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Palais im Großen Garten
Palais im Großen Garten, Ostseite
Lage: Zentrum des Großen Gartens (wo sich Haupt- und Querallee kreuzen)
Bauzeit: 1678-1683 (zusammen mit der ersten Gartenanlage)
Architekt: Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke
Merkmale: Erster Barockbau Dresdens in einem eigentümlichen deutschen Barockstil (strenger als der klassische Barockstil): betonte horizontale und vertikale Gliederung, vorgezogene Seitenflügel (H-förmiger Grundriss), herausgehobener Mittelrisalit, zwei doppelläufige Freitreppen (in die von den beiden Seitenflügeln gebildeten Höfe eingefügt), Dreiecksgiebel, große Segmentgiebel, sehr streng geordneter, aber üppiger Schmuck mit Vollplastiken, Ornamentplastiken, Girlanden, Gehängen, Friesen, Reliefplatten, Pilasterkapitellen und Vasen
Nutzung: Sommerveranstaltungs- und Ausstellungsgebäude, ursprünglich: fürstliches Gartenhaus (Sommerhaus)



www.palais-grosser-garten.de    www.offenes-palais.de    www.schloesser-dresden.de

Palais im Großen Garten - Ostseite
Palais im Großen Garten - Westseite
Bilder: Palais im Großen Garten - Ostseite (oben) und Westseite (links)
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), in welchem bedeutendere Baumaßnahmen außerhalb der schützenden Stadtmauern nicht angeraten waren, strebten Dresdner Adlige und wohlhabende Bürger nun in das Stadtumland. Viele Gärten und Landhäuser entstanden. Zu den ersten bedeutenden Bauwerken vor den Stadtmauern gehörte das am Kaitzbach auf Höhe der späteren Zinzendorfstraße im Jahr 1652 gebaute Lusthaus im Rechenbergischen Garten. Es zeigte sich noch im manieristischen Stil der Vorkriegszeit und besaß - einem alten Kupferstich zufolge - ein geöffnetes, laubenähnliches Untergeschoss, drei Zwerchgiebel und seitliche Türme mit welschen Hauben. Zwischen 1668 und 1672 errichtete Johann Georg Starcke das Lusthaus im Italienischen (später Türkischen) Garten, das bereits barocke Baumerkmale aufwies, bevor er dann mit einem seiner Hauptwerke, dem Palais im Großen Garten, beauftragt wurde.

Nordostflügel des Palais im Großen Garten
Schon kurz nach dem im Jahr 1676 beginnenden Ankauf von Grundstücken für den Großen Garten errichtete Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke zwischen 1678 und 1683, in der Regierungszeit von Kurfürst Johann Georg II. (reg. 1656-1680), aber im Auftrag des Kurprinzen und späteren Kurfürsten Johann Georg III. (reg. 1680-1691), im Zentrum dieses Barockgartens ein Palais - eines der frühesten Barockbauwerke Dresdens und Kursachsens. Dieses Sommerhaus diente den ländlichen Vergnügungen des Hofes, hatte also keine Wohnfunktion.


Bilder: Nordostflügel und Mittelrisalit der Ostseite
Mittelrisalit der Ostseite des Palais im Großen Garten
Das im Schnittpunkt der zwei Hauptalleen des Großen Gartens stehende Palais zeigt sowohl Stilelemente eines Lusthauses als auch die eines französischen Schlosses. Sein eigentümlicher Baustil ist vom französischen Schloss-Stil des 17. Jahrhunderts, der sich durch recht zarte flächige Formen auszeichnet, sowie von der Palast-Architektur Genuas beeinflusst. Dennoch handelt es sich um einen selbstständigen frühen deutschen Barockstil mit kräftiger, kontrastreicher Gliederung und üppigem Fassadenschmuck, wie er um 1680 in Deutschland recht häufig, außerhalb Deutschlands dagegen kaum anzutreffen war.

