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Moritzburg
Schloss Moritzburg | Gemeinde, Wildgehege, Moritzburger Teichgebiet, Friedewald


Gemeinde Moritzburg
Moritzburg (200 m ü.d.M., ca. 2.100 Einwohner) ging aus der im 12. Jahrhundert entstandenen deutschen Siedlung Eisenberg hervor, die im Jahr 1675 das Marktrecht (die "Marktgerechtigkeit") und die Gerichtsbarkeit erhielt. Die erste urkundliche Erwähnung des Waldhufendorfes stammt aus dem Jahr 1305. Erst im Jahr 1934 erhielt der Ort den Namen von Schloss Moritzburg, der wiederum auf den Bauherrn des Schlosses Herzog Moritz (1521-1553, regierte von 1547 bis 1553 als Kurfürst von Sachsen) zurückgeht.

Adams Gasthof erhielt im Jahr 1675 das Schankrecht.

An der Allee zum Schloss stehen zwei Postdistanzsäulen von 1730.

In ihrem letzten Lebensjahr 1944/45 hielt sich die von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegte Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) - mit Unterstützung durch den kunstsinnigen Wettiner Prinzen Ernst Heinrich - in Moritzburg auf, wo sie am 22. April 1945 starb. Sie wurde zunächst auch in Moritzburg beigesetzt, dann aber nach Berlin überführt. In ihrem Sterbehaus, dem Moritzburger "Rüdenhof" (Meißner Str. 7), eröffnete im Jahr 1995 die Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte mit einer anspruchsvollen Dauerausstellung, in der unter anderem Originalgrafiken der Künstlerin und biografische Materialien zu sehen sind. Hinzu kommen wechselnde Sonderausstellungen und vielfältige Veranstaltungen im Haus und seinem Umfeld. An den Wochenenden lädt auch das Museums-Café "Strauss" zu einem Besuch ein.

Am Käthe-Kollwitz-Platz steht ein Gedenkstein für die Künstlerin mit einem von Etha Richter im Jahr 1957 nach einem Selbstbildnis der Kollwitz geschaffenen Medaillon.

Das im Jahr 1828 gegründete Sächsische Landesgestüt Moritzburg (Hengstdepot), dessen Hauptgebäude die im Jahr 1733 von Johann Christoph Knöffel errichtete ehemalige Stallung ist, zieht alljährlich am ersten bis dritten Sonntag im September mit der Moritzburger Hengstparade Pferdefreunde aus ganz Deutschland an. Zu den Pferdeleistungsschauen gehören Reit- und Fahrvorführungen sowie Dressur- und Springprüfungen. Abschluss und Höhepunkt der Parade ist die Fahrt eines von 16 Hengsten gezogenen Gespanns. In Moritzburg werden unter anderem "Oldenburger", in Deutschland sehr seltene schwere Warmblüter, gezüchtet.

Schmalspurbahn Lößnitzdackel
Die im Jahr 1884 gebaute Lößnitztalbahn - eine 16,5 km lange dampflokgetriebene Schmalspurbahn mit 750 mm Spurweite - besitzt in Moritzburg eine Haltestelle. Diese auch "Lößnitzdackel" genannte Traditionsbahn schnauft von Radebeul-Ost über die nach einem historischen Gasthof benannte Station Weißes Roß am Schlösschen Hoflößnitz vorbei durch den Lößnitzgrund zum Moritzburger Teichgebiet (auf dem Dippelsdorfer Damm nach Moritzburg) und von hier weiter nach Radeburg.

Verkehrsamt Moritzburg, Schlossallee 3b, 01468 Moritzburg, Tel. 85410, Fax -85420

www.moritzburg.de,   www.moritzburg.net

Wildgehege Moritzburg, Schlosspark, 01468 Moritzburg, Tel. 81488, 82220

Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte, Rüdenhof, Meißner Str. 7, 01468 Moritzburg, Tel. 82818,   www.kollwitz-moritzburg.de


Wildgehege
Im Waldpark befindet sich ein seit dem 16. Jahrhundert bestehendes 40 ha großes Wildgehege. Schon Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586, nicht mit August dem Starken verwechseln!) hatte hier ein Wildgatter anlegen lassen. Die Reste von Bruchsteinmauern aus der Zeit Augusts des Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733), der hier eine "Menagerie aller seltenen Arten von Hochwild" bauen ließ, dienen auch heute noch zur Abgrenzung der Gehege. Zum Kriegsende 1945 wurde die Anlage zerstört, aber bald darauf wieder hergestellt. Seit 1958 zeigt das Wildgehege wieder zahlreiche Tierarten unserer Wälder in naturnaher Haltung. In Kleingehegen befinden sich z.B. auch Marder, Füchse, Fasane und Beizvögel. Außerdem wird Muffel- und Damwild für die Auswilderung in sächsischen Wäldern gezüchtet.


