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August der Starke, Barockstadt Dresden (1694-1733)
Architektur | Neue Königsstadt | Hoffeste,Porzellan,Glaskunst...

August der Starke August der Starke um 1723
Bilder: August der Starke (links: Kupferstich nach einem Gemälde von Louis de Silvestre, Mitte: Gemälde eines unbekannten Malers im Museum Stolpen, rechts: August der Starke um 1723)

Dresdner Barock-Architektur
Um dem Repräsentationsbedürfnis des Kurfürstlich-Königlichen Hofes unter Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke; zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) gerecht zu werden, nahm die Stadt Dresden künstlerische Einflüsse sowohl des norddeutschen wie auch des süddeutschen Barocks begierig auf, ebenso französische Vorbilder (Ludwig XIV.) und italienische Einflüsse. Am Hofe Augusts des Starken waren hervorragende Künstler - Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker - von europäischem Ruf und bedeutende Barock-Architekten, die ihr Fach in großen Städten Europas studiert hatten, tätig. Dieses weltoffene künstlerisch-kulturelle Leben am Dresdner Hof brachte prächtige Barockbauten und reich ausgestattete Kunstsammlungen hervor.

Der Barockstil war zu dieser Zeit bereits im Ausklingen begriffen, so dass man vom Spätbarock sprechen muss. Zu den heute noch bestehenden Zeugnissen der barocken Baukunst in Dresden gehören der Zwinger, das Taschenbergpalais, die Katholische Hofkirche, die Frauenkirche, das Coselpalais und das Kurländer Palais, in der Neustadt das Japanische Palais, das Barockhaus und das Blockhaus. Im Umland blieben z.B. in Pillnitz, Moritzburg und Großsedlitz barocke Bauwerke und Gärten erhalten.

Der im westfälischen Herford geborene Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736), einer der bedeutendsten Barock-Baumeister seiner Zeit, war im Jahr 1680 nach Dresden gekommen. Sein Meisterwerk ist der ab 1709 errichtete Dresdner Zwinger, eine der großartigsten Schöpfungen barocker Baukunst nördlich der Alpen. Auf Pöppelmanns Plänen beruhen unter anderem auch das Wasser- und das Bergpalais von Schloss Pillnitz (1720 bis 1724) und der barocke Umbau von Schloss Moritzburg (1722 bis 1727). Im Jahr 1718 wurde er Oberlandbaumeister, also Leiter des Oberlandbauamtes und somit oberster Aufsichtsbeamter über alle Profanbauten Sachsens.

Der prächtige figurale Schmuck des Zwingers stammt von Balthasar Permoser (1651-1732), dem genialen Bildhauer des Dresdner Barock, der nach seiner Ausbildung in Salzburg, Wien und Italien, wo er sich an den Werken Michelangelos und Berninis schulte, im Jahr 1689 von Kurfürst Johann Georg III. als Hofbildhauer nach Dresden berufen worden war.

Im Jahr 1705 gründete sich in Dresden die Malerakademie (ab 1764 hieß sie Königlich-Sächsische Akademie der Bildenden Künste oder kurz Kunstakademie, im Jahr 1950 ging sie mit der seit 1875 bestehenden Kunstgewerbeakademie zur Hochschule für Bildende Künste zusammen).

Neue Bauordnungen wie die von Graf Flemming (die 13 "Flemmingschen Baupunkte" von 1708) und von Johann Friedrich Karcher (1710) regelten die Umwandlung der einstigen Renaissance-Stadt Dresden in eine Barockstadt. Dabei verschwanden leider viele der schmalen Giebelhäuser der Gotik und Renaissance. Die Bauordnung von 1720 forderte die ausschließliche Steinbauweise und schrieb die Anzahl und Höhe der Stockwerke sowie eine Vereinheitlichung der Verputzfarbe vor. Sie kam vor allem beim barocken Wiederaufbau der Neuen Königsstadt (Neustadt) zur Anwendung, aber auch im Bereich des Neumarktes entstanden neue Straßenzüge mit einheitlichem Erscheinungsbild.

Den Neubau eines Barockschlosses erlaubten die begrenzten finanziellen, materiellen und personellen Kapazitäten des Sächsischen Hofes weder für die Altstadt noch für die Neustadt. Das Residenzschloss blieb ein Renaissance-Schloss. Auch solche Renaissance-Bauwerke wie das Stallgebäude, der Lange Gang, der Georgenbau und das Zeughaus (der Vorgängerbau des Albertinums) wurden nicht barock umgebaut.

In der Altstadt blieb, anders als in der Neuen Königsstadt (der späteren Neustadt), auch die mittelalterliche Anlage der Straßen und Plätze weitgehend erhalten. Es kam also nicht zur barocken Überbauung dieses Stadtteils mit großen, von Palaisbauten gesäumten Prachtstraßen. Das lag wohl auch daran, dass sich in Dresden das (protestantische) Stadtbürgertum, der Rat und die Zünfte, die durch Handel und Gewerbe einen beträchtlichen Wohlstand erlangt hatten, eine große Eigenständigkeit gegenüber dem nun katholischen Hof bewahrten und es sich leisten konnten, einen solchen Stadtumbau im Barockstil, der aus der römisch-katholischen Architekturtradition erwuchs, nicht zuzulassen.

