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Historisches Museum (Rüstkammer) ( Beispiele )
Die kurfürstliche Rüst- und Harnischkammer ![]() Albrecht der Beherzte, der bei der Leipziger Teilung des wettinischen Besitzes im Jahr 1485 ein selbstständiges Herzogtum mit Dresden als Residenzstadt erhalten hatte, gründete eine Herzogliche Harnischkammer im Residenzschloss, aus der später die Kurfürstliche Rüst- und Harnischkammer hervorging. Diese diente der Verwahrung der Leib-, Turnier- und Prunkwaffen des Hofes und der zugehörigen Ausrüstungen. Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) setzte erstmals einen Verwalter für die Rüst- und Harnischkammer ein. Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586, nicht mit August dem Starken verwechseln!) begann dann mit einer planmäßigen Sammlung von wertvollen Waffen und Gerätschaften wie Degen, Harnischen, Helmen, Schilden, Pistolen, Gewehren, Pulverflaschen, Armbrüsten und Gewändern. Schon damals präsentierte man einige Rüstungen und Waffen auf geschnitzten Holzpferden, wie dies bei ausgewählten Prunkstücken noch heute der Fall ist. Die finanziellen Mittel, die Kurfürst August reichlich für den Ankauf von Waffen und Rüstungen ausgab, stammten aus dem erzgebirgischen Silberbergbau, der Kloster- und Kirchenauflösung nach der Reformation, aber auch aus dem Handwerk, dem Handel und der Landwirtschaft Sachsens, die damals in Blüte standen. Andere Sammlungsstücke kamen als Geschenke von Fürsten und Diplomaten an den Hof. Außerdem waren zahlreiche Plattner, Rüstmeister, Rüstknechte, Büchsenmeister, Gold- und Messerschmiede sowie Schäfter und Riemer für den sächsischen Hof tätig. So kam es, dass die Dresdner Rüst- und Harnischkammer am Ende des 16. Jahrhunderts mit der kaiserlichen Rüstkammer in Wien ebenbürtig war. Unter Kurfürst Moritz fungierte Oberlandbaumeister Hans von Dehn-Rotfelser auch als Oberrüstmeister, dann übernahm Caspar Voigt von Wierand dieses Amt. Im zur Seite standen zwei Rüstmeister, zwei Plattner, ein Sattler und ein Seidensticker.![]() Kurfürst August vereinigte die Rüst- und Harnischkammer und die Jagdkammer zur Kurfürstlichen Rüstkammer. Neben Kampfausrüstungen enthielt diese nun auch Ausrüstungen für Spiel, Jagd, Mode und Repräsentation. Anders als bei den Beständen des Zeughauses der sächsischen Armee handelte es sich um künstlerisch und handwerklich wertvolle Waffen und Gerätschaften. Im Jahr 1568 unternahmen Heinrich von Schönberg und Valerius Cracau eine erste Bestandsaufnahme der Rüstkammer. Oberzeugmeister und Baumeister Paul Buchner führte in den Jahren 1576 bis 1584 ergänzende Inventuren durch. Im Jahr 1606 lag ein neues Gesamtinventar mit etwa 1.500 handschriftlichen Seiten vor, das erst im Jahr 1836 durch ein neues Gesamtverzeichnis (des bis dahin stark geschrumpften Bestandes) abgelöst wurde. Letzteres war dann bis zur Bestandsaufnahme von 1960 bis 1963 gültig. Paul Buchner, der in Nürnberg geboren war und in London und Brüssel das Bauwesen erlernt hatte, errichtete im Auftrag von Kurfürst Christian I. von Sachsen zwischen 1586 und 1590 das Stallgebäude (später Johanneum) am Jüdenhof. Hier - direkt neben dem Stallhof mit der Turnierbahn - wurde außer den Pferden und Kutschen des Kurfürsten auch die Kurfürstliche Rüstkammer untergebracht. Sie blieb dort bis 1721, dann zog die Gemäldegalerie in das hierfür umgebaute Stallgebäude ein. Der Bestand der Rüstkammer nahm unter den Kurfürsten Christian I. und Christian II. stark zu. Sie erwarben wertvolle Stücke von namhaften Waffenschmieden wie dem Plattner Anton Pfeffenhauser aus Augsburg, den Messerschmieden und Eisenschneidern Othmar Wetter und Daniel Sadeler aus München sowie von italienischen, französischen und spanischen Meistern, aber auch von sächsischen Waffenschmieden, die den anderen europäischen Kunsthandwerkern nicht nachstanden. Zu dieser Zeit sah man Waffen nicht mehr wie bis dahin nur als Gebrauchsgegenstände, sondern immer mehr auch als Repräsentationsmittel, was sich in einem üppigen Dekor widerspiegelte. Eines der interessantesten Exponate ist der im Jahr 1606 von Kurfürst Christian II. von