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Kreuzkirche
Kreuzkirche, vom Altmarkt gesehen
Lage: Altmarkt / Ecke Kreuzstraße (nach der Neuanlage des Altmarktes nach dem Krieg in größerer Dimension stand die Kirche direkt an diesem Platz)
Bauzeit: Nikolaikirche: um 1170, heutiges Erscheinungsbild: 1897-1900 (Firma Schilling & Gräbner)
Merkmale: Neo-Barock mit klassizistischen und Jugendstil-Elementen, eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands (3.600 Plätze), 92 m hoher Kirchturm, Geläut mit fünf Glocken (1900 in der Apoldaer Glockengießerei Schilling gefertigt, mit 25,45 t zweitgrößtes deutsches Geläut nach dem des Kölner Domes)
Innenausstattung: sehr schlicht, vom Krieg gezeichnet, mit rußgeschwärztem Altarbild, dient als Mahnmal gegen den Krieg (die einst reiche Innenausstattung wurde beim Wiederaufbau nicht wieder hergestellt), Orgel (1963) der Dresdner Firma Jehmlich (gute Akustik des karg ausgestatteten Kirchenraumes), aus der früheren Kirche stammen: Relief (1900, Heinrich Epler) am Podest des Altars (erinnert an das erste lutherische Abendmal in der Kirche am 6. Juli 1539) und das Altargemälde "Kreuzigung" (1900, Anton Dietrich), der frühere Altar (1562, Hans Walther II) wurde in die Johanniskirche von Bad Schandau (Sächsische Schweiz) versetzt, aus der im Krieg zerstörten und nicht wieder aufgebauten Sophienkirche stammen das Bronzekruzifix und das Alabasterrelief (um 1600), Heinrich-Schütz-Kapelle (rechts vom Eingang): Schützrelief (von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger gestiftet) und Nagelkreuz (Versöhnungsgeschenk von 1986 der Kathedrale von Coventry, jene Stadt war 1940 von deutschen Flugzeugen zerstört worden)
Nutzung: Evangelische Hauptkirche Dresdens

www.dresdner-kreuzkirche.de

Südseite der Kreuzkirche Eingang an der Nordseite der Kreuzkirche
Bilder: Südseite der Kreuzkirche und Eingang an der Nordseite (rechts: Reliefs der Holztür), Sinnspruch über der Tür (umgeben von kunstvoller Bildhauerarbeit): "Mein Haus ist ein Bethaus"
Altar der Kreuzkirche mit dem Altargemälde Kreuzigung Luther-Relief im Altarraum der Kreuzkirche Skulptur Ecce homo in der Kreuzkirche
Bilder: Altar, Luther-Relief im Altarraum (rechts vom Altar) und Skulptur "Ecce homo" in der Kreuzkirche

