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Stadtteil Plauen

Urkundliche Ersterwähnung: 1206 als Plawen (altsorbisch: Dorf an der Flöße; plaviti = flößen), Eingemeindung nach Dresden: 1903

Die heute dicht bebaute 207 ha große Plauener Flur erstreckt sich zwischen dem Fluss Weißeritz im Westen und dem Ende des Plauenschen Ringes im Osten sowie zwischen der Bamberger Straße im Norden und der Kohlenstraße im Süden.

Altplauen, ein Sackgassendorf, gehörte bis zum Jahr 1329 zum Grundbesitz des Maternihospitals, dann trat das Klarissinnenkloster Seußlitz das Hospital mit den dazugehörigen Besitzungen an die Stadt Dresden ab. Damit lag die Gerichtsbarkeit nun beim Dresdner Rat. Von den Markierungssteinen (Weichbildsteinen), die der Dresdner Rat in Plauen setzen ließ, ist noch einer an der Kaitzer Straße, Ecke Bamberger Straße, zu finden.

Im Jahr 1541 wurde - nach Plänen des kurfürstlichen Festungsbaumeisters Caspar Voigt von Wierandt - eine Rohrwasserleitung ("Röhrfahrt") von Plauen bis zum Residenzschloss und zur Apotheke auf dem Altmarkt verlegt. Der alte Wasserfang ist noch heute im Garten der Mühlenwerke Plauen zu sehen. Bis 1755 entstanden insgesamt 25 Röhrfahrten nach Dresden. Sie waren bis 1888 in Betrieb.

Hofmühle
Bereits im Jahr 1366 wird eine Mahlmühle in Plauen erwähnt. Im Jahr 1568 kaufte Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586; nicht mit August dem Starken verwechseln!) die von den Dresdner Tuchmachern im Jahr 1541 unterhalb der Hofmühlenbrücke errichtete Walkmühle und ließ sie im Jahr 1571 in eine Mahlmühle mit 16 Mahlgängen umbauen. Die Mühle arbeitete nun für das von Kurfürst August gegründete Vorwerk (Kammergut) Ostra. An diese erste Hofmühle erinnert das kurfürstliche Doppelwappen an der Hofwand des heutigen Gebäudes. Das Wappenschild von 1570 nennt Zacharias Zimmermann als ersten Mühlmeister.

Der von Kurfürst August eingeführte Mahlzwang, der für die Auslastung der Hofmühle sorgte, wurde bis zum Jahr 1660 auf über 60 Dörfer - auch bis in das Radebeuler Gebiet hinein - ausgeweitet. Nach der Aufhebung des Mahlzwanges im Jahr 1841 verfiel die Hofmühle allmählich.

Der Eschdorfer Müller und Bäcker Traugott Bienert pachtete die Hofmühle im Jahr 1852 und sorgte für ihre umfassende technische Erneuerung. Im Jahr 1872 kaufte er dann diese inzwischen von Wasser- auf Dampfkraft umgestellte Mühle.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung vermögend geworden, schuf Traugott Bienert im Jahr 1874 eine Gasanstalt, im Jahr 1876 eine Wasserleitung und im Jahr 1883 eine Kinderbewahranstalt in Plauen. Seine Nachfolger erweiterten den Großbetrieb unter anderem durch den Neubau einer Mühle in der Dresdner Friedrichstadt am Elbhafen (Bienerts Hafenmühle, heute Städtische Mühle).

Die einst in Plauen und im Plauenschen Grund vor allem mit Birn- und Kirschbäumen angelegten Obstbaumalleen und Obstplantagen waren insbesondere in der Zeit der Baumblüte ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner. Die Anregung für den Obstbau im Gebiet Plauen und Gittersee soll im 16. Jahrhundert von dem in Gittersee wohnenden Pfarrer Martin Künzelmann gekommen sein.

Schriften aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges berichten, dass die Plauener Bauern im Jahr 1761 täglich 50 Fuhren Trümmerschutt aus der von der preußischen Artillerie stark zerstörten Dresdner Altstadt abfahren mussten. In Plauen, das zu dieser Zeit nur einige wenige Anwesen umfasste, fanden damals auch viele Dresdner, die ihre Wohnung verloren hatten, Quartier. Wegen der engen, unhygienischen Verhältnisse in den Notquartieren kam es zu zahlreichen Krankheits- und Todesfällen.

Die Chemnitzer Straße, die Hauptstraße nach Dresden, wurde im Jahr 1845 zur Chaussee ausgebaut. Am Ende der Nöthnitzer Straße stand ein Chausseehaus.

