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Leipziger Vorstadt   Neudorf • Hechtviertel

Gründung von Neudorf (damals "Nawe Stadt" oder "Nawen Sorge" genannt): 1546; Eingemeindung nach Dresden: 1866, der östliche Teil der Neudorfer Flur wird ab 1875 Leipziger Vorstadt genannt - nach der hier am ehem. Leipziger Bahnhof beginnenden Leipziger Eisenbahnstrecke

Die aus der Siedlung Neudorf hervorgegangene Leipziger Vorstadt erstreckt sich zwischen der Stauffenbergallee im Norden, dem Bahndamm der Bautzener Bahnstrecke im Osten, der Elbe im Süden sowie der Erfurter Straße und den Kleingartenanlagen an der Hansastraße im Westen. Noch bis in das 18. Jahrhundert hinein gab es hier, im Nordwesten vor der Altendresdner Stadtfestung (der späteren Inneren Neustadt) eine nur wenig besiedelte weite offene Fläche mit Feldern der Altendresdner Ackerbürger.

Neudorf bis zur Eingemeindung im Jahr 1866

Die Siedlung Neudorf ("Nawe Stadt" oder "Nawen Sorge") entstand um 1546, in der Zeit des Aufbaus der benachbarten Altendresdner Stadtfestung. Sie bestand aus dicht gereihten schmalen Höfen, hinter denen sich ebenso schmale, aber lange Grundstücke erstreckten. Um 1550 gab es etwa 40 Kleinbauern im Ort.

Die 65 ha große Flur Neudorf reichte im Norden bis an den heutigen Pestalozziplatz und im Osten an die Häuser des Hechtviertels heran. In den heutigen Kleingartenanlagen dieses Gebietes sind noch einige Wegestücke der alten Viehtreibe vorhanden.

Ab 1550 besaßen die Neudorfer Einwohner das Altendresdner Bürgerrecht. Ihre Nachkommen verloren es dann wieder - bis auf einige Vergünstigungen wie z.B. die Zollfreiheit auf der Dresdner Elbbrücke. Sie durften vor allem keine städtischen Gewerbe betreiben. Neudorf bildete nun eine selbstständige Landgemeinde.

Die Mühlenordnung von 1661 gewährte der Neudorfer Schiffsmühle, die oberhalb der Erfurter Straße (am Ausgang des späteren Neustädter Elbhafens) stand, den Mahlzwang für Pieschen, Trachau und Mickten. Die Einwohner dieser Orte durften also nur in dieser Mühle mahlen lassen. Bei Hochwasser und Eisgang konnte das Mühlrad abgenommen, das Wellschiff an das Hausschiff herangezogen und die ganze Mühle in die Mühlweiche, einen kleinen Hafen, hineingezogen werden. Im Jahr 1874 wird diese Mühle letztmalig erwähnt.

Die Bezeichnung "Scheunenhofviertel" erinnert an die Scheunen der Altendresdner Ackerbürger. Nach dem großen Altendresdner Stadtbrand von 1685 konzentrierten sich diese Gebäude in den Scheunenhöfen nördlich der Lößnitzstraße. Wegen der Brandgefahr waren sie aus der Stadt verbannt und in der Nähe des alten Bischofsweges an der späteren Friedensstraße neu aufgebaut worden. Von diesen Bauten blieben einige wenige Reste erhalten.

Der Bischofsweg (heute Fritz-Reuter-Straße) gehörte einst zu dem das Dresdner Stadtgebiet nördlich umgehenden Fahrweg zwischen Meißen und Stolpen, auf dem die Meißner Bischöfe zur bischöflichen Burg Stolpen fuhren.

Die alte Radeburger Landstraße war eine wichtige Ausfallstraße Altendresdens. Von der Rähnitzgasse ausgehend führte sie entlang der Friedensstraße und der Bärnsdorfer Straße nach Norden. Weil sie beim Ausbau der Altendresdner Stadtfestung kein eigenes Tor erhielt, verlor sie jedoch bald an Bedeutung.

