle des Triebenberges), 182 ha große Flur
1378: urkundliche Ersterwähnung des Waldhufendorfes als Richczendorff (nach einem Lokator namens Richezo benannt), 1457: Erwähnung eines zur Herrschaft Schönfeld gehörenden Vorwerks, 1486: Erwähnung des Ortes (in einem Lehnbrief) als Zubehör der Schönfelder Grundherrschaft, große blockförmige Gutsfelder im Südwesten der Flur (Flurnamen wie "Oberer, Mittlerer und Kleiner Maitz" erinnern daran), als Schäferei dienende Gutsgebäude, Wall-, Mittel-, Nieder- und Zinsteich (Schwemmteich), Gärtnerwiese, Schrumpfen des Bauernlandes von 10 Hufen (1552) auf 6 Hufen (1764) zugunsten des Gutes, 1873: Inbetriebnahme einer Ziegelei am Weg Reitzendorf-Meixmühle, Abbau von pleistozänem Geschiebelehm in den nahe gelegenen Lehmgruben bis in die Zeit der DDR hinein, Stumpf einer Holländerwindmühle südöstlich von Reitzendorf
Kleinbauernmuseum Reitzendorf: s. Museen |
Malschendorf
in enger Nachbarschaft zum südöstlich gelegenen Krieschendorf, um 1200 (frühdeutschen Siedlungsperiode, Zeit der bäuerlichen Landnahme nach der deutschen Eroberung der sorbischen Siedlungsgebiete): erwiesene Existenz des Platzdorfes, 1378: Erwähnung als zum castrum Dresden (markgräfliche Burg auf dem Taschenberg an der Elbbrücke) gehörend, Einwohner dem Meißner Markgrafen zinspflichtig, 1414: urkundliche Ersterwähnung als Marchschendorff (von altsorbisch "Ort des Maresch"), 1494: Erwähnung grundherrschaftlicher Rechte der in Pillnitz sitzenden Familie von Karras an der Flur Malsendorff, später Übergang der Rechte an die Grundherrschaft Schönfeld, Landwirtschaft und Obstbau, 1643 (Zeit des Dreißigjährigen Krieges): Plünderung und teilweise Zerstörung des Dorfes sowie Vernichtung der Obstgärten durch schwedische Truppen, ab 19. Jahrhundert: Malschendorfer Obstgärten waren (vor allem in der Zeit der Kirschblüte) ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner, 1843: erste Erwähnung des Poetenganges (beliebter Spazierweg Dresdner Naturfreunde und Künstler, später ein Promenadenweg von Rockau über Keppmühle, Zuckerhut und Meixmühle zum Borsberg), 1970er Jahre: Beseitigung der Obstgärten zugunsten der ackerbaulichen Großflächenwirtschaft |
Krieschendorf
Flur: 89 ha (im Norden bis zum Galgenberg - Anhöhe westlich des Schirrberges, im Süden bis zum Kamselborn), in Blöcke eingeteilt, bäuerliche Anwesen von Krieschendorf unmittelbar an die von Malschendorf angrenzend
späteste Bronzezeit und früheste Eisenzeit: befestigter Bergsporn etwa 900 m südlich von Krieschendorf auf einer zwischen dem Friedrichsgrund und dem Vogelgrund gelegenen Geländezunge (220 m ü. NN), 260 × 65 m großes Plateau, im Südwesten durch einen etwa 45 m langen und im Nordosten durch einen 80 bis 90 m langen Wall von bis zu 10 m Höhe gesichert (einige flache Wallreste an den Steilabhängen erkennbar), Eingang der Wehranlage wahrscheinlich an der Südwestecke, 600-1000 n.Chr. (Zeit der slawischen Besiedlung des Elbtales): Wiederbenutzung der befestigten Siedlung (Funde von Metall- und Keramikgegenständen)
