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| Stadt Pirna, Festung Sonnenstein |
 Bild: Stadt Pirna, von der Elbbrücke gesehen; rechts der Bildmitte die Stadtkirche St. Marien, über der Stadt die Festung Sonnenstein
Stadt Pirna
Lage: 20 km südöstlich (elbaufwärts) von Dresden an beiden Ufern der Elbe, auch "Tor zur Sächsischen Schweiz" genannt: hier beginnt elbaufwärts das malerische Elbsandsteingebirge
Name: abgeleitet vom slawischen Ausdruck Na Pernem ("auf dem harten Stein", bezieht sich auf den hier vorkommenden Sandstein)
Merkmale: denkmalgeschützte Altstadt mit bedeutender Renaissance- und Barock-Architektur (etwa 300 Baudenkmäler), insbesondere historische Hausfassaden, Arkadenhöfe, Erker, Giebel und Sandstein-Portale aus dem 15. und 16. Jahrhundert
www.pirna.de
www.pirna-online.de
www.pirna-altstadt.de
www.geschichte-pirna.de
www.ddr-museum-pirna.de
www.kamelienschloss.de (Schloss Zuschendorf bei Pirna) |
Aus der Geschichte von Pirna
um 1200: Gründung eines Handelsplatzes durch fränkische und thüringische Kaufleute an der Elbfurt unterhalb der auf dem Berg Sonnenstein stehenden Burganlage (die Elbfurt war Schnittpunkt bedeutender Handelswege zwischen Sachsen, Böhmen und der Lausitz, auch Lastkähne aus Hamburg und Magdeburg schlugen in Pirna ihre Waren für den Weitertransport nach Böhmen oder in die Lausitz um), um 1220: Entstehung einer Siedlung am linken Elbufer (im Bereich der heutigen Altstadt), 1233: erste Erwähnung der Siedlung in einer Urkunde des Bischofs von Meißen, 1291: erste Erwähnung als Stadt, 1294-1405: Zugehörigkeit zum Königreich Böhmen, Umbau des alten Burgwalls auf dem Sonnenstein in eine auch als Grenzburg gegen die Mark Meißen dienende böhmische Burganlage, Entwicklung zum wichtigsten Warenumschlags- und Handelsplatz an der Elbe zwischen Magdeburg und Leitmeritz (u.a. Handel von Häuten, Fellen und Leder aus der Lausitz und aus Böhmen sowie von landwirtschaftlichen Produkten, Wein, Salz und Getreide, wichtiger Tuchhandelsplatz für rheinische, flandrische und braunschweigische Stoffe) sowie zu einem bedeutenden Schiffbauort, Erlangung des Stapelrechts (die durchziehenden Kaufleute mussten ihre Waren in der Stadt drei Tage lang feilbieten, bevor sie weiterziehen durften), 1405: Wechsel zur Mark Meißen, 1429/30: erfolglose Belagerung durch die Hussiten, 1464: Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs von Pirna (wurde von der bis dahin weniger bedeutenden Stadt Dresden - nun Residenzstadt der Landesherren - überflügelt), 15. und 16. Jahrhundert: Bau einer mächtigen Festung auf dem Sonnenstein (diente zeitweise als sächsische Hauptfestung, 1675-1685 von Wolf Caspar von Klengel und 1735-1737 von Jean de Both noch wesentlich erweitert), 1639 (im Dreißigjährigen Krieg): Plünderung und Brandschatzung der Stadt durch die Schweden, Beschädigung der Stadtkirche durch Kanonenbeschuss, 18. Jahrhundert: Aufschwung des Sandsteinabbaus bei Pirna (v.a. für die zahlreichen barocken Großbauten in Dresden), 1837: Eröffnung der Elbe-Dampfschifffahrt, 1848: Bau der Eisenbahnstrecke nach Prag, zahlreiche Industrieansiedlungen, Zeit der DDR: Inbetriebnahme großer Industrieanlagen z.B. des Strömungsmaschinenbaus, der Kunstseidenherstellung und der Zellstoffproduktion |
Renaissance- und Barock-Bürgerhäuser