Die damals etwa 2.000 Einwohner zählende Vorstadt Neudorf erfuhr im Jahr 1866 ihre Eingemeindung nach Dresden. Ab 1875 nannte man ihren östlichen Teil Leipziger Vorstadt. Der westliche Teil gelangte zu Pieschen. Deshalb und weil das Gebiet von Eisenbahntrassen zerschnitten wurde, ging der Name der alten Gemeinde Neudorf verloren, während in den Namen vieler anderer Stadtteile Dresdens die alten Orts- oder Flurnamen fortleben.

An der Ostseite der Moritzburger Straße, in der Nähe der um 1805 geschaffenen Schulbauten an der Konkordienstraße, sind heute noch einige wenige alte Neudorfer Gebäude vom Anfang des 19. Jahrhunderts zu sehen.

Innerer Neustädter Friedhof

Bei der Anlage der Neustädter Hauptstraße als barocke Prachtstraße wurde die Dreikönigskirche auf das Gelände des alten Dreikönigskirchhofes umgesetzt. Als Ersatz für diesen wurde im Jahr 1732 an der Friedensstraße der Innere Neustädter Friedhof angelegt.

Auf dem Friedhof blieben zahlreiche bemerkenswerte barocke Grabmäler erhalten. Von 1733 bis 1980 war auch der Dresdner Totentanz, ein 1,20 m hohes und 12 m langes Sandsteinrelief aus der Zeit der Renaissance, hier zu finden (heute in der Dreikönigskirche).

Zu den bekannten Persönlichkeiten, die auf dem Inneren Neustädter Friedhof ruhen, gehören die Bildhauer Gottfried Knöffler (1715-1779) und Robert Diez (1844-1922) sowie Adam Zürner (1680-1742), der Landvermesser und Hofgeograph Augusts des Starken.

Hechtviertel (Oppellvorstadt)

In den Jahren 1836 und 1841 kaufte der Dresdner Polizeidirektor Hans Ludwig von Oppell ein etwa 23 ha großes Sandfeld zwischen der Buchenstraße und dem Alaunplatz. Dieses Gelände, das bis 1833 als Artillerieübungsplatz gedient hatte, wurde auch "Auf dem Hecht" genannt, weil hier ein Weg nach Hechts Weinberg in Trachenberge bzw. zum Gasthaus "Zum Blauen Hecht" entlang führte. Im Jahr 1842 erhielt Oppell die Baugenehmigung für Kleinhäuser in offener Bauweise. Die Abwasserschleusen waren erst im Jahr 1846 und das Straßenpflaster sowie die Steinfußwege gar erst im Jahr 1876 fertiggestellt.

Auf den unbebauten Flächen an der Königsbrücker, der Oppell- (heute Rudolf-Leonhard-Straße) und der Hechtstraße wurden damals große Gärtnereien betrieben. Das ganze Viertel nannte man Oppellvorstadt, später Hechtviertel.

Im Jahr 1872 stiftete Großkaufmann Johann Meyer (nach dem eine Straße in der Oppellvorstadt benannt ist) 100.000 Mark für den Bau von Arbeiterwohnhäusern. So entstanden hier nach 1875 auch hohe Mietshäuser in geschlossener Bauweise. Die Anzahl der Bewohner wuchs von 6.800 im Jahr 1875 auf etwa 13.200 im Jahr 1890. Um 1910 besaß dieses Arbeiterwohnviertel mit 672 Einwohnern pro Hektar die höchste Wohndichte Dresdens.

Die Oppellvorstadt erhielt im Jahr 1891 mit der St.-Pauli-Kirche ein eigenes Gotteshaus. (Seit Kriegsende 1945 besteht diese Kirche nur noch als Ruine.)

Ab 1881 verkehrte die "Gelbe Pferdebahn" mit Oberdeckwagen vom Postplatz bis zum Arsenal (Industriegelände). Durch sie erhielt auch die Oppellvorstadt eine Verkehrsanbindung an die Neustadt. Von 1901 bis 1945 fuhr die elektrische Straßenbahn auf der Hechtstraße bis zum St.-Pauli-Friedhof.

Die englischen und amerikanischen Bombenangriffe des Jahres 1945 richteten auch in der Leipziger Vorstadt große Schäden an und zerstörten Teile des Hechtviertels. Die später hier errichteten neuen Wohnbauten stehen im Kontrast zu den älteren, eng gebauten Wohnhäusern des einstigen Arbeiterviertels. Auf einigen Trümmerhalden legte man Grünanlagen an.