Aus der Geschichte der Kreuzkirche
die deutsche Siedlung Dresdene lag im Schnittpunkt wichtiger Handelsrouten und war Wohnort zahlreicher Kaufleute, um 1170 (nicht lange nach der Gründung der Siedlung): Bau einer Markt- und Wegekirche (romanische Basilika) südöstlich des Stadtmarktes (des späteren Altmarktes), Nikolaikirche genannt (nach dem Heiligen Nikolaus, Schutzpatron der Händler und Schiffer), 1216: erste urkundliche Erwähnung, um 1235: Anbau der Kreuzkapelle (Capella sanctae crucis) als würdigen Aufbewahrungsort für die Kreuzreliquie (Splitter vom Kreuze Christi, von Constanze von Österreich - ab 1234 Gemahlin des Meißner Markgrafen Heinrich der Erlauchte - nach Dresden mitgebracht, ging in der Zeit der Reformation verloren), machte die Nikolaikirche zu einem bedeutenden Wallfahrtsziel, 1319: erste urkundliche Erwähnung der Kreuzkapelle, der Name übertrug sich um 1370 auf die ganze Kirche, die einstige Wegekirche der Kaufleute blieb unter der Verwaltung des Brückenamtes (stand durch die Brückenkasse in enger Beziehung zur Elbbrücke, Brückenkasse besonders auch von den Spenden der zahlreichen Wallfahrer gespeist), 1401/02: Bau eines reich gestalteten gotischen Chores mit Fünfachtelschluss, 1447-1449: Umbau der romanischen Basilika in eine dreischiffige gotische Hallenkirche durch Hans Kumoller und Sohn Matthes (Gestaltung unter dem Einfluss der Prager Parlerschule des 14. Jahrhunderts), die Westtürme und der Chor blieben unverändert, 15. Juni 1491: großer Stadtbrand, Zerstörung der gotischen Kirche, ab 1492: Wiederaufbau als spätgotische dreischiffige Hallenkirche mit zwei Türmen nach dem Typ der neuen Predigtkirche durch Conrad Pflüger und den Meißner Werkmeister Hans Reinhart (wahrscheinlich nach Plänen von Matthes Kumoller), Aufbau zuerst des Chores, 1497: Einwölbung des Langhauses, Herbst 1499: Weihe durch den Bischof von Meißen, nachfolgende Jahrzehnte: Fertigung der Innenausstattung (u.a. 1528/29 Holztafelbilder "Zehn Gebote" von Hans dem Maler, heute im Stadtmuseum), 1539: erster lutherischer Gottesdienst in Dresden in der Kreuzkirche unter Mitwirkung des Kreuzchores, 1579-1584: Bau des sehr mächtig wirkenden rechteckigen Westturmes der Kirche (prägte bis 1765 das Stadtbild), 1669: Gebäudebrand, umfassende Sanierung, 1760 (im Siebenjährigen Krieg): Zerstörung durch preußischen Kanonenbeschuss (wie vieler anderer Gebäude der Stadt), 1765: teilweiser Einsturz und schließlich Abbruch des Turmes, 1764-1792: Neubau der Kreuzkirche durch Johann Georg Schmid (Nachfolger des Architekten der Frauenkirche George Bähr) und Christian Friedrich Exner, 1781-1788: Bau des Kirchturmes durch Gottlob August Hölzer, 1893: Umgestaltung der Kreuzkirche, 1897: Brandzerstörung, 1897-1900: Wiederaufbau durch die Firma Schilling & Gräbner im Stil des Neobarock mit Anklängen an den Jugendstil, Februar 1945: Zerstörung durch die Bombenangriffe, 1946: Beginn des Wiederaufbaus, 13. Februar 1955: Weihe durch den Landesbischof unter Mitwirkung des Kreuzchores

Kreuzkirche im Jahr 1757 Turm der Kreuzkirche
Bilder: Kreuzkirche im Jahr 1757 (nach einem Gemälde von Canaletto, verändert) und heutiger Kirchturm

Kreuzschule, Kreuzchor
Die Kreuzkirche ist Heimstatt des Kreuzchores - eines der ältesten Knabenchöre der Welt (ursprünglich für den liturgischen Dienst in der im Jahr 1235 gebauten Kreuzkapelle gegründet). Die Ausbildung der Chorsänger und Ministranten fand in der Kreuzschule (Schola crucis) statt (erstmals 1300 urkundlich erwähnte Lateinschule, eine der ältesten Schulen Dresdens, um 1400 als Gelehrtenschule erwähnt).

Kreuzschule um 1900
Bild: neogotisches Gebäude der Kreuzschule um 1900 (nach einem alten Foto, schematisiert), bei den englisch-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut



www.kreuzchor.de

Im Kreuzchor sangen Knaben aus allen Schichten der Bevölkerung, aus adligen wie aus Tagelöhnerfamilien, zu Meßfeiern und Gottesdiensten. Der Kreuzchor begleitete auch den ersten evangelischen Gottesdienst von 1539 (Einzug der Reformation in Dresden). Zwischen 1719 und 1817 traten Kruzianer auch im Chor der Dresdner Oper auf.

Zu den besonderen Verdiensten des Kreuzchores gehört die Pflege des Schütz- und Bach-Werkes. Heinrich Schütz (Komponist der ersten deutschen Oper) führte viele seiner kirchenmusikalischen Werke in der Kreuzkirche auf.

Komponist Richard Wagner war von 1822 bis 1827 Schüler der Dresdner Kreuzschule (allerdings nicht Sänger im Chor).

Seit 1370 sind magister scholae und orgilmeister bekannt. Sebaldus Baumann (Lehrer der Kreuzschule) war von 1540 bis 1543 als erster Kreuzkantor tätig.

Zu den bekanntesten Kreuzkantoren gehören Ernst Julius Otto (von 1828 bis 1875), der seine Kruzianer erstmals auch weltliche Konzerte singen ließ, und Rudolf Mauersberger (von 1930 bis 1971, also 41 Jahre lang), der den Chor nach dem Krieg wiederbelebte und mit vielen Auslandsreisen dessen Weltruhm begründete.

Die Kreuzchorsänger Peter Schreier und Theo Adam wurden Opernsänger von Weltruf.

Heute hat der Chor etwa 80 Mitglieder. Man kann ihn sonnabends um 18.00 Uhr zur Kreuzchorvesper in der Kreuzkirche hören.


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