Moritzburger Teich- und Waldgebiet
Das Moritzburger Teich- und Waldgebiet, eine herrliche Moor-, Teich-, Wiesen- und z.T. noch recht urwüchsige Waldlandschaft, ist durch einen kleinflächigen Wechsel von Kuppen und wannenförmigen Senken geprägt. Zwischen 1650 und 1750 wurden zahlreiche dieser Senken für die Anlage von Teichen für die Fischzucht, vor allem die Karpfenzucht, abgeriegelt. Auch schon am Ende des 15. Jahrhunderts hatte man einige Wasserstellen dieses Gebietes für die Fischzucht genutzt. Noch heute findet alljährlich Ende Oktober der mit Schaufischen, Fischverkauf und buntem Markttreiben verbundene Moritzburger Fischzug statt.

Im Landschaftsschutzgebiet Moritzburger Teich- und Waldgebiet sind artenreiche Pflanzengesellschaften wie Mischwälder, Bruchwälder und Uferwiesen zu finden. Es verfügt auch über eine vielfältige Vogelwelt mit mehr als 200 Sumpf-, Wasser-, Greif- und Singvogelarten. An den Teichen des Gebietes sind aber auch Erholungseinrichtungen wie Freibäder (sechs Naturbäder) und Campingplätze vorhanden.

Im Moritzburger Wald entdeckte ein Hobbyarchäologe im Oktober 1996 mit Hilfe eines Metalldetektors drei Kisten mit Teilen der verschollen geglaubten Hofsilberkammer der Wettiner, die Prinz Heinrich in den letzten Kriegswochen 1945 hier vergraben hatte (das Hoftafelsilber war nach dem Ende der Monarchie in Sachsen im Besitz der Wettiner verblieben). Das Tafelsilber und die ebenfalls in den Kisten gefundenen Kunstwerke des berühmten Hofjuweliers Dinglinger sollen künftig im Grünen Gewölbe (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) ausgestellt werden.


Friedewald
Das Moritzburger Teich- und Waldgebiet ist Teil des Friedewaldes. Im Jahr 1326 wurde dieser erstmals als Bannwald des Landesherrn erwähnt. Damals erstreckte er sich als ein dichter, stellenweise unpassierbarer sumpfiger Urwald von Meißen bis zur Dresdner Heide.

Schon in der Zeit um 1000 begann die Nutzung des Friedewaldes z.B. durch Bau- und Brennholzgewinnung, das Köhlergewerbe, die Eichel- und Bucheckernmast der Schweine und die Zeidelweide zur Gewinnung von Waldbienenhonig. Im 14. Jahrhundert erließ der Landesherr erste Gesetze gegen Raubbau und beauftrage Förster mit der Aufsicht über die Waldnutzung.

Im 16. Jahrhundert machte Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) den Friedewald zu einem kurfürstlichen Jagdgebiet. Die Hohe Jagd z.B. auf Rotwild, Damwild, Bär und Luchs war Vorrecht der Landesherren, die Niedere Jagd stand zumindest unter deren Kontrolle. Im Friedewald fanden Treibjagden mit Treibern und Standschützen sowie Parforcejagden (Hetzjagden) mit Hunden und Reitern statt. Hoch- und Raubwild wie Bären und Wölfe wurden außerdem in Fallen gefangen und in Zwingern für höfische Feste mit Tierhetzen und Tierkämpfen aufbewahrt. Besonders in der Zeit Augusts des Starken fanden auch große Beizjagden mit Greifvögeln statt. Seit dem 19. Jahrhundert beschränkt sich die Jagdnutzung auf die Treib- und Pirschjagd.



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