1378: urkundliche Ersterwähnung als Krywenstorf (wahrscheinlich vom altsorbischen Personennamen Krivosch abgeleitet), dem castrum Dresden (somit dem Meißner Markgrafen) zugehörig, 1439: Belehnung der auf dem Rittergut Pillnitz sitzenden Gebrüder Heinrich und Hans von Karras mit den Äckern, Wiesen und Wäldern des Vorwerkes Krieschendorf durch Kurfürst Friedrich II. von Sachsen (reg. 1428-1464), bis 1832: grundherrliche Abhängigkeit vom Rittergut (später Kammergut) Pillnitz, Landwirtschaft und Obstbau, landesherrliche Verfügungen u.a. 1554 und 1700 zur Anpflanzung von Obstbäumen in den Gärten und Höfen (noch heute Obstbaumreihen auf den Hochrainen) |
Rockau, Helfenberg, Eichbusch
frühgeschichtliche Siedlungsspuren zwischen dem Helfenberger Grund und dem Keppgrund im Südwesten der Schönfelder Hochfläche, frühgeschichtliche Wehranlage südlich von Rockau auf dem "Kuhberg" genannten Felsvorsprung über dem Keppgrund (ein verflachter Graben grenzt noch die Felsnase vom Hinterland ab)
1350: urkundliche Ersterwähnung des locker bebauten Rundplatzdorfes als Rakowe (altsorbisch: "Dorf des Rak"), dazu gehörten die Ortsteile Helfenberg und Eichbusch, 305 ha große Flur, Herrensitz und Vorwerk im Eigentum von Johannes de Ketschbrode (Kötzschenbroda, heute Stadtteil von Radebeul), 1357: Erwähnung als markgräfliches Lehen der Burggrafen von Dohna, 1378: Zugehörigkeit zum castrum Dresden, ab spätestens 1606 bis 1855 (Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit): ein Vorwerk und ein Teil der Gutsblöcke zur Grundherrschaft Helfenberg gehörend, Ansiedlung einiger Häusler (betreuten auch die im Umfeld gelegenen Weinberge der Grundherrschaft) im unteren Keppgrund (sog. Rockauer Grund, im Jahr 1717 4 Anwesen),
17. Jahrhundert: Ausbreitung der Wirtschaftsfläche des Rittergutes Helfenberg auch über die Eichbuscher Flur, um 1618: Bau eines Vorwerks am Eingang des Keppgrundes, Ansiedlung einiger Häusler am westlichen Wiesenhang zwischen der Bock- und der Felgnermühle (1652 wird diese Siedlung als Schäffereyen in Eichbüschen erwähnt, später: Ortsteil Eichbusch), 1930er Jahre: Ausbreitung des Ortes Rockau mit neuen Siedlungshäusern nach Norden, nach 1945: Bau mehrerer Eindachgehöfte von Neubauern, Rockauer Linde: weithin sichtbare Landmarke (282 m ü. NN) und beliebtes Wanderziel nahe einer Weggabelung |
Burg, Schloss und Vorwerk Helfenberg
1350: urkundliche Ersterwähnung der Hilfenburg (am oberen Eingang des Helfenberger Grundes auf einem Bergsporn gegenüber dem späteren Rittergut gelegen), frühdeutsche Warte mit Gräben und Wällen gegen das Hinterland gesichert, um 1568: Erwähnung als bewohnter Ort, Dreißigjähriger Krieg: sicherer Zufluchtsort bei den Angriffen kroatischer Truppen, dann Verfall der Burg, 18. Jahrhundert: nur noch Ruinenreste, Funde vor allem mittelalterlicher Keramik