An der Fassadengestaltung waren Marcus Conrad Dietze, George Heermann, Abraham Conrad Buchau sowie die Brüder Jeremias Süssner und Conrad Max Süssner beteiligt. Auffällig sind die überlebensgroßen Sandstein-Vollfiguren in den Fassadennischen und die zahlreichen Sandsteinbüsten. Die vier Statuen des Parisurteils an der Erdgeschossfront und die beiden Portalmasken könnten von George Heermann stammen, die Büsten der zwölf Cäsaren und der vier Kaiserinnen aus der Werkstatt von Jeremias Süssner. Conrad Süßner könnte den stadtseitigen (West-) Giebel mit dem Tympanon geschaffen haben, Abraham Conrad Buchau den Giebel der Teichfront (Ostseite).
Detailansicht der Ostseite des Palais im Großen Garten Nordostflügel des Palais im Großen Garten
Südfassade des Palais im Großen Garten
Palais im Großen Garten
Bilder: Südfassade (oben und links) und Nordfassade (unten) des Palais im Großen Garten
Nordfassade des Palais im Großen Garten
Palais im Großen Garten

Innenausstattung
Der durch den Mittelrisalit gegliederte Mitteltrakt enthält im Erdgeschoss ein durch Stützen unterteiltes Vestibül und darüber einen zweigeschossigen Saal. Der Festsaal zeigte reich vergoldete Stukkaturen und prächtige Marmorarbeiten. Mit den Deckengemälden von Samuel Bottschildt und Christian Fehling erreichte die barocke Monumentalmalerei in Dresden einen ersten Höhepunkt.

Französische Stukkateure schufen die damals für Dresden neue Ornamentik in den Seitensälen des Palais.

Die vier lebensgroßen, in Stuck gefertigten antiken Allegorien im Hauptgeschoss gingen, wie auch viele andere Schmuckelemente des Palais, bei den anglo-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 verloren.


Kavalierhäuser
Kavalierhaus im Großen Garten
Auch die im Umfeld des Palais zwischen 1684 und 1694 gebauten acht quadratischen Pavillons mit Spiel- und Erfrischungsräumen für die Hofgesellschaft gelten als die ersten ihrer Art in der Dresdner Region. Neu für Dresden waren unter anderem die nach französischem Vorbild gestalteten Mansardendächer. Den ursprünglich eingeschossigen Saalbauten setzte man später noch ein Halbgeschoss auf und nannte sie nun Kavalierhäuser.

Ab 1729 war in vier der Kavalierhäuser die Dresdner Antikensammlung aufgestellt (1786 zog sie dann in das Japanische Palais ein). Durch sie erhielt der berühmte Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann, damals Bibliothekar in Schloss Nöthnitz (südlich von Dresden), wesentliche Anregungen für seine "Geschichte der Kunst des Altertums" (1764).
Kavalierhaus im Großen Garten

Wiederaufbau nach 1945
Bei den Bombenangriffen im Februar 1945 brannte das Palais aus. Das Institut für Denkmalpflege sorgte zunächst für die Sicherung des Mauerwerks, bevor im Jahr 1954 der Wiederaufbau begann. Wegen der Wiederverwendung alter Mauerteile zeigen sich die Fassaden, wie auch bei vielen anderen wiederaufgebauten Sandsteingebäuden Dresdens, als Mosaik dunkler und heller Bereiche.

Auch fünf der acht Kavalierhäuser wurden rekonstruiert. Andere Gebäude im Umfeld des Palais wie einige der ehemaligen Gaststätten erstanden dagegen nicht wieder.

Um 1969 war das Palais äußerlich wiederhergestellt, wirkte aber in den folgenden zwei Jahrzehnten ein wenig vernachlässigt und wurde auch kaum genutzt. Im Jahr 1990 begann die Rekonstruktion der Säle mit Stuck und Kunstmarmor nach alten Plänen. Mit einem bewegenden Konzert in der großen Erdgeschosshalle wurden die Räume im Jahr 1991 der Öffentlichkeit übergeben.

Ab 1990 erfuhr das Palais auch äußerlich noch einmal eine umfassende Restaurierung mit Ergänzung bislang fehlender Fassadenteile.

Detailansicht der Nordfassade des Palais im Großen Garten Detailansicht der Nordfassade des Palais im Großen Garten
Bilder: Detailansichten der Nordfassade des Palais im Großen Garten



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