Bilder: historische Bürgerhäuser am Marktplatz und in dessen Umfeld (48 gelten als baugeschichtlich besonders wertvoll), viele davon mit Erkern und Portalen
Bilder 2. Reihe links: Engelserker (Haus Barbiergasse 10 von 1624), Teufelserker (Haus Obere Burgstr. 1 aus der Zeit um 1615, mit einer Teufelsfratze und dem Spruch "Ich wolds so haben, was fragsttu darnach")
Bilder 3. Reihe: Beispiele für die zahlreichen wertvollen Portale der Pirnaer Bürgerhäuser (z.B. auffälliges Sitznischenportal des Blechschmidthauses Niedere Burgstraße 1 von 1540, 1544 bis 1563 Wohnhaus von Baumeister Wolf Blechschmidt: Portrait über dem Portal - mittleres Bild)
Weitere bedeutende Bürgerhäuser: Haus Am Markt 3 (um 1500, Kielbogenportal, fünffacher Baldachin, Sitznischen), spätgotisches Handelshaus Am Markt 9 (Umbau 1673, Barockfassade, Wappen des Bürgermeisters Volkmer), Stadthaus Am Markt 12 (war 1472 bis 1686 Kurfürstlich-Sächsische Eisenkammer), Stadtapotheke zum Löwen (Löwenapotheke, 1578, ungewöhnliches Sitznischenportal), Marienhaus Am Markt 20 (1514, Marienfigur am zweiten Obergeschoss unter der Dachtraufe, war 1621/22 Kurfürstliche Landesmünze, 1813 Quartier von Kaiser Napoleon Bonaparte), Haus Schmiedestraße 19 (1465, Geburtshaus des berühmten Ablasshändlers Johannes Tetzel, dessen Wirken Martin Luther in Rage brachte)
Rathaus und Marktplatz

Bilder: Pirnaer Rathaus (1485, Umbau um 1550 durch Wolf Blechschmidt sowie 1581, letzte Erweiterungen 1878-1880, Turm und Kunstuhr 1910 erneuert), frei in der Mitte des Marktplatzes stehend, Elemente der Spätgotik im Erdgeschoss und solche der Renaissance am ersten Stock und am Giebel, Volutengiebel (1549), Kunstuhr und Stadtwappen (1612), barocker Turm (1718)
Bild oben links: "Canalettohaus" (1520, hohe Renaissance-Giebel, eines der ersten Renaissance-Häuser Sachsens, auf Canalettos berühmtem Gemälde "Der Marktplatz von Pirna" von 1754 in der Bildmitte zu sehen)
Stadtkirche St. Marien

Bilder: Stadtkirche St. Marien (Marienkirche, 1502-1513, dritter Kirchenbau an diesem Ort, Baumeister Peter Ulrich, 1513-1546 von Markus Ribisch und Wolf Blechschmidt fertiggestellt, 1546 als evangelische Stadtkirche geweiht nach dem Einzug der Reformation 1539 in Pirna, 1780, 1802 und 1890 renoviert und teilweise umgebaut, 1997-2005 umfassend saniert): eine der größten spätgotischen Hallenkirchen Sachsens, dreischiffige Kirche mit mehr als 19 m hohem Dach, zwölfeckiger Turm (1466-1479, barocke Haube aus späterer Zeit)

Bilder: Innenausstattung der Marienkirche: Netzgewölbe (Mittelschiff), Sterngewölbe (Seitenschiffe) und Fischblasengewölbe (Chor) auf zwölf achteckigen Säulen (ein Höhepunkt spätgotischer Gewölbekunst, Ausmalung von 1545/46 mit protestantischen Motiven), großartige Gewölbeverzierungen, im Chor (über dem Hochaltar) zwei Baumstammrippen, an denen die Figuren "Wilde Frau" und "Wilder Mann" emporklettern, im südlichen Seitenschiff eine vom Gewölbegrund gelöste ungewöhnliche Schleifen- und Hobelspanrippe, manieristischer Hauptaltar (1614, Pirnaer Sandstein, Pirnaer Bildhauer Michael und David Schwencke, 10 m hoch, eine der bedeutendsten Bildhauerarbeiten der deutschen Spät-Renaissance), figurengeschmückte spätgotische Kanzel (1516-1525), Taufstein (1561, prächtige Sockelverzierung, Aufsatz von 1890), Emporen (1570/71), Jahn-Orgel (1842), sehenswerte Epitaphien bzw. Grabdenkmäler in der Kirche und an ihrer Fassade