um 1400: Wechsel des Herrensitzes Helfenberg von der Familie von Ziegler in den Besitz des Markgrafen Friedrich IV. von Meißen (reg. 1381-1428, ab 1423 Kurfürst Friedrich I. von Sachsen), um 1460: Erwähnung des Schlosses und das Vorwerks Helffenberg, um 1535: Bau eines neuen Herrenhauses nahe des Vorwerks, Verkauf der Rittergüter Helfenberg und Schönfeld durch Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) an den Baumeister und Oberrüstmeister Hans von Dehn-Rothfelser (1500-1561), bis 1760: Besitzrechte der Erben von Dehn-Rothfelser, 13 Dörfer waren dem Herrengut zinspflichtig, Frondienste der dienstpflichtigen Bauern auf der in Gutsblöcke eingeteilten Flur, 1627: Erwähnung des Herrenhauses, von Ställen, Scheunen, einem Brauhaus, einer Schäferei, einer Mahlmühle, einer Ziegelei, von Gärten und 13 Teichen (vor allem Fischzucht und Wasserreservoir, Wasserversogung der Brauerei aus den Brauteichen in Zeiten der Trockenheit), Weinwirtschaft (Verarbeitung der auf dem "Weinberg in der Kucksche" und auf dem Alten Weinberg geernteten Trauben im Winzerhaus/Kelterhaus), 1645: Erwähnung von 15 Rockauer Winzern als Bewirtschafter des Alten Weinberges, 1673: Bau eines Presshauses für die Kelterei (heute technisches Denkmal) südwestlich von Helfenberg am Elbtalhang, Anlage mit zwei rechtwinklig zueinander angeordneten eingeschossigen Gebäuden mit großen Rundbogenfenstern an der Talseite und Segmentbogenfenstern an der Rückseite des Hauptgebäudes, 1764: Verkauf der Hofemühle (im Helfenberger Grund) durch das Herrengut Helfenberg (1895: Rückerwerb, wenig später abgebrochen), um 1775: Bau des Helfenberger Herrenhauses (zweigeschossig, mit Krüppelwalmdach) durch Johann Gottfried Kuntsch, um 1800: Umbau (wahrscheinlich durch Gottlob Friedrich Thormeyer): Verlängerung des Hauses nach Osten, Verlegung des Einganges an die Ostseite, Aufbau des Satteldaches, gemeinsame kreisförmige Blende der 3 Giebelfenster, klassizistische Gliederung der Fassade, Ausschmückung mit 3 Stuckreliefs (Franz Pettrich) mit mythologischen Darstellungen, Verzierung der Hoftorpfeiler mit Sandstein-Urnen |
Zaschendorf
Lage: an der Kreuzung der zwischen Schullwitz und Borsberg verlaufenden alten Höhenstraße mit dem Graupaer Kirchsteig (Messweg nach Schönfeld, zugleich Marktweg nach Pirna), Flur im Norden (entlang der ehemaligen Gemeindeviehtreibe) an die Schullwitzer und die Reitzendorfer Flur, im Nordosten (an den Doberwiesen und Hinterbergen) an die Eschdorfer Flur und im Südwesten (in einem Zipfel auf dem Hahnstein bzw. am Zschoben) an die Borsberger Flur angrenzend, im Süden (gleich hinter den bäuerlichen Hausgärten) das Waldgebiet der Borsberghänge
1367: urkundliche Ersterwähnung des locker bebauten Platzdorfes als Zaschlensdorff (vom Namen Zastislav abgeleitet), 1387: Erwähnung als Zcazlauwendorf, mit einem Vorwerk (Hammelschäferei des Rittergutes Schönfeld), 1494: Gerichtsbarkeit durch die in Pillnitz sitzende Familie von Karras, 1535 (Erbregister): Erwähnung von 10 Zaschendorfer Bauern, Flur (149 ha) in Waldhufen eingeteilt (sich besonders nach Norden und Nordwesten erstreckend), vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918): Ausbreitung beiderseits der alten Höhenstraße |
Borsberg
Lage: in einer Quellmulde oberhalb des Steilabfalls der Lausitzer Störung zwischen dem Friedrichsgrund (Meixgrund) im Westen und dem Borsberg im Osten