Sachsen erworbene Prunkharnisch für Mann und Ross von 1562/64. Auch das sächsische Kurschwert von 1425, mit dem Friedrich I. (der Streitbare) von Kaiser Sigismund mit der Kurwürde belehnt wurde, gehören zur Sammlung, ebenso das Kurschwert von Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553), der Dresden zur kurfürstlichen Residenz machte.![]() In der Zeit der sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. (reg. 1611-1656) bis Johann Georg IV. (reg. 1691-1694) kamen nur noch wenige neue Stücke hinzu. Der leidenschaftliche Jäger Johann Georg I. von Sachsen erwarb vor allem Jagdwaffen und -geräte, Johann Georg III. von Sachsen (reg. 1680-1691) auch orientalische Waffen, die er als Kriegsbeute von der Schlacht mit den Türken vor Wien im Jahr 1683 mitgebracht hatte. Abnehmendes Interesse an der Rüstkammer nach 1694 Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke; zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) und seine Nachfolger zeigten infolge ihres verfeinerten Kunstgeschmacks, der nun stärker auf Pretiosen, Münzen, Porzellane und Gemälde ausgerichtet war, kaum noch Interesse an der Rüstkammer. Allerdings ließ August der Starke nach dem Vorbild Ludwig XIV. eine Gewehrgalerie, d.h. eine Feuerwaffensammlung im Langen Gang des Stallhofes einrichten. Durch zahlreiche Neuerwerbungen wuchs sie zu einer der reichsten Feuerwaffensammlungen Europas heran. Noch heute bilden die etwa 3.000 Feuerwaffen die größte Abteilung der Rüstkammer. ![]() Bedeutende aus der Zeit Augusts des Starken stammende Sammlungsobjekte sind der Felddegen von Zar Peter I. von Rußland und das Krönungsornat, das August der Starke bei seiner Krönung als König August II. von Polen im Jahr 1697 trug. Letzteres wurde im Jahr 1997 anlässlich der 300-Jahr-Feier der Bildung der sächsisch-polnischen Union restauriert. Mit Ausnahme der Gewehrgalerie war die Rüstkammer von 1721, als sie das Stallgebäude zugunsten der Gemäldegalerie räumen musste, bis 1832 in unzulänglichen Räumen untergebracht, was bei vielen Sammlungsstücken zu Schäden führte. Das Historische Museum ab 1831 Im Jahr 1831 gelangte die Rüstkammer unter staatliche Verwaltung und hieß nun "Königliches Historisches Museum". Im Jahr 1832 zog sie in den Zwinger ein. Zur Finanzierung dieses Umzuges verkaufte man zahlreiche Objekte der Sammlung, was den Bestand der Rüstkammer deutlich schrumpfen ließ. Im Jahr 1834 erschien der Museumsführer "Andeutungen für Beschauer des Historischen Museums" von Quandt, im Jahr 1850 "Der Führer durch das Historische Museum zu Dresden" von Frenzel und im Jahr 1873 der "Führer durch das Königliche Historische Museum im Zwingergebäude zu Dresden". Nachdem die Gemäldegalerie im Jahr 1855 aus dem Stallgebäude in die gerade fertiggestellte Sempergalerie umgezogen war, erfuhr das Stallgebäude bis 1876 den Umbau zum Johanneum. Hier fand die Rüstkammer, die schon bis 1721 an diesem Ort eingerichtet war, ab 1877 eine würdige Unterkunft. Bis in die 1920er Jahre hinein verlor die Rüstkammer weitere Objekte durch Verkauf. Im Zweiten Weltkrieg war das Inventar des Historischen Museums auf der Festung Königstein und in mehreren sächsischen Schlössern ausgelagert. Kurz nach Kriegsende brachte es die Sowjetarmee nach Leningrad. Im Jahr 1958 gab die sowjetische Regierung die Sammlung an Dresden zurück. Ein Jahr später eröffnete eine erste Ausstellung im Ostflügel der Sempergalerie, wo das Museum dann einen ständigen Platz fand. ![]() Wegen der sehr begrenzten Räumlichkeiten konnten in der Sempergalerie nur etwa 5% des Bestandes gezeigt werden. Die übrigen ca. 10.000 Objekte lagerten in Magazinen und wurden lediglich für wissenschaftliche Arbeiten oder Sonderausstellungen entnommen. Sobald auch der Ostflügel des wiederaufgebauten Residenzschlosses fertiggestellt ist, wird die Rüstkammer dorthin umziehen und dann wesentlich mehr Platz für die Präsentation der Sammlung finden. Leider kehrt die Rüstkammer nicht in das Johanneum, das ehemalige Stallgebäude, zurück, wo sie - direkt am Stallhof mit der Turnierbahn - sowohl historisch als auch sachlich sehr gut platziert wäre. Beispiele nach oben |