Klosteranlage

Bilder: Pirnaer Dominikanerkloster (1330-1360, 1539 nach der Reformation aufgelöst), Klosterkirche: gotische zweischiffige Hallenkirche mit dreijochigem Kapitelsaal (1945 beschädigt, bis 1956 als katholische Kirche St. Heinrich wieder aufgebaut), Sandstein-Taufbecken von 1574, Schnitzaltar von 1520, spätgotische Kreuzigungsgruppe, freigelegte mittelalterliche Wand- und Gewölbemalereien, 1993: Einrichtung des Stadtmuseums Pirna (unteres Bild: Museumseingang) im spätgotischen Kapitelsaalgebäude des ehemaligen Klosters
Festung Sonnenstein
Lage: auf dem Berg Sonnenstein östlich der Stadt Pirna
Bauzeit, Architekt: 1491: Neuaufbau einer schon 1269 erwähnten Burg (die aus einer alten slawischen Befestigungsanlage hervor ging), 1545-1548: Bau des Schlosses Sonnenstein durch Heinrich Caspar Voigt von Wierandt und Melchior Trost, 1570-1573: Festungsbau durch Rochus Guerini Graf zu Lynar und Hans Irmisch, 1675-1685: Erweiterung der Festung durch Wolf Caspar von Klengel, 1735-1737: Bau des Elbflügels durch Jean de Bodt und Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff
Merkmale: elbseitige Festungsanlagen (z.B. in der Höhe gestaffeltes Schanzen- und Ravelinsystem am Hornwerk) gut vom Canaletto-Weg (auch schöner Ausblick über das Elbtal) zu sehen: mächtiges Niederes Werk an der Nordwestecke der Festung (einst drei Geschosse, zwei untere Postengänge, darüber eine Batterie mit sieben Stückpforten), Mittleres Werk in der Mitte der Elbfront (drei Geschosse, unterer Postengang mit vier Sehschlitzen, zwei übereinander liegende Batterien mit Stückpforten), darüber (etwas zurückgesetzt) die schön gegliederte Fassade der Neuen Kaserne (Entwurf: Jean de Bodt, Architekt: Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff), Hohes Werk am Ostende der Elbfront (Architekt: Wolf Caspar von Klengel, unterer Postendurchgang, drei übereinander liegende Batteriegeschosse mit Stückpforten), moderner Gebäudeflügel auf den Grundmauern des von Wolf Caspar von Klengel errichteten Kommandantenhauses, Geschützluken (Stückpforten) der Festungsbatterien im Erdgeschoss; nur wenig erhaltene (spät-)mittelalterliche Bausubstanz (wegen vieler Umbauten): z.B. Alter Felsenkeller (im Bereich der Schlossgaststätte), Ausfall ("Klappe") im mächtigen Mauerwerk (Beginn einer zur Stadt Pirna führenden Abgangstreppe); nicht erhalten blieben die Erdaußenwerke, Holzbrücken und Gräben der West-, Süd- und Ostseite der Festung |

Bilder: oben: vom Canaletto-Weg gesehene Festungswerke, Mitte: Kirche und alte Gebäude (hier: "Malaria-Abteilung") der ehem. Pflegeanstalt, unten: saniertes Festungsgebäude und in dessen Keller die Gedenkstätte Sonnenstein: erinnert an die in den Jahren 1940/41 im Rahmen des Euthanasieprogrammes der Nationalsozialisten an diesem Ort (überwiegend durch Kohlenmonoxid-Gas) getöteten mehr als 13.000 behinderten Menschen
Aus der Geschichte der Festung Sonnenstein