Die durch den Plauenschen Grund geführte Albertbahn ging im Jahr 1855 in Betrieb. Der Bahnhof Plauen befand sich damals oberhalb der Forsthausbrücke neben der Felsenkellerbrauerei. Seinen heutigen Standort erhielt er im Jahr 1925.

Das Plauener Rathaus entstand in den Jahren 1893/94 nach einem Entwurf der Architekten William Lossow und Hermann Viehweger im Stil der deutschen Neorenaissance.

Schon im Jahr 1296 wird eine erste Kapelle in Plauen erwähnt. Die an deren Standort, an der späteren Reckestraße, errichtete Kirche verbrannte im Jahr 1429 (im Hussitenkrieg) und wurde um 1466 wieder aufgebaut. Der Kirchturm blieb bis 1893 erhalten. Um 1902 bauten die Architekten William Lossow und Hermann Viehweger die alte Kirche zur Auferstehungskirche um. Sie vergrößerten den Kirchenbau ganz wesentlich und statteten ihn mit einem 49 m hohen Turm aus. Im Inneren des Neorenaissancebaus sind unter anderem die Holzdecken des Tonnengewölbes sehenswert.

www.auferstehungskirche-dresden.de

An der Westseite des Dorfplatzes von Altplauen stand ab 1902 der Müller-Brunnen. Die nach einem Entwurf von Robert Henze gestaltete Bronzefigur eines Müllerburschen wurde in der Dresdner Kunst- und Glockengießerei C. Albert Bierling gegossen. Heute steht die im Jahr 1986 restaurierte Brunnenanlage nicht weit entfernt am F.-C.-Weiskopfplatz. Bei der Bronzefigur handelt es sich um eine von Wilhelm Landgraf geschaffene Kopie des im Jahr 1943 eingeschmolzenen Originals.

Die Industrialisierung Plauens

Im 19. Jahrhundert entstanden in Plauen zahlreiche Betriebe, vor allem solche der Lebens- und Genussmittel-Industrie. Dazu gehören die Brauereien "Zum Felsenkeller" (1857) und "Zum Lagerkeller" (1872), zwei Schokoladenfabriken wie die Firma Petzold und Aulhorn (1843), die im Jahr 1897 den Reisewitzer Park dazukaufte, eine Waffelfabrik (1873), die Blechwarenfabrik Anton Reiche, die die ersten Schokoladenautomaten Deutschlands herstellte, eine Konservenfabrik und die Altstädter Dampfmolkerei (1907).

Infolge der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung Plauens von 1.200 Einwohner im Jahr 1863 auf 12.000 Einwohner im Jahr 1899. Ab 1872 bebaute die Aktiengesellschaft Dresden-Westend den Bereich Würzburger und Kaitzer Straße mit Wohnhäusern. Im Jahr 1898 begann der Wohnungsbau am Westende der Münchner Straße. Die Söhne des Großunternehmers Traugott Bienert gründeten im Jahr 1911 die Baugesellschaft Südwest.

Von 1884 bis 1890 wohnte der Sozialist August Bebel in Plauen. Nach dem Inkrafttreten des Sozialistengesetzes war er aus Leipzig ausgewiesen worden.

Im Villenviertel Hohenplauen entstand im Jahr 1891 der Westendpark (heute Fichtepark). Der im Jahr 1896 errichtete 25 m hohe Aussichtsturm bietet eine gute Fernsicht über das Elbtal bis hin zur Sächsischen Schweiz. Anlässlich des 200. Geburtstages des aus Rammenau stammenden Philosophen Johann Gottlieb Fichte wurde im Jahr 1962 das Fichte-Medaillon am Turm angebracht. Nicht weit entfernt, an der scharfen Kurve des Plauenschen Ringes, baute man im Jahr 1936 auf den Fundamenten einer älteren Anlage eine Aussichtsbastion.

Die Wohnviertel zwischen der Münchner und der Nöthnitzer Straße sowie in Hohenplauen stammen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Hier siedelten sich vor allem Vertreter der Mittel- und Oberschicht an.

Die Bombenangriffe im Februar 1945 richteten an den Fabriken und Wohnvierteln Plauens große Schäden an. Die Baulücken wurden nach dem Krieg mit Neubauten aufgefüllt. Neue Wohnviertel entstanden zwischen dem Plauenschen Ring und der Kohlenstraße im Bereich der Arltstraße.

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