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   Barockschloss Rammenau

Barockschloss Rammenau
Lage: 5 km nördlich von Bischofswerda, im Landschaftsschutzgebiet Westlausitz
Bauzeit: 1721-1737
Merkmale: schönstes Land-Barockschloss Sachsens, mit Wirtschaftshof und Schlosspark, zweigeschossiger Dreiflügelbau auf hufeisenförmigem Grundriss mit Mansardenwalmdach, klassizistische Fassade (durch Lisenen gegliedert, Mittelrisalit mit einem Dreiecksgiebel bekrönt), Schlossmuseum (Exponate zur Schloss- und Regionalgeschichte, Gedächtnisausstellung für den in Rammenau geborenen Philosophen Johann Gottlieb Fichte), Schloss-Restaurant mit historischer Ausgestaltung, Treppenhaus mit illusionistischer Architekturmalerei, Spiegelsaal (für öffentliche Musikveranstaltungen genutzt), Uhrensammlung, Goldenes Zimmer mit Portraits und Oberlausitzer Landschaftsmalereien, Chinesisches Zimmer mit bemalten Leinwandtapeten aus dem 18. Jahrhundert, Blauer Salon mit einer Sammlung Dresdner Porzellane, schwarzrot dekoriertes Teufelszimmer, mit Trophäen geschmücktes Jagdzimmer, Ausstattung der Räume mit Gemälden und Gegenständen aus Zinn, Glas und Meißner Porzellan, Schlosspark: englischer Park mit alten Bäumen, einem Teich sowie Sandsteinfiguren, Postamenten, Balustraden und Treppen, Fichte-Denkmal
www.rammenau.de       www.barockschloss-rammenau.com

Aus der Geschichte: um 1150: Gründung des Ortes Rammenau, 1717: Wechsel des Rittergutes Rammenau aus dem Besitz der verschuldeten Familie von Seydewitz in den von Ernst Ferdinand von Knoch (Kammerherr Augusts des Starken), 1721-1737: Umbau von Schloss und Garten in eine Barock-Anlage (möglicherweise nach einem Entwurf von Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel), finanzieller Ruin des Bauherrn (wurde aus dem Adelsstand geworfen, musste 1744 Rammenau verlassen), Ersteigerung des noch unfertigen Baus durch die Familie von Hoffmann, Fertigstellung der beiden Kavaliershäuser und der Innenausstattung des Schlosses, 1778: die Hoffmanns erlangten die Reichsgrafenwürde und nannten sich jetzt von Hoffmannsegg, 1788: Graf Johann Centurius Hoffmann von Hoffmannsegg (namhafter Botaniker und Entomologe, Herausgeber der "Flore Portugaise") erbte das Gut Rammenau, 1794: Verkauf an Friedrich von Kleist (preußischer Rittmeister, Schwager des Vorbesitzers), Ausstattung mehrerer Räume im Stil des Klassizismus, Umgestaltung des Barockgartens in einen englischen Landschaftspark, 1820: Rückkauf durch Johann Centurius Graf von Hoffmannsegg, 1879: Verkauf durch die Familie von Hoffmannsegg an Hans Curt Christoph Ernst von Posern (Kammerherr, Klostervogt des Klosters Marienstern), 1914: Margarete Gisela Gabriele Alexandra von Helldorff (geb. von Posern) erbte das Schloss von ihrer Mutter, das Schloss diente im Ersten Weltkrieg auch als Lazarett, 1945: im Zuge der Bodenreform enteignet und in Volkseigentum überführt, ab 1951: Schule und Sommer-Atelier der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, 1962: Eröffnung der Fichte-Ausstellung, 1967: Einrichtung des Geschichtsmuseums, 1968: Eröffnung des Schlossrestaurants, ab 1993: Staatlicher Schlossbetrieb des Freistaates Sachsen, umfassend restauriert


Johann Gottlieb Fichte
Johann Gottlieb Fichte
Der in Rammenau geborene Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war ein bedeutender Vertreter der klassischen deutschen Philosophie. Er begründete eine Wissenschaftslehre, die dem praktischen Handeln Vorrang vor dem bloßen Denken einräumt. In der Zeit der napoleonischen Besatzung trat er als engagierter Patriot auf ("Reden an die deutsche Nation").


Bild: Johann Gottlieb Fichte (nach einer Radierung von Karl Bauer)
Die Philosophie Fichtes zeichnet sich durch eine enge Beziehung zu politisch-gesellschaftlichen Vorgängen aus. Freiheit und Vernunft wertet sie höher als etablierte gesellschaftliche Strukturen und Traditionen. Fichte schwebte eine sittliche Gemeinschaft aller Menschen auf der Grundlage von Freiheit und Gleichheit vor. Die materiellen Grundlagen sollten ausschließlich auf eigener Arbeit, nicht auf Aneignung fremder Arbeit, also Ausbeutung beruhen. Er glaubte an die Befähigung des vernünftigen Menschen zur aktiven Selbstgestaltung und Selbstveränderung. Wissen und Freiheit waren für ihn identisch. Seine Vorstellungen von der Bestimmung des vernünftigen Menschen als "Weltenlenker" brachten Fichte in Konflikt mit der stark religiös geprägten Weltanschauung seiner Zeit.


Lebenslauf
Der in sehr ärmlichen Verhältnissen geborene Bandwebersohn Fichte kam dank der Unterstützung durch den Rammenauer Gutsherrn in den Genuss einer besseren Schulbildung. Nach der Stadtschule Meißen besuchte er von 1774 bis 1780 die Fürstenschule in Schulpforta. In Jena und Leipzig studierte er Theologie. Wegen großer finanzieller Not musste er das Studium dann aber abbrechen und seinen Lebensunterhalt zwölf Jahre lang als Hauslehrer an verschiedenen Orten Deutschlands verdienen. Hierbei lernte er die sozialen Probleme im Lande kennen, was seine Philosophie dann sehr prägte. Seine Schrift "Versuch einer Kritik aller Offenbarung", die er im Jahr 1791 dem Philosophen Kant in Königsberg vorlegte, begründete seinen Ruhm als Philosoph.

Im Jahr 1793 bekannte er sich in zwei Schriften zur französischen Revolution. Im Jahr 1794 erhielt Fichte eine Professur für Philosophie an der Universität Jena. Hier arbeitete er insbesondere seine neue Wissenschaftslehre aus, in der er die Prinzipien für einen humanistischen, fortschrittlichen Wissenschaftsbetrieb aufstellte. Weil er in seinen Schriften atheistische Standpunkte vertrat und die Gottesidee mit einer moralischen Weltordnung identifizierte, wurde er auf Betreiben der sehr konservativen kursächsischen Regierung aus dem Lehramt entlassen. Bis 1805 arbeitete er in Berlin als Privatgelehrter, dann erhielt er eine Professur in Erlangen.

Im Jahr 1806 floh Fichte vor der heranrückenden napoleonischen Armee nach Königsberg, wo er seine berühmten "Reden an die deutsche Nation" verfasste. Im Jahr 1807 veröffentlichte er sie mutig in der von französischen Truppen besetzten Stadt Berlin. An der Berliner Universität erhielt er im Jahr 1809 eine Professur für Philosophie. Ab 1811 hatte er das Amt des ersten gewählten Rektors der Universität inne. Energisch schritt er gegen die Unsitten der studentischen Burschenschaften ein.

Johann Gottlieb Fichte starb im Jahr 1814 an Typhus. In den Wirren der Befreiungskriege von 1813 hatte er sich durch seine Frau, die im Lazarett arbeitete, mit dieser Krankheit angesteckt.



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