slawische/sorbische Zeit (bis um 1000): Burgwall auf dem Berg Sonnenstein (Na Pernem, sorbisch: "auf dem harten Stein"), dann Bau einer deutschen Burganlage (Hus Perne), 1269: erste urkundliche Erwähnung der Burg, 1294-1405: Burganlage als böhmische Grenzburg gegen die Mark Meißen genutzt (das Gebiet um Pirna gehörte damals zum Königreich Böhmen, dann zur Mark Meißen), 1486-1489: Verfall der mittelalterlichen Burganlage durch Brand und Unwetter, 1491: Neuaufbau der Burg auf Weisung Herzog Albrechts, 1545-1548: Umbau in ein Schloss durch Baumeister Heinrich Caspar Voigt von Wierandt und Steinmetz Melchior Trost im Auftrag von Herzog Moritz (1547-1553 Kurfürst von Sachsen), 1570-1573: Bau einer mächtigen Festungsanlage mit Bastionen und drei starken Türmen durch Festungsbaumeister Rochus Guerini Graf zu Lynar und später durch Baumeister Hans Irmisch auf Weisung von Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586, nicht mit August dem Starken verwechseln!), Nutzung der Festung Sonnenstein als sächsische Hauptfestung, um 1588: Nutzung als Wohn- und Jagdschloss von Kurfürst Christian I. von Sachsen (reg. 1586-1591), 1604: Bau eines Lusthauses im Schlossgarten durch Baumeister Melchior Brenner im Auftrag von Kurfürst Christian II. von Sachsen (reg. 1591-1611), 1639 (im Dreißigjährigen Krieg): Zerstörung des Lusthauses und anderer Gebäude der Festung durch Artilleriebeschuss durch schwedische Truppen (diese konnten nur die Stadt, nicht aber die Festung erobern), bis 1644: Wiederaufbau der Wohnhäuser am Schlosshof und der Torbauten, Anlage eines neuen Brunnens auf dem inneren Festungshof, Bau eines Brauhauses, Erneuerung der Außenwerke und Brücken, 1668: Bau des "Neuen Werkes am Schlosse", 1672: Bau des mit Rasen bedeckten "Walles auf dem Schlosse", ab 1675: Umbau der Festungsanlage durch Wolf Caspar von Klengel (war auch Kommandant der Festung), Bau der mächtigen steinernen Außenwerke und des Kommandantenhauses im Westen des äußeren Hofes, 1735-1737: Bau des markanten Elbflügels durch Baumeister Jean de Bodt (seit 1639 hatten hier nur Ruinen gestanden), nach 1736: Bau der Neuen Kaserne, 1758 (im Siebenjährigen Krieg): Kapitulation der Festungsbesatzung vor den Preußen, später Sprengung großer Teile der Wehranlagen auf Befehl Marschall Dauns (Befehlshaber der österreichischen Truppen), nur die Bauten an der Elbfront und drei Bastionen der Nordseite blieben erhalten, nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763): ständige sächsische Garnison, später Wohnort von pensionierten Offizieren, einige Gebäude als Magazin genutzt, 1811: Einrichtung einer Heil- und Pflegeanstalt für geistig Behinderte durch den Arzt Ernst Gottlieb Pienitz (erste deutsche Heilanstalt dieser Art, in ganz Europa anerkannte Arbeits-, Musik- und Spieltherapie), 1813 (in der Zeit der Napoleonischen Kriege): von Kaiser Napoleon Bonaparte (dessen Verbündeter Sachsen war) in den Verteidigungszustand versetzt, erfolgreiche Abwehr von Angriffen der Alliierten durch die französische Besatzung, nach dem Abzug der Franzosen 1813 endete die militärische Nutzung der Festung endgültig, Nutzung als Pflegeeinrichtung für psychisch Kranke, zwischen 1860 und 1905 zahlreiche Um- und Neubauten der Pflegeanstalt, 1940/41: Tötung von 13.720 behinderten Menschen durch die Nationalsozialisten im Rahmen ihres Euthanasieprogrammes, seit der Zeit der DDR: Nutzung der Gebäude durch Behörden und Firmen, Gegenwart: umfassende Sanierung und Ergänzungsbebauung der Schlossanlage |
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