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Pirnaische Vorstadt
www.sonnpark.de    Eliasfriedhof

Die Pirnaische Vorstadt erstreckt sich zwischen der Elbe, der Güntzstraße, den Grünanlagen Bürgerwiese, Blüherpark und Güntzwiesen und der St. Petersburger Straße.

Durch dieses Gebiet verlief ein alter Elbarm (von Striesen her über Holbein- und Dürerstraße), in dem noch bis 1875 der Landgraben floss - ein Entwässerungsgraben, der in Kriegszeiten auch Verteidigungsfunktionen besaß. Die Aulehmablagerungen in diesem Elbarm wurden schon sehr früh in Lehmgruben abgebaut. Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren in der Pirnaischen Vorstadt mehrere Ziegeleien in Betrieb. Die Rats- und Amtsziegelscheune befand sich nördlich der Ziegelstraße.

Im Mittelalter gab es hier nur ein paar vereinzelte Häuser an der Rampischen Straße (später Pillnitzer Straße) und der Pirnaer Straße. Nach der Erweiterung der Stadtfestung ab 1520 siedelten sich dann zahlreiche Ackerbürger und Gärtner sowie auch Fischer (Fischergemeinde am Elbberg) hier an. Der Böhmische Holzhof war ein Stapelplatz für geflößtes Holz. Bereits 1703 gab es die erste Apotheke in der Vorstadt - Vorgänger der späteren Mohrenapotheke am Pirnaischen Platz.

Im Pestjahr 1680 legte die Kreuzkirch-Gemeinde einen Pestfriedhof am Ende der Ziegelstraße an - den Eliasfriedhof. Dieser war zunächst ein Armenfriedhof, bis man ihn zwischen 1721 und 1725 erweiterte und mit Grüften ausstattete. Hier fanden auch solche bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte wie der Gründer der Technischen Bildungsanstalt Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1796-1840), Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer (1757-1842), der Begründer der Güntzstiftung Justus Friedrich Güntz (1801-1875) und Justine Renner, geb. Segedin (1763-1855), die berühmte Gustl von Blasewitz.

Im Siebenjährigen Krieg vernichteten die Preußen die Pirnaische Vorstadt fast vollständig. Allein am 10. November 1758 brannten sie hier 256 Häuser nieder. Auch die Schlacht bei Dresden im August 1813 tobte teilweise hier in der Vorstadt - an den französischen Schanzen und im Großen Garten - und ließ beträchtliche Schäden zurück.

Nach dem Abbau der Dresdner Festungswerke und des Pirnaischen Tores in den Jahren 1820/21 entstanden auf dem ehemaligen Vorgelände der Festung mehrere Häuserreihen mit Gärten sowie größere Gärtnereien.

Um 1870 entwickelte sich die Vorstadt zu einem Geschäfts- und Wohnviertel. Zur Pillnitzer Straße und Ziegelstraße kamen neue Straßen (-durchbrüche) hinzu: z.B. die Marschallstraße im Norden (nach 1945 nicht wieder angelegt) und ab 1880 die Grunaer Straße, die zur wichtigsten Ausfallstraße Dresdens nach Osten wurde. Die Albertbrücke wurde zwischen 1875 und 1877 gebaut. Die südliche Pirnaische Vorstadt vor dem Großen Garten blieb zunächst noch eine offene Grünfläche. Eine Bebauung war hier auch wegen des alten Johannisfriedhofes nicht möglich, bis dieser nach Tolkewitz verlegt wurde.

Im Südwesten der Pirnaischen Vorstand entstanden mehrere wichtige öffentliche Gebäude: die Kreuzschule, die Altstädter Höhere Mädchenschule, die Volksschule am Georgplatz, die Turnlehrerbildungsanstalt, das Christliche Hospiz und das Vereinshaus mit einem der wichtigsten Konzertsäle Dresdens. Ansonsten gab es in der Pirnaischen Vorstadt noch das Residenztheater an der Zirkusstraße, das Künstlerhaus an der Albrechtstraße und den Palmengarten an der Pirnaischen Straße. Von diesen Gebäuden ließen die anglo-amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 nichts stehen.

