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Stadtteil Hellerau, Festspielhaus, Landschaftsgebiet Heller Gartenstadt Hellerau
Nach einem Bebauungsplan des Münchner Malers und Architekten Richard Riemerschmid errichteten Hermann Muthesius und Heinrich Tessenow in den Jahren 1909 bis 1913 die erste deutsche Gartenstadt Hellerau. Deren Name ist von dem südlich angrenzenden Landschaftsgebiet Heller abgeleitet. Die Initiative für den Bau dieser "künstlerisch ausgereiften Fabrikanlage" und fortschrittlichen Arbeiterwohnsiedlung ging von Möbelfabrikant Karl Schmidt (1873-1948) aus, dem Gründer der Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. Nach der Fabrikanlage, die hinsichtlich der Luftreinheit, des Raumklimas und der Lichtverhältnisse den damals fortschrittlichsten Ansichten zur Arbeitshygiene entsprach, entstand - beginnend in deren Umfeld im Bereich der Siedlungsstraße "Am Grünen Zipfel" - bis 1913 die Arbeiterwohnsiedlung der Deutschen Werkstätten mit 345 Kleinwohnhäusern. Im Jahr 1913 wohnten etwa 400 Familien in Hellerau. In jenem Jahr wurde die Volksschule fertiggestellt, die nun mit ihrem Turm die Siedlung überragte. Die Gartenstadt Hellerau wurde nach dem Vorbild fortschrittlicher englischer Arbeiterwohnsiedlungen des späten 19. Jahrhunderts (ein Gegenentwurf zu den damals weit verbreiteten Mietskasernen) sowie nach den Prinzipien des romantisierenden Städtebaus und des naturnahen Wohnens gestaltet. Von Hellerau gingen wichtige architektonische, kulturelle und sozialpolitische Anregungen für die Reformbewegung in der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus. Die baugenossenschaftlich verwalteten kleinen hellen Einfamilien- und Reihenhäuser, zu denen jeweils ein kleiner Garten gehört, sollten den Bewohnern auch Sicherheit vor Immobilienspekulationen bieten, deshalb wurde der Grundbesitz vertraglich als unveräußerlich und wertkonstant festgeschrieben. ![]() Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) musste die finanziell angeschlagene Genossenschaft 336 Kleinhäuser in Privateigentum abgeben. Im Jahr 1922 entstand der auch "D-Zug" genannte Straßenzug mit elf zusammenhängenden Einfamilienhäusern, deren Giebel einheitlich zur Straße ausgerichtet sind. Das Hellerauer Rathaus kam im Jahr 1924 hinzu. Zwischen 1929 und 1931 gestaltete Prof. Kolbe, nach Entwürfen von Richard Riemerschmid, den Marktplatz von Hellerau. Die im Jahr 1911 vom Arsenal der Albertstadt bis zum Schänkhübel in Klotzsche verlängerte Straßenbahnlinie erhielt im Jahr 1913 eine Abzweigung zur Hellerauer Post. Um 1935 verlängerte man den Anschluss bis zum Rathaus, im Jahr 1938 dann bis nach Rähnitz. Die 28 Kleinstwohnungen umfassende Siedlung "Am Pfarrlehen" entstand im Jahr 1937. Weitere Neubauten kamen nach 1945 hinzu, unter anderem die "Dessauer Siedlung" am Heideweg. Auch bei diesen Wohnsiedlungen bemühten sich die Architekten um die Wahrung der Hellerauer Bautradition. Heute ist der ganze Ort als Flächenbaudenkmal geschützt. Im Umfeld der Gartenstadt siedelten sich schon bald nach deren Gründung auch wohlhabende Bürger und Dresdner Künstler in Einfamilienhäusern an, wodurch sich Hellerau schnell ausbreitete. Das Stadtrecht erlangte die Siedlung aber nicht. Im Jahr 1919 vereinigten sich Hellerau und Rähnitz. Im Jahr 1950 erfuhr dieser ab 1938 Hellerau II genannte Ortsverband die Eingemeindung nach Dresden. Festspielhaus Hellerau Weil das Konzept der Gartenstadt Hellerau auch ein fortschrittliches kulturelles Leben vorsah, regte Dr. Wolf Dohrn (Mitarbeiter des Gartenstadt-Gründers Karl Schmidt und erster Geschäftsführer des im Jahr 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes) die Ergänzung der Hellerauer Werkstätten und Wohnanlagen durch ein Kulturzentrum an: das im Jahr 1911 nach