1378: urkundliche Ersterwähnung des Platzdorfes als Zubehör des castrum Dresden (dem Meißner Markgrafen zinspflichtig), 1414: Erwähnung als Bursenberge (vom slawischen Personennamen Boresch abgeleitet), 1465 als Borsperg, 1476 (Belehnungsurkunde) als Porsberg, 1702: Grunderwerb durch Heinrich von Bünau, später: Zugehörigkeit zur Pillnitzer Herrschaft, 1883: Übernahme des von der Familie von Bünau gebauten Wohnhauses durch den Staatsforst Pillnitz (bis 1918 als königliche Jagdhütte genutzt, in Zeit der DDR Revierförsterei des Forstwirtschaftsbetriebes Königstein, Abbruch der zum Vorwerk gehörenden Wirtschaftsgebäude), um 1900: Planung für den Ausbau von Borsberg (und Zaschendorf) wegen der landschaftlich reizvollen Lage zum Luftkurort und zur Sommerfrische (mit einer Drahtseilbahn am Elbtalhang), es wurden jedoch nur einige villenähnliche Wohngebäude verwirklicht und einige angeblich heilkräftige Quellen gefasst, März 1945: fast vollständige Zerstörung durch einen englisch-amerikanischen Bombenangriff, Wiederaufbau in sehr aufgelockerter Form (der platzdorfartige Ortsgrundriss blieb annähernd erhalten) |
Naturschutzgebiet Borsberghänge
Borsberg (354 m ü. NN, Zweiglimmergranodiorit, bis um 1780 Golk genannt) als Ziel vieler von Pillnitz, Oberpoyritz und Graupa kommender Wanderwege, beliebtes Ausflugsziel der Dresdner seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, künstliche Felsengrotte auf der Kuppe auf Anregung von Kabinettsminister Graf Camillo Marcolini (1739-1814) angelegt, dann Bau einer Gaststätte mit Terrasse und daneben eines Aussichtsturms (beeindruckender Ausblick in alle Himmelsrichtungen - im Nordwesten über die Lausitzer Granodioritplatte hinweg zur Dresdner Heide, im Norden zu den Weißiger Bergen mit Hutberg, Lindenberg und Napoleonstein, im Südosten zum Elbsandsteingebirge und im Süden über die Dresdner und Pirnaer Elbtalweitung hinweg bis zum Osterzgebirge), 1865: Bau der steinernen Triangulierungssäule 1. Ordnung westlich vom Aussichtsturm für die europäische Gradvermessung
Bild: Ausflugsziel Borsberg in einer alten Grafik (verändert)
Tiefer Grund: am Südhang des Borsberges (bei 300 m ü. NN) beginnend, kürzestes, aber gefällereichstes Kerbtal des Borsberggebietes, unterhalb des Jagdweges ein Tal mit schmaler Sohle, im unteren Abschnitt besonders eng und steilhängig, Klippen aus Zweiglimmergranodiorit am Hang, stellenweise mächtige Felsblöcke im Bachbett
Tilken: 3 bis 5 m tiefe Hohlformen mit 7 bis 8 m breiter Sohle und etwa 30° geneigten Hängen (wahrscheinlich alte Hohlwege), ca. 200 m östlich vom Tiefen Grund (etwa 450 m nördlich von Kleingraupa) an den lößbedeckten Flachhängen gelegen
Naturschutzgebiet Borsberghänge: umfasst den Friedrichsgrund und die sich zwischen dem Friedrichsgrund und dem Tiefen Grund bei Graupa hinziehenden Borsberghänge, 107 ha groß, besteht seit 1961, Bäche mit teilweise starkem Gefälle und geringer Wasserführung, natürliche und naturnahe Laubwaldgesellschaften (Eichen-Birken-Kiefern-Mischwald auf dem Plateau, Traubeneichen-Rotbuchen-Wald an den Talhängen, Eichen-Hainbuchen-Wald an warmen südwestexponierten Hängen, stellenweise Schluchtwälder auf der Sohle der tiefen Täler: vor allem Ahorn-Eschen-Schluchtwald) |
Friedrichsgrund (Meixgrund)