Nach 1945 wuchs nördlich der Grunaer Straße, wo kaum etwas von der alten Bausubstanz erhalten geblieben war, ein Wohngebiet heran, das heute als Pirnaische Vorstadt im engeren Sinne gilt. Von den Gebäuden aus der Zeit vor 1945 sind noch die Tierärztliche Hochschule (Zirkusstraße), die Musikhochschule an der Blochmannstraße und das Amtsgericht an der Lothringer Straße zu finden. Letzteres war bei den Bombenangriffen im Februar 1945 teilweise abgebrannt.

Vor allem, um die technischen Leitungssysteme im Untergrund weiter nutzen zu können, behielt man die alte Straßenführung der Pirnaischen Vorstadt weitgehend bei.

Der Wohnungsbau begann 1951 an der Grunaer Straße und verlief in mehreren Etappen, die heute noch an den unterschiedlichen Bauweisen erkennbar sind. In diesem Wohnviertel spiegeln sich die geringen technischen Möglichkeiten der Bauindustrie in den 1950er Jahren wieder. Um die Kosten für den Abbruch der alten Hauskeller einzusparen, baute man die vier- bis fünfgeschossigen, sehr einfach gestalteten Häuser in einigem Abstand zur Straße. Davor, auf den alten Hausfundamenten, legte man breite Grünstreifen an.

An der sehr breit ausgebauten Nord-Süd-Verkehrsachse St. Petersburger Straße (früher Christianstraße) entstanden zwei zwölfgeschossige Punkthäuser nahe der Elbe, außerdem eine achtgeschossige Wohnhauszeile mit farbigen Keramiken an der Fassade und weiter südlich später einige Werksbauten für die elektronische Industrie der DDR (VEB Robotron).

Pirnaischer Platz, aus Richtung Wilsdruffer Straße gesehen
Westseite des Pirnaischen Platzes
Bild oben: Pirnaischer Platz, aus Richtung Wilsdruffer Straße gesehen; Blick nach Osten in die Grunaer Straße, rechts ein ehemaliger ROBOTRON-Werksbau

Bild links: Gebäude an der Westseite des Pirnaischen Platzes (am Ausgang der Wilsdruffer Straße)
Denkmal für den Dichter und Freiheitskämpfer Theodor Körner
Die St. Petersburger Straße führt in großer Breite über den Pirnaischen Platz, wo bis 1945 die Ringstraße, die Johannesstraße und die Amalienstraße verliefen, hin zur Carolabrücke (in der Zeit der DDR Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke genannt). Die beiden Skulpturen "Elbe in Ruhe" und "Elbe in Bewegung" stehen noch an ihrem ehemaligen Standort, dem einstigen Rand der Auffahrt zur Carolabrücke, wirken heute aber etwas verloren in der Weite des Verkehrsraumes.

Im Süden der Pirnaischen Vorstadt wurden nach dem Krieg das Hygienemuseum und die Sportanlagen auf den Güntzwiesen wieder aufgebaut. Auch die Bürgerwiese und der Blüherpark wurden teilweise wieder hergestellt. Auf dem vor dem Krieg dicht bebauten Gelände südlich des Pirnaischen Platzes und der Grunaer Straße ziehen sich nun große Wiesenflächen hin.


Bild: Denkmal für Theodor Körner, den Dichter und Freiheitskämpfer im Napoleonischen Krieg; es steht an der Einmündung der Straße Bürgerwiese in die St. Petersburger Straße

Amtsgericht am Sachsenplatz
Amtsgericht am Sachsenplatz
Lage: Sachsenplatz (Lothringer Straße)
Bauzeit: 1888-1892
Architekt: Arwed Rossbach
Merkmale: Vierflügelbau im Stil eines Florentiner Renaissance-Palastes
Nutzung: Landgericht

Skulptur am Portal des Amtsgerichtes
Bilder: Allegorische Figuren "Wahrheit" und "Gerechtigkeit" von Johannes Schilling am Portal des Amtsgerichtes (Sachsenplatz)
Skulptur am Portal des Amtsgerichtes



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