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August der Starke, Barockstadt Dresden (1694-1733)
Architektur | Neue Königsstadt | Hoffeste,Porzellan,Glaskunst...


Hoffeste Augusts des Starken
Unter August dem Starken erlebte Dresden jährlich etwa 60 Tage höfische Feste. Sie wurden als die glanzvollsten ihrer Zeit gerühmt. Dafür und für die Kunstsammlungen brauchte der Kurfürst und König einen großen Teil der Staatsfinanzen auf. Viele der kostbaren Stücke in den heutigen Staatlichen Kunstsammlungen waren damals von bedeutenden Künstlern und Handwerkern speziell für diese Festlichkeiten des Hofes angefertigt worden. August der Starke meinte jedoch, dass jeder für Handwerk, Architektur und Kunst ausgegebene Taler dreifach zurückkäme und allemal besser als für Kriegsausgaben angelegt sei.

Schon im Jahr 1694 fanden anlässlich des Regierungsantritts des Kurfürsten wochenlange Feste und Maskeraden statt. Auch im Jahr 1709 erlebte Dresden während des Besuches des dänischen Königs Christian langandauernde Festlichkeiten.

Die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha im September 1719 (die eigentliche Vermählung hatte schon im August in Wien stattgefunden) wurde vier Wochen lang gefeiert und kostete etwa 4 Millionen Taler. Ansonsten waren für Feste jährlich 25.000 Taler im Staatshaushalt vorgesehen (zum Vergleich: das Jahresgehalt des großen Barockbaumeisters Pöppelmann betrug etwa 1200 Taler, das eines Hofhandwerkers etwa 25 Taler).

Für die Hochzeitsfeierlichkeiten mussten die Barockbaumeister unter anderem den Zwinger, Pöppelmanns Opernhaus (damals der größte deutsche Theaterbau) und den Riesensaal im Residenzschloss eilig fertigstellen.

Die östlich der Stadt am Elbufer gelegene Vogelwiese war mit türkischen Zelten dekoriert. Die Braut kam mit ihrem Gefolge auf der Elbe in Prunkgondeln von Pirna her gefahren und wurde dann mit einem Festumzug zum Schloss geleitet, wo ein Festgelage und später prunkvolle Bälle stattfanden. In der Stadt gab es Maskeraden, Umzüge, Feuerwerke, Wasserjagden mit Prachtschiffen auf der Elbe und ein Merkurfest (Messe und Jahrmarkt). Die Besucher flanierten in Kostümen durch die Stadt. Das berühmte Saturnusfest ging mit einem Festumzug der Bergarbeiter und einem üppigen Festbankett einher. August der Starke ließ ein teures Buch mit Kupferstichen von diesem Fest anfertigen.

Ein herausragendes musikalisches Ereignis während der Hochzeit des Kurprinzen war die Freiluftaufführung der Operette "Vier Jahreszeiten" im Königlichen Garten, zu der auch Georg Friedrich Händel aus London angereist war - sicher auch, um Pöppelmanns neues Opernhaus am Zwinger, das größte und prunkvollste seiner Zeit, zu sehen.

Die Hochzeit des Kurprinzen mit der Kaisertochter (die großen politischen Perspektiven, die sich mit dieser Heirat für Sachsen auftaten, erfüllten sich später nicht) fand übrigens in einem Hungerjahr statt, in dem das Volk unter einer großen Teuerung zu leiden hatte und besonders viele Bettler und Straßenräuber durch Sachsen zogen.


Meissener Porzellan
Die Herstellung des europäischen weißen Hartporzellans nahm in Dresden - in den Gewölben der Jungfernbastion - ihren Anfang. Dort gelang es Johann Friedrich Böttger (1682-1719) und dem Mathematiker und Physiker Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der sich bereits durch die Glasherstellung und die Fertigung von optischen Linsen und Brennspiegeln ausgezeichnet hatte, unter Mitarbeit Freiberger Hüttenleute zwischen 1705 und 1708 eine Rezeptur und ein Herstellungsverfahren für weißes Hartporzellan zu entwickeln.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
Bild: Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der Erfinder des europäischen weißen Hart-Porzellans (nach einem Gemälde von Martin Bernigeroth, um 1710)
Die Entdeckung des weißen Porzellans gab August der Starke in einem Königlichen Dekret von 1710 bekannt. Im selben Jahr gründete er die Porzellan-Manufaktur in Dresden, ließ sie dann aber sofort nach Meißen auf die Albrechtsburg verlegen, wo ihm das Geheimnis der Herstellung besser gewahrt schien. Seitdem spricht man vom Meissener Porzellan. Die Direktion der Manufaktur blieb zunächst in Dresden und hier waren auch noch lange die Porzellankünstler tätig.

Im Jahr 1713 wurde Meissener Porzellan erstmals auf der Leipziger Ostermesse verkauft.

Goldschmied Johann Jakob Irminger lieferte die Vorlagen für die Gestaltung der ersten Porzellanstücke. Johann Joachim Kändler bestimmte den plastischen und Johann Gregorius Höroldt den zeichnerischen Stil der nun anlaufenden Porzellanherstellung. Vor allem durch die Arbeit dieser beiden genialen Künstler erlangte das sächsische Porzellan schnell in ganz Europa Berühmtheit.


Glas und Dresdner Fayencen
An der Weißeritz nahe der Neustadt Ostra (der späteren Friedrichstadt) ging im Jahr 1699 die technisch gut ausgerüstete "ohnweit Ostra" genannte Königliche Glashütte ("Königlich-Polnische Kurfürstlich-Sächsische Glasfabrique") unter der Leitung von Ehrenfried Walter von Tschirnhaus in Betrieb. Sie belieferte vor allem den Hof. Mit einem achtprozentigen Bleizusatz erzielte man hier ein besonders klares, brillantes Glas, aus dem künstlerisch wertvolle Stücke wie Deckelpokale, Glaskelche und Schmuckflaschen hergestellt wurden, aber auch zwei Riesenpokale, von denen einer über 2 m groß war.

Im Nordischen Krieg zerstörten die Schweden die Anlage und im Jahr 1712 ging ein verheerendes Weißeritz-Hochwasser über sie hinweg. Um 1760, im Siebenjährigen Krieg, endete die Produktion dann endgültig.

Nahebei befand sich die ebenfalls von Tschirnhaus gegründete Edelsteinschleif- und ­poliermühle, die bald darauf als Dresdner Spiegelschleife arbeitete (sie brannte im Jahr 1813 ab).

Auf Betreiben von Ehrenfried Walter von Tschirnhaus entstand um 1708 in der Neustadt eine Fayence-Manufaktur, die vor allem den Sächsischen Hof mit den berühmten Dresdner Fayencen belieferte. Im Jahr 1784 wurde sie geschlossen.


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