Bestandteil des 1961 eingerichteten Naturschutzgebietes Borsberghänge, Tal des Meixbaches (entspringt auf der Schönfelder Hochfläche in einer Hangdelle des Triebenberges), jäher Übergang des Bachlaufes von einem schwach fallenden Sohlental in ein stark fallendes Kerbtal (ähnlich wie im Keppgrund, Helfenberger Grund und Wachwitzgrund; von der Schönfelder Hochfläche kommende Bäche schneiden sich durch rückschreitende Erosion mit engen Kerbtälern in den Elbtalhang ein), unterhalb der Meixmühle ein bis zu 80 m tiefes Kerbtal (steile Hänge bis unmittelbar an das Bachbett und den Fußweg heranreichend), Gefälle bis 14% im Unterlauf
Name "Meixgrund": laut einer Sage soll der einst hier hausende Drache Meix alljährlich von den Elbbauern Fleisch und Wein und gelegentlich eine Jungfrau als Opfer gefordert haben, bis ihn ein Müllerbursche erlegte, um seine Geliebte, die Tochter des Müllers, zu retten
1403: urkundliche Ersterwähnung als Vallis Michcz (Meutziggrund oder Meitzgrund) anlässlich einer Übereignung von Pillnitz und Umgebung einschließlich des Tales in den Besitz der Familie Karas, um 1780: Anlage des Talweges mit zahlreichen Brücken über den Bach (Landschaftsmaler und Grafiker schätzten die vielfältigen, ständig wechselnden landschaftlichen Eindrücke)
 1780-1783: romantische Ausschmückung des Meixgrundes (unter der Leitung von Kammerherr Graf Marcolini) auf Weisung von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (reg. 1763-1827, regierte ab 1806 als König Friedrich August I. von Sachsen) unter anderem mit einem zerbrochenen Opferstein, einer Tempelruine, einem künstlichen Wasserfall und der romantischen Grabstätte "Amaliens Rosenhügel", Meixgrund nach dem Bauherrn dieser Ausschmückung - Friedrich August III. - nun auch Friedrichsgrund genannt, wurde zu einem beliebten Ausflugsziel der Dresdner, 1785: Bau der künstlichen neogotischen Ruine "Eremitage" (s. Bild) mit Saal und mehreren Nebenräumen durch Johann Daniel Schade
Spuren einer bronzezeitlichen Befestigungsanlage (um 1200 v.Chr.) auf einem Bergsporn oberhalb des Tales (mit Keramikresten aus der Bronzezeit, der Zeit der slawischen Besiedlung und aus dem Mittelalter), noch bis zum 10. Jahrhundert von den Elbsorben als Fluchtburg genutzt, Wälle im 18. Jahrhundert bei der Umgestaltung des Tales zerstört (s.a. Krieschendorf)
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Meixmühle
Lage: am oberen Beginn des Taleinschnittes des Friedrichsgrundes (Meixgrundes)
1403: urkundliche Ersterwähnung zusammen mit dem Meixtal, 1649: Erwähnung als Mahlmühle der Bauern des Schönfelder Hochlandes, Schankrecht, Ausspanne für Fuhrleute und Rastplatz höfischer Jagdgesellschaften, 1886: Veranstaltungsort der Landesdelegiertenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei (von August Bebel geleitet), 1895: Brandzerstörung, Wiederaufbau als Gasthaus (Entwurf: Otto Boeger), später mehrere Nebengebäude zugefügt, ab 1931: Gebiet um die Meixmühle im Besitz des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, richtete im Gebäude eine Herberge ein, Zeit der DDR: Ferienheim und Kinderferienlager, dann lange geschlossen, 1992: Eröffnung der Gaststätte nach umfassender Gebäudesanierung www.landgasthof-meixmuehle.de |