Kunst und Kultur waren auch nicht ausschließlich auf den Kurfürstlich-Königlichen Hof beschränkt. Bedeutende Kunst- und Bauwerke wie die neue Frauenkirche entstanden in bürgerlichem Auftrag und in einem vom Bürgertum vorgegebenen oder akzeptierten Stil. Somit zeigt sich die Frauenkirche auch ganz anders als die etwa zur selben Zeit auf Bestellung des Hofes gebaute Katholische Hofkirche.

Neben den begrenzten finanziellen Mitteln war es auch die Achtung vor den Leistungen der Renaissance-Baumeister, weshalb man auf den barocken Umbau der großartigen Anlage des Renaissance-Schlosses verzichtete. Einige Teile des Schlosses wie z.B. ein vierter Treppenturm im Hof, der durch einen Brand teilzerstörte Ostbereich des Schlosses und vieles der Innenausstattung des Grünen Gewölbes wurden auch von den großen Barock-Baumeistern sorgfältig im Stil der Renaissance ergänzt oder restauriert.

Das in den Jahren 1706 bis 1711 südwestlich des Schlosses nach Entwürfen von Karcher und Pöppelmann errichtete Taschenbergpalais zeigt einen Baustil, der als Übergang in der Dresdner Architektur vom Stil des deutschen Barock (z.B. Palais im Großen Garten von Johann Georg Starcke) zum Stil des römischen Barock (Pöppelmanns Zwinger) gesehen werden kann.

Im Jahr 1709 begannen Matthäus Daniel Pöppelmann und der geniale Bildhauer Balthasar Permoser mit dem Bau des Dresdner Zwingers. Dieses Meisterwerk der Barockbaukunst blieb aus finanziellen Gründen unvollendet - konnte also nicht wie geplant mit einer großartigen, bis zur Elbe reichenden Schlossanlage erweitert werden (erst viel später kam Gottfried Sempers Gemäldegalerie als Abschluss der Elbseite des Zwingers hinzu).

Der Bau des Zwingers war wegen des drängenden Termins der Hochzeit des Kurprinzen im Jahr 1719 enorm beschleunigt worden. Anlässlich dieses Festes wurde auch Pöppelmanns neues Opernhaus südlich des Zwingers eröffnet. Mit 2000 Plätzen war es damals eines der größten Opernhäuser Deutschlands (es brannte beim Maiaufstand 1849 ab und wurde danach abgerissen). Auch das Holländische Palais in der Neustadt (das spätere Japanische Palais) und wiederhergestellte Teile des Residenzschlosses wurden anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen festlich eingeweiht.

Ein Teil der Kurfürstlichen Kunstsammlungen zog schon im Jahr 1728 in den Zwinger ein. Dieser Teil der Sammlung gehört heute zum Mathematisch-Physikalischen Salon, dem Museum der Instrumentenkunst, das aus der im Jahr 1560 von Kurfürst August gegründeten Kurfürstlichen Kunstkammer hervorging.

Der Zwinger war durch das direkt im Süden angebaute Opernhaus mit dem Taschenbergpalais verbunden. Somit war der höfische Bereich Dresdens nun auch nach Westen mit großen herrschaftlichen Bauten abgeschlossen. Die Generäle Flemming und Wackerbarth waren allerdings wenig erfreut darüber, dass die Stadtfestung nun durch die Langgalerien des Zwingers geöffnet war.

Im Jahr 1717 begann der Wiederaufbau des im Jahr 1701 durch einen Schlossbrand zerstörten Ostflügels des Residenzschlosses mit dem Riesensaal sowie des ebenfalls beschädigten Georgenbaus. Diese Bauwerke wurden im Stil der Renaissance, allerdings in einer etwas vereinfachten Weise, wiederhergestellt.

In den Jahren 1723 bis 1729 ließ August der Starke die im Westflügel des Residenzschlosses, im Grünen Gewölbe, untergebrachte Kurfürstliche Schatzkammer von Matthäus Daniel Pöppelmann, Raymond Le Plat und Zacharias Longuelune umbauen und als Museum einrichten. In dieser Zeit erfuhr das Grüne Gewölbe eine enorme Bereicherung mit Kostbarkeiten aus ganz Europa. Die Fülle der mit Edelsteinen überladenen Prunkstücke - einige der kostbarsten wurden vom berühmten Dresdner Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger gefertigt - machte das Grüne Gewölbe zu einer der reichsten Schatzkammern der Welt.

Zwischen 1727 und 1731 ließ August der Starke die Elbbrücke (bis zum Bau der Marienbrücke im Jahr 1847 die einzige Dresdner Elbbrücke) von Matthäus Daniel Pöppelmann neu aufbauen. Als Vorbild diente wahrscheinlich die Prager Karlsbrücke. Nach ihrem Bauherrn - August dem Starken - hieß die Dresdner Elbbrücke nun Augustusbrücke. (Die heutige Augustusbrücke entstand in den Jahren 1907 bis 1910 nach dem Vorbild der Pöppelmann-Brücke.)



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