Entwicklung der Leipziger Vorstadt zum Industriebezirk

Im Jahr 1839 ging der Zugverkehr auf der ersten Eisenbahnfernverbindung Deutschlands zwischen Dresden und Leipzig in Betrieb. Um 1850 siedelten sich entlang der durch die nordwestlichen Vorstadtgebiete Dresdens führenden Bahnstrecke Industriebetriebe an und Arbeiterwohnhäuser wurden gebaut. Das Ortsgesetz von 1878 erklärte die Leipziger Vorstadt zum Industriebezirk. Schon bald darauf breitete sich zwischen der Leipziger Straße und der Bahnstrecke ein geschlossenes Industriegebiet aus. Auch der Dresdner Schlachthof hatte hier ab 1873 seinen Standort, bis im Jahr 1913 der neue Vieh- und Schlachthof im Großen Ostragehege in Betrieb ging.

Im Jahr 1854 gründete sich die Steingutfabrik Villeroy & Boch (in der Zeit der DDR als Sanitärporzellanwerk fortgeführt), deren Ringkammerbrennöfen von 1860, die man wegen ihrer Form auch Bienenkorböfen nennt, heute als technische Denkmale geschützt sind.

Die im Jahr 1866 am Eingang der Leipziger Straße gegründete Drogenappretur-Anstalt von Ludwig Gehe entwickelte sich zu einem bedeutenden pharmazeutischen Betrieb (in der Zeit der DDR als Arzneimittelwerk Dresden fortgeführt).

An der Großenhainer Straße entstand eine zweite Industriezeile. Die am Anfang der Straße gebaute Nähmaschinenfabrik von Clemens Müller war lange Zeit die bedeutendste Produktionsstätte ihrer Art in Deutschland (in der Zeit der DDR als Reglerwerk betrieben). Das dahinter an der Liststraße stehende Dampfhammerwerk wurde später aufgelassen, weil es den Anwohnern nicht mehr zuzumuten war.

An der Großenhainer und der Fritz-Reuter-Straße baute man große Wohnblöcke mit Eisenbahnerwohnungen. An der rechten Seite der Großenhainer Straße kamen später der Orgelbaubetrieb der Gebrüder Jehmlich ("Orgelbau Dresden") und ein pharmazeutisch-chemischer Betrieb hinzu.

Die am Großenhainer Platz stehende Petrikirche (Neudorfer Kirche) stammt aus dem Jahr 1888.

Wegen der Bahnanlagen, Eisenbahnwerkstätten und Industrieanlagen war die Gegend zwischen der Großenhainer Straße und der Görlitzer Eisenbahnstrecke schwer zugänglich. Sie blieb noch lange Zeit unbesiedelt. Am Bischofsweg (heute Fritz-Reuter-Straße) gab es Lagerbetriebe des Holzhandels und des Baugewerbes mit großem Flächenbedarf. Die Dresdner Gasversorgungsanstalt an der Lößnitzstraße war von 1865 bis 1926 in Betrieb. Nördlich des Bischofsweges wurde eine Sportanlage geschaffen, zu der nach dem Krieg ein Stadion und eine Radrennbahn hinzu kamen, außerdem eine Kleingartenkolonie. Die durch dieses Gebiet führende Kurve der Leipziger Bahnstrecke entstand um 1900 zusammen mit dem Neustädter Bahnhof (Bahnhof Dresden-Neustadt), der den im Jahr 1839 gebauten Leipziger Bahnhof und den im Jahr 1847 gebauten Schlesischen Bahnhof ablöste. Der Schlesische Bahnhof wurde abgebrochen. Die Anlagen des alten Leipziger Bahnhofes dienten nun als Güterbahnhof. Der nahebei an der Elbe gelegene Neustädter Hafen erhielt einen Gleisanschluss.

Am Elbufer der Leipziger Vorstadt entstand ein großes Sägewerk. Schon vorher hatte es hier große Holzplätze gegeben. Das Holz kam in großen Flößen aus Böhmen und dem Elbsandsteingebirge. Ein Gleisanschluss der Leipziger Bahnstrecke ermöglichte den Abtransport der Holzprodukte. Die am Alexander-Puschkin-Platz (früher Erfurter Platz) gebaute Villa des Sägewerkbesitzers blieb erhalten.

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