Rossendorf
Lage: an der Alten Bautzner Straße (gehörte zu einer schon in früher Zeit wichtigen Handelsroute zwischen dem Elbtal und der Oberlausitz, umging - anders als die heutige Fernverkehrsstraße - die Weißiger Berge im Süden, der zwischen Quohren und Rossendorf verlaufende Abschnitt dieses Fahrweges - die Alte Hornstraße (Alte Dresdner Straße) - blieb streckenweise erhalten
1350: urkundliche Ersterwähnung als Roslendorf ("Dorf des Rosslav"), damals wüst (unbewohnt), später ein Gutsweiler mit einer in Gutsblöcken eingeteilten Flur, nur magere Böden auf eiszeitlichen Sanden, wenig ergiebige Landwirtschaft, 1429: Erwähnung anlässlich eines Verkaufes durch Siegmund von Wartenberg, 1634 (im Dreißigjährigen Krieg): Brandvernichtung des Vorwerks durch sächsische Truppen, 1635: Wiederaufbau des Vorwerks am Lockenborn, 1664: Erwähnung von Hanns Heinrich von Kiesewetter als Rossendorfer Gutsherr, 1685: Verlegung des Herrensitzes nach Eschdorf, 1767: Bau eines neuen herrschaftlichen Wohnhauses mit Wendeltreppe für den Gutsherrn (blieb erhalten), dazu eines Wirtschaftsgebäudes, einer Brauerei, eines Gesindehauses und eines Kuhstalls, Gerichtsstube im Wohnhaus, 1840: Abriss der sehr verfallenen Gutsgebäude auf Weisung von Gutsherr Johann Gottlob von Quandt, Bau eines neuen Rittergutes mit Herrenhaus auf dem "Freitag" genannten Hügel (320 m ü. NN), Wechsel des Herrensitzes von Eschdorf wieder nach Rossendorf |
Forschungszentrum Rossendorf (FZR)
1955: Bau des Zentralinstituts für Kernforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR südlich der Bautzner Landstraße im Waldgebiet Harthe bei Rossendorf, Erstausstattung u.a. mit dem Forschungsreaktor WWR-S und einem Zyklotron U120, ca. 350 Wissenschaftler und Ingenieure (russische Spezialisten und in der Sowjetunion ausgebildete Fachleute der DDR), betrieben Grundlagenforschung zur niederenergetischen Kernphysik sowie angewandte Forschung auf den Gebieten Festkörperphysik, Werkstoffentwicklung, Korrosionsschutz, Radiochemie und Kernenergetik, Produktion von Isotopenmaterial, 1962: Inbetriebnahme eines zweiten Forschungsreaktors (sog. Rossendorfer Ringzonenreaktor), Bau von Laboratorien, Rechenanlagen, einer Fachbibliothek, Werkstätten sowie Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden und von 4 Mehrfamilienwohnhäusern, 1969-1972: Bau eines sowjetischen Protonenbeschleunigers (Tandem-Generator), 1992: Auflösung des Kernforschungsinstituts und Demontage der alten Nukleartechnik, Gründung des Forschungszentrums Rossendorf (FZR, zur Leibniz-Gemeinschaft gehörend), Forschung mit Photonen- und Teilchenstrahlen, an der Materiestruktur sowie in den Bereichen Umwelt und Sicherheit |
Eschdorf
Lage: entlang des Schullwitzbaches, fast 2 km langgestreckt, Flur (Felder der Bauerngüter) im Süden bis über den Triebenberg hinweg zum Zaschendorfer Hofeloch, im Norden bis zu dem zwischen Rossendorf und Dittersbach verlaufenden Querweg reichend