einem Entwurf von Heinrich Tessenow gebaute Festspielhaus Hellerau. Dieses architekturgeschichtlich bedeutende Bauwerk gilt als ein Vorläufer des Bauhaus-Stils und wurde in seiner Klarheit und funktionalen Struktur richtungsweisend für die neuere Architektur. ![]() Bild: Festspielhaus Hellerau (im Zustand vor der Sanierung) Die auf Vorstellungen des Bühnenbildners Adolphe Appia und des Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze beruhende neuartige funktionale Raumaufteilung des Festspielhauses war wegweisend für den modernen Theaterbau. Zur Innenausstattung gehörten eine inmitten des Zuschauerraumes angeordnete Bühne, ein versenkbarer Orchestergraben, frei veränderbare Sitzreihen und eine vom Bühnenmaler Alexander von Salzmann entwickelte diffuse Raumbeleuchtung mittels rückseitig beleuchteter Tuchbahnen. Wolf Dohrn regte auch die Gründung einer Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik im Festspielhaus an. Als deren Leiter konnte er den Schweizer Tanz- und Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) gewinnen. Mit ihren ab 1911 im Sommer veranstalteten Schulfesten, zu denen bedeutende Künstler wie Rilke, Shaw, Kafka, Reinhardt, Kokoschka, Le Corbusier, Nolde, Rachmaninow und Stefan Zweig nach Hellerau anreisten, wurde die Bildungsanstalt, die mehr als 500 Schüler aus 13 Ländern zählte, weithin berühmt. Sie bestand bis 1914, dann musste Emile Jaques-Dalcroze Deutschland wegen des Ersten Weltkrieges verlassen. Die Tänzerin Mary Wigman, eine seiner Schülerinnen, entwickelte in Dresden in den 1920er Jahren die Kunst des rhythmischen Tanzes zum modernen Ausdruckstanz weiter. Nach 1927 wurde das Festspielhaus auch als Wohlfahrtsschule und Kindergärtnerinnen-Seminar genutzt. Im Jahr 1932 fand hier die vielbeachtete Aufführung von Christoph Willibald Glucks "Iphigenie in Aulis" mit der Staatsoper Dresden unter der Leitung von Fritz Busch statt. In der Zeit des Nationalsozialismus sollte Hellerau zu einem "Bayreuth des völkischen Dramas" und einer "Weihebühne" für die Aufführung völkischer Theaterstücke werden. Nach einigen Umbauten, dem Teilabriss der Pensionshäuser und dem Anbau von Kasernenflügeln diente das Gelände dann jedoch einer Polizeischule. Im Krieg war hier ein Lazarett eingerichtet. Nach Kriegsende übernahm die Sowjetarmee das Grundstück und nutzte das Festspielhaus nun als Lazarett, Sporthalle und Kulturhaus. Im Jahr 1992, nach dem Abzug der GUS-Streitkräfte, gelangte das Festspielhaus in den Besitz des Freistaates Sachsen. Die dringend erforderliche Restaurierung des Gebäudekomplexes begann im Jahr 1994 mit der Sanierung der Pensionshäuser durch die Wüstenrot-Stiftung. Die Europäische Werkstatt für Kunst und Kultur Hellerau e.V. und andere kulturelle Einrichtungen engagierten sich ab 1992 für eine Wiederbelebung der großen Tradition Helleraus als Wirkstätte der künstlerischen Avantgarde Europas. Im Jahr 2002 zog das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik in das Festspielhaus ein. Aus ihm ging im Jahr 2004 das Europäische Zentrum der Künste Dresden hervor. Gründungsintendant war der Dresdner Komponist Udo Zimmermann. Zu den von Hellerau ausgehenden Veranstaltungen gehören die Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik, die zu den international führenden Festivals der Gegenwartsmusik gehören, und das Medienkunst-Festival CYNETart. Die große Hellerauer Tradition des modernen Ausdruckstanzes setzt sich mit dem Tanztheater Derevo und der Forsythe Company fort. Im Jahr 2006 endete die vom Freistaat Sachsen finanzierte Innenrestaurierung des Festspielhauses (die am Entwurf Tessenows angelehnten Rekonstruktionspläne schuf der Münchner Architekt Josef Meier-Scupin). In den Folgejahren erfuhr der gesamte Gebäudekomplex eine umfassende Sanierung.