1317: urkundliche Ersterwähnung des Reihendorfes als Eschwinsdorf (nach einem Lokator Eschwin benannt), 1350: Erwähnung von Eschdorfer Zinszahlungen an einen Dresdner Grundherrn, 1442: Erwähnung eines Eschdorfer Erbrichtergutes, 1472: Erwähnung einer ym Deutzschen genannten Wüstung (zwischen Eschdorf und Wünschendorf im Tiefen Grund gelegen), später: Eingliederung in die Rossendorfer Gutsherrschaft, 1664: Erwähnung von Hanns Heinrich von Kiesewetter als Grundherr (Sitz in Rossendorf), Aufstand der Eschdorfer Bauern wegen unrechtmäßig geforderten zusätzlichen Holz- und Mühlfuhren (daraufhin 27 Bauern 48 Wochen lang auf Burg Hohnstein eingesperrt, von diesen mussten dann 6 Bauern bei Dresdner Baumaßnahmen zwangsarbeiten), 1685: Wechsel des Herrensitzes von Rossendorf nach Eschdorf (1840 von Gutsherr Johann Gottlob von Quandt wieder nach Rossendorf zurück verlegt), um 1700: Aufteilung des Grundstücks der Niedermühle (einst östlich von Eschdorf, nördlich der Straße Eschdorf-Dittersbach in einer Wiesenmulde stehend) an 4 Gärtner und (1709) einen Häusler, Entstehung einer kleinen Siedlung, 1748: "Vierhäuser" genannt, späterer Name "Rosinendörfchen" wahrscheinlich irrtümlich aus dem Schriftzug "Roßindorff" in einer Landkarte von 1753 abgeleitet, 1821: urkundliche Erwähnung von "Rosinen Dörfgen"
Eschdorfer Kirche: neoromanischer Bau von 1886 südlich der Dorfmitte am Talhang, eine Kirche bestand hier vermutlich schon seit 1225, 1348: Erwähnung der Stiftung eines Barbara-Altars durch den Eschdorfer Grundherrn und den Pfarrer von Jockgrim (Alt-Stolpen) für diese Pfarrkirche, spätgotischer Chor (um 1524), Untergeschoss des Kirchturmes aus noch früherer Zeit, spätgotisches Stabwerk (1524) am Sakramentshäuschen am Turm, Triumphbogen zwischen Chor und Saal, Emporen an drei Seiten des Saales, kelchförmige Sandsteintaufe (1591), 1820: Bau des zweigeschossigen Pfarrhauses neben der Kirche mit massivem Erdgeschoss, verschaltem Fachwerk-Obergeschoss und Krüppelwalmdach, zur Kirchgemeinde gehörte auch Rossendorf
Untermühle zuletzt als Sägemühle betrieben, nach 1918 stillgelegt, Eschdorfer Obermühle: langgestrecktes zweigeschossiges Wohngebäude, zu diesem rechtwinklig angeordnetes Wirtschaftsgebäude mit Krüppelwalmdach, von Müller Traugott Bienert (erwarb später die Hofmühle in Plauen) erneuert, Ende des Backbetriebes um 1958, Eschdorfer Schmiede (Haus Nr. 73): Jahreszahl 1825 im bemalten hölzernen Schlussstein des Korbbogens am Schuppen, an der Straße das Seitengebäude mit der einstigen Wohnung des Schmiedegesellen und ein eingeschossiger Beschlagschuppen, im Hintergrund das Wohnhaus des Schmiedemeisters mit Hufeisen im Schlussstein der Haustür, zweiriegeliges Fachwerk am Obergeschoss und Krüppelwalmdach, Nebengebäude des großen Eschdorfer Vierseitgehöftes Nr. 84: kleines zweigeschossiges Fachwerkhaus, das letzte im Dorf erhalten gebliebene Umgebindehaus |
Schullwitz
Flur: nach Norden bis über den Querweg (Marktweg) hinweg und nach Süden bis zum Landrain (einstige Grenze zwischen den Ämtern Lohmen und Dresden) reichend 1378: urkundliche Ersterwähnung des Waldhufendorfes am Schullwitzbach als Schalewicz (vielleicht von altsorbisch scholtovici = Dorfschulze abgeleitet), 1465 als Schelewitz, 1717: Erwähnung als teilweise zum Rittergut Helfenberg gehörend |
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