Landschaftsgebiet Heller Der einst zum Waldland der Dresdner Heide gehörende Heller ist heute ein großes, schwer zugängliches Brachland, das die nördlichen Stadtteile Wilschdorf, Rähnitz, Hellerau und Klotzsche von der Dresdner Neustadt abschneidet. Hier erreicht die Heidesandterrasse mit 2 km ihre größte Breite. Die großen Sandgruben des Heller-Gebietes liefern seit langem Material für den Dresdner Städtebau. Aber auch große Bauschutt- und Abfallhalden prägen seit 1960 das Bild dieser sandigen, kargen Landschaft. Die etwa 50 m dicke Schicht aus Quarz-Heidesand ist in der Tiefe mit Kiesen angereichert. Darunter liegt stellenweise eine bis zu 3,50 m dicke Schicht aus kalkhaltigem Bänderton, der während der Eiszeit (genauer der Saalekaltzeit) aus Osten, wo Granodiorit als Grundgestein ansteht, in das Elbtal eingespült worden war. Zu jener Zeit staute sich die Elbe hinter einer nördlich von Meißen gelegenen Endmoräne. Unter den Sand- und Tonschichten ist grober Flussschotter zu finden, der auf ein ehemaliges Elbe-Flussbett in diesem Bereich schließen lässt. Die mächtigen Flugsanddünen, die die heutige Landschaft des Hellers bestimmen, wurden in der Späteiszeit aufgeweht. Auf dem kargen Sandboden wächst stellenweise, besonders in den Randgebieten zur Dresdner Heide und zur Jungen Heide, Kiefernwald, in den Birken, Stieleichen, Robinien und an etwas günstigeren Standorten auch Rotbuchen eingestreut sind. Ansonsten ist der Heller heute ein großes, von Gestrüpp bewachsenes Brachland. Auf den leichten, sandigen Böden des Südabfalls des Hellerberges (215 m ü. NN), der östlich neben der heutigen Autobahnabfahrt Hellerau gelegen ist, wurde bis um 1850 Weinbau betrieben. Die sandige Hellerterrasse diente lange Zeit als Übungsgelände der sächsischen Armee und blieb auch deshalb weitgehend unbesiedelt. Ab 1827 gab es unterhalb des Hellerberges einen Exerzierplatz. In den Jahren 1925 bis 1935 war im Osten des Hellers, in der Nähe des heutigen Industriegeländes, der städtische Flugplatz in Betrieb, dann breiteten sich hier Kleingartensiedlungen aus. Schänke "Zum letzten Heller" Seinen Namen erhielt das Gebiet Heller von der im Jahr 1716 als Hellerschänke erwähnten Gaststätte "Letzter Heller" oder "Zum letzten Heller". Sie befand sich im Osten der Jungen Heide nahe der Oltersteine. Eine Sage berichtet, dass ein Wanderbursche mit nur noch einem Heller in der Tasche dem Schlangenkönig im nahen Olterteich die goldene Krone stahl, diese verkaufte und mit dem Erlös die Schänke baute. Im Jahr 1956 wurde der Schankbetrieb eingestellt. Im Jahr 1969 brach man das Hauptgebäude ab, im Jahr 1971 dann auch die Nebengebäude, die bis dahin noch von der Hellerauer landwirtschaftlichen Genossenschaft als Scheunen und Ställe genutzt worden waren. ![]() Das Sandsteinportal des Weinkellers der Hellerschänke stammt aus dem Jahr 1688. Seit 1973 befindet es sich am Eingang des Weinkellers der Sekundogenitur an der Brühlschen Terrasse in Dresden. Es ist im Stil des deutschen Frühbarock mit Girlanden- und Skulpturenschmuck gestaltet. Im Giebelfeld über dem als Weinbütte ausgeführten Schlussstein hebt ein weinlaubbekränzter Faun die Trinkschale zum Mund. Das Portal trägt die Wappen und Initialen der Familien von Erdmannsdorff und von Pflugk, die zu den Weinbergbesitzern im Hellergebiet gehörten